Archiv für August, 2008

Mütter und Motorradfahrer

Dienstag, 26 August 2008

Zurück aus dem Norden. Nach einer Woche wurde es uns dann doch zu kalt und wir beschließen, für ein paar Tage in die südlichen Zipfel der Republik zu fahren. Ich nutze den Aufenthalt dort für einen Besuch meiner ehemaligen Kollegin Nadine. Ich hab mit Nadine früher ein Büro geteilt, jetzt arbeitet sie in München, ist verheiratet und hat einen vier Monate alten Sohn.

Wir treffen uns auf dem Marienplatz unterm Glockenspiel um ein Uhr. Ich sehe sie Kinderwagen schiebend durch den Dauerregen auf mich zulaufen. Als erstes fällt mir auf, dass sie seit unserem letzen Treffen vor zwei Jahren ziemlich viele graue Haare bekommen hat. Bevor ich sie drauf ansprechen kann kommt sie mir zuvor.

„Wir müssen noch eine Weile spazieren gehen, der Kleine schläft noch nicht.“

Kein Problem, also gehen wir ein Stück.

Sie erzählt mir, dass er generell wenig schläft, weil er vermutlich Angst hat, was zu verpassen. Und im rollenden Kinderwagen schläft er nun mal am besten ein.

Wir ziehen zwischen Stachus und Viktualienmarkt unsere Kilometer durch den Regen hin und her und beobachten, wie die Augen des kleinen Mannes langsam zufallen bevor er sie ruckartig wieder weit aufreißt und uns anschaut, als wollte er sagen: „Boah, habt ihr gemerkt, beinahe wär ich eingeschlafen und hätte dann fast was verpasst!“

Für seine vier Monate ist ihr Sohnemann ein Hüne, ein echtes Riesenbaby. Was hinsichtlich der Körpergröße seiner Eltern nicht verwunderlich ist. „Im letzten Trimester sagte die Frauenärztin bei jeder Untersuchung zu mir: ‚Also ich sag Ihnen jetzt nicht mehr, wie groß er ist, ich möchte Ihnen ja nicht unnötig Angst machen.’“, meint Nadine lachend. „Trotzdem war die Geburt erstaunlich unspektakulär, vier Stunden und von den Schmerzen her ging’s eigentlich.“

Schließlich gewinnt Morpheus das Ringen um den Schlaf und wir gehen in ein Restaurant. „Ich hab heut noch nichts gegessen.“, sagt Nadine.

Wir nehmen Platz neben Mutter und Oma, die ebenfalls besäuglingt unterwegs sind und grüßen einander herzlich.

„Mütter sind wie Motorradfahrer,“, weiß Nadine zu berichten, „eine verschworene Gemeinschaft. Man grüßt sich, man setzt sich zueinander, man fachsimpelt miteinander. Man hilft sich sofort bei Pannen und leiht sich ohne Bedenken gegenseitig das Werkzeug aus, weil man weiß, dass es der andere niemals mitgehen lassen würde.“

Wir holen die letzten beiden Jahre nach. Ihre Hochzeit, Schwangerschaft, Geburt, wo ich bei dem Thema „Kinder“ im Moment stehe, die Firma, Karriere, gemeinsame Bekannte. Nebenher wechseln wir uns beim Wackeln des Kinderwagens ab, damit der Kleine ja nicht auf die Idee kommt, er würde gerade etwas verpassen.

„Wie sind denn so deine Nächte?“, frage ich.

Nadine deutet mit der Gabel zu ihrem Kopf.

„Siehst du diese Haare?“

„Ja.“

„Noch Fragen?“

„Wie oft kommt er pro Nacht?“

„Heute um zwei und um vier.“

„Und seit wann ist er wach?“

„Seit sechs.“

„Keine weiteren Fragen, Euer mütterlichen Ehren.“

„Zweimal pro Nacht raus ist Standard seit vier Monaten. Manchmal geb ich ihm morgens um vier die Brust und denke mir: ‚Wenn du jetzt noch mal vor sieben aufwachst, dann wachst du nie mehr auf!’“

Urlaub

Montag, 25 August 2008

„Fahren Sie doch mal in Urlaub! Im Urlaub sind die Menschen generell entspannter und da hat es schon bei so manchem geklappt“, hat Herr Doktor im Frühjahr gesagt.

Also fahren wir in den Urlaub.

Ostsee. Wundervoll.

Schlafen, bis die Sonne einen wach küsst.

Fahrrad fahren durch nicht enden wollende Wälder.

Gemeinsam alte Gemäuer entdecken.

Alle Eissorten ausprobieren („Du nimmst die ganze obere Reihe, ich die ganze untere und nach der Hälfte tauschen wir.“).

Mit einer Muschel ein Herz mit unseren Initialen in den Sand ritzen und zuschauen, wie es langsam von der Flut hinaus getragen wird und sich über alle sieben Weltmeere verteilt.

Sich von grenzenlos zur Verfügung stehender Zeit treiben lassen als läge man auf einer Luftmatratze im unendlichen Ozean.

Gutes Essen, regelmäßig und deftig wie bei Muttern.

