Scharlach?

Es gibt so Dinge, die muß ich nicht haben. Echt nicht. Junior hat rote Flecken und die typische Erdbeerzunge. Könnte Scharlach sei, will ich aber nicht! Schaun wir mal was der Kinderdoc sagt. Und ich wollte morgen mal wieder ( endlich mal wieder, letzte Mal ist 2 Monate her ) arbeiten. Die Große hat frei und ich hätte die 2 Kleinen bei ihr lassen können. Schade, ich hab erst mal abgesagt, damit die dort rechtzeitig Ersatz finden können.
Nun werde ich mich erst mal in den Haushalt stürzen, der hier ja etwas größer ist. Zu den 5 Kindern haben wir außer Katzen, Hund, Fischen, Hamster auch noch 7 Hühner und 2 Hängebauchschweine. Wie war das? Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche! Lust hab ich heut keine. Mach mir jetzt den Kamin an und gönn mir noch ne Tasse Kaffee…

Wieder da

Nach über 16 Monaten melde ich mich nun zurück. Viel ist seit dem passiert. Nach den Tod meines Mannes im Oktober 2008 blieben wir 6 ja nun in unserem Häuschen zurück. Viel, wirklich viel war zu regeln, es mußte ja auch finanziell weiter gehen. Meine Kinder waren damals 20, 18, 17, 2 Jahre und der Lütte grade mal 5 Monate. Die beiden Großen waren Gott sei dank ja schon in der Ausbildung. Während ich noch nicht wusste wo mir der Kopf stand, kam auch schon das Weihnachtsfest. Kurz zu vor hatten wir uns einen Hund angeschafft, da ich plötzlich Angst Nachts hatte. Sein ehemaliges Herrchen war der Chef meines Sohnes. Weihnachten wollte ich mich bei ihm bedanken und stand vor einem Mann, der gänzlich in Tränen aufgelöst war. Er hatte grad eine wirklich schlimme Trennung hinter sich, beruflich und privat mehr als eine Katastrophe hinter sich und einen großen Scherbenhaufen vor sich. Mein verstorbener Mann hatte immer große Stücke von ihm gehalten und wollte ihn sogar zum Paten unseres Kleinen machen. In seinen letzten Wochen drängte er mich immer wieder ihn einzuladen. Das war schon richtig unheimlich. Und da stehen wir auf einmal beide heulend voreinander! Wir haben dann den Jahresechsel zusammen verbracht und uns langsam angenähert. Doch Ende Januar saß ich plötzlich wieder in einem Krankenhaus auf der Intensivstation. Wolfgang hatte mit 47 einen Schlaganfall! Es ging gut. Nach 6 Wochen konnte er wieder normal arbeiten. Ich wollte aus unserem Haus ausziehen, da mich alles zu sehr an Oliver erinnerte.
Im Februar 2009 fanden wir einen alten Kotten von 1900. 475qm, 3000qm Garten und sogar eine eigene Wohnung für meine Große. Viel mußte gemacht werden und im Juni konnten wir einziehen. Alle 7! Nun hatten wir alles, das Glück schien zurück zu kehren. Meine Schwiegermutter, also Olivers Mutter lernte Wolfgang kennen und behandelt ihn fast liebevoller als einst ihren Sohn. Die großen Kinder fühlten sich endlich wieder wohl, der jetzt 3 jährige hat allerdings eine Sprachentwicklungsverzögerung, aber gut, er hat das langsame Sterben seines Papas ja bewust erlebt. Heute sagt er zu Wolfgang Papa und geht mit ihm einmal in der Woche zum Logopäden. Das wird schon. Die Exfrau von Wolfgang hat nun auch aufgegeben, ihm zu schaden und auch der Rest läuft. Wolfgang hat sogar seinen Arbeitsplatz gewechselt.
Doch was ihm fehlte war ein eigenes Kind. Und ich wurde schwanger. Mit 41! Alles bestens, bis zu 11ten Woche. Blutungen – Fehlgeburt! Aus der Traum. Wieder Trauer…

