Archiv für November, 2010

Virusinfektion: Director’s Cut

Montag, 29 November 2010

Jaaa, der Film hat Überlänge. Die Viren und ich gehen in die Verlängerung. Mehr als ein mageres 1:1 hat mein schlaffer Körper nach sieben Krankheitstagen nicht rausholen können. Deswegen hat mir der Doc eine weitere Woche Nachschlag serviert.

Ich fühle mich alt. Ich sehe die Tage kommen, an denen ich wegen eines Schnupfens auf die Intensivstation muss. Vor zwanzig Jahren sagte ich mir: „Super, eine Woche krankgeschrieben, dann kann ich ja bereits am Donnerstag schon Party machen gehen.“ Die Jahre der Jugend, so schnell sind sie vorbei…

Ich nutzte die vergangenen Tage meines unfreiwilligen Aufenthalts in der Home Zone, um eifrig die Stuttgart-21-Schlichtung zu verfolgen. Anfangs nur, weil ich bei dem langweiligen Gelaber prima einschlafen konnte. Mit der Zeit wurde es aber wirklich interessant! Als erstes konnte ich feststellen: Alle Menschen haben Probleme, ihr Laptop an einen Beamer anzuschließen. Nicht nur ich. Ich bin also nicht zu blöd dafür, es scheint in der Natur der Sache zu liegen. Wenn sich ein Vorstand der DB AG vor einem Millionenpublikum damit blamiert, muss ich mich nicht schämen, wenn ich vor jedem Meeting zehn Minuten an den Gerätschaften rumfummle. Zweitens: Nie wieder werde ich behaupten, das Design meiner Powerpoint-Folien sei schlecht. Mannomann, was haben da manche Leute für Netzhautpeitschen aufgelegt! Allein daran zurückzudenken regt meinen Würgereiz an.

Nach meinem Dafürhalten hätte man die Runde der Diskutierenden stark verkleinern können. Heiner Geißler als Schlichter, Volker Kefer als Vertreter der Befürworter und Boris Palmer als Sprecher der Gegner. Das hätte vollkommen ausgereicht. Alle anderen waren nur Politisierter, Wichtigtuer, schmückendes Beiwerk, hatten Hunger auf Brezeln oder wollten schon immer mal ins Fernsehen. Am schlimmsten waren die Politiker – bis auf Palmer. Die haben geredet, wie Politiker nun mal reden, aber nicht wie Menschen, denen es um die Sache geht. Mappus und Kretschmann haben sich darüber gestritten, wer als Ministerpräsident mehr Patriotismus hätte. Das sollen sie bitte im Landesparlament machen oder sich alternativ vor dem Stuttgarter Rathaus mit Schneebällen bewerfen. Mappus‘ Kettenhund Gönner (brrrr, ganz unangenehme Person) hätte man mal besser auf den letzten Castor-Transport gesetzt, dann wären die Demonstranten von alleine weggelaufen. Winfried Hermann („dr Winne“, wie es Geißler einmal so schön rausgerutscht ist) macht sicher auf einem Stand in der Fußgängerzone unter einem grünen Sonnenschirm eine bessere Figur, und dann war da noch dieser Stadtrat, der aussieht wie Rübezahls Großneffe – Rockenbauch, genau. Der meldete sich ab und an mit mehr oder weniger sinnigen Beträgen, hatte aber in seiner Stimme immer so den Unterton eines kleinen Kindes, dem man grade den Lutscher weggenommen hat. „Auch das waren wieder Worte, die gesagt werden mussten“, kommentierte ihn Geißler oft und ich glaube nicht, dass Rockenbauch alle Botschaften dieser Nachricht verstanden hat. Auffällig war die Frau vom BUND, Dahlbender. Ein Paradebeispiel des selektiven Verstehens. Kefer sagt: „Unser geplanter Fahrplan ist ambitioniert, aber machbar.“ Darauf Dahlbender zehn Minuten später: „Sie geben ja selber zu, dass ihr Fahrplan so nicht durchführbar ist.“ Na, da bin ich ja beruhigt, wenn derart helle Köpfe in so einer Schlichtungsrunde sitzen. Am Ende bauen sie diesen Bahnhof auf Stelzen!