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Urlaub mit Halbpension gebucht. Halbpension stellte sich als etwas sehr Angenehmes heraus, denn es nahm mir den Stress, mich jeden Abend durch eine mehrseitige Speisekarte durchackern zu müssen und mich für ein Gericht zu entscheiden. Außerdem ist Halbpension spannend: „Was wird es wohl heute Abend zu essen geben?“, fragten wir uns den ganzen Nachmittag, da sämtliche andere Probleme, mit denen sich der Kopf beschäftigen könnte, zu Hause gelassen wurden.

Andererseits wird es auch das letzte Mal in meinem Leben gewesen sein, dass ich Halbpension gebucht habe. Was nicht am Essen an sich lag, das war jeden Abend ausgezeichnet und sehr reichhaltig. So reichhaltig, dass ich immer ihre Reste aufessen musste, weil sie nicht alles schaffte. Ich kam mir vor, als hätte ich nicht Halbpension, sondern Zweidrittelpension gebucht. Es hatte schon ein bisschen was von Mastbetrieb.

„Heute Abend gibt es vorab eine Soljanka, danach Holzfällersteak mit Bratkartoffeln“, sagt die Bedienung und verschwindet Richtung Küche.

„Was ist Soljanka?“, fragt sie mich.

„Das ist das, was rauskommt, wenn du einem Russen erklärst, er soll eine Minestrone machen.“, antworte ich.

„Aha - mag ich das?“

„Ich finds besser als Minestrone.“

Sie mag die Soljanka, die wirklich vorzüglich zubereitet ist. Zwischen Soljanka und Holzfällersteak rutscht eine sehr interessante Diskussion zum Thema „Babynamen“.

„Unseren Favoriten können wir übrigens nicht nehmen“, sagt sie.

„Warum?“

„Es gibt, wie soll ich mich jetzt ausdrücken, ich sag mal: Es gibt einen weiblichen Hygieneartikel, der so heißt. Simone hat mich neulich darauf aufmerksam gemacht.“

„Echt jetzt? Hab ich noch nie gesehen.“

„Du gehörst auch nicht unbedingt zum Käuferkreis von weiblichen Hygieneartikeln.“

„Was ich in letzter Zeit auch sehr mag ist ‚Rita’. Was hältst du von ‚Rita’?

„‚Rita’ klingt altbacken.“

„Weißt du, welcher Name mir auch immer mehr gefällt? ‚Bruno’.“

„‚Bruno’? Das ist ja furchtbar! Außerdem wird es sowieso ein Mädchen, schon vergessen?“

„Wie wär’s mit ‚Bruni’“?

„Völlig indiskutabel.“

„Es gibt auch Eltern, die, wenn sie ein Kind im Urlaub zeugen, ihm einen landestypischen Namen geben.“

„Aha. Und was wären denn hier so die landestypischen Namen?“

„Hm – ich weiß nicht, ob es wirklich typische ostdeutsche Namen gibt. Damals im Studium konnte ich jedoch unter den ostdeutschen Kommilitonen eine auffällige Häufung von ‚Falks’ und ‚Mandys’ ausmachen.“

Sie schaut mich mit zugekniffenen Augen an, beugt sich über den Tisch zu mir herüber und flüstert: „‚Falk’, ‚Mandy’ - Bub, wenn das dein Ernst ist, dann renne ich jetzt sofort in die Apotheke und hole Kondome.“

Vier Tage

Freitag, 22 August 2008

Heute wird ein bisschen was passieren. Es ist Montag und mein Chef ist aus dem Urlaub zurück. Braun gebrannt, Gut gelaunt und in einer Stimmung, als gäbe es auf der ganzen Welt keine Probleme und der Weltfrieden wäre etwas, das schon seit Jahrzehnten existierte.

„Tach! Und? Wie geht’s? War was?“, trompetet er gut gelaunt, als er um halb zehn das Büro betritt.

Ich ringe mir ein Lächeln ab.

„Och, alles soweit normal. Wir haben ja heute Nachmittag Termin, da gibt’s die Details.“

Sechs Stunden später sitzen wir uns in einem Besprechungsraum gegenüber. Ich versuche, mich langsam zum Kern meiner Botschaft durchzuarbeiten und den Weg dorthin möglichst schonend zu gestalten. Aber so recht will mir das nicht gelingen. Zu desaströs ist die Bilanz meiner Situation.

Dass mein internes Projekt nicht richtig läuft.

Dass sich mein Auftrag, den ich am Anfang des Jahres erhalten habe, sich so nicht durchsetzen lassen wird.

Dass ich feststecke.

Dass ich mich dran aufreibe.

Dass ich keine Kraft mehr habe, dieses Projekt weiter fortzuführen.

Dass eine Fortführung auf diese Art und Weise keinen Sinn macht und mich und viele andere Mitarbeiter nur noch nervt.

Dass es nur noch frustrierend ist.

Dass ich deswegen zumindest einen Tag in meiner Arbeitswoche etwas machen möchte, was mich motiviert und mir Spaß bringt und ich deswegen nur noch vier Tage pro Woche arbeiten möchte.

Das Gesicht meines Chefs sieht aus wie ein entgleister Regionalexpress. Aber was soll ich tun? Ich hab einfach gesagt, wie es ist und wie ich mich fühle.

