Archiv für Februar, 2008

Babypause

Montag, 11 Februar 2008

Die zehn wichtigsten Anzeichen, an denen Sie erkennen, dass sich Ihre kinderwunschlustige Partnerin noch nicht in der fruchtbaren Phase ihres Zyklus befindet:

1.) Sie haben Zeit, Wände in Ihrer Wohnung zu streichen.

2.) Ihre Partnerin findet es auf einmal wieder interessant, was es zum Abendessen gibt.

3.) Auf der Toilette lesen Sie keine Bücher über Schwangerschaft, sondern Motoraver Magazine und die Youngtimer-Sonderausgabe der Motor-Klassik.

4.) Sie schlafen abends ein, ohne vorher Sex zu haben.

5.) Sie stehen morgens auf, ohne vorher Sex zu haben.

6.) Sie gehen ins Kino.

7.) Sie treffen sich mit Ihrer Partnerin nach der Arbeit in der Stadt und nicht im Schlafzimmer.

8.) “Bub, was sollen wir denn am Wochenende unternehmen?”

9.) “Schau mal, da gibt es Sommerkleider!” ersetzt: “Schau mal, da gibt es Babystrampler!”

10.) Der Eierkocher-Messbecher steht in der Spülmaschine.

Wichtige Infos von Mann zu Mann

Samstag, 9 Februar 2008

Ein ganz normaler Arbeitstag. Ich bin mit Matthias mittagessen. Matthias teilt sich mit mir das Büro. Matthias ist achtunddreißig Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, Häuschen im Grünen. Das macht Matthias für mich zum Prototypen unter den Familienoberhäuptern. Matthias weiß über unsere Planungen bescheid.

“Braucht man eigentlich eine Wickelkommode?”, beginne ich das Gespräch. Aus hygienetechnischen Gründen schwebte mir unsere alte Kommode mit Marmorplatte vor: glatt, stabil, abwischbar. Matthias rät mir davon ab. “Es sei denn, du möchtest schon im Frühstadium etwas für die Abhärtung deines Kindes tun, indem du es auf die eiskalte Platte legst”, sagt er. “Aber dann musst du auch das Geschrei aushalten können.”

Unser Essen kommt und von der Wickelkommode ist es nur ein Katzensprung zum Wickeln.

“Wir haben bei beiden Kindern Stoffwindeln benutzt”, sagt Matthias und stopft sich ein großes Salatblatt in den Mund. “Damit sie keine Allergien von dem Plastikzeug bekommen.”

Das leuchtet mir ein. “Na ja”, sag ich und schiebe mir eine Gabel Rigatoni zwischen die Zähne, “schön und gut, aber wie ist das mit der Scheiße?”

Matthias schmatzt auf seinem Salatblatt herum. “Wie meinst du, wie das ist? Was soll schon sein mit der Scheiße?”

Ich zerkleinere die Nudeln in meinem Mund. “Na — also wie das halt ist. Um es etwas deutlicher zu fassen: Wirfst du die Windel nach Gebrauch komplett in die Waschmaschine oder kratzt du vorher die Scheiße vom Stoff?”

“Ach so!”, meint Matthias und verspeist eine Gabel Kidneybohnen. “Also du möchtest das genau wissen?”

“Bitte!”

Matthias schiebt eine Gabel Mais mit Paprika hinterher. “So eine Stoffwindel ist im Prinzip ein Drei-Schichten-Modell. Außen ist so eine Gummihose, die verwendest du immer wieder. Danach kommt die eigentliche Stoffwindel. In der Windel liegt an der dafür vorgesehenen sensiblen Stelle so ein dickeres Papiertaschentuch. Wie von der Küchenrolle. Da ist die Scheiße dann drauf und das schmeißt du auch immer komplett mit der Kacke weg. Du musst halt richtig wickeln. Das braucht Übung. Eine Einmalwindel anzuziehen ist kein Problem. Aber wenn du nicht richtig wickelst, kann halt auch mal was daneben gehen und dann musst du das erst unterm Wasserhahn abwaschen. Ist aber in der Regel kein Problem, Kinderkacke ist relativ flüssig.”

“Braucht man eigentlich beim Wickeln immer Wasser?”

“Wenn was daneben geht, willst du es nicht antrocknen lassen und danach abkratzen, oder?”

“Überzeugt — das trifft ja auch auf Puder und Creme zu, da kann ja auch mal was daneben gehen.”

“Das brauchst du alles gar nicht.”

“Wieso? Was machst du, wenn der Popo wund ist?”

“Wir haben immer Muttermilch drauf getan, das ist das Beste.”

“Muttermilch? Und was ist im Sommer? Dann stinkt mein Kind nach saurer Milch. Wie lecker!”

“Babykacke riecht so streng, du würdest dir wünschen, dein Kind würde lieblich nach saurer Milch duften.”

