Urlaub
„Fahren Sie doch mal in Urlaub! Im Urlaub sind die Menschen generell entspannter und da hat es schon bei so manchem geklappt“, hat Herr Doktor im Frühjahr gesagt.
Also fahren wir in den Urlaub.
Ostsee. Wundervoll.
Schlafen, bis die Sonne einen wach küsst.
Fahrrad fahren durch nicht enden wollende Wälder.
Gemeinsam alte Gemäuer entdecken.
Alle Eissorten ausprobieren („Du nimmst die ganze obere Reihe, ich die ganze untere und nach der Hälfte tauschen wir.“).
Mit einer Muschel ein Herz mit unseren Initialen in den Sand ritzen und zuschauen, wie es langsam von der Flut hinaus getragen wird und sich über alle sieben Weltmeere verteilt.
Sich von grenzenlos zur Verfügung stehender Zeit treiben lassen als läge man auf einer Luftmatratze im unendlichen Ozean.
Gutes Essen, regelmäßig und deftig wie bei Muttern.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Urlaub mit Halbpension gebucht. Halbpension stellte sich als etwas sehr Angenehmes heraus, denn es nahm mir den Stress, mich jeden Abend durch eine mehrseitige Speisekarte durchackern zu müssen und mich für ein Gericht zu entscheiden. Außerdem ist Halbpension spannend: „Was wird es wohl heute Abend zu essen geben?“, fragten wir uns den ganzen Nachmittag, da sämtliche andere Probleme, mit denen sich der Kopf beschäftigen könnte, zu Hause gelassen wurden.
Andererseits wird es auch das letzte Mal in meinem Leben gewesen sein, dass ich Halbpension gebucht habe. Was nicht am Essen an sich lag, das war jeden Abend ausgezeichnet und sehr reichhaltig. So reichhaltig, dass ich immer ihre Reste aufessen musste, weil sie nicht alles schaffte. Ich kam mir vor, als hätte ich nicht Halbpension, sondern Zweidrittelpension gebucht. Es hatte schon ein bisschen was von Mastbetrieb.
„Heute Abend gibt es vorab eine Soljanka, danach Holzfällersteak mit Bratkartoffeln“, sagt die Bedienung und verschwindet Richtung Küche.
„Was ist Soljanka?“, fragt sie mich.
„Das ist das, was rauskommt, wenn du einem Russen erklärst, er soll eine Minestrone machen.“, antworte ich.
„Aha - mag ich das?“
„Ich finds besser als Minestrone.“
Sie mag die Soljanka, die wirklich vorzüglich zubereitet ist. Zwischen Soljanka und Holzfällersteak rutscht eine sehr interessante Diskussion zum Thema „Babynamen“.
„Unseren Favoriten können wir übrigens nicht nehmen“, sagt sie.
„Warum?“
„Es gibt, wie soll ich mich jetzt ausdrücken, ich sag mal: Es gibt einen weiblichen Hygieneartikel, der so heißt. Simone hat mich neulich darauf aufmerksam gemacht.“
„Echt jetzt? Hab ich noch nie gesehen.“
„Du gehörst auch nicht unbedingt zum Käuferkreis von weiblichen Hygieneartikeln.“
„Was ich in letzter Zeit auch sehr mag ist ‚Rita’. Was hältst du von ‚Rita’?
„‚Rita’ klingt altbacken.“
„Weißt du, welcher Name mir auch immer mehr gefällt? ‚Bruno’.“
„‚Bruno’? Das ist ja furchtbar! Außerdem wird es sowieso ein Mädchen, schon vergessen?“
„Wie wär’s mit ‚Bruni’“?
„Völlig indiskutabel.“
„Es gibt auch Eltern, die, wenn sie ein Kind im Urlaub zeugen, ihm einen landestypischen Namen geben.“
„Aha. Und was wären denn hier so die landestypischen Namen?“
„Hm – ich weiß nicht, ob es wirklich typische ostdeutsche Namen gibt. Damals im Studium konnte ich jedoch unter den ostdeutschen Kommilitonen eine auffällige Häufung von ‚Falks’ und ‚Mandys’ ausmachen.“
Sie schaut mich mit zugekniffenen Augen an, beugt sich über den Tisch zu mir herüber und flüstert: „‚Falk’, ‚Mandy’ - Bub, wenn das dein Ernst ist, dann renne ich jetzt sofort in die Apotheke und hole Kondome.“
Dienstag, 26 August 2008 at 15:25
Hallo Herr Tastentiger
Das könnten auch wir sein: Urlaub gibts dieses Jahr wieder an der Ostsee und wieder mit Halbpension für mich und Zweidrittelpension für meinen Göga. Bei den landestypischen Namen muss ich auch abraten Falk und Mandy geht ja gar nicht.
muss dazu noch gestehen das Göga und ich reinrassige Ossis sind
aber wir hatten Glück und unsere Eltern haben vernünftige Namen ausgesucht.
Hier noch ein paar typische Ostdeutsche Namen: Jens, Katrin, Kevin, Anja, Stefan, Jaqueline ( sprich Tschakeline) um nur mal einige zu nennen.
GlG Schnecke 79
Dienstag, 26 August 2008 at 16:38
Hallo Schneckeline.
Normalerweise kommentiere ich grundsätzlich keine Kommentare. Doch hier kann ich nicht anders.
Jaqueline.
Das ist ganz großes Kino. Riesig. Ehrlich.
Der Proberaum unserer Band liegt in einem Industriegebiet an der Bundesstraße eingekeilt zwischen einer Mega-Shell-Tanke und einem US-amerikanischen Gourmetrestaurant mit goldenen Bögen. Beides always open, die perfekte Infrastruktur für Wannabe-Rockstars. In der Shell-Tanke arbeitet - Jaqueline. Der Name hat uns zu einem kleinen Liedchen inspiriert, das wir immer trällern, wenn wir dort hinfahren, um den Bus aufzutanken oder ne Pizza zu holen. Das geht ungefähr so, der Text unterliegt Variationen je nach Uhrzeit und Alkoholpegel:
Oh Schakkeline
du bist die Biene
von der Tanke
gleich bei der Schranke
Oh Schakkeline
du süße Biene
sei keine Trine
gib Gasoline
Oh Schakkeline
du flotte Biene
ich nie verdiene
einmal zu greifen
deine zwei Schleifen…
Dienstag, 26 August 2008 at 17:06
Ja mit Tschakeline hat man immer Spass.