Dennoch bewahrt er Haltung und sagt mir zu, sich bei der Personalabteilung zu erkundigen, was man da machen kann. Danach kommen die üblichen Chefargumente, ob mich mir das auch genau überlegt hätte, wäre ja auch zwanzig Prozent weniger Einkommen, eventuell keine Berücksichtigung bei der Vergabe von neuen Aufgaben, weil ich nicht Vollzeit da sein könnte und wie dringend er mich doch brauchen würde undundund.

Ja, hab ich mir alles überlegt. Bleib mir weg mit deinem Geld und deinen Projekten, das konnte mich bisher nicht glücklich machen, warum sollte es das in der Zukunft? Bisher hat mir das zwar Geld gebracht, aber auch drei wesentliche Dinge geraubt: Zeit, Nerven und Spermien.

Bedröppelt verlassen wir beide den Besprechungsraum.

In vier Tagen hab ich Urlaub. Und außerdem muss ich jetzt los, mal wieder mein teures Blut beim Urologen ablatzen.

“Ein Buch über mich”

Dienstag, 19 August 2008

Eine Woche später. Ich bin in Lauerstellung. Auf was warte ich?

Zum Einen auf den Urlaub. Noch zwei Wochen. In zwei Wochen hab ich drei Wochen Urlaub. Seele baumeln lassen. Relaxen. Ruhig sein. Energie tanken.

Zum Anderen auf meinen Chef. Der kommt in einer Woche wieder aus seinem Urlaub zurück. Dann werde ich mit ihm darüber sprechen, „dass was passieren muss“. Bin gespannt, wie er darauf reagieren wird. Letzte Woche war ich mit seinem Vorgesetzten (also meinem so genannten „Chefchef“) mittagessen und deutete bereits an, „dass etwas passieren muss“. Das hat ihn aufhorchen lassen.

In Lauerstellung zu sein ist auf die Dauer zermürbend und so fühl ich mich auch. Unruhig, nicht wissend, wann ich in welche Richtung springen soll. Ich fühle mich unkreativ, hab keinen Antrieb zu schreiben oder Musik zu machen. Lauer halt so rum.

Ich möchte gerne den ersten Band meines Buches fertig machen, das Buch über einen Mann und eine Frau, die beschlossen, ein Kind zu bekommen, aber irgendwie zieht es mich nicht an den Computer. Ich würde gerne mehr Klavier spielen, aber jedes Mal, wenn ich mich an die Klaviatur setze, kommt nur Müll an mein Ohr.

Alles scheint in einer Art Lauerstellung zu sein. Fast symptomatisch für die sommerliche Urlaubszeit: Das Leben liegt brach und findet an den Stränden Südeuropas statt. Eigentlich die ideale Voraussetzung, jetzt loszulegen. Loszulegen mit allem.

Aber so einfach ist es nicht.

Ich möchte nicht länger zum Pferd gehen, weil es mir zu viel Zeit nimmt. Darüber kann ich aber nicht mit der Besitzerin sprechen, denn sie ist im – Urlaub.

Ich möchte nicht länger zur zweiten Band gehen, aber darüber kann ich nicht mit den Jungs sprechen, denn die Hälfte ist im – Urlaub.

Ich möchte was an meinem Job andern, aber das kann ich nicht, denn mein Chef, mit dem ich das besprechen sollte ist im – Urlaub.

Also muss ich warten. Geduldig sein. Auf den richtigen Moment warten. Auf den perfekten Zeitpunkt lauern.

Schwierig.

Schließlich raffe ich mich doch noch auf und schalte das Laptop ein. Es ist ein wunderschöner Sonntagabend. Die Sonne beschäftigt sich grade mit Untergehen am Horizont, sie beschäftigt sich mit ihrer Körperhygiene in der Badewanne und ich beschäftige mich mit meinem Cappuccino auf dem Balkon. Der Rechner fährt hoch und ich beginne zu schreiben. Ein lauer Sommerabendwind umspielt meine Arme und Beine, eine kleine Fliege lässt sich auf dem Screen des Laptops nieder und hinterlässt auf dem zweiten „e“ des Wortes „Beine“, welches ich gerade getippt habe, einen winzigen Fliegenschiss.

Ich liebe Sommerabende.

Ich wühle in den alten Texten herum. Spätestens zu Weihnachten soll es fertig sein. Ihr Buch. Unser Buch. Unser ganz persönlicher Baby-Alarm. So lange, bis der Mediziner sagte: „Vergessen Sie’s!“. Damit endet der erste Band. Wie der zweite Band weiter geht weiß ich noch nicht, denn ich erlebe ihn ja erst grade.

Mir fällt der Dahlke-Text in die Hände und meine Gedanken dazu.

„Bilanz machen am Umkehrpunkt des Lebens in der Wechseljahren: sind die Forderungen des Hinwegs, die Vorbereitungen für den Rückweg erfüllt?“

Was sind eigentlich die Forderungen des Hinwegs? Und wurden diese erfüllt? Und was genau sind die Vorbereitungen für den Rückweg?

