Nach dem letzten kommt … der allerletzte Versuch

Geschrieben am Donnerstag 13 August 2009 von Lakritzschnecke

Vor einem knappen Jahr haben wir uns nach drei erfolglosen Versuchen mit den unterschiedlichsten Verfahren der künstlichen Befruchtung von unserem Kinderwunsch und damit auch von dieser Seite verabschiedet. Unsere ganze Odyssee ist nachzulesen unter http://wunschkinder.net/tagebuch/wuki57193/

Damals war ich 41 und wir fanden, das Thema sei nun abzuschließen – was sehr weh getan hat und auch heute noch tut.

Nun hat vor einigen Wochen unsere (Schwieger-) Mutter einen sehr schweren Schlaganfall erlitten, den sie fast nicht überlebt hätte; lange wussten wir nicht, ob sie jemals wieder fähig sein würde zu denken, sprechen oder gar nur zu schlucken. Mittlerweile befindet sie sich auf dem Weg der Besserung, aber auch heute ist noch nicht endgültig absehbar, welche Schäden zurückbleiben werden.

Diese Krankheit hat sehr viel verändert und hat uns die Sicht der Dinge noch einmal überdenken lassen. So haben wir uns nochmals zu einem Versuch entschlossen – auch unter dem Aspekt, dass es mittlerweile sehr viele Frauen über vierzig gibt, die – auch erstmals – Mutter werden.

Mittlerweile waren wir bei einem deutschen Arzt (die letzten Versuche sind alle in Österreich durchgeführt worden), der uns allerdings nicht allzu viel Hoffnung auf Erfolg bei künstlicher Befruchtung machen konnte aufgrund des vermutlich zu niedrigen AMH-Wertes. Eine Blutprobe wurde entnommen. Das Ergebnis erfahren wir beim nächsten Termin. Gleichzeitig brachte er allerdings eine Eizellspende ins Gespräch, die von uns bisher nie in Erwägung gezogen wurde, natürlich auch, weil sie bei uns verboten ist. Die endgültige Entscheidung fällen wir, wenn wir über die genauen Einzelheiten informiert sind; grundsätzlich aber stehen wir dieser Möglichkeit positiv gegenüber, auch wenn das natürlich wieder »Babytourismus« erforderlich macht.

Mehr dann nach dem Termin beim Doc …

Die Entscheidung

Der AMH-Wert ist – wie schon im ersten Gespräch vom Doc vermutet – mit 0,2 deutlich zu niedrig, was eine SS-Wahrscheinlichkeit von lediglich 3 Prozent auch bei künstlicher Befruchtung bedeutet. Damit und mit den Informationen, die wir zur Eizellspende von ihm erhalten, fällt die Entscheidung für dieses Verfahren. Er empfiehlt uns eine Klinik auf Mallorca. Da gibt’s also noch was anderes als Sangria-Kübel und Jürgen-Drews-Musik.

Jetzt warten wir auf einen Gesprächstermin in der deutschen Praxis, die vom selben Arzt geführt wird wie die Klinik auf Mallorca – und zu dem ich verständlicherweise nichts Näheres erzählen werde. ;-)

In kleinen Schritten …

… geht’s weiter. Leider ist der Doc noch im Urlaub. Er hat mich aber (der Nummer nach zu urteilen aus Spanien) netterweise zurückgerufen. Mit seiner Praxis in Deutschland habe ich inzwischen einen Termin für den 5. Oktober vereinbart. Außerdem liegt mir mittlerweile ein Antragsformular für die EZS vor, das wir vorab ausfüllen und übersenden können, damit die Suche nach einer Spenderin so bald wie möglich starten kann. Leider fehlt uns beiden noch unsere Blutgruppenbestimmung. Ich werde dafür morgen im Rahmen einer Blutspende die Dienste des DRK in Anspruch nehmen. Das ist am günstigsten. Kost’ nix. Schatzi will dies wegen einer ohnehin anstehenden Untersuchung beim Arzt machen lassen.

Trotzdem dauert mir das alles schon zu lang. Bin ganz hibbelig!

9. Oktober 2009

Vergangenen Montag war das Erstgespräch hier in Deutschland; seit Dienstag stehe ich auf einer Warteliste für EZ-Empfängerinnen in Spanien. Wir rechnen damit, dass es Anfang des Jahres, im Januar oder Februar, ernst wird und wir nach Mallorca fliegen können. Eigentlich könnten wir schon am TF-Tag wieder nach Hause fliegen, aber die Planung ist so, dass wir das Ganze mit einigen Tagen Urlaub dort verbinden wollen, nachdem es schon den ganzen Sommer keine Möglichkeit dazu gab. (Besonders Schatzi ist urlaubsreif – längst.)