Ein ganz anderes Kaliber von unwesentlich geringerer intellektueller Durchschlagskraft waren die Fachexperten. Leider hab ich von denen einige verschlafen. Ich erinnere mich aber an den Geologen der Gegner. Ich sag mal so: In diesem Leben wird der auch kein Showmaster mehr. Der Geologe der Befürworter, stilsicher mit Fliege, war auch nicht von schlechten Eltern, Kategorie „Der zerstreute Professor“. Man könnte auch sagen: Der Professor Hastig vom Nesenbach.

Am schönsten an der ganzen Veranstaltung fand ich, dass es dort auch nicht anders zuging als in den Meetings, in denen ich sitze. Sehr oft wurde jemand etwas gefragt, dem grad die halbe Brezel aus dem Mund hing und er sich in Folge dessen zu dem jeweiligen Sachverhalt nur Stückchen spuckend äußern konnte. Geißler hatte offensichtlich seinen Spaß und lernte nebenbei einiges über Projektmanagement. Zum Beispiel, dass eine knapp bemessene Planung „optimistisch“ genannt wird und eine Planung mit vielen Pufferzeiten „konservativ“. „Wie können Sie denn etwas, das augenscheinlich zu knapp bemessen ist, ‚optimistisch‘ nennen?“, rief er einem Vertreter der Bahn zu. „Wo bleibt denn da der Optimismus, wenn von Anfang an schon fest steht, dass es schief laufen wird?“ Ich wünschte, Heiner Geißler wäre ab und zu auch in meinen Meetings anwesend.

Sehr vertraut war mir auch das Gemaule am Samstag um siebzehn Uhr, als Geißler den Anwesenden mitteilte, jetzt doch noch das Thema Quellenschutz dranzunehmen und er deswegen das von ihm um fünfzehn Uhr prognostizierte Ende der Veranstaltung, nämlich siebzehn Uhr, nicht einhalten könne. Oh, da waren die Anwesenden aber ähnlich ungehalten wie ein Haufen Schuljungen, denen der Lehrer sagte, dass der Nachmittagsunterricht leider doch nicht ausfällt. „Dann nehmen sie halt den nächsten Zug nach Hause“, sagte er zu dem in sich hinein grummelnden Volker Kefer, „wir haben doch erst heute von Ihnen gehört, dass die im Taktverkehr fahren.“ „Mir geht es nicht um den Zug“, erwiderte dieser, „mir geht es um meine Frau.“ Aha. Um seine Frau. Da sitzen ein paar Leute zusammen und ringen um Investitionen in Höhe von, sagen wir mal optimistisch geschätzt, acht Milliarden Euro (Bahnhof und Neubaustrecke Ulm-Wendlingen zusammen genommen) und Herr Kefer muss bei Einbruch der Dunkelheit zuhause bei seiner Frau sein. Ich habe dafür nur zwei Erklärungen: Entweder steht der Vorstand Technik, Systemverbund, Dienstleistungen und Infrastruktur der Deutschen Bahn zuhause brutalst unterm Pantoffel, oder seine Frau ist eine derart heiße Schnegge, dass ein Mann für zwei Stunden mehr mit ihr acht Milliarden Euro links liegen lässt.

Egal, welche der beiden Erklärungen die richtige ist: Frau Kefer, Sie haben meine allergrößte Hochachtung!