Zu bestimmen: „Jetzt wollen wir Kinder!“ – ist das nicht ein bisschen zu einfach gedacht? Ist das eine Vorbereitung für den Rückweg?

Und es gibt eine zweite Kondition: Die Forderungen des Hinwegs. Sind diese auch erfüllt? Ist „die Welt gesehen haben“, „Hörner abgestoßen zu haben“, „soliden Job und sicheres Einkommen haben“ eine erfüllte Forderung des Hinwegs? Da gäbe es doch noch so manches, was nicht erfüllt ist. Nämlich all das, „was noch passieren muss“: mehr Zeit für mich.

Zeit, um ein Buch zu schreiben.

Zeit, um eine CD aufzunehmen.

Zeit, das zu tun, was ich wirklich tun möchte.

So viele Forderungen des Hinwegs, die bis heute noch nicht erfüllt sind. Forderungen, an deren Erfüllung ich erst gerade angefangen habe, zu arbeiten.

Kein Wunder ist die Prostata vergrößert.

Kein Wunder, dass das mit dem Kinder kriegen noch nicht klappt.

Während ich überlege und schreibe kommt sie raus auf den Balkon, frisch geduscht und mit einem Buch in der Hand. Sie schnappt sich den Schaukelstuhl und setzt sich neben mich.

„Lass dich nicht stören.“

„Ist dein Buch gut?“

„Jooo…“

Sie liest, ich tippe, Sonne geht unter.

Auf einmal sagt sie: „Ich finde, du könntest mal ein Buch über mich schreiben. Ein Buch über das Leben mit mir!“

Seitdem ich ihr gesagt habe, dass ich mehr Zeit zum Schreiben haben möchte, kommt sie alle paar Tage mit neuen Buchideen an. Sie hat einige Texte gelesen und ermuntert mich, mehr zu schreiben. Das ich tatsächlich an einem Buch über das Leben mit ihr schreibe weiß sie noch nicht. Es soll eine Überraschung für sie werden. Ganz zu Anfang hatte ich geplant, ihr nach der Entbindung alle Texte an sie zu übergeben. Von ihrer Frage, ob ich ein Kind mit ihr haben möchte, bis zur Geburt. Da sich dieser Weg als ziemlich steinig und hindernisreich erwiesen hat, gibt’s jetzt erst mal den ersten Band zu Weihnachten für sie. Vielleicht auch schon früher, wenn sie mir auf die Schliche kommt.

Nun sitzt sie neben mir, kommt selbst mit dieser Idee an und ich muss grinsen.

„Ein Buch über das Leben mit dir? Wen sollte das schon interessieren?“

„Na alle natürlich!“

„Und was sollte ich da so schreiben?“

„Na alles! Also ich finde mein Leben toll.“

„Und wenn ich da etwas über deine Schusseligkeit schreibe?“

„Dafür kann ich nichts! Das ist die Erdanziehungskraft. Das werden die Leser verstehen!“

„Aha – also gut, dann schreibe ich ein Buch über das Leben mit dir und du kannst es vorher lesen und mir dann sagen, ob ich es veröffentlichen soll oder nicht.“

„Klar kannst du das veröffentlichen.“

„Aber du hast es noch gar nicht gelesen!“

„Muss ich nicht. Da steht drin, wie toll ich bin und die ganze Welt wird das erkennen!“

Raclette und Lebensplanung

Montag, 18 August 2008

Ein sonniger Samstag. Ich denke nach. Den ganzen Tag schon.

Der Freitag in der Firma war grauenvoll. Objektiv betrachtet war er gar nicht so schlimm. Es gab ein bisschen Ärger, es war nervig, aber so was passiert manchmal. Wegstecken, es ist Wochenende, Montag sieht die Welt anders aus.

Aber Wegstecken geht irgendwie nicht mehr. Es beschäftigt mich zu sehr. Ich bin zu sensibel geworden, obwohl ich eigentlich mehr Erfahrung habe als früher. Vielleicht ist auch nur meine Seele im Laufe der Jahre mehr an die Oberfläche gekommen.

Das Monster in meinem Bauch brüllt. So geht es nicht weiter.

Ich komme abends zurück von der Bandprobe. Sie hat ein wundervolles Abendessen vorbereitet, wir essen Raclette auf dem Balkon in der untergehenden Sonne.

„Ich möchte dich verwöhnen!“, sagt sie.

Wir essen viel zu viel, sind am Ende total voll.

„Was würdest du davon halten, wenn ich nur noch vier Tage die Woche arbeiten würde?“, frage ich sie.

„Hast du dir das mal ausgerechnet, wie viel dann netto übrig bleibt?“

„Ungefähr. Ich muss es mal genau ausrechnen, aber es sollte reichen zum Leben.“

„Dann mach es.“

„Bist du sicher?“

„Was würdest du denn machen an dem freien Tag. Schreiben?“

„Ja.“

„Mach es. Du bist immer total ausgeglichen, wenn du schreibst. Du kannst schreiben. Mach es.“

„Ich hab Angst davor. Die letzten Jahre ging es gehaltsmäßig nur bergab. Es wird immer weniger. Dabei sollte es doch mehr werden. Ich möchte dir Sicherheit bieten. Ich möchte erfolgreich sein. Ich möchte nicht wie ein Loser vor dir dastehen. Ich möchte, dass du Stolz sein kannst auf mich.“

Sie schaut mich an und nimmt mich in den Arm.

