Immer noch Wut im Bauch

Geschrieben am Samstag 31 Dezember 2011 von gabriele65197

Gerade habe ich geschrieben, dass das ausklingende Jahr eines der besten seit langer Zeit war.
Das stimmt so auch.
Das muss so stehen bleiben.

Allerdings: ich merke immer wieder, dass ich doch noch eine ganz schöne Wut im Bauch habe. Und zwar auf all jene, die immer wieder besser wussten, wie ich mich fühle. Die, statt mich zu fragen, wie es mir geht, mir sagten, was ich zu tun habe.
Ich bin so verletzt. Ich fühle mich so im Stich gelassen.
Und natürlich: das Kinderwunschzentrum in Wiesbaden. Die ganzen Behandlungen für die Katz. Klar kann einem niemand garantieren, dass man schwanger wird. Aber ich hatte durch die unentdeckte durchlebte Schilddrüsenentzündung einfach eine extrem reduzierte Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden. Mit einem hohen TSH zu starten und ihn dann nicht weiter zu kontrollieren ist einfach ein Kunstfehler, und das werden wir hoffentlich auch nachweisen. Die Klageschrift ist jetzt beim Amtsgericht in Wiesbaden. Ich frage meinen Anwalt nochmal, ob ich den Text einstellen darf. Ich muss sagen: allein die Klageschrift zu lesen, hat so unendlich gut getan. Meine Schmerzen sind real, sind nicht nur eine Befindlichkeit und Empfindlichkeit. Es ist nicht so, dass ich einfach etwas Pech gehabt habe und mich ganz schön anstelle. Sondern die haben echt Misst gebaut. Klar werden dort Frauen schwanger. Manche Ärzte kontrollieren dort auch regelmäßig die Schilddrüsenwerte. Aber eben nicht alle. Außerdem wird der seit 2004 überholte Referenzbereich des TSH bis 4,0 zu Grunde gelegt.
Also alle Mädels in Wiesbaden: erfragt mal Eure SD-Werte!!
Warum hat keiner gemerkt, dass ich, wenn ich zwar normal aber sehr sehr kontrolliert esse, sofort richtig schnell richtig fett werde? Dass eine Körpertemperatur von 35,5 irgendwie etwas wenig ist und dass dieser ständige Haarausfall bedenklich? Warum hat niemand gemerkt, dass für mich eine Daunenweste in geschlossenen Räumen ein “normales” Kleidungsstück ist und warum habe ich mich nie gewundert, dass ich immer nur entweder schwitze oder friere?
Obwohl ich es normalerweise für komplett überflüssig halte, zurück zu blicken, tue ich es jetzt doch einmal und frage mich: wie hätten die letzten 25 Jahre wohl ausgesehen, wenn man mein Hashi diagnostiziert und behandelt hätte?

Kleiner Rückblick 2011

Geschrieben am Samstag 31 Dezember 2011 von gabriele65197

Im Moment haben die Feste, an denen ich gerade wusste, dass der Knopf unterwegs ist, ihr einjähriges Jubiläum. Wir reden darüber: hm, wie war das eigentlich an Weihnachten. Da haben wir es R´s Familie gesagt, und an Heiligabend bin ich dann stocknüchtern mit ungefähr 23 km/h durch den Neuschnee einmal quer durch das Rhein-Main-Gebiet gefahren, habe R´s Vater nach Hause gebracht, und danach sind wir um 23h03 in die Christmette gefallen. Beim Singen musste ich immer wieder weinen, ich habe mich so gefreut und so große Angst gehabt. Dann Silvester, wieder stocknüchtern, Raclette gegessen und um zwölf am Neubau der EZB am Main gestanden. Böller geschmissen. Und wieder: große Freude und irre viel Angst.
Die Freude und die Angst haben mich das ganze Jahr begleitet. Dabei hatte ich eine absolut komplikationslose Schwangerschaft. Keine einzige Blutung, keine Schwangerschaftsvergiftung, keine vorzeitigen Wehen. Gestationsdiabetes, aber das haben wir super in den Griff bekommen, außerdem ein gebrochenes Sprunggelenk, das hat genervt, klar- aber alles in allem sehr relaxt. Auch die Entbindung war super. Das mache ich gerne nochmal *ja*
Mein allerschönstes größtes Geschenk habe ich am 04.08.2011 bekommen. Nach all diesen Jahren ist er nun endlich da. Dieser ganze Schmerz hat sich gelohnt, und ich bin einfach nur glücklich. Ich merke, wie sehr ich jahrelang on-hold war. Wie sehr ich wieder ins Leben gekommen bin. Auch ich bin am 04.08.2011 auf gewisse Weise wieder zur Welt gekommen.
2011 war das beste Jahr seit langer langer Zeit.

