26.08.10
Als Mann im Kinderwunschzentrum
Der Mann in der Kinderwunschklinik: ein Alien? unter diesem Titel veröffentliche “Gyne – Fachzeitschrift für den Arzt der Frau” in Ausgabe 06/2010 einen Artikel von Tom Feibner, vielen hier eher bekannt als “Tastentiger”.
Das fängt schon bei den im Wartezimmer ausliegenden Zeitschriften an – wenn Mann Glück hat ist der Spiegel dabei, ansonsten die ganze Palette an Hochglanz-Frauenzeitschriften. Ich kenne jetzt jedenfalls diverse Ausgaben der Brigitte – die noch irgendwie einzige Zeitschrift neben dem Spiegel mit der ich was anfangen konnte. Toll! Es geht weiter mit den Untersuchungsräumen – es ist immer ein Stuhl/Hocker zu wenig da.
Bei unserem ersten Besuch wurden wir wieder weg geschickt: “So lange Sie keine Spermien haben können wir nichts für sie tun.” Ich dachte die hätten in der Praxis eine Andrologie?
Na, wenigstens gibt es eine Toilette für die Männer, was wohl nicht unbedingt selbstverständlich ist. Das “Allerheiligste” in der einen uns bekannten KiWu-Praxis aus männlicher Sicht ist die Andrologie. Wirklich, die gibt es, ich war ganz verblüfft! Warum hatten die uns beim ersten Mal wieder weg geschickt? Hatte mich meine Erinnerung doch nicht getrogen. Die ist ganz oben unterm Dach des KiWuZ. Aber nun glaubt mal nicht, daß es auch nur einen Andrologen, den Arzt zur Disziplin, vor Ort gibt. Nein, da arbeiten nur Frauen, alle nicht-ärztliches Personal. Eine Umgebung die auf pseudo-männlich getrimmt ist – durch großformatige gerahmte Poster von Rennwagenfahrern hinterm Steuer an der Wand. In den sterilen “Spenderräumen” einen Aktkalender und ziemlich abgegriffene Schmuddel-Zeitschriften. Toll!
Ja zum Henker der Mann ist ein Alien im KiWu-Zentrum. Ein Fremdkörper der auf Zuruf zu funktionieren hat und seinen Samen, sofern er denn welchen hat, in ein anatomisch äußerst unpraktische Gefäß hinein zu befördern hat. So zum Vergleich für die Damen: Schon mal ein Becher auf den Kopf gestellt und dann versucht da rein zu pinkeln? Das geht nicht weil’s wieder raus läuft würden jetzt viel sagen – das geht aber auch aus anatomischen Gründen nicht wirklich. Genau so wäre es aber zumindest für das männliche Geschlecht leichter den Probenbecher zu befüllen – war da nur das Problem mit dem Rauslaufen und das Mann den Becher von innen nicht berühren darf – kommt mir immer wieder so vor wie dieses Spiel bei dem man einen Ring entlang eine geschlungenen Metalldrahtes bewegen muss und wenn man ihn berührt klingelt es/eine Lampe leuchtet auf – verloren, neuer Versuch. Nur in diesem Fall im “Spenderraum” hat mann nur einen einzigen Versuch der sitzen, äh treffen muss. Diese Prozedur ist einfach nur herab würdigend – mehr dazu habe ich schon an anderer Stelle geschrieben. Die Versagensängste in dem einen Moment, in dem es wirklich drauf ankommt ein wenig Ejaklulat beizusteuern, in dem noch möglichst viel bewegliche Spermien drin sind (was Mann nun wirklich nicht direkt beeinflussen kann) sind schon enorm.
Es wird negiert, daß das Ganze auch eine psychische Belastung ist. Für mich ist dieses Blog ein Ventil, aber mit wem zu Henker kann ich darüber reden? Mir ist immer noch kein Forum bekannt in dem ich mich mit anderen betroffenen Männern austauschen kann. Ich kann die Männer so gut verstehen, denen das ganze Kinderwunschtheater zu blöd wird und anfangen zu blocken. Mann wird kaum eingebunden und darf vom Rand aus zuschauen – selbst wenn er der Grund für die Kinderwunschbehandlung ist. Ich fühle mich einfach nur hilflos wenn ich die ganzen Behandlungen sehe, die meine Frau dabei über sich ergehen lassen muss.
Warum nur, warum kann nicht einfach alles ganz normal sein? Ich muss mir keine Hormone in die Speckschwarte hauen. Ich muss nicht alle 3 Monate zum Endokrinologen. Ich habe einfach ein ganz normales Spermiogramm. Meine Frau analog genauso.
Ich will zum Henker nochmal ein spießiger Normalreproduzierer sein!
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Und nein, ich will kein Mitleid, ich will ein Kind (oder auch zwei oder drei)!