„Aber das bin ich doch! Ich bin so glücklich mit dir! Ich bin stolz auf dich, weil du so sensibel bist und diese Dinge erkennst, darüber nachdenkst und etwas unternimmst. Wenn du nicht so wärst, dann wärst du ein unsensibler Dickschädel und ich wäre niemals so glücklich mit dir, wie ich jetzt bin.“

Es muss was passieren

Donnerstag, 14 August 2008

Es muss was passieren.

Situationsanalyse.

Ich bin fünfunddreißig. Fast. In zwei Wochen. Mein halbes Leben ist vorbei.

Mit was hab ich dieses halbe Leben verbracht? Ich hatte eine glückliche Kindheit, was für ein erfolgreiches Leben sicher kein schlechter Start ist. Was Vernünftiges studiert, nicht das, was ich unbedingt wollte, aber es war solide und hat Spaß gemacht. Danach in der Welt rumgegondelt, viel gesehen, Dummheiten gemacht und danach mich in die arbeitende Klasse eingefügt. So was wie eine kleine Karriere gemacht, kreuz und quer verschiedene Positionen in der Firma inne gehabt bis zum Schreibtisch, dem der Schreibtisch des Geschäftsführers gegenüber stand.

Nicht schlecht. Abgerackert, Geld gespart, Erfahrung gesammelt. Jetzt wäre genau die richtige Zeit, das private Leben voran zu treiben. Genug Sicherheit ist vorhanden, die Hörner sind abgestoßen, eigentlich der ideale Moment.

Nur – das wird wohl vorerst nix. Die Option, einfach mal ein oder zwei Kinder zu bekommen, ist in weite Ferne gerückt. Sie ist nicht unerreichbar, aber zumindest unwahrscheinlich.

Was tun?

Weiter jeden Morgen in die Tretmühle gehen? Das kann es nicht sein. Das ist keine Option für mich. Für die Familie würde ich es tun, Job bringt Geld, Geld ist Sicherheit. Ich würde es womöglich gerne machen, denn mein Lebensmittelpunkt hätte sich ins Private verlagert. Aber der Antrieb, diesen Job weiterhin zu machen, wäre ein extrinsischer. Für die Familie, für das Kind. Nicht für mich.

Ich möchte nicht länger das machen, was gutes Geld bringt. Ich verdörre in diesem Job. Ich möchte das machen, was mir Spaß macht. Das, was ich kann. Das, worin ich richtig gut bin. Eine Arbeit, bei der ich nicht auf die Uhr schaue. Die für mich keine „Arbeit“ ist. Sondern Berufung.

Schreiben.

Komponieren.

Musizieren.

Kreativ sein.

Schöne Dinge machen.

Dinge, die mir Energie geben – und nicht rauben.

Schon merkwürdig. Ist es nicht das Normalste auf der Welt, die Dinge zum Beruf zu machen, die man am besten kann und die einem Spaß bereiten? Wie kann ich Familie oder Kind vorschieben, um einen Job zu machen, der mich nicht ausfüllt? Ist das nicht ein Missbrauch des ungeborenen Kindes? Ich verstecke meine Feigheit hinter meinem eigenen Kind.

Schrecklich. Kein Wunder werden wir nicht schwanger. Kein Wunder fühle ich mich gestresst. Wie soll ich für eine Familie sorgen können, wenn ich nicht einmal für mich sorgen kann?

Es muss was passieren…

Ich will Blut sehen

Mittwoch, 13 August 2008

Freitagvormittag. Zeit, nach meinen Untersuchungsergebnissen zu fragen.

Noch nichts da.

Komisch.

Sollte eigentlich schon da sein.

„Versuchen Sie es doch am Montag noch mal.“

Gut.

Werd ich machen.

Montagvormittag. Ich rufe beim Arzt an. Mal sehen, was die Ergebnisse meiner Blutuntersuchung sind.

Immer noch nichts da.

„Heute Nachmittag kommt der Fahrer noch mal. Da müsste es dann dabei sein.“

Okay.

„Bis heute Nachmittag dann!“

Montagnachmittag. Anruf bei Arzt.

„Hmmmm…“, sagt die Arzthelferin. „Sind sie sicher, dass wir Ihnen Blut abgenommen haben?“

Was soll das jetzt? Ich komme mir vor wie in einem dieser Psychofilme, „Die Bourne-Identität“ oder so.

„Ich hab sogar noch den blauen Fleck davon in der Armbeuge. Soll ich vorbeikommen und ihn Ihnen zeigen?“

„Hmmmm… ich hab in Ihrer Akte nämlich keine Blutabnahme dokumentiert.“

„Meine Freundin war dabei und kann es bezeugen. Das war letzte Woche. Herr Doktor hat sie danach noch gefragt, wo die Pflaster sind und dann lagen sie auf dem Tisch in der Blechdose neben der leeren Pappschachtel in Sprechzimmer C.“

„Hmmmm… ich geb Ihnen mal Herrn Doktor.“

*düdeldüdeldüdeldü*

Ich mit Mozart in der Warteschleife.