“Hm. Das muss ich mir noch überlegen. Was hattet ihr eigentlich für einen Kinderwagen?”

“Gar keinen. Nur Tragetücher. Später dann, ja. Aber bis zu einem Jahr kannst du sie tragen.”

“Und beim Einkaufen?”

“Noch besser. Kind vorne, Rucksack hinten, dann bist du optimal in der Balance.”

“Ziemlich anstrengend, oder?”

“Du bist ja noch jung.”

“Ich hatte mir überlegt, für meine Kinder eine Wiege zu bauen. Hattet ihr eine Wiege oder einen Stubenwagen?”

“Bau keine Wiege, das lohnt sich nicht. Da sind sie nach vier Monaten rausgewachsen. Bau gleich ein Kinderbett mit Rutsche und Klettergerüst, da haben sie mehr davon!”

“Ich hab nen großen Weidenkorb mit Griffen, in dem ich früher das Kaminholz drin hatte. Geht das auch als Wiege?”

“Das ist perfekt. Aber schieb eine Stange durch die Griffe und bau ein Gestell drum rum, dass du den Korb hin- und herwiegen kannst. Das ist wichtig.”

“Warum?”

“Wenn sie schreien, dann machst du einfach ein bisschen gautschi-gautisch und sie sind wieder ruhig.”

“Das klappt?”

“Meistens.”

“Und wenn nicht?”

“Dann hab ich immer meine Frau gerufen.”

Was ein Schwangerschaftstest mit einem Eierkocher zu tun hat

Freitag, 1 Februar 2008

Einige Tage später. Wir leben in der Hoffnung, guter Hoffnung zu sein. Wir haben mehrfach nachgelegt. Von nix kommt nix.

Wir sitzen am Küchentisch, unserem allabendlichen Wellnesstempel.

“Ich will jetzt gucken, ob ich schwanger bin”, sagt sie. “Ich mach jetzt nen Test.”

“Bringt nix.”

“Warum? Der kann doch vielleicht schon anschlagen!”

“Frühestens drei Tage nach HCG-Produktion. Steht so in der Betriebsanleitung.”

“Das heißt Beipackzettel.”

“Wie auch immer. Das kann jetzt noch gar nicht funktionieren.”

“Wieso, es ist jetzt zwei Tage her und vielleicht bin ich ja ein bisschen schneller.”

Ich erkläre es ihr noch einmal. Also von wann bis wann fruchtbar, Weg durch den Eileiter, Befruchtung, Einnistung in Gebärmutter, Hormonproduktion. Dazu die entsprechende Zeitschiene. Male ihr ein Diagramm auf. Ich komme mir vor wie eine Mischung aus Biologielehrer und Gynäkologe. Sie hört aufmerksam zu. Mit den Worten: “Und deshalb ist es ausgeschlossen, dass der Test heute ein positives Ergebnis liefern wird”, beende ich meine kleine Vorlesung in weiblicher Hormonbiologie.

Sie schaut mich an und schweigt.

Schweigt und neigt den Kopf ein wenig zur Seite.

Kratzt sich am Kinn.

Sagt: “Hmmm…”

“Ach was, ich mach trotzdem einen!”

Sie springt auf und rennt aus der Küche. Ich hätte weniger einen auf Biologielehrergynäkologe machen sollen. Mehr so in Richtung Frauenpsychologe. Ist doch völlig sinnlos, jetzt schon einen Test zu machen!

Egal. Es muss wohl sein. Wahrscheinlich so eine Frauensache, die wir Männer nicht verstehen.

Sie kommt mit der Packung Teststreifen zurück in die Küche gerannt.

“So… ich hol jetzt einen raus”, sagt sie atemlos. “Da ist er… Hast du das schon mal gemacht? Ich nicht. Ich brauch jetzt einen Becher. Haben wir Pappbecher oder so was?”

Hektisch beginnt sie die Küche zu durchwühlen.

“Wir müssen doch noch… damals vom Grillen… bei den Servietten? Nein…”

Während sie um mich herumspringt wie Pumuckl auf Ecstasy versuche ich, möglichst ruhig sitzen zu bleiben und gehe im Geiste die Küchenschränke durch.

Keine Pappbecher.

Sie wühlt weiter. “Vielleicht da… Oh, wir haben noch Strohhalme, sollten wir uns merken!… da unten… auch nicht…”

“Wir haben keine”, sag ich und schmier mit noch ein Brot.

“Das kannst du doch gar nicht wissen, lass mich doch erst mal suchen.”

“Doch, ich weiß es”, brumme ich und schiebe mir die vordere Hälfte des geschmierten Brotes in den Mund.

“Da muss doch noch… also ich bin mir ganz sicher… hm, hier auch nicht… komisch. Also ich hätte schwören können, wir hätten noch welche. Und nun?”