Die schlimmste Nacht bisher

Donnerstag, 25 November 2010

war die vergangene. Also, was den Krankheitsverlauf betrifft. Nicht auf mein Leben bezogen, oh nein, da gab es weitaus schlimmere, zum Beispiel die Nacht vor meiner ersten Diplomprüfung oder die am Zoll in Torfyanovka im finnisch-russischen Niemandsland. Vergangene Nacht bin ich dreimal mit Kopf-, Hals-, Zahn-, Kiefer- und Ohrenschmerzen aufgewacht, dazu tischtennisballgroße Lymphknoten am Nacken. Um fünf Uhr hab ich zwei Kopfschmerztabletten genommen und danach geschlafen bis um halb zwei heute Nachmittag. Jetzt ist es etwas besser, jedoch sind die Lymphknoten immer noch geschwollen. Das ist aber normal bei mir. Seitdem ich mit fünfzehn Pfeiffersches Drüsenfieber hatte, wirft mein Körper bei allem, was nicht innerhalb von drei Tagen weggeht, vorsichtshalber mal die Lymphdrüsenmaschine an, manchmal schon bei einem eingerissenen Fingernagel. Einige Ärzte werden dann recht nervös und fangen an, mir was von Dengue-Fieber, Tollwut oder Japanische Enzephalitis zu erzählen, auf was ich dann pflichtschuldigst erwidere, dass mir mal ein Arzt gesagt hat, dass immunologische Reaktionen individuell ausfallen und nur, weil bei einem Patienten die Lymphknoten frühestens im ersten Drittel der letzten Ölung anschwellen, es nicht bedeutet, dass man in meinem Fall die Gelben Seiten präventiv unter „B“ wie „Bestatter“ aufschlagen muss. Ich hoffe, unser Doc sieht das ähnlich und rauft sich jetzt nicht die Haare.

Den ganzen Tag mit ner Kanne Tee im „abgesicherten Modus“ auf dem Sofa rumhängen ist echt ätzend. Fernsehen schaue ich schon lange nicht mehr, sorry, aber ich hab schon genug Schmerzen. Zur Ablenkung habe ich beschlossen, dass ganze Internet durchzulesen, und wenn man Werbung und Schweinkram abzieht bin ich gefühlt schon bei mindestens zwanzig Prozent. Da erfährt man echt interessante Sachen! Zum Beispiel habe ich gelesen, dass im Keller der Haftanstalt Berlin-Moabit ein funktionstüchtiges Fallbeil eingelagert ist, weil man ja nie wissen kann, mit welchen Innovationen die nächste Bundesregierung aufwarten wird. Oder dass der höchste Flaggenmast der Welt im nordkoreanischen Gi-Jeong-Dong steht und die Fahne, die an ihm flattert, 270 Kilo wiegt. Zugegeben, das alleine ist jetzt eher eine mittelspannende Information, interessant wird es aber, wenn man weiß, dass anscheinend das US-Amerikanische „Solidier of Fortune“-Magazin demjenigen, der es schafft, diese Fahne zu klauen, eine Million US-Dollar als Belohnung auszahlen will. Sicher eine interessante Option für alle, die bei Günther Jauch an der 125.000-Euro-Frage gescheitert sind, wäre da nicht der klitzekleine Haken, dass Gi-Jeong-Dong mitten in einem Minenfeld in der Entmilitarisierten Zone liegt. Ich hab aber auch was für meine Bildung getan und noch mal genau nachgelesen, wie das jetzt ist mit den Lymphknoten und der Immunabwehr. Auch wenn es mir im Moment dreckig geht kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass mein Körper bis in die Haarspitzen durchtränkt ist mit T-Killerzellen. Harr harr, hasta la vista, Virusinfektion, in der Hölle sollst du schmoren!

So, das reicht für heute, wünsche einen guten Tag allerseits, der Virenterminator geht jetzt ein Nutellabrot essen.

Virus

Dienstag, 23 November 2010

Als grundsätzlich gesund lebender Mensch denke ich bei Viren zunächst an kaputte Festplatten oder gehackte Sicherheitssoftware von Atomkraftwerken. Aber dieses Mal sind es die echten. Der herbstliche Klassiker: Sonntagabends bumsfidel ins Bett gestiegen und vier Stunden später aufgewacht mit einem Gefühl, als hätte ich den Basketball, den mir jemand grade volle Karotte an die Ömme gedonnert hätte, auch noch geschluckt und er wäre im Hals stecken geblieben. Super. Also eine Woche Sofa hüten. An Schlaf war nicht mehr zu denken, zu heiß, zu kalt, zu heiß, zu kalt, weiß nicht, wie ich noch liegen soll, alles tut weh, alles bäh. Morgens den Doc angerufen, “Kommse um 10.45 Uhr vorbei”, bis dahin noch die wichtigsten geschäftlichen Sachen geregelt und dann ab ins Auto.