Mehr morgen

Ich werde dieses Tagebuch nun beenden

Es hat mich nun 14 Monate durch die Krankheit getragen. Es hat geholfen, nein IHR habt geholfen. Doch da nun doch alles aus ist, werde ich nun hier enden.
Wir werden als Großfamilie ohne Vater weitermachen müssen und das wird viel Kraft kosten. Denkt vielleicht mal an uns…

Alles vorbei

Mein Mann ist am Montag nach einem 6-stündigen Todeskampf erstickt. Die Ärzte haben alles in ihrer Macht stehende getan um diesen Kampf zu beenden. Er wollte nicht sterben und er hat gekämpft und gelitten. Es war so grausam. Es tat so weh, ihn kämpfen zu sehen und zu wissen, dass es aussichtslos war. In der Nacht zuvor war seine Lunge voll Wasser gelaufen. Die letzten 24 Stunden war ich bei ihm. Zwischendurch konnten wir uns noch unterhalten. Er wollte bis zum Schluß nicht aufgeben. Noch Nachts hat er mich aufgefordert weiter zu Kämpfen. Ich bin so leer, muß jetzt alles organisieren. Und seh doch immer noch die Bilder aus den Krankenhaus vor mir.

Ein weiterer Tag

Heute sind die Kinder mal bei mir geblieben und wir haben den Tag einmal mit allen 5 Kindern gewuppt. Unsere Freunde sind bei ihrer Unterstützung klasse, aber ich denke auch sie haben sich mal einen Tag für sich verdient. Männe ging es heute morgen sehr schlecht, da er trotz Schlaftablette die ganze Nacht nicht geschlafen hat, weil sein Bettnachbar ständig nach seiner Mama geschriehen hat. Gegen Mittag hat er sich etwas bekrabbelt und ich konnte sogar unsere Baby mit nehmen und er hatte genug Kraft den Kleinen mal zu halten. Jetzt gerade zieht er in ein Einzelzimmer um. Gut für ihn, schlecht für mich: In diesen Zimmer ist vor 9 Jahren meine Mutter verstorben. An Brustkrebs. Das wühlt jetzt gerade alles auf.
Zu seiner Diagnose konnten sie heute morgen dann noch einen Hörsturz hinzufügen. Rechts ist er nun taub. Der HNO war bei ihm. All das ist eine weitere Folge der Panik. Aber alle Ärzte sagen, solange er sich nicht der eigentlichen Angst stellt, wird sich der Körper immer neue Ventile suchen.
Ich werde mich nun kopfüber in die Bügelwäsche von 7 Personen stürzen und hoffen, dass er heute noch einmal in der Lage ist zu telefonieren. Morgen werden unsere Freunde wieder die Kleinen nehmen und ich kann den ganzen Tag im Krankenhaus sein.

Danke für alle lieben Gedanken und Wünsche

Viele haben an uns gedacht, uns Kommentare und e-mail geschickt. Danke. Einfach Danke.
Heute sieht es so aus:
Oliver liegt im Krankenhaus. Akuter Schwächeanfall. In seiner Restlunge tobt eine Entzündung. Schlafmangel, da er aus lauter Angst, im Schlaf zu sterben, nicht mehr schläft. Nun liegt er wieder auf der Palliativstation. Dort wird er nun nicht nur mit Antibiotika versorgt, er bekommt auch noch Astronautenkost. Er muß schlafen, er muß essen. Nur dann kann er es noch mal schaffen. Doch sein Kopf lässt das nicht zu. Er weiß, dass am Ende nur sein Sterben wartet, doch aus Angst darüber nachzudenken, stürzt er sich in selbstgemachte Panikanfälle, z.B. Angst vor Dunkelheit.
Unsere Kinder verarbeiten die ganze Situation unterschiedlich, alle helfen, und wie. Aber unsere Große stürzt sich in die Arbeit und wird im Frühjahr neben der Ausbildung ein Studium beginnen. Arbeit statt denken. Der Nächste ist erst mal zum Kraft tanken eine Woche zu einem Freund gefahren und als ganzer Mann zurück gekommen. Er ist nicht nur mega vernünftig, sondern richtig erwachsen. Der 17-jährige hat sich an seinen Chef gewendet (Neben der Schule jobt er 3x die Woche in einem Supermarkt) und da wohl einen Gesprächpartner gefunden.
Die beiden Kleinen, und besonders der 2jährige vermissen ihren Papa und klammern sehr an mir. Beide schlafen seit 3 Wochen wieder bei mir im Bett. Ganz eng angekuschelt.
Hilfe haben wir von guten Freunden, die allerdings 30km entfernt wohnen. Aber dennoch jeden Tag hier sein können, doch sie haben selber 4 Kinder. Heute morgen haben sie die beiden Kleinen mitgenommen, damit ich einige Gespräche mit den Ärzten führen konnte. Gegen Abend hol ich sie dann wieder.
Wir haben versucht eine Haushaltshilfe zu bekommen. Die wurde uns allerdings nur für 5 Tage gewährt, da ja mein Mann erkrankt ist und nicht ich.
Da ich jetzt noch 2 Stunden kinderfrei habe, werde ich mich in den Haushalt stürzen und hoffen, dass nicht gerade heute meine Schwiegermutter aufschlägt.

