Archiv für Dezember, 2011

Immer noch Wut im Bauch

Samstag, 31 Dezember 2011

Gerade habe ich geschrieben, dass das ausklingende Jahr eines der besten seit langer Zeit war.
Das stimmt so auch.
Das muss so stehen bleiben.

Allerdings: ich merke immer wieder, dass ich doch noch eine ganz schöne Wut im Bauch habe. Und zwar auf all jene, die immer wieder besser wussten, wie ich mich fühle. Die, statt mich zu fragen, wie es mir geht, mir sagten, was ich zu tun habe.
Ich bin so verletzt. Ich fühle mich so im Stich gelassen.
Und natürlich: das Kinderwunschzentrum in Wiesbaden. Die ganzen Behandlungen für die Katz. Klar kann einem niemand garantieren, dass man schwanger wird. Aber ich hatte durch die unentdeckte durchlebte Schilddrüsenentzündung einfach eine extrem reduzierte Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden. Mit einem hohen TSH zu starten und ihn dann nicht weiter zu kontrollieren ist einfach ein Kunstfehler, und das werden wir hoffentlich auch nachweisen. Die Klageschrift ist jetzt beim Amtsgericht in Wiesbaden. Ich frage meinen Anwalt nochmal, ob ich den Text einstellen darf. Ich muss sagen: allein die Klageschrift zu lesen, hat so unendlich gut getan. Meine Schmerzen sind real, sind nicht nur eine Befindlichkeit und Empfindlichkeit. Es ist nicht so, dass ich einfach etwas Pech gehabt habe und mich ganz schön anstelle. Sondern die haben echt Misst gebaut. Klar werden dort Frauen schwanger. Manche Ärzte kontrollieren dort auch regelmäßig die Schilddrüsenwerte. Aber eben nicht alle. Außerdem wird der seit 2004 überholte Referenzbereich des TSH bis 4,0 zu Grunde gelegt.
Also alle Mädels in Wiesbaden: erfragt mal Eure SD-Werte!!
Warum hat keiner gemerkt, dass ich, wenn ich zwar normal aber sehr sehr kontrolliert esse, sofort richtig schnell richtig fett werde? Dass eine Körpertemperatur von 35,5 irgendwie etwas wenig ist und dass dieser ständige Haarausfall bedenklich? Warum hat niemand gemerkt, dass für mich eine Daunenweste in geschlossenen Räumen ein “normales” Kleidungsstück ist und warum habe ich mich nie gewundert, dass ich immer nur entweder schwitze oder friere?
Obwohl ich es normalerweise für komplett überflüssig halte, zurück zu blicken, tue ich es jetzt doch einmal und frage mich: wie hätten die letzten 25 Jahre wohl ausgesehen, wenn man mein Hashi diagnostiziert und behandelt hätte?

Kleiner Rückblick 2011

Samstag, 31 Dezember 2011

Im Moment haben die Feste, an denen ich gerade wusste, dass der Knopf unterwegs ist, ihr einjähriges Jubiläum. Wir reden darüber: hm, wie war das eigentlich an Weihnachten. Da haben wir es R´s Familie gesagt, und an Heiligabend bin ich dann stocknüchtern mit ungefähr 23 km/h durch den Neuschnee einmal quer durch das Rhein-Main-Gebiet gefahren, habe R´s Vater nach Hause gebracht, und danach sind wir um 23h03 in die Christmette gefallen. Beim Singen musste ich immer wieder weinen, ich habe mich so gefreut und so große Angst gehabt. Dann Silvester, wieder stocknüchtern, Raclette gegessen und um zwölf am Neubau der EZB am Main gestanden. Böller geschmissen. Und wieder: große Freude und irre viel Angst.
Die Freude und die Angst haben mich das ganze Jahr begleitet. Dabei hatte ich eine absolut komplikationslose Schwangerschaft. Keine einzige Blutung, keine Schwangerschaftsvergiftung, keine vorzeitigen Wehen. Gestationsdiabetes, aber das haben wir super in den Griff bekommen, außerdem ein gebrochenes Sprunggelenk, das hat genervt, klar- aber alles in allem sehr relaxt. Auch die Entbindung war super. Das mache ich gerne nochmal *ja*
Mein allerschönstes größtes Geschenk habe ich am 04.08.2011 bekommen. Nach all diesen Jahren ist er nun endlich da. Dieser ganze Schmerz hat sich gelohnt, und ich bin einfach nur glücklich. Ich merke, wie sehr ich jahrelang on-hold war. Wie sehr ich wieder ins Leben gekommen bin. Auch ich bin am 04.08.2011 auf gewisse Weise wieder zur Welt gekommen.
2011 war das beste Jahr seit langer langer Zeit.