Wieder planen können

Geschrieben am Samstag 10 September 2011 von gabriele65197

Urlaub
was wohl in 5 Jahren sein wird
eine Taufe
Platzbedarf
Geld
Möbel
schöne Kleidung
Heimat
Freunde
noch ein Hund?
ein das-war-ich-als-Kind-Buch
Weight Watchers
er soll mit Papa skifahren lernen
welches Auto
eine Krabbelstube
Bugaboo
ich will alles geben
mein Bruder wird definitiv nicht Patenonkel
Literacy
nach Emmi Pickler
ich will singen und jauchzen

Und Schwupps

Geschrieben am Sonntag 19 Dezember 2010 von gabriele65197

… ist man wieder in der WS, wer hätte das gedacht. Seit Tagen versuche ich zu schreiben, es ist aber sehr sehr schwer, weil meine Laune absolut schwankend ist, und Schreiben ist ja immer auch ein Fixieren.
Die erste Berg- und Talfahrt gleich in den ersten zwei Tagen: am 6.Dezember ein sehr hoher HCG-Wert, am 7. dann die Aussage vom Doc, dass das Progesteron ihm Sorgen mache. Da war das Progesteron bei 40- und nicht unter zwölf, was wohl w i r k l i c h besorgniserregend wäre- aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht. Also erstmal schön durchgedreht und Angst bekommen. Auch als die Werte schön stiegen, hatte ich weiterhin Angst. Im Moment geht es, ich habe die Angst einigermaßen im Griff- allerdings um den Preis, dass ich mich auch nicht wirklich freuen kann. Manchmal schaffe ich es über “Umwege”, zum Beispiel über den Gedanken, dass dieses vielleicht unser letztes Weihnachten zu zweit ist. Dennoch habe ich für mich beschlossen, dass das erstmal okay ist, wenn ich mich noch nicht so sehr freuen kann. Außer, dass meine Tage sich offensichtlich ziemlich verspäten, merke ich fast nichts: noch keine Übelkeit, nur hin- und wieder ein wenig Ziehen im UL, ein bisschen Rücken, ein bisschen Kreislauf- und das war’s. Ach ja: auf dem US nur zwei schwarze Punkte. Da kann doch wohl auch niemand von mir verlangen, dass ich vor Freude durchdrehe, oder? Außerdem mein lieber Doc: bei 5+3 eine Fruchthöhle mit Dottersack findet er “im Rahmen”. Nicht sehr gut, nicht gut- im Rahmen.
Ich vermute, dass es mir anders geht, wenn das Herzchen schlägt, jedenfalls hoffe ich das inständig.
Gleichzeitig ist alles so wahnsinnig surreal. Sechs Jahre Kinderwunsch und plötzlich schwanger- das will einfach nicht in meinen Kopf, oder jedenfalls nur sehr schwer. Das kommt jetzt so plötzlich. Ich habe gar kein Bild davon, wie das sein wird. Ich hatte innerlich schon so sehr die Hoffnung verloren, dass sie nun nicht von einem Tag auf den anderen wiederkommen mag.
R. ist übrigens sehr engagiert. Informiert sich im Internet, liest die Schwangerschaftsbücher, an die ich mich nicht heran traue: ich finde garantiert die Stelle, an der steht, dass man in der 6. Woche schon das Herzchen sehen kann und bin dann natürlich wieder total fertig. Deshalb lasse ich das lieber. Er tröstet mich, erklärt mir, dass dem nicht so sein muss, vor allen Dingen nicht bei 5+3. Ich freue mich darüber, allerdings hat es leider einen sehr faden Beigeschmack: über die Behandlungen hat er sich nicht im Geringsten informiert. Ich fühlte mich die ganze Zeit total allein gelassen, und zwar zu Recht. Es hat ihn eben nie wirklich interessiert, er wollte es nicht wissen, hat sich darauf verlassen, dass ich schon alles manage. Einfach nur sehr sehr bitter. Ich dachte immer, dass er nicht genau weiß, wie er sich am besten informiert, hatte gehofft, dass es daran liegt- aber das ist eben nicht der Fall.

