Die perfekte Mutter
Leider lässt es sich ja nicht vermeiden, dass im Forum fast immer SS-Werbung angezeigt wird, irgendwie muss das ganze ja schließlich auch finanziert werden. Meistens ignoriere ich die auch einfach, aber eine bestimmte ärgert mich in den letzten Tagen massiv. Und zwar diese:
Es gibt also perfekte Mütter und Tanja Szewczenko ist eine von ihnen. Und um diesem Ideal zu entsprechen ist die Einlagerung von Nabelschnurblut ein wichtiger Baustein. Der Nutzen einer solchen Maßnahme ist nach wie vor umstritten, die Vermutung liegt nahe, dass es hier in erster Linie darum geht, mit verunsicherten Eltern Geld zu verdienen. Und genau diese Werbung unterstreicht diese Vermutung nur allzu deutlich: Hier wird intendiert, dass es das Ziel aller werdenden Mütter sein muss perfekt zu sein. Wenn sie dieses Ideal nicht anstreben und für einen Haufen Geld Nabelschnurblut einlagern lassen, handeln sie mindestens fahrlässig, wenn nicht sogar böswillig und schaden somit ihrem Kind. Und wer lässt sich schon gerne nachsagen nicht alles für das geliebte Kind getan zu haben? Schon gar nicht, wenn der Weg dort hin so beschwerlich war.
Mich nervt diese gesamte Ideologie der guten und perfekten Mutter gewaltig. Das Leben ist nicht perfekt, das Leben mit Kindern vermutlich noch weniger. Da muss nicht auch noch die Gesellschaft, Gesundheitsindustrie oder wer auch immer mit erhobenem Zeigefinger stehen und zusätzlichen Druck aufbauen: wer nicht stillt ist eine Rabenmutter, wer schnell Vollzeit arbeiten will auch, wer nicht arbeitet ist faul, und wer es wagt bei all dem nicht mit einem fröhlichen Von-der-Leyen-Lächeln durch das Leben zu gehen ist eine Schande für alle Mütter, ganz Deutschland und überhaupt. Die Väter sind und bleiben weiterhin abwesend.
Und wer keine Mutter ist, ist eigentlich auch gar keine “richtige” Frau, ist egoistisch, verstockt oder schlicht zu doof zum Kinderkriegen. Wird mit mitleidigen Blicken bedacht oder mit dem dezenten Hinweis, dass es dann jetzt aber auch mal langsam Zeit wird. Die Frage aller lautet nie OB ein Kind geplant ist, sondern WANN. Und wenn es halt nicht klappen will, dann adoptiert man halt schnell mal eben eines. Ach, ich sollte diesen Post an dieser Stelle wohl besser abbrechen und was arbeiten, das artet sonst nur aus…
Stichwörter: die perfekte Mutter, WerbungEingeordnet in: Allgemein | 4 Kommentare
4 Kommentare zu “Die perfekte Mutter”
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Weißte.. ich will ja nicht gemein sein. Aber die gute Tanja wird noch ihre Grenzen kennenlernen.. Auch die perfekte Mutter wird erleben, wie bösartig Hormone ihren Körper beeinflussen und dann wird sie Versagensängste haben- Babyblues sei Dank. Auch sie wird in den Genuss von Nächten kommen, in denen sie keine Minute Ruhe hat und sich wie Erbrochenes fühlt am kommenden Tag. Sie wird stundenlang ein Kind mit Mittelohrentzündung rumschleppen und es immer wieder küssen und drücken, weil das kleine Ding vor Schmerz nicht weiß wohin. Sie wird ein bockendes Einjähriges durch den Supermarkt scheuchen. Später erkennen, dass bockige Einjährige harmlos sind gegen den Trotz von 2 und 3jährigen..
Und genau das sind die Dinge, die sie zu einer guten Mutter machen werden..
Ach nee.. vllt doch nicht, wenn das Kindermädchen das übernimmt? Aber wenigstens ist das Kindermädchen dann eine gute Mutter?!
Sorry- vllt ein bisschen OT.. aber ich finde auch, dass zum Muttersein MEHR gehört als Stammzellen…
Was du brauchst, heißt Adblock Plus. Ich finde Werbung im Prinzip ok, aber Schwangerenwerbung im KiWu-Forum – nee, die muss ich mir nicht antun. Da spende ich lieber mal direkt etwas.
Danke für den Tip. Aber mir ging es ja in erster Linie um die Haltung hinter dieser Werbung. Und die verschwindet ja nicht, wenn ich sie nicht mehr sehe. Okay, ich rege mich dann immerhin nicht mehr drüber auf. Aber das Geschwätz von der perfekten Mutter nervt mich ja auch an anderen Stellen.
@ kleinkruemel: Das mit der Spende in allen Ehren. Aber wer Internetangebote umsonst nutzt und das mit einem Adblocker, der hat das dem zugrundeliegende Prinzip nicht verstanden.
@ Grinsekaetzchen: Ich kann den Ärger nachvollziehen und habe ja auch bereits in einigen Beiträgen darauf hingewiesen, dass die Nabelschnurbanken leere Versprechen machen.