Mein Doc ist ein Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt Inneres und im Wartezimmer sieht es immer aus wie im Aufenthaltsraum eines Altersheims. Bereits im Empfangsbereich höre ich schon das Pfeifen löchriger Lungenflügel und Schimpftiraden rüstiger Mittachtziger, die sich darüber beschweren, dass sie schon eine Stunde hier sitzen und deswegen ihre montägliche Bingorunde verpassen. “Irgendwie schon geil, Rentner zu sein”, denke ich mir und lege mein Kärtchen plus zehn Euro Schmiergeld auf den Tresen. Viel mehr bekomme ich nicht mit, da ich auf meinem strategisch günstig gewählten Eckstuhl etwas Schlaf der vergangenen Nacht nachhole, bis mich mein Arzt mit den Worten “Herr Feibner, gehen Sie doch schon mal in Behandlungszimmer eins” sanft weckt.

Dort erzähle ich ihm meine Leidensgeschichte der vergangenen Nacht und er schaut mir in den Hals, um sicher zu gehen, dass es keine bakterielle Infektion ist. Ist es aber nicht. Die Mandeln fühlen sich so dick an wie reife Wassermelonen. Das ist Virus. Würden sie sich so dick anfühlen wie reife Wassermelonen plus zwanzig reingerammte Obstmesser, dann sind Eiterpickel drauf. Das wäre dann bakteriell. Im Laufe der Jahre hab ich ganz gut gelernt, die die Signale meines Körpers zu interpretieren. “Nehmen Sie ein paar Kopfschmerztabletten, trinken Sie ein warmes Bier und legen Sie sich ins Bett”, sagt er zu mir. Cool. Diese Art der Krankheitsbekämpfung kommt mir entgegen. Außerdem ist das alles rezeptfrei.

Aus dem Bier hab ich jetzt fünf warme Ramazzotti gemacht, da ich mir denke, viel Alkohol hilft viel, außerdem hat so eine Zitronenscheibe wichtiges Vitamin C. Wirklich besser ist es dadurch nicht, dafür dreht sich jetzt alles ein bisschen und es macht mehr Spaß, Leute in der Firma per ICQ aufzuziehen, dass sie arbeiten müssen, während ich angeschossen auf dem Sofa liege und rumhartze. Man darf ja diese psychologische Komponente des Genesungsprozesses nicht unterschätzen. Ich sach dann mal “Prost” und euch allen noch einen schönen Arbeitstag!

365 Tage

Samstag, 13 November 2010

Guten Morgen!

War schon lange nicht mehr in diesem Blog drin… musste erst mal den Staub von den Pixeln kratzen. Hab durch Zufall vorhin gemerkt: Genau ein Jahr ist es her, dass ich ein mein Buch zum ersten Mal in den Händen hielt – sogar gleich ne ganze Kiste davon. Hab viel Werbung gemacht, Flyer gedruckt, Artikel geschrieben, Interviews gegeben. Wie alle Autoren, die nicht “Schätzing” oder “Rowling” mit Nachnamen heißen, kann auch ich bestätigen: Finanziell lohnt es sich nicht, ein Buch zu schreiben. Der Gewinn liegt in anderen Bereichen. “Was macht die Kinderplanung?”, werd ich oft gefragt. “Liegt auf Eis”, antworte ich dann und nur KiWu-Insider wissen, was genau ich damit meine.

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, dass sich zum letzten Mal an einem Samstagmorgen hier auf dem Sofa saß mit einer Kaffeetasse und blogge. Es gab eine Zeit, da war das mein Wochenendauftaktstandardprogramm. Hab wilde Geschichten über mein Leben gepostet. Heute ist es nicht mehr so wild wie damals. Oder vielleicht ist es immer noch wild, nur werde ich älter und gelassener. Vermutlich beides ein bisschen. Kinder – Kinder haben wir keine. Die Frage nach Kindern ist mir mittlerweile auch gar nicht mehr so wichtig wie früher. Angenommen, ich müsste morgen sterben, dann wäre es mir wichtiger, heute einen schönen Tag zu erleben, als mich mit quälenden Fragen zu beschäftigen. Seitdem ich mir das bewusst gemacht habe, lebt es sich in allen Lebenslagen deutlich entspannter. Trotzdem kann ich mich immer noch über vieles leidenschaftlich aufregen ;-)