Außerdem versuche ich mir zu sagen: Diese Embryonen stammen einfach aus einem super “Wurf”, viele FG`s entstehen aufgrund einer schlecht eingestellten SD oder aufgrund von Gerinnungsproblemen, beides ist bei mir perfekt. Die erhöhten Killerzellen werden durch das Prednisolon im Schach gehalten, und insgesamt bin ich einfach so super durchdiagnostiziert, da sind die Risiken mit Sicherheit schon mal einigermaßen minimiert.
Und: entgegen jeder Wahrscheinlichkeit hoffe ich von ganzem Herzen, dass alle beide es schaffen. Ich weiß, dass es sehr unwahrscheinlich ist, weil sich der HCG nicht mehr ordentlich verdoppelt, trotzdem wäre das schön. Vielleicht können sie sich gegenseitig helfen? Schließlich sind sie Geschwister? Und trotz allem: beide meine Kinder!

Diese WS macht mich fertig

Geschrieben am Mittwoch 1 Dezember 2010 von gabriele65197

Im Moment bin ich total fertig. Ich würde ja gerne sagen: diese WS ist so anders als sonst, so schön so… was auch immer. Kurz nach dem TF waren wir natürlich auch beide total hoffnungsvoll. 2 expandierte Blastos mit sehr guter Wertung: besser gehts nicht. Auch der Doc sagte so etwas in der Art: wenn Sie jetzt nicht schwanger werden, kann man eigentlich nichts mehr tun. Ein solches Ergebnis hätte ich nie und nimmer zu erhoffen gewagt.
Und dennoch kommen nach zwei Tagen der Euphorie so langsam die gleichen trüben Gedanken wie jedes Mal: wieso sollte es klappen, nach so langer Zeit? Wieso jetzt, wieso wir, warum überhaupt? Diese Gedanken machen mich natürlich traurig, und ich denke mir: das ist bestimmt schon PMS. Gestern habe ich abends noch ziemlich geweint und heute morgen sogar in der Schule auf dem Klo.
Am kommenden Dienstag bin ich bei PU + 14 und gehe mit R. zusammen zum Termin im Kinderwunschzentrum. Ich stelle mir vor: wir kommen rein, der Doc schaut schon ganz komisch und sagt sofort: es tut mir leid… Ich weiß nicht, ob ich das haben muss, und dass ich danach zur Schule gehe, sehe ich eigentlich nicht. Von einem Positiv habe ich kein Bild vor Augen. Gar keines.
Nach dem Transfer dachte ich: wenn es jetzt noch nicht klappt, dann lohnen sich auf jeden Fall noch einige weitere Versuche, denn offensichtlich scheinen wir noch Chancen zu haben. Aber jetzt kommt wieder das Gefühl durch: wie lange soll ich das alles noch ertragen? Ich möchte wieder ein normales Leben haben. Nee: ich möchte wieder ein Leben haben. Das ist eher der Punkt.
Übrigens mache ich am Sonntag den ersten Ppt. Das ist Brevactid +5.

Brief an das Kinderwunschzentrum in Wiesbaden

Geschrieben am Sonntag 11 Juli 2010 von gabriele65197

Sehr geehrte Damen und Herren Dres.,

in der vorbezeichneten Rechtsangelegenheit bedanke ich mich für die Übersendung der Patientenakte. Zwischenzeitlich habe ich die mir übermittelten medizinischen Unterlagen durchgearbeitet und mit meiner Mandantin besprochen.