Schon jetzt, wenn ich intensiver drüber nachdenke, werde ich etwas nervös. Wird unser großer Traum doch noch wahr?

8. Januar 2010

Das Warten macht mich langsam bekloppt …!

15. Januar 2010

YIPPIEH!!! Die Mail von Mallorca ist gekommen. Endlich! Es geht los. Ich warte noch auf einen Anruf und die Post mit den Rezepten.

Weiter geht’s …
18. Februar 2010

Seit dem letzten Zyklus stimuliere ich jetzt wieder – ein Spaziergang zu den vorausgegangenen Stimulationen für IUI und IVF. Keine Spritzen, nur ein paar freundliche kleine Tabletten.

Gestern kam der Anruf von Mallorca, dass auch die Spenderin mit der Stimulation begonnen hat. Ein merkwürdiger Gedanke – und irgendwie berührt es mich, dass gerade eine mir völlig unbekannte junge Spanierin für mich den unbequemen Weg geht, den ich selbst schon so gut kenne; dass sie jeden Tag spritzen muss, jeden zweiten Tag zur Untersuchung geht, damit sich möglichst viele schöne Follikel bilden. Ich mache mir wenig Illusionen über ihre Motive; bei den meisten wird es das Geld sein, und trotzdem empfinde ich ihr gegenüber eine große Dankbarkeit.

Nächster Ultraschall wird noch hier in Deutschland am kommenden Montag sein. Abhängig vom Aufbau der GMS wird dann sein, wann wir fliegen werden. Wir rechnen mit Ende nächster Woche. So schnell … nachdem ich so lange auf den Start gewartet habe, geht jetzt plötzlich alles hopplahopp.

Ich bin nervös.

19. Februar 2010

Seit heute – ungewöhnlich früh, wie auch die nette Mitarbeiterin meinte – steht fest, dass wir am 25. nach Mallorca fliegen. Der Flug ist gebucht. Mein Schatz kommt in Vollstress mit geschäftlichen Terminen, weil er am Vortag erst von einer mehrtägigen Geschäftsreise nach Süddeutschland zurückkommt und den Tag darauf um 6.25 Uhr schon wieder im Flieger Richtung Espana sitzen muss. Aber was tut man nicht alles für Kindergeschrei und verkürzte Nächte! ;-)

Also, lasst die Castagnetten schallern – es geht los!

6. März 2010
Zurück von Mallorca

Da wir morgens bis 10.00 Uhr in der mallorquinischen Klinik sein mussten, hat der Pilotenstreik mir im Vorfeld unserer Abreise schon den einen oder anderen Blutsturz verursacht. Völlig unnötig! Die Piloten haben sich zuvor eines Besseren besonnen. Nicht jedoch die französischen Lotsen, die ebenfalls einen Streik für angebracht hielten und so – man glaubt es kaum – bei unserem Düsseldorfer Flug mit geplantem Start um 6.25 Uhr eine Verspätung von nahezu 45 Minuten verursachten. Wir schafften sozusagen eine Punktlandung um 9.55 Uhr in der Klinik!

Schatzi gab alles und am übernächsten Tag erhielten wir die Nachricht, dass von 14 Eizellen sich zehn hatten befruchten lassen. Yippieh! Sonntags war dann Transfer; leider hatten sich bis dahin von den zehn lediglich fünf weiterentwickelt. Davon wurden mir dann zwei (lt. Biologin von ausgezeichneter Qualität) Achtzeller eingesetzt. Juan und Juanita (vorläufiger Arbeitstitel).

Wir haben dann noch einige Tage Urlaub angehängt und sind seit gestern wieder zu Hause. Bisher haben mich die »grünen Punkte«, wie wir sie im Forum gerne nennen, verschont. Dennoch: Ich habe mir heute einen SST im Drogeriemarkt geholt und werde diesmal schon vorab testen – und zwar in einer Woche, am 13. März. Da wäre eigentlich auch schon der BT möglich, aber wegen des Wochenendes wird es der 15. werden. Derzeit fühle ich gar nichts – wie beim letzten Mal, das bekanntlich negativ ausging. :-(

8. März 2010
Bad News

Die heutigen Neuigkeiten von Mallorca bezüglich unserer drei übrigen Embryonen sind schlecht. Ich hatte auf Kryos gehofft, aber leider hat sich keiner der drei Krümel weiterentwickelt. Angesichts der 14 punktierten und zehn befruchteten Eizellen ein Hammer und ich bin dementsprechend deprimiert.

12. März 2010
Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab

TF+12. Heute Morgen habe ich einen blütenweißen Test in Händen gehalten. Zuerst hat mich das noch nicht weiter beunruhigt, aber nach einigen Postings von anderen Mädels im Forum, die einen Tag früher dran sind und schon positiv getestet haben, bin ich nun kurz davor, von der nächsten Brücke zu springen.