Am anderen Ende meldet sich Herr Doktor.

„Also Ihr Blut… tja, wie soll ich sagen… nun, das ist irgendwie weg. Ich kann es mir auch nicht erklären. Also es tut mir furchtbar leid – könnten Sie noch mal vorbei kommen?“

Sie haben es verschlampt. Sie haben tatsächlich mein Blut verschlampt! Verlegt, vergessen, verbaselt, verdödelt. Mein kostbares Blut!

„Lassen Sie sich doch gleich einen Termin geben.“, sagt Herr Doktor. „Und dann kommen Sie direkt auf mich zu, Sie brauchen auch nicht im Wartezimmer Platz zu nehmen. Ich nehme Sie gleich dran, das dauert ja nur fünf Minuten.“

Ich hab wirklich Verständnis dafür, wenn jemand mal was vergisst. Oder einfach nicht wieder findet. Geht mir ja auch manchmal so. Ich könnte auch verstehen, wenn es ein Rezept oder ein Zettel ist, der zwischen die Akten rutscht oder vom Tisch geweht wird. Selbst in einer Arztpraxis, die zu besonderer Sorgfalt verpflichtet ist.

Wir reden hier aber nicht von einem Blatt Papier. Sondern von einer männerfaustgroßen, fünf Milliliter schweren, leuchtend roten Blutprobe! Meiner Blutprobe! So was wird doch nicht vom Wind weg geweht! So was fällt doch auf, so ein Trümmerding verlegt man doch nicht so einfach!

Was machen die mit meinem Blut? Heimlich Krisengebiete verschachern? Teuer an Vampire verkaufen? Oder einfach hausgemachte Blutwurst?

Stay cool

Dienstag, 12 August 2008

Unglaublich! Keine Menschenseele im Wartezimmer!

Ich bin zum zweiten Mal zu Besuch beim Urologen meines Vertrauens, da ich nur diesen einen habe ist die Sache mit dem Vertrauen auch nicht weiter schwer. Ich lasse meine drei Kilogramm Lesestoff auf den Boden plumpsen, dieses Unterhaltungspaket mitzunehmen hätte ich mir sparen können. Sie wollte noch nachkommen, steht aber im Stau, vermutlich werde ich hier fertig sein, bevor sie eintrifft.

Eine Arzthelferin kommt und führt mich in ein Behandlungszimmer. „Bin jetzt drin!“, schreibe ich per SMS an sie.

Nach einer Weile betritt der alte Hafenkapitän den Raum. Er ist gelöst und entspannt, erkundigt sich nach der korrekten Aussprache meines Namens und lehnt lässig am Waschbecken.

„So relaxed wie du bist produzierst du mindestens fünfzig Millionen!“, denke ich mir.

Wir gehen in Ruhe meinen Befund durch. Im Grunde sind es zwei Befunde, einer über die Spermien und einer über Bakterien. Spermien sehen nicht gut aus, Zeugung auf natürlichem Wege so gut wie ausgeschlossen. Bezüglich Bakterien ist im Großen und Ganzen alles okay, keine Chlamydien, Gonokokken oder andere gern gesehene Klassiker unter den Geschlechtskrankheiten. Ein paar Kleingewinne haben sie gefunden, diese dankenswerterweise gleich auf einer Kultur herangezüchtet und zusätzlich noch getestet, auf welche Antibiotika sie sensibel oder resistent reagieren. Das meiste, was es über der Apotheken-Theke zu haben gibt, macht sie platt.

Auf der Jagd nach zwanzig Millionen Spermien entscheiden wir uns für folgende Strategie: Ich schlucke drei Wochen lang jeden Tag zweihundert Milligramm Doxycyclin. Danach sollte in meiner Prostata wieder Reinraum-Klima herrschen. Dann dauert es noch mal ungefähr sechs Wochen, bis sich das auf die Spermienproduktion auswirkt und dann schauen wir erneut in dem Zimmer mit der nüchternen Atmosphäre, ob sich ein Erfolg eingestellt hat und die Gleichung „weniger Bakterien in der Prostata = mehr Power im Sack“ aufgeht.

„Oder ihre Freundin wird vorher Schwanger“ sagt Herr Doktor.

Schau’n wir mal…

Wir reden lange und ausführlich über meine Befunde. Herr Doktor hat wie immer die Ruhe weg und nimmt sich sehr viel Zeit. Ich habe tausend Fragen. Was ich noch alles tun kann, um die Spermienproduktion anzukurbeln, an was es noch liegen könnte, ob ich mein Leben umstellen soll, was anderes essen, mehr Sport, weniger Sport, mehr Vitamine, weniger Stress und so weiter.

„Mehr Bewegung ist immer gut“, sagt Herr Doktor.

„Mehr Vitamine ist immer gut“, sagt Herr Doktor.

„Weniger Stress ist immer gut“, sagt Herr Doktor.

„Lassen Sie sich Zeit“, sagt Herr Doktor.