“Kannst du nicht einfach drüberpinkeln?”

Sie schaut mich auf eine Weise an, die mir zu verstehen gibt, dass weitere Argumentationsversuche in diese Richtung nur in einer Sackgasse enden werden. Ich lege mein halb aufgegessenes Brot beiseite und stehe vom Tisch auf.

“Lass uns mal gucken, was wir sonst noch so finden können.”

Während des Schinkenbrotkauens ist mir eine Idee gekommen. Wir haben uns vor einigen Wochen einen neuen Eierkocher gekauft. Der alte nahm es mit dem Thema “Abgeschirmtes Stromkabel” nicht mehr so genau und beendete ein langes Siechtum mit leisem “Puff” und großem Gestank. Selbiges Haushaltsgerät landete beim Elektroschrott, nicht jedoch das Kunststoffbecherchen, mit dem man die Wassermenge abmisst und mit dessen kleinen Dorn am unteren Ende die Eier angestochen werden, damit sie nicht platzen. Aus welchen Gründen auch immer benutzen wir immer noch dieses alte Becherchen, das neue liegt unangetastet in der Besteckschublade.

Ich ziehe die Schublade auf, hole das jungfräuliche Becherchen heraus und drücke es ihr in die Hand.

“Hier, aber nicht mehr als ‚mittelhart’, sonst schwappt’s raus.”

“Super, zum Glück haben wir das nicht weggeschmissen!”

“Triffst du da rein?”

“So gut wie du werd ich das allemal noch hinkriegen.”

“Tu dir aber an dem Dorn nicht weh.”

“Für wie blöd hältst du mich eigentlich?”

“Ich wollt’s ja nur gesagt haben.”

“Ich muss jetzt mal” sagt sie und verschwindet auf die Toilette.

Während sie sich nebenan dem Prozess des Schwangerschaftstestens hingibt, widme ich mich wieder meinem angeknabberten Schinkenbrot. Obwohl ich weiß, dass der Test nicht positiv ausgehen kann, bin ich ein wenig gespannt. Es ist mein erster Schwangerschaftstest.

Ich höre die Klospülung. Kurz darauf biegt sie um die Ecke. Sie holt ein Stück Küchenkrepp und legt den Testreifen vor meine Nase auf den Tisch.

“So, nun guck!”

Ich gucke und schlucke dabei die letzen Stücke Schinkenbrot hinunter. Zu sehen ist ein kurzer dunkelroter Streifen. Ein Streifen bedeutet: “Nicht schwanger”. Zwei Streifen: “Schwanger”.

“Da kann gar nichts sein”, sage ich.

“Jetzt wart doch mal ab — siehst du das? Da oben wird es schon ein bisschen dunkler.”

“Da wird nix dunkler.”

“Doch, da! Der verändert sich. Ganz leicht.”

“Da verändert sich gar nichts.”

“Jetzt wart halt mal ab! Wie viele Minuten sind es jetzt?”

“Keine Ahnung — vier vielleicht?”

“Wie — keine Ahnung? Du musst doch auf die Uhr schauen, wenn ich vom Klo komme!”

“Ach so — das hab ich nicht gewusst. Heißt das jetzt, wir müssen noch mal einen machen?”

“Ach, das sind doch höchstens zwei Minuten gewesen. Da kann sich noch einiges tun!”

“Da wird sich nichts mehr tun, denn es gibt nichts, was da wäre, dass sich da was tun könnte.”

“Wir müssen mindestens zehn Minuten warten, steht da.”

“Nein, da steht, dass sich zwischen drei und zehn Minuten was tun wird. Wenn sich nach zehn Minuten immer noch nichts tut, dann wird sich da auch später nichts mehr tun und du wirst dann auch definitiv nicht schwanger sein.”

“Ja, genau, das meine ich. Und die zehn Minuten sind noch nicht rum.”

“Gut, dann warten wir jetzt noch fünf Minuten.”

“Acht!”

“Okay.”

Die Minuten verrinnen.

Nach zehn Minuten sagt sie: “Ich glaub, der Scheiß ist kaputt.”

Ich ergreife ihre Hand.

“Ich hab dir doch schon vorhin gesagt: Es ist noch zu früh. Der Test kann noch gar nicht positiv sein. Du musst dich noch ein wenig gedulden.”

Sie seufzt tief. “Okay, du hast ja recht.” Sie steht auf und wirft den Teststreifen in den Mülleimer.

Schweigend räumen wir zusammen den Tisch ab.

“Weißt du”, sagt sie, während wir vor der Spülmaschine stehen, “ich hab ja gewusst, dass der Test nicht positiv sein kann.” Kleine Tränchen steigen ihr in die Augen. “Aber ein bisschen enttäuscht bin ich schon.”

Ich stelle die Teller ab und nehme sie fest in beide Arme.

“Ich liebe dich!”