In den mir überlassenen Unterlagen befindet sich ein auf den 08.04.2008 datierender „endokrinologischer Status“ bezüglich meiner Mandantin, der einen TSH Wert von 2,8 mU/l ausweist. Beim Steuerungshormon TSH ist ein Wert von 0,4 – 2,5 mu/l als unauffälliger Referenzbereich zwar bekannt. Andere Quellen gehen jedoch davon aus, dass ein Wert von über 2,0 mU/l kritisch und dem Kinderwunsch abträglich ist.

Idealerweise sollte nach den hier gewonnenen Erkenntnissen bei einem unerfüllten Kinderwunsch der TSH Wert bei etwa 1,0 liegen.

Es ist festzuhalten, dass schon zu Beginn der bei meiner Mandantin durchgeführten Behandlung ihr TSH – Wert mit 2,8 mU/l viel zu hoch war. Trotzdem wurden im August und Dezember 2008 sowie im Januar 2009 insgesamt drei Versuche homologer Insemination durch Ihre Praxis vorgenommen, die vor dem Hintergrund der vorgenannten TSH – Befunde von vornherein wesentlich geminderte Erfolgsaussichten hatten.

Im Frühjahr 2009 und Sommer 2009 wurden durch Ihre Praxis zwei Versuche der künstlichen Befruchtung durch intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) durchgeführt, die ebenfalls nicht erfolgreich verliefen.

Die Nachbehandler unserer Mandantin konnten im Dezember 2009 bei Fr. X eine starke Schilddrüsenunterfunktion (TSH-Wert 5,3 im November 2009) feststellen, die von Ihnen gar nicht erst befundet worden ist. Im weiteren stellte sich diese Unterfunktion als eine Hashimoto-Thyreoditis heraus, die meine Mandantin aufgrund der bereits fehlenden Antiköper mit hoher Wahrscheinlichkeit schon lange vor Beginn der durch Sie durchgeführten Behandlung hatte. Bei Frauen kann – wie Ihnen bekannt sein muss – durch diese Schilddrüsenstörung ein für den Kinderwunsch relevantes hormonelles Ungleichgewicht verursacht werden, wel-ches zu geminderter Eizellqualität, Implantationsversagen sowie einem höheren Abortrisiko führen kann. Zumindest hätten Sie bei meiner Mandantin den TSH-Wert regelmäßig kontrollieren und bei einem starken Anstieg auf eine genaue Abklärung der Schilddrüse (Ultraschall) drängen müssen, so, wie Sie es auch bei Ihren anderen Patientinnen tun.

Auch eine Clamydieninfektion, die bei Fr. X mindestens seit April 2008 bestand, hat Sie nicht davon abgehalten, die vorgenannten reproduktionsmedizinischen Maßnahmen zu ergreifen. Diese kann der Grund der Extra-Uterinen Schwangerschaft meiner Mandantin gewesen sein wie auch eine stark geminderte Eizellqualität aufgrund der Schilddrüsenerkrankung. Außerdem haben Sie zwar die starke Gewichtszunahme meiner Mandantin von 72 auf 90 Kilo bzw. von einem BMI von 22 auf 27,5 innerhalb von 12 Monaten in Ihren Unterlagen als „Adipositas“ befundet, eine Nachfrage bei meiner Mandantin über die Gründe und Anregung einer medizinischen Ursachenforschung blieb jedoch vollkommen aus. Diese Nachfrage hätte ergeben, dass meine Mandantin in Hinsicht auf Ihre Ernährung nichts geändert hatte und sich sogar wesentlich mehr bewegte, was wiederum auf eine Stoffwechselstörung wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Morbus Cushing hindeutet.
Neben den emotionalen Schäden, die meine Mandantin durch die überflüssigen und aufwendigen Reproduktionsversuche erlitten hat, ist ihr ein materieller Schaden entstanden, den wir im Einzelnen noch beziffern werden.

Unabhängig davon möchten wir Ihnen die Gelegenheit geben, sich zu den unterlassenen Befundungen zu erklären, bevor die Angelegenheit Weiterungen erfahren muss.

Mit freundlichen Grüßen

Und warum werden in der Bibel unfruchtbare Frauen schwanger?