„Es eilt ja nicht“, antworte ich. „Wir haben ja noch gut fünf Jahre oder länger und wissen ja gar nicht, was noch alles möglich ist. Wir haben beschlossen, dass wir den Weg so weit gehen werden, wie wir es für gut und stimmig ist. Wenn es für uns beide nicht mehr tragbar ist, dann hören wir auf.“

„Das ist eine gute Entscheidung. Meine Frau und ich haben uns bewusst gegen eine künstliche Befruchtung entschieden, wir haben keine Kinder. Das ist dann eine Frage, die jeder mit sich selbst ausmachen muss.“

Von wegen relaxed und fünfzig Millionen Spermien! Herr Doktor hat keine Kinder. Jetzt verstehe ich auch, warum er sich so viel Zeit nimmt und alles ausführlich erklärt.

Meinen Hormonhaushalt zu überprüfen ist eine weitere Strategie, die wir verfolgen. Dazu muss Herr Doktor mir etwas Blut abzapfen.

„Ich find meinen Hormonhaushalt eigentlich ganz in Ordnung, so wie er ist“, sage ich zu ihm.

„Das kann gut möglich sein, dass Ihr persönliches Befinden exzellent ist und trotzdem im Blutbild Auffälligkeiten zu sehen sind“, antwortet er, während er in einer Schachtel nach Kanülen kramt.

„Gibt es irgendwelche Nebenwirkungen, sollte ich Hormone schlucken müssen?“

Herr Doktor läuft zum Schrank, die Pappschachtel hat aufgrund seiner etwas konfusen Ordnung keine Kanülen hergegeben.

„Normalerweise ist das unbedenklich, da Ihnen nur körpereigene Stoffe zugeführt werden, die ein Ungleichgewicht egalisieren. Sie bekommen ja keine Überdosis an etwas. Wir stellen nur einen eventuellen Mangel ab. Rechts oder links?“, fragt er mich, meine Armbeugen abwechselnd anschauend, mit einer Kanüle in der Hand.

„Heute freie Auswahl“, sage ich.

Er entscheidet sich für rechts, legt an und sticht zu. Es klopft an der Tür.

„Die Freundin ist da!“, ruft die Arzthelferin von draußen. „Kann sie reinkommen?“

„Sie kann reinkommen und ihn trösten!“, ruft Herr Doktor zurück. „Er sieht auch schon ganz blass aus. Sie soll aber nicht erschrecken!“

Die Tür geht auf und sie betritt vorsichtig mit besorgtem Gesicht um die Ecke. Erleichtert, dass ich nur ein Stück kaltes Metall im Arm stecken hab, das mich ausbluten lässt, kommt sie auf uns zu.

„Sooo, schon fertig“, sagt Herr Doktor und drückt ein Stück Verbandmull in meine Armbeuge. „Ich hole Ihnen noch ein Pflaster.“

Während sich Herr Doktor auf die ungefähr fünfminütige Jagd eine Pflasters in der etwas eigenwilligen Ordnungswelt seiner Praxis begibt, erzähle ich ihr, was bisher geschah. Nachdem Herr Doktor seine Arzthelferin gefragt hat, wo es denn Pflaster gäbe, kehrt er wieder ins Behandlungszimmer zurück und öffnet eine Blechdose, die neben der leeren Pappschachtel steht, in der er nach Kanülen gekramt hat und verarztet meine Wunde. Danach fasst er noch mal für die Lage der Dinge aus seiner Sicht zusammen.

Sie hat morgen einen Termin beim Frauenarzt. Wir bekommen den Befund für seinen Kollegen zur Einsicht mit, beschließen aber, zunächst abzuwarten, ob bei mir eine Änderung eintritt, bevor wir weitere Untersuchungen bei ihr hinsichtlich Fruchtbarkeit anstoßen.

„Wärme ist übrigens auch noch ein Faktor“, sagt Herr Doktor, als wir uns verabschieden. „Einer Ihrer Leidensgenossen, dem ich das erzählte, hat sich daraufhin regelmäßig die Hoden mit Eiswürfeln gekühlt.“

Ich schaue ihn mit großen Augen an. Er lacht.

„Na ja, ich hab ihm das nicht als therapeutische Maßnahme empfohlen, er hat das einfach von sich aus gemacht. Ich bin auch wenig von einer medizinischen Wirkung überzeugt, was diese Methode betrifft.“

„Seine Frau ist aber dann tatsächlich noch schwanger geworden!“, ruft er uns hinterher, als wir schon im Treppenhaus stehen.

Stressreduktion

Montag, 11 August 2008

Mit einem satten “Platsch!” fliegt der Dahlke zurück auf den Tisch.

Ich muss Stress reduzieren. Keine Frage. Weniger Stress = mehr Power im Sack.

Ich sitze an einem Sonntag auf dem Balkon im Schaukelstuhl und lasse die untergehende Abendsonne meinen Bauch bescheinen. Momentan fühle ich mich extrem stressreduziert. Ich meine geradezu spüren zu können, wie die in Gelassenheit gelagerte Spermienproduktion zufrieden da unten vor sich hinblubbert.

Hab ich Stress?

Wo hab ich Stress?

