21.09.09

Journalistenversagen – offener Brief

geschrieben in Presse um 10:16 von remis

ein Brief zu “Das Anti-Eva-Prinzip” von Gisa Funck, 11.9.2009, taz.de
nach einem Bericht von E. Breitbach

Sehr geehrte Frau Funck,

sie werden in den Kommentaren zu ihrem Artikel vermeintlich diffamiert? Nun, warum diffamieren Sie dann ungewollt-kinderlose Paare?

Es gibt keine “künstliche Befruchtung” im Reagenzglas. Es gibt allenfalls eine assistierte Befruchtung außerhalb des Körpers. Kein Arzt der Welt kann eine künstliche Befruchtung durchführen. Nun mag so mancher Denken, warum ich denn einer derartige Haarspalterei betreibe und man der “Einfachheit halber” doch von künstlicher Befruchtung sprechen darf. Ich halte es für eine unzulässige Vereinfachung, die den eigentlichen Vorgang der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle und die anschließende Zellteilung, woraus letztlich der Fetus entsteht, bagatellisiert. “Ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg.” singt Sven Regner von “Element of Crime”. Recht hat er! Gerade bei so einem sensiblen Thema wie der Reproduktionsmedizin ist Klarheit in der Sprache ungeheuer wichtig! Durch eine geschickte Wortwahl kann vieles verschleiert oder diskreditiert werden. Warum begeben Sie sich auf FAZ-Niveau herab?

Bin ich aufrichtig entsetzt wie Sie, Frau Funck, ihr Traktat mit einem ganz anderen Ziel (der angeblich fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung von gewollter Kinderlosigkeit) nutzen um gewollt oder ungewollt Paare, die ungewollt kinderlos sind so zu diffamieren. Papst Benedikt XVI. müsste ihnen für ihren Artikel bezüglich des Teils zur Reproduktionsmedizin eigentlich Beifall klatschen.

Meine Erfahrungen, als infertiler Mann sind ganz andere als ihre. Ich darf mir Sätze anhören warum meine Frau und ich mir überhaupt “so etwas wie Kinder” antun wollen. Warum wir unsere “Freiheit” aufgeben wollen. Ich ernte völliges Unverständnis von der Gesellschaft, daß wir die Mühen auf uns nehmen wollen, trotz aller Widrigkeiten eigene Kinder in die Welt zu setzen und liebevoll großziehen zu wollen. Sie können sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, welche emotionale Belastungen dadurch ausgelöst werden, wenn sich ein Mann oder eine Frau aufgrund einer körperlichen Einschränkung die größte Mühe gibt sich selber nicht als Krüppel zu sehen.

Wenn sie ob mit oder ohne Partner kinderlos bleiben wollen, bitte, es steht ihnen zu. Jeder soll nach seiner Facon selig werden. Erwarten Sie aber bitte nicht im Alter trotz “Reproduktionsverweigerung” auch noch eine “Rente” zu bekommen. Vergessen Sie bitte nur nicht zu 100% selbst vorzusorgen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie künftig eine eherne Regel aus Internetforen beherzigen: “Erst denken, dann posten.”

Mit freundlichen Grüßen, remis


3 Kommentare »

  1. Sheepchen schreibt:

    Montag, 21 September 2009 um 11:23

    Perfekt. Ich stimme dir da voll und ganz zu..
    LG Schäfchen

  2. schokonl schreibt:

    Montag, 21 September 2009 um 13:10

    Hallo,

    ich finde vor allem den lettzen Abschnitt interessant! Das Argument der 100%igen Selbstversorgung ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen.

    Wirklich gut geschrieben!

    Schoko

  3. Rebella schreibt:

    Montag, 21 September 2009 um 22:13

    Sehr gut geschrieben. An der Durchsetzung des Begriffes “assistierte Befruchtung” auch im allgemeinen Sprachgebrauch arbeite auch ich schon lange. Wenn das mal verstanden wird, sind wir schon einen Schritt weiter.

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