Wie genau es zu dieser Einstellung kam und ob sie für immer so bleiben wird, weiß ich nicht. Das ist nicht wie ein Schalter, den man einfach umlegen kann und dann ist alles geschmeidig. “Entspann dich mal!”, ist einer dieser super Ratschläge von Leuten an Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch, die nicht wissen, was so ein Schicksal bedeutet. Ich teile dieses Schicksal mit vielen, teile es vermutlich mein ganzes Leben lang, und hab die Behandlungen und das Drumherum alles mitgemacht. Dachte, ich wäre entspannt, war es aber gar nicht. Vielleicht gehe ich eines Tages wieder in die Klinik und falle dann wieder in Anspannung zurück. Oder auch nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Ich bin glücklich. Jetzt, heute, gestern und die letzte Woche auch schon und lange Zeit davor und morgen hoffentlich auch noch und hoffentlich mein Leben lang. Und klar: Manchmal ärgere ich mich trotzdem und hab auch schlechte Tage. Aber es gibt im Moment nichts, was an mir nagt, was ich unbedingt erreichen will, was mich traurig und unglücklich macht. Ich wünschte, es gäbe da so einen Schalter und ich könnte jedem erzählen, wie er ihn drücken muss und in zwei Wochen hätten wir dann Weltfrieden. Aber das kann ich nicht, und wenn ich es könnte, dann würde ich für diesen Rat von jedem fünf Euro kassieren und wäre im Handumdrehen Milliardär und könnte dann endlich die Hohlräume im Schweller des SL mit Epoxydharz ausspritzen lassen, damit dieses verdammte Rumgeroste ein für alle mal ein Ende hat.

Seit dem Sommer hab ich mein eigenes Team in der Firma. Ja, ich bin jetzt Chef! Also ein kleiner Chef, kein großer. Über mir sind noch einige Chefs bis zu der Ebene, wo ein Chef ein “Chef” ist. Kindererziehung muss ziemlich ähnlich funktionieren wie ein Team zu führen. Vielleicht sollte ich ein Buch schreiben über Erziehung, allerdings mit Erwachsenen in der Rolle der Kinder. Die Ähnlichkeiten sind frappierend: Manchmal sind sie die dicksten Freunde, manchmal ziehen sie sich an den Haaren oder bewerfen sich mit Förmchen, einige sind schüchtern und trauen sich zu wenig zu, andere wollen immer im Vordergrund stehen, einige rennen immer gleich los und wundern sich dann über die Konsequenzen ihres Handelns, manche sind übervorsichtig und zögern zu lange in ihrem Handeln. Jeder von ihnen ist ein Charakter, ein individueller Mensch, der von Erfahrungen geprägt ist und deswegen so ist, wie er ist, und deshalb auch eine individuelle Behandlung nicht nur verdient, sondern auch benötigt, wenn das große Ganze funktionieren soll – was leider im Arbeitsalltag nicht immer möglich ist. Oft komme ich mir vor wie der Papa, auch gegenüber Älteren, da ich ständig im übertragenen Sinne Sätze sagen muss wie: “Nein, es gibt jetzt keine Schokolade”, “Geh nicht zu nahe an die Herdplatte, die ist nämlich heiß” “Nein, dein Daumen ist nicht gebrochen, das ist nur eine Schramme, das heilt wieder, ja ich weiß, das tut weh, komm mal her, ich puste drauf und dann ist es gleich besser” “Nein, auch wenn du ein schönes Bild gemalt hast, über Schokolade reden wir erst wieder am Jahresende, erinnerst du dich, das hatten wir gestern so vereinbart. Du erinnerst dich nicht? Schau mal, hier haben wir es aufgeschrieben.” “Der Paul hat deinen Sandkuchen nicht mit Absicht kaputt gemacht. Der ist beim Fahrradfahren einfach nur ausgerutscht und hat sich selbst dabei weh getan. Komm, wir gehen mal zum Paul und reden mit ihm.” “Ich hab dir gesagt, die Herdplatte ist heiß, aber du musstest ja deine Hand drauf legen. Und nun? Jetzt komm mal auf meinen Schoß und dann sprechen wir darüber, was du daraus für die Zukunft gelernt hast.”

Ich glaub, wer ein Team hat, der braucht keine Kinder mehr…