19.02.12

Alles in Ordnung?!

geschrieben in Allgemein um 21:27 von felia

Mein Freund hat diese Woche seine Therapiesitzungen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Seinem Therapeuten gegenüber begründete er es damit, dass es ihm momentan gut geht und er nicht weiß worüber er reden soll. Das passiert zu einem Zeitpunkt an dem ich mir so gut wie täglich den Kopf zerbreche ob ich mich unglücklich mache, indem ich bleibe oder ob ich mein Kind unglücklich mache, indem wir ausziehen. Er liebt seinen Vater, er braucht seinen Vater und ich sehe dieses überschäumende Strahlen am Wochenende, wenn er merkt, dass er uns beide für den ganzen Tag haben kann. Oft wird hier Zeter und Mordio geschrien, wenn uns einfällt, dass nur einer von uns ihn ins Bett bringt. Am liebsten ist ihm einfach, wenn wir zu dritt sind, doch genau das löst in mir ein Gefühl der Ausweglosigkeit aus, denn dann ist mir klar, dass ich nicht gehen kann. Auf der anderen Seite merke ich, dass in mir die Verzweiflung zunimmt. Wir leben nebeneinander her, sprechen grade so über das Nötigste, selbst wenn wir Zeit für uns alleine haben schweigen wir uns nur an. Es herrscht eine lieblose Atmosphäre, in der sich wegen Kleinigkeiten riesige Vorwürfe gemacht werden. Über Probleme reden, sich bei dem anderen anlehnen gibt es nur in Ausnahmefällen. Und es gibt Streit… viel zu oft, viel zu laut, viel zu heftig und unser Sohn bekommt das auch noch fast immer mit. Das ist die Kehrseite bei der ich mir denke, dass ich ihm das unmöglich antun kann. Wenn ich sehe, dass er schlecht träumt frage ich mich, ob er wohl von seinen Eltern träumt. Jannik entdeckt momentan seinen eigenen Willen und es wird schon mal gehaun, wenn ihm irgendwas nicht passt (gegenüber uns oder anderen Kindern). Auch da frage ich mich, ob das noch ein normales Maß hat oder ob unsere Aggressivität abfärbt. Ich ertrage den Gedanken nicht unser liebes Goldkind zu verderben. Ich sehe aber auch keine Möglichkeit mich nicht zu streiten. Natürlich sind es immer dieselben Themen und auf Nummer 1 steht unangefochten der Haushalt, dem ich nicht mehr Herr werde. Keine Schublade, kein Schrank, keine Nische, die vor meinem Freund sicher wäre. Überall werden wahllos Dinge abgelegt, die dort nicht hingehören und überall ein Bild des Chaos verursachen unter dem ich leide, vor allem weil ich nicht in der Lage bin es zu beseitigen. Mit viel Zeit und Energie schaffe ich es, einige Ecken wieder in einen einigermaßen ansehnlichen Zustand zu versetzen, da wird die andere Ecke aber schon von neuem zugemüllt. In diesem Durcheinander möchte ich eigentlich auch kein Kind aufwachsen sehen. Manchmal denke ich mir, eine Putzfrau könnte für eine gewaltige Entlastung sorgen und Spannung rausnehmen, aber es geht bei uns ja weniger ums Putzen als um die generelle Ordnung. Eine andere Idee war wieder zur Paarberatung zu gehen, allerdings hat sich die Beraterin auf meine Email nun seit über 3 Monaten nicht gemeldet und wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich auch gar nicht, ob ich das überhaupt will. Inzwischen sehe ich das einfach sehr pessimistisch. Da haben wir in der Schwangerschaft endlos viel Zeit in irgendwelchen Sitzungen verbracht und ich frage mich, was hat es unterm Strich gebracht, wenn wir jetzt schon wieder da sind wo wir uns gerade befinden.

Aber scheinbar mache ich mir diese Gedanken alleine, denn sonst hätte er nicht gerade jetzt seine Therapie abgebrochen. Zu mir sagte er, er wolle vielleicht wieder damit anfangen, wenn er Ziele gefunden hätte, die er damit erreichen will, aber nicht bis er diese nicht gefunden hätte. Komischerweise müsste ich aber nicht lang überlegen, um Ziele zu finden oder merkt er wirklich nicht in welchem Zustand sich unsere Beziehung befindet? Zugegeben ich hab oft genug auf seinen Therapeuten geschimpft, weil ich das Gefühl hatte, dass da ein Konzept fehlt und da außer einem Plauderstündchen nicht viel passiert. Von daher hätte ich es sehr begrüßt, wenn mein Freund zu jemand anderem gegangen wäre, der ihn hilfreicher unterstützen kann, aber das ist ja nicht der Fall und mich irritiert vor allem der Zeitpunkt. Am Valentinstag hatte er doch tatsächlich geplant, mir einen Antrag zu machen. Einen Antrag? Jetzt? Ich versteh es nicht. Zum Glück hat er sein Vorhaben schon durch Andeutungen erahnen lassen und ich habe ihm dann mit gewählten aber deutlichen Worten erklärt, dass dies für mich nicht der richtige Zeitpunkt wäre. Man möchte meinen, dass dies vielleicht durchaus ein Ereignis ist, das in einer Therapie besprechungswürdig wäre, aber er meinte zu mir, dass er daran schon gar nicht mehr gedacht hat. Da stellt sich mir langsam die Frage, was eigentlich in ihm vorgeht.