Es k… mich echt an! Warum kann das nicht einfach mal klappen? So viel Geld, Zeit und vor allem Hoffnung investiert – für nix! Und jetzt fang’ ich auch noch an zu heulen.

Das war’s …

Seit gestern steht fest, dass wir wieder einmal gescheitert sind. Gescheitert an einer Sache, die für Millionen von Frauen etwas ganz Natürliches ist und ohne große Anstrengung, nein, im Gegenteil, sogar mit Spaß bei der Sache einfach so passiert: schwanger werden. Unser winziggroßer Traum von … ich kann nicht mehr. Später weiter.

12. April 2010

Inzwischen ist ein Monat vergangen, in dem ich wieder ins Leben zurückgekehrt bin.

Mein allerbester Ehemann war gegen einen neuen Versuch. Ich habe mein Bestes getan, ihn umzustimmen. Dazu gehörte ein Gespräch mit unserem Doc aus Minden, der uns nach Mallorca vermittelt hat. Dieses Telefonat hat gestern (am Sonntag – ist ja alles heimlich-heimlich) stattgefunden. Ich selbst hatte etliche Fragen, die in erster Linie weitere Diagnostik betrafen, und auch Schatzi wollte noch so einiges wissen. Das darauf folgende Gespräch zwischen uns beiden blieb nach meinem Empfinden irgendwie ergebnislos. Inzwischen jedoch – auch wenn er es noch nicht deutlich ausgesprochen hat – scheint er sich entschlossen zu haben, es nochmals anzugehen. Das macht mir mein Herz gerade viel leichter. Als nächstes werden noch die Blutgerinnungswerte untersucht, was beim letzten Mal durch unglückliche Umstände nicht gemacht worden ist; und Schatzi wird eine genetische Untersuchung über sich ergehen lassen.

Auf die Warteliste werden wir diesmal nicht gesetzt, sondern kommen gleich dran, was ich auch sehr angenehm finde. Trotzdem: es zieht sich natürlich jetzt alles wieder hin.

28.04.2010

Am vergangenen Wochenende hat Schatzi nun auch hochoffiziell dem neuen Versuch zugestimmt – unter der Voraussetzung entsprechender Ergebnisse unserer Untersuchungen.

Wir warten … mal was ganz Neues.

18.05.2010

Damit die Warterei auf die Untersuchungsergebnisse nicht so ganz sinnlos verstreicht, habe ich Kontakt zu einem Heilpraktiker aufgenommen, weil ich den nächsten und letzten Versuch mit Akupunktur unterstützen möchte. Den ersten Termin dort hatte ich am 7. Mai. Eigentlich bin ich ja eher die Vertreterin der Schulmedizin, aber was versucht man nicht alles, wenn man langsam verzweifelt …

Aber: Der Mann (übrigens erschreckenderweise auch noch gut aussehend) war ziemlich überzeugend. Ich kam nach rund zwei Stunden wieder aus der Praxis. Ohne jetzt zu ausführlich zu werden, kann man sagen, dass er einen richtig guten Eindruck hinterlassen hat (nein, nicht nur sein Äußeres). Er hat viel gefragt und ausführlich erklärt und machte keineswegs einen abgedrehten Eindruck, wie ich vielleicht insgeheim erwartet hatte. War ja nun mein erster Termin bei einem HP.

Unter anderem hat er vier Nadeln gesetzt, von denen ich so gut wie nichts gespürt habe. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass es was bringt. Der nächste Termin ist leider erst am 21., da der Gute sich zwischendurch fortbildet. Das einzig Negative war ein Kraut, das er in einer Berliner Apotheke hat zusammenstellen lassen. Daraus musste ich einen Sud kochen und von diesem jeweils dreimal am Tag vor dem Essen 100 ml trinken. Das ging am ersten Tag noch unter allergrößter Körperbeherrschung – und auch da setzte beim letzten Schluck schon ein Würgereflex ein und es kamen geschätzte 10 ml selbständig zurück (sorry!). Am nächsten Morgen im Büro ging dann gar nix mehr. Auf meine entsprechende Mail antwortete der HP meines Vertrauens, »Plan B« käme dann zum Einsatz. Gott sei Dank, es gibt einen Plan B! Okay, schlappe 16.- EUR für die Katz’, aber ich konnte das Gebräu dem Abfluss zur weiteren Verwendung anvertrauen.