Letztes Jahr hatte ich Stress. Da hatte ich dieses Chaosprojekt am Hals, acht beteiligte Parteien verstreut über Deutschland und Dänemark, teilweise fünfzehn Stunden am Tag gearbeitet, es war die Hölle. Jetzt hab ich einen langweiligen Verwaltungsjob. Keine externen Kunden, keine knackigen Deadlines, keine Vertragsstrafen. Wo, bitte schön, könnte ich Stress haben?

Ich hab Stress. Ich hab einen sehr hohen Anspruch an meine Arbeit. Ich nehme sie sehr ernst. Ich steigere mich manchmal zu sehr hinein. Ich rege mich auf. Ich verkrampfe. Ich mach mir Stress. Stress bedeutet: kaputte Spermien. Deswegen ab jetzt: Kein Stress mehr.

„Essen ist fertig!“

Ich erhebe meinen relaxten Körper und schlurfe Richtung Küche. Es gibt Abendbrot, der Tisch ist reichhaltig und sorgfältig gedeckt, sie wollte mich verwöhnen und es ist ihr gelungen. Wir setzen uns und beginnen unser Mahl.

„Also bis Ende des Jahres möchte ich das mit den Kindern aber definitiv geklärt wissen.“ sagt sie.

„Pling! Sechs Spermien tot“ antworte ich.

Sie schaut mich mit großen Augen an und fragt: „Hä?“

„Sechs Spermien tot“ sage ich gelassen. „Du setzt mich unter Druck. Druck bewirkt Stress, Stress bewirkt eine verminderte Spermienproduktion, deswegen: Sechs Spermien tot.“

Sie ist sichtlich verwirrt.

„Aber wir müssen uns doch irgendein Ziel setzen, du willst doch auch mal wissen, ab wann wir unsere Planung ändern müssen!“

„Plingpling, fünf Spermien tot.“

„Bub – ich glaube eher, plemplem, fünf Hirnzellen tot. Findest du nicht auch, dass du in letzter Zeit zu lange in der Sonne sitzt?“

Unfruchtbarkeit

Samstag, 9 August 2008

(Sterilität)

Körperebene:

Geschlechtsorgane (Sexualität, Polarität, Fortpflanzung)

Symptomebene:

1. gesamtgesellschaftlich: Rückgang der Spermienzahl seit 40 Jahren auf die Hälfte (von 100 auf 50 Millionen/cm3) infolge von Streß, Umwelt(gift)belastungen; neben der Abnahme der Quantität ähnliche Entwicklung bei der Qualität (mehr unbewegliche und mißgebildete Spermien): sanfte Ausrottung; je reicher die Nation, desto gravierender der Fruchtbarkeitsrückgang (Umweltgifte lassen sich sowohl im Follikel als auch in der Spermaflüssigkeit nachweisen).

2. auf den einzelnen Betroffenen bezogen: unbewusste Abwehr verhindert das Einlassen einer Seele; Abwehrmethoden: Arbeitsüberlastung, die in einem Zusammenhang mit einem Mangel an vitalen Spermien steht; Streßüberflutung, die ebenfalls die Empfängnis verhindern kann; tiefe unbewußte Ängste, die so eng machen, daß keine Seele den Engpaß passiert; viel Wirbel bei geringem Effekt: fruchtloses Bemühen; Aufdeckung unehrlicher Motivation (Versuch, den Partner durch ein Kind zu binden); Angst vor Bindung und Verantwortlichkeit; zu eingefahrene, starre Lebensplanung (Fixierung) scheint Seelen abzuschrecken; als Lebensspender versagen; Zeugungsunfähigkeit: nicht in der Lage sein, Zeugnis für das Leben abzugeben; nicht aufnahmebereit sein.

Bearbeitung:

1. sich die eigene Situation bzgl. Überforderung in Seelischer und ökologischer Situation eingestehen; die Fruchtbarkeit nimmt ab: sowohl quantitativ als auch qualitativ geht es mit den Industrienationen bergab; lieber krankmachende Entwicklungen zurücknehmen, als weiter die ganze Gemeinschaft zurückzunehmen.

2. sich der Motivation klar werden: eigentlich dürfte man sich erst für ein Kind entscheiden, wenn man bereit ist, jedes Kind mit der mitgebrachten Aufgabe dankbar aufzunehmen; Prioritäten klären: Was kommt zuerst und hat Vorrang: der Kinderwunsch, die Arbeit/Karriere oder die Lebensplanung?

Einlösung:

1. insgesamt und auf übertragener Ebene bescheidener werden (Ideen, Lösungen für die drängenden Probleme im ökologischen und gesundheitlichen Feld finden: „Mehr ist weniger“).

2. sich bereit machen nach dem Motto: „Dein Wille geschehe“; offen dafür sein, daß wir bekommen, was wir uns wünschen, oder etwas Wichtigeres, was wir vielleicht nur noch nicht gleich erfassen können; bewußt für sich bleiben und statt durch ein Kind für sich alleine selig werden.

Urprinzipieller Bezug:

Mond-Sturn/Pluto.

(aus: Ruediger Dahlke: Krankheit als Symbol. Handbuch der Psychosomatik. Symptome, Be-Deutung, Bearbeitung, Einlösung. 14. überarbeitete und erweiterte Auflage. München: C. Bertelsmann Verlag)