Der Beipackzettel zum Blog
Da bin ich. Hörte, man würde mich lesen. Das freut mich! Und die anderen 600.000 freut’s auch - Spermien, meine ich, meine Spermien. Nun ja, nicht alle können sich freuen, geschätze 570.000 freuen sich nicht, die sind nämlich tot. Krass, oder? Über eine halbe Million tote, bin ich ne Leichenhalle auf zwei Beinen oder was? Und die restlichen 30.000, na ja, die hängen halt so rum, ziemlich unmotivierte, fußlahme Rekruten. Aktuelle Truppenstärke wird in ca. zwei Wochen wieder ermittelt. Vermutlich werden es noch weniger, ich war letzten Sommer schon mal bei 4,2 Millionen (*angeb*), das war der Tag, als der Doc sagte: “Schwanger auf natürlichem Wege? Sie? Vergessen Sie’s!”
Geschrieben hab ich schon vorher. So richtig regelmäßig seit dem 6. Februar 2007. Da hat sie mich abends auf dem McDonald’s-Parkplatz gefragt, ob ich ein Kind von ihr möchte. Und ich hab “Ja” gesagt. Das war eine tolle Zeit damals, wir hatten von Babys ungefähr so viel Ahnung wie Schweinchen Babe vom Wasserstoffbombenbau, ich dachte zum Beispiel, Größe 5 bei Windeln bezieht sich auf die Ausscheidungsmenge und dann diese Stramplergrößen! 56, 62, was soll das sein? Kann man da nicht einfach drauf schreiben: “Groß wie Hund”, “Groß wie Katze”, “Groß wie Maus”? Hab mich echt als Volldepp geoutet damals im H&M.
Ja, so begann ich zu schreiben. Hab alles aufgeschrieben und wollte es ihr zur Geburt als Buch schenken. Ich sag mal: in Theorie ein Spitzenkonzept, leider mit gewissen Unzulänglichkeiten in der Praxis, ungefähr 570.000 Unzulänglichkeiten. Gab’s halt den ersten Band des Buches zu Weihnachten, alle Geschichten vom McDonald’s bis zum Urologen. Der zweite Teil ist bald fertig und der dritte bereits begonnen.
Ich hab schon früher online geschrieben, doch genieße ich es, hier die Menschen mit absolutem Fachverstand anzutreffen. Hier muss man nicht groß erklären, dass sich “IXI” eigentlich “ICSI” schreibt und nicht so heißt, weil es was mit “WIXI” zu tun hat, sondern eine Abkürzung ist für “Intracytoplasmatische Spermieninjektion”, was wiederum keine Unterart von Gonorrhoe ist, sondern einfach nur “Poppen unterm Mikroskop” bedeutet. Auch der fürchterliche Hormonspritzerei kann man als Insider etwas Vorteilhaftes abringen, wenn man weiß, woher die Inhaltsstoffe kommen - ich persönlich würde das Pipi alter Frauen ja nicht oral einnehmen wollen. Na gut, vielleicht noch als Zäpfchen.
Das sind so die Themen, die mich beschäftigen und die ich literarisch verarbeite, um nicht vollends des Zeugungswahnsinns Opfer zu werden. Im Moment ist mein Buch mein Baby.