31.05.2010

Nachdem es sich nun ewig hinausgezogen hat, bis wir die Blutergebnisse bekamen (da scheint auch in der Praxis was danebengelaufen zu sein), konnte ich sie nun vergangenen Freitag endlich nach Mallorca wie auch zum Doc in Minden faxen. Diesem habe ich bei dieser Gelegenheit nochmals (bisher kam keine Rückmeldung) die Frage nach einer Immunisierung gestellt. Ich will einfach mit den bestmöglichen Voraussetzungen in unseren allerletzten Versuch gehen. Gleich nach meinem Fax kam sein Anruf. Nachdem er eine Immunisierung zunächst als nicht indiziert – zumal bei Eizellspende (ich dachte, gerade hier wäre es sinnvoll) – zurückwies, rief er wenige Minuten nach unserem Gespräch erneut an. Inzwischen hatte er mit Frau Dr. Reichel-Fentz telefoniert, die eine Immunisierung auch bei EZS bereits häufiger mit Erfolg angewandt hatte. Nach einigen Anmerkungen dazu überließ er im Grunde mir die letztendliche Entscheidung. Und ich entschied, das auch noch mitzunehmen. Das bedeutet nun leider nicht Start der Stimu noch in diesem Zyklus, wie es ohne Immu gewesen wäre, sondern wahrscheinlich monatelanges Warten auf die Ergebnisse von R.-F. So habe ich es jedenfalls bisher immer dem Forum entnommen. Wahrscheinlich stehe ich kurz vor der Rente zu, wenn ich den letzten Versuch starte.

8. September 2010

Inzwischen ist einiges passiert. Die wenigen Millionen Blutröhrchen von R.-F. sind bei uns gelandet und haben mich mit offenem Mund auf sie hinabblicken lassen. So viel Blut kann ein Mensch alleine doch gar nicht haben, um diese Dinger alle zu füllen. Aber okay, entweder ich sterbe an Blutarmut und werde eine wunderschöne porzellanweiße Leiche oder ich lasse es gleich bleiben.

Beim Termin zur Blutabnahme beim KiWu-Doc ergab sich mehr oder weniger zufällig (wir hatten ja eigentlich keinen Termin bei ihm selbst, sondern nur fürs Labor) ein Gespräch mit ihm, weil er mitbekommen hatte, was geplant war. Er hielt uns dann einen ausführlichen und plausiblen Vortrag zum Sinn und Unsinn dieser Immunisierung – Schwerpunkt war eindeutig Unsinn – sowie zu den Kosten, die leicht vierstellige Beträge erreichen könnten. Dazu gab er uns noch ein Schreiben mit, das er vor einiger Zeit an die Kollegin R.-F. geschrieben hatte und das deutlich seine Meinung ausdrückte. Wir haben uns davon überzeugen lassen und die Immunisierung unter den Tisch fallen lassen.

Nun stimuliere ich also inzwischen wieder; seit diesem Zyklus mit Progynova, im vergangenen u.a. mit Norethisteron. Zum Ende des Monats werden wir dann wieder auf Mallorca sein – und wieder hoffen.

8. Oktober 2010

Mittlerweile sind wir schon seit zwei Wochen wieder zu Hause. Auf Mallorca ist alles gut verlaufen und wir haben sogar nette Leute kennengelernt.

Gestern nun war ich zum BT beim Gynäkologen. Das Ergebnis sollte es erst heute geben. Ich hatte darum gebeten, es mir zu faxen. Und es kam früher als erwartet. (Ich hatte mir für Party- oder Beerdigungsstimmung extra frei genommen.) Gleich morgens um 8.00 Uhr ratterte das Fax (nachdem sie es erstmal auf der Telefonnummer versucht hatten – autsch!). Ich traute mich gar nicht, das Blatt aus dem Gerät zu nehmen und bat Schatzi darum. Er erklärte mir aber, er habe in der Nacht geträumt, dass ich das Blatt herausnehme und ihn anlache und sage, dass alles gut ist. Nun denn …

Mit zitternden Händen hin und draufgesehen: hCG 403,5! Oh mein Gott, ich bin schwanger!

»Ich bin schwanger!« Ich schaute Schatzi an. Meine Hände hörten gar nicht auf zu zittern. Dann fielen wir uns nur noch heulend in die Arme.

Unser langer Weg scheint endlich ein gutes Ende gefunden zu haben. In 40 Wochen halten wir hoffentlich ein gesundes Baby in den Armen. Dass die genetische Mutter Spanierin ist, weiß dann niemand. Und wer weiß, vielleicht vergessen sogar wir es irgendwann …

Tapfer die, die bis hier gelesen haben!

Danke!

Nachtrag

7. Juni 2011
Unser Sohn wurde mit 3.090 g und 52 cm gesund geboren und trägt den Namen Luke.
Wir sind sehr glücklich!