Vier Tage
Heute wird ein bisschen was passieren. Es ist Montag und mein Chef ist aus dem Urlaub zurück. Braun gebrannt, Gut gelaunt und in einer Stimmung, als gäbe es auf der ganzen Welt keine Probleme und der Weltfrieden wäre etwas, das schon seit Jahrzehnten existierte.
„Tach! Und? Wie geht’s? War was?“, trompetet er gut gelaunt, als er um halb zehn das Büro betritt.
Ich ringe mir ein Lächeln ab.
„Och, alles soweit normal. Wir haben ja heute Nachmittag Termin, da gibt’s die Details.“
Sechs Stunden später sitzen wir uns in einem Besprechungsraum gegenüber. Ich versuche, mich langsam zum Kern meiner Botschaft durchzuarbeiten und den Weg dorthin möglichst schonend zu gestalten. Aber so recht will mir das nicht gelingen. Zu desaströs ist die Bilanz meiner Situation.
Dass mein internes Projekt nicht richtig läuft.
Dass sich mein Auftrag, den ich am Anfang des Jahres erhalten habe, sich so nicht durchsetzen lassen wird.
Dass ich feststecke.
Dass ich mich dran aufreibe.
Dass ich keine Kraft mehr habe, dieses Projekt weiter fortzuführen.
Dass eine Fortführung auf diese Art und Weise keinen Sinn macht und mich und viele andere Mitarbeiter nur noch nervt.
Dass es nur noch frustrierend ist.
Dass ich deswegen zumindest einen Tag in meiner Arbeitswoche etwas machen möchte, was mich motiviert und mir Spaß bringt und ich deswegen nur noch vier Tage pro Woche arbeiten möchte.
Das Gesicht meines Chefs sieht aus wie ein entgleister Regionalexpress. Aber was soll ich tun? Ich hab einfach gesagt, wie es ist und wie ich mich fühle.
Dennoch bewahrt er Haltung und sagt mir zu, sich bei der Personalabteilung zu erkundigen, was man da machen kann. Danach kommen die üblichen Chefargumente, ob mich mir das auch genau überlegt hätte, wäre ja auch zwanzig Prozent weniger Einkommen, eventuell keine Berücksichtigung bei der Vergabe von neuen Aufgaben, weil ich nicht Vollzeit da sein könnte und wie dringend er mich doch brauchen würde undundund.
Ja, hab ich mir alles überlegt. Bleib mir weg mit deinem Geld und deinen Projekten, das konnte mich bisher nicht glücklich machen, warum sollte es das in der Zukunft? Bisher hat mir das zwar Geld gebracht, aber auch drei wesentliche Dinge geraubt: Zeit, Nerven und Spermien.
Bedröppelt verlassen wir beide den Besprechungsraum.
In vier Tagen hab ich Urlaub. Und außerdem muss ich jetzt los, mal wieder mein teures Blut beim Urologen ablatzen.
Dienstag, 26 August 2008 at 16:52
Gut gemacht.
lg
shusl