Geschrieben am Donnerstag 27 Mai 2010 von gabriele65197

Also, über diese Gespräche von Sonntag bzw. Dienstag bin ich noch immer nicht hinweg. Da wurde mir doch tatsächlich die Frage gestellt: wenn stimmt, dass Zeugung ein rein biologischer Akt ist, wieso gibt es dann in der Bibel so viele Geschichten von Frauen, die unfruchtbar sind? Zeigt nicht dieses Faktum alleine, dass Zeugung mehr ist als Biologie?
Ich muss sagen, dass mir zunächst keine echte Antwort darauf eingefallen ist. Aber jetzt denke ich: weil man anhand der Unfruchtbarkeit vitale Dinge über das Menschsein beschreiben kann. Weil es das Menschsein an der Wurzel und an seiner intensivsten Stelle trifft. Aber natürlich nicht, weil Zeugung eine geistige Komponente hat. Weil es in der Bibel um das Menschsein geht. Und nicht um Biologie. Denn in Hinsicht auf die Biologie hat sich in den letzten knapp 3 Tausend Jahren doch einiges getan, in Hinsicht auf das Menschsein eher weniger. Wir sind immer so froh, dass wir nicht mehr abergläubisch sind, dass ein faulender Zahn nicht heißt, dass man von einem bösen Geist besessen ist. Aber ist denn diese Haltung der Zeugung gegenüber nicht auch abergläubisch? Dass es nicht ein böser Geist ist, sondern mein böser Geist?
Auch die Geschichte der Frau, die jahrelang versucht, ihren Ex-Mann zurückzugewinnen, der sich ohne einen Grund zu nennen von ihr getrennt hat, der ihr dann sogar noch die neue Partnerin vor die Nase setzt und die dann Krebs bekommt soll bitte was beweisen? Seit wann ist eine zeitliche Folge das gleiche wie eine Kausalität? Das ist doch das einmal eins der Logik, und auch Theologen müssen doch ein Philosophicum ablegen, lernt man das da nicht?
Wenn Du so denkst, haben wir beide generell keine Gesprächsgrundlage mehr. Dann sind wir nicht mehr auf einer Wellenlänge. Klar, ich finde es auch schön, mir die Welt magisch zu denken. Aber dann lese ich “Hundert Jahre Einsamkeit”. Dass das Leben hart und ungerecht ist, dass habe ich gelernt. Dass es so ist wie es ist- oft ohne einen tieferen Sinn. Sinn ist das, was man sich im Nachhinein hineindenkt. Ich bin mitten drin.
Ganz selten soll es das ja geben, dass Stress die Hormone beeinflusst, dass es zum Beispiel zu Zyklusschwankungen führt. Aber wenn körperlich alles in Ordnung ist- wie bei uns ja angeblich in den ersten drei Jahren- wie kann denn dann die Psyche wirken? Oder so: Klar, wenn man traurig ist, hat man eine insgesamt schlechtere Immunabwehr, aber das kann man dann eben messen. Die Psyche kann doch nicht einfach der Platzhalter sein für: wir haben einfach bei der Diagnose Mist gemacht. Sie kann doch nicht “unsichtbar” wirken, mit Wodoo. Psychogen heißt doch: die Psyche ist die Ursache für ein manifestes körperliches Problem. Ach Menno: ich verstehe diesen Quark einfach nicht.

Gesprächsgrundlage

Geschrieben am Montag 24 Mai 2010 von gabriele65197

“Unfruchtbarkeit ist eine (körperliche) Krankheit, die mit medizinischen Mitteln bekämpft werden sollte- und nicht mit psychischen/ psychotherapeutischen Mitteln.” Dieser Satz ist für mich die einzige Gesprächsgrundlage, auf der ich über den unerfüllten Kinderwunsch sprechen werde. Nein, liebe Familie: wir müssen uns zunächst nicht mehr für ein Kind wünschen, als dass es endlich kommt. Ich mache keine Familienaufstellung, um das Kind zu sehen, das ich niemals haben werde (ich habe mir überlegt: ich stelle das Kind auf, das ich haben werde, und frage es dann, wann es geboren wurde *lol*) Es ist kein Trost, dass meine Eltern finden, dass Kinder zu haben auch nicht sooooo toll ist. “Man sagt doch, wenn ein Kind da ist (durch Ado oder IVF), dann kommen die nächsten von alleine.” Meine Einstellung zu meiner eigenen Kindheit (ich hatte kein “Netz und Boden”, das kann man ja mal googeln) hat nichts mit schlechten Spermien, Hashi, hohem Homocysteinwert und zu hohen Killerzellen zu tun. Wie auch.
Beim “wie auch” kommen interessanterweise nie Fakten, sondern immer nur Beispiele.

