Der letzte Versuch
Die Überschrift impliziert es ja schon: der letzte Versuch! Klingt endgültig - ist es auch, so oder so.
Seit fast drei Jahren versuchen wir, schwanger zu werden. Na ja, ich will schwanger werden und mein Mann trägt das Seine dazu bei. Weiß ja jeder, was das ist.
Wir sind ein bisschen spät dran und haben inzwischen beide die 4 vor dem Alter. Wir haben uns auch erst mit Mitte dreißig kennengelernt, hatten also auch wenig Zeit zum »Üben«. Manchmal braucht man eben ein wenig länger, um den, die, das Richtige(n) zu finden. In den vorherigen - teils auch langjährigen - Beziehungen war für uns beide ein Kind nie ernsthaft Thema.
So, und nu’ sind wir »alt«. Zu alt für ein Kind? Ich denke, die aktuelle Lebenserfahrung lehrt, dass das heutzutage nicht mehr so ist. Wir befinden uns in bester und teilweise prominenter Gesellschaft: Nicole Kidman, Marcia Cross, Birgit Schrowange, Cherie Blair usw. Warum also nicht auch ich?
Nachdem wir noch vor rund zwei Jahren dagegen waren, eine künstliche Befruchtung in Betracht zu ziehen, haben wir unsere Meinung dann doch geändert, nachdem es einfach auf »herkömmlichem« Wege nicht klappen wollte. Genauso ist man dann auch bereit, wie wir festgestellt haben, das ursprünglich festgesetzte Höchstalter nochmal nach oben zu schrauben, wenn man es erreicht hat. Ich verbuche das unter dem Stichwort: menschlich.
Nun also doch künstlich. Nach einem Besuch bei einem Reproduktionsbiologen (schönes Wort, oder?) vor Ort, waren wir eher abgeschreckt. Der gute Mann widersprach sich in seinen Äußerungen selbst (1. Termin: »In Ihrem Alter ist nur noch jeder 6. Zyklus auf Schwangerschaft ausgelegt.«; 2. Termin: »In Ihrem Alter ist nur noch jeder 24. Zyklus auf Schwangerschaft ausgelegt.« Hmm … weiß der, was er sagt, geschweige denn tut?), ging nicht auf meine Fragen ein oder vermittelte mir bei seinen Antworten den Eindruck, dass ich ja doch keine Ahnung habe. Stimmt, aber ein mündiger und erwachsener Mensch bin ich trotzdem. Außerdem geht es hier um meinen Körper. Jedenfalls blieb es dort bei zwei Besuchen und das Thema wurde erstmal ad acta gelegt.
Dann hörte ich vor wenigen Wochen von einer Freundin über eine Fernsehdokumentation, in der darüber berichtet wurde, dass »irgendwo im deutschsprachigen Ausland« (leider waren ihre Infos sehr dürftig) die Chancen aufgrund der Gesetzeslage deutlich höher seien als in Deutschland. Google sei Dank - schnell gefunden. Es konnte nur Österreich sein. (Wie gut, dass es nicht Nepal oder Takatukaland war! Österreich ist ja von hier noch recht gut erreichbar.)
To make a long story short: Kontakt aufgenommen und am 25. April hingefahren. Start des Medikamentenexzesses (im Fachjargon: Stimulation) ist der nächste Zyklus.
Es geht los …
Der Start war recht problematisch. Es ging los am 1. Mai, dem arbeitsfreien »Tag der Arbeit«. Der österreichische Doc hatte mir schon eine ordentliche Portion Medikamente mitgegeben, außerdem Rezepte für die anderen, die ich in Deutschland besorgte. Am entsprechenden Abend schüttete ich dann den ganzen Haufen auf meinem Bett aus, um mir die aktuell nötigen zusammenzustellen … und hoppla: zwei fehlten. Zum einen Femibion, ein Folsäurepräparat, und Clomifen. Femibion hatte ich glücklicherweise selbst noch im Arzneischrank stehen aus der Zeit, als mein Gynäkologe und ich es noch nicht auf die »harte Tour« versucht hatten. Mit Clomifen wurde es schon schwieriger, besonders, da es rezeptflichtig ist. Drei Telefonate mit drei Notapotheken, von denen es lediglich eine hatte, jedoch ohne Rezept nicht herausgab. Das hatten wir aber nicht. Wir versuchten, einen befreundeten Arzt zu erreichen. Mailbox. Ich war inzwischen völlig entnervt. Hin- und herüberlegt und dann dem Arzt in Österreich auf Handy eine Nachricht hinterlassen. Er meldete sich kurz darauf zurück und faxte uns das Rezept.