Stichwörter: Frust, KiWuZ, Leben, Wartezimmerstudien

Aktion Kinderwunsch
Maya schreibt:
Donnerstag, 26 August 2010 um 19:43
ach man ist doch alles scheiße….du hast doch mittlerweile sehr viel erfahrung sammeln müssen (leider), da wäre eine eigene “gruppe” doch genau das richtige. nur schade, das man sowas nicht von heut auf morgen umsetzen kann…hm
ich drück trotzdem weiter daumen
lg maya
Sheepchen schreibt:
Freitag, 27 August 2010 um 09:49
Mmh.. Remis..
Auch wenn dus gar nicht haben willst- Ich habe Mitleid mit dir..
Und ich finde deine Sichtweisen immer sehr aufschlussreich.
Beim Thema KiWu denkt man an eine Frau, die gebrochen ist aufgrund ihrer Infertilität. “Die Arme”.
Und wenn ich in mich gehe- auch wenn es nicht das Selbe ist- dann denke ich an meinen Liebsten wärend der Entbindung unseres Sohnes. Pure Hilflosigkeit. Mitgezerrt und irgendwie machtlos. (was soll er da auch anderes machen)..
Nun- in unserem Fall gab es ein klares, lohnenswertes Ziel. Aber auf dem Weg dahin so hilflos zu sein, stelle ich mir sehr schwierig vor.
Ich wünsche dir, wie immer, dass du da bald raus bist. Oder eines morgens aufwachst, deine Liebste vernaschst und ihr dabei Zwillinge machst. Oder mehr..
Ich drück dich
swchen schreibt:
Freitag, 27 August 2010 um 13:04
ach je, ich lese so viel verzweiflung aus deinem eintrag
ich selbst kenne kein kiwu-zentrum von innen, aber das ist ja regelrecht schrecklich, wenn so ein zentrum nicht zu 50% auf frau und 50% auf mann eingerichtet ist
bringt es etwas, dort mal seinem ärger luft zu machen? gibts da keine chefs, die dort das sagen haben und etwas ändern könnten? “darf” man sich dort das aufmucken trauen? oder geht das nach hinten los?
ich werde weiter für euch hoffen!
lg. swchen
sonnie schreibt:
Sonntag, 29 August 2010 um 14:00
auweia…das kann ich ja so gar nicht verstehen.
Bei meinem Frauenarzt gibt es von Cosmopolitan über Eltern, kicker und Auto-Bild so quer durchs Beet eigentlich alles (neben den Werbegeschenken von Pharmavertretern, die da “zum Mitnehmen” stehen), und da sind ja eigentlich weniger Männer als in so ‘ner KiWu-Klinik…
Ich drück die Daumen (für möglichst wenig nötige Hilfe von aussen)
Vater (und Mutter) werden ist nicht schwer? » Blog Archive » Die Andrologie in der Uniklinik schreibt:
Mittwoch, 22 September 2010 um 18:46
[...] Morgens ca. 40 km zum Urologen und Abholen abholen der Überweisung dann direkt noch ca. 25 km weiter zur Uniklinik. Für die gleiche Strecke habe ich heute eine halbe Stunde länger gebraucht als am Montag, weil, ja warum eigentlich? Auf dem Weg in die Andrologie bin ich schnurstracks in die Klinik für Urologie hinein spaziert und war falsch. Die Andrologie befindet sich im gleichen Gebäude wie die Reproduktionsmedizin in direkter Nachbarschaft zur Urologie. Whow, ich bin beeindruckt – eine klare Trennung von Urologie und Andrologie und eine Andrologie die den Namen verdient – es arbeiten da doch tatsächlich Ärzte (was nicht selbstverständlich ist)! [...]
wuki43085 schreibt:
Freitag, 24 September 2010 um 12:02
Ein guter Artikel.
. Ich wünsche euch – wie auch uns
– baldigen Erfolg. Die Schinderei muss sich doch irgendwann auszahlen…
Zwar scheint unser Kiwu-Zentrum um einiges fortschrittlicher zu sein – auch was die “Männertauglichkeit” betrifft, aber dennoch ist Mann immer irgendwie außen vor. Einerseits beneide ich euch ja schon. Keine Spritzen, keine ständigen US, keine Punktion und kein ständiges In-sich-Hineinhorchen nach TF. Andererseits merke ich auch an meinem Mann, wie belastend es sein muss, immer nur “zuschauen” zu können – vor allem, wenn man der so genannte Verursacher” ist
LG, Floy
remis schreibt:
Freitag, 24 September 2010 um 12:07
Du irrst dich – zumindest was mich betrifft. Ich spritze mir seit eineinhalb Jahre wöchentlich 5 Spritzen
siehe diesen Beitrag und chronologisch folgende…
http://wunschkinder.net/tagebuch/wuki60735/2008/12/18/der-endokrinologe/
Danke für die Wünsche – euch das Gleiche!