Was mich interessieren würde: wieso fragt mich keiner von Euch, wie das ist. Fast 6 Jahre zu warten, und man wird nicht schwanger. Wird nicht, wird nicht, wird nicht schwanger. Wie ist das: alle kennen Dein Problem, ohne darüber nachgedacht, geschweige denn es erlebt zu haben. Klar, ich habe Beine: ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sie nicht bewegen kann, weil man querschnittsgelähmt ist, hab ich auch immer, wenn ich zu lange im Schneidersitz sitze. Das kribbelt dann so. Klar: wir hatten bei unserem ersten auch drei Monate lang einen unerfüllten Kinderwunsch. Blindheit? Klar, kenne ich: manchmal ist es so dunkel, dass ich auch nichts sehe.
Das Beste ist dann mein lieber Mann: die Frau eines ehemaligen Kollegen hatte die Diagnose, dass die Eileiter undurchgängig sind und dass sie sich keine Hoffnungen mehr auf eine spontane Schwangerschaft machen soll. Einen Monat später ist sie schwanger und ihr Mann sagt: siehst Du, R., Männer können psychisch ihre Spermienqualität beeinflussen.
Muss man da nicht sagen: klarer Fall von Fehldiagnose? Warum muss dann immer die Psyche ran? Oder haben wir in unserer abendländischen Kultur eine solche Sehnsucht nach Mythen, dass die ungewollte Kinderlosigkeit dafür herhalten muss?

Ich brauche einen Mutmacher

Geschrieben am Mittwoch 17 März 2010 von gabriele65197

Ja, das hätte auch von mir stammen können. Ich brauche dringend einen Mutmacher. Keine Ahnung warum, aber heute geht es mir mal wieder ganz besonders schlecht. Gründe gibt es eigentlich nicht wirklich. M. hat mir gestern erzählt, dass sie schwanger ist. Erster oder zweiter ÜZ. Sie haben ja auch schon ein Kind, und irgendwie dachte ich, dass mir das nichts ausmachen wird. Fruchtbare Frauen laufen eigentlich ein bisschen ausser Konkurrenz. Also nix mit gemeinsam kugeln war mein zweiter Gedanke. Dann noch die Tatsache, dass ER übermorgen in den Skiurlaub fährt. Eigentlich war morgen Abend angedacht- aber der dritte im Bunde geht mit seiner Frau noch in die Oper. Mein Mann will mit mir nicht einmal ein Bier trinken gehen. Ich weiß nicht, wieso, aber die Kombination aus diesen beiden Tatsachen macht mich echt fertig. Es ist das eine, dass unser Kinderwunschweg so schwer ist, was mir natürlich an M. auffällt, die nicht einmal genau weiß, in welcher Woche sie ist, weil sie null darauf geachtet hat. Aber das andere ist, dass ich das Gefühl habe, dass ich ihn alleine gehe. Mein Mann geht Skifahren und ich gehe unseren Kinderwunschweg. Seit knapp sechs Jahren war ich nicht ein einziges Mal ohne ihn im Urlaub- aber er dafür 6 Mal. Täusche ich mich oder ist da irgendwie ein Missverhältnis? Manchmal frage ich mich, ob das Leben nicht viel schöner wäre, wenn wir keine KB machen würden (mit den entsprechenden Konsequenzen). Eine Antwort habe ich nicht, aber im Moment bin ich mir manchmal nicht sicher, ob die Antwort nicht ein schlichtes und einfaches ja ist.

Ich hab heute einen Mops getroffen

Geschrieben am Mittwoch 3 März 2010 von gabriele65197

… der Adonis heißt. Und der mich dann auch noch makiert hat. Ich bin aus dem Lachen immer noch nicht heraus.