Zunächst hatte ich ja ein wenig Angst davor, mir selbst Spritzen zu setzen. In der Anwendung stellte sich dann aber heraus, dass unter dem Berg der vorhandenen Medikamente »Agnumens«, ein pflanzliches Präparat zur Zyklusregelung, weitaus schrecklicher war. 40 Tropfen (etwa ein EL) jeden Tag - der Geschmack haut den stärksten Eskimo vom Schlitten! Zur Linderung habe ich dann schnell ein Lakritz oder ein Stückchen Schoggi hinterher eingeworfen. Am ersten Abend klappte auch alles recht gut, am zweiten jedoch war ich offensichtlich immer noch sehr nervös im Handling, rutschte beim Öffnen der Spritze ab und schrammte mir über eine Fingerkuppe, die in einem Sekundenbruchteil steinhart wurde und anschwoll. Nachdem ich mich halbwegs wieder beruhigt hatte, wollte ich die Spritze setzen - voll war sie ja immer noch. Ich setzte also an, drückte durch … und an den Seiten spritzte alles heraus. Offenbar hatte sich bei der Aktion also der Aufsatz mit der Injektionsnadel gelöst. Ich stand inzwischen so neben mir, dass ich meinen Mann bat, eine neue aufzuziehen, mit der es dann endlich klappte. Und von da an gab’s auch keine weiteren Schwierigkeiten (dabei) mehr.
Das nächste Problem tauchte dann auf, als der 1. Ultraschalltermin anstand: natürlich ein Sonntag. Bingo! Außerdem waren wir an diesem Tag 90 km entfernt zu einer Konfirmation eingeladen. Somit sah man Sonntagmorgen um 9 Uhr im Krankenhaus ein piekfein gekleidetes Paar sitzen, welches unmittelbar nach der Untersuchung der weiblichen Hälfte durchstartete, um noch an der Restfeier teilnehmen zu können. Der Krankenhausgynäkologe zog im Übrigen etwas die Augenbraue hoch, als er hörte, dass am Sonntag ein US-Termin sein sollte - was wiederum mich wunderte, denn so seltsam sollte einem Gynäkologen das doch nicht erscheinen, dachte ich. Aber vielleicht muss man für dieses Verständnis »Reproduktionsbiologe« sein.
Die Enttäuschung kam spätestens mit dem zweiten Ultraschall, der lediglich einen Follikel offenbarte. Nach einem Telefonat mit dem Arzt in Österreich fiel die Entscheidung, dass die Chance mit ca. 10 % zu gering sei, als dass wir dafür hinfahren sollten.
Leerlauf
28.05.08
So, gerade wieder die Periode hinter mir gelassen. Jetzt geht es erst im Juli weiter. Bis dahin muss ich ein Präparat mit Namen DHEA nehmen, das - wieder mal - in Deutschland (zumindest in Nordrhein-Westfalen) nicht zu bekommen ist. Das verkompliziert die Sache immer wieder: Häufig sind die Verordnungen vom Doc aus Österreich hier nicht zu haben. Das DHEA habe ich mir jetzt von der Praxis schicken lassen.
Im Moment habe ich allerdings den Eindruck, dass sich gar nichts bewegt …
Jeden Tag nehme ich ein Tablettchen DHEA, das offenbar nicht mal ein wirkliches Medikament ist, und sonst nix! Und ansonsten warte ich auf den Juli. Ich hab’ ja Zeit ohne Ende …