Es wird nicht mehr besser

Nee nu wirklich nicht. Olivers Krankheit rennt uns nun mit großen Schritten über den Haufen. Nicht nur, dass neue Metastasen in den Lyphdrüsen gefunden wurden, nein es folgte auch noch eine Lungenentzündung in dem restlichen verbliedenden Teil der Lunge. Mal wieder Krankenhaus, erst auf die Innere, dann in die Palliativstadion. Nach 10 Tagen bekamen wir ihn wieder. Schlapp, aber guter Dinge. Eingestellt mit einem Opiat, 8x stärker als Morphium. Egal, dafür ohne Schmerzen. Ins Krankenhaus mußte er allerdings täglich, wegen der Bestrahlung der Metastasen. Doch, wie soll es auch anders sein, nach 2 weiteren Tagen zeigt sich im rechten Bein eine dicke Thrombose. Also täglich Blutverdünner spritzen, Abführmittel nehmen um die Nebenwirkungen des Schmerzmittels zu mildern, Magenschoner nehmen, um die Nebenwirkungen der Abführmittel zu lindern. Dazu kommen Mittel gegen Übelkeit, die die Folge der Bestrahlung ist und ein Schlafmittel. Antibiotika gegen die Lungenentzündung und Kortison um den Appetit anzuregen. Der Arzt auf der Palliativstation hat uns ziemlich deutlich gemacht, dass die Krankheit immer mehr in den Vordergrund rücken würde und wir unsere großen Kinder darauf vorbereiten sollen. Nun das haben wir gemacht, und verdammt das tat weh!!!!
Am Donnerstag mußte er dann zu einem Lungenfacharzt, da er ein Druckgasinhalator brauchte. Den hat er bekommen, aber auch ein Sauerstoffgerät. Angeblich nur aus psychologischen Gründen. Ich hab den Sinn nur nicht verstanden, denn das Ding (übrigens so groß wie ein Kühlschrank, aber viel lauter) hat grad bei den Kindern und bei mir ne große Menge Angst ausgelöst. Psychologie????
Unser Onkologe (zu dem muß Oliver alle 4 Wochen wegen einer Knocheninfusion, zur Knochstabilität) hält das ganze auch für ziemlich überzogen und will am 15.10. ein Gespräch mit uns. Denn er hätte evt. noch eine Therapie im Angebot.
Zur Zeit sieht sein Zustand allerdings so aus:
Oliver schläft den ganzen Tag, egal ob im Sitzen, Stehen oder Liegen, immer wieder für 10 Minuten ein, er hat keinerlei Kraft und kann noch nicht einmal seinen 5 Monaten alten Sohn halten. Die Treppe hoch ins Schlafzimmer gleicht einer Gipfelerstürmung. Oliver isst fast nichts mehr und hat in den letzten 14 Tagen über 15 Kilo abgenommen. Er hat Panikanfälle, so dass ich ihn nicht mehr alleine lassen kann. Ich kann das Haus nicht mehr verlassen, ohne das eins unserer großen Kinder neben ihm sitzt. Also selbst eben mal einkaufen ist nicht drin. Der ganze Haushalt und auch die 5 Kids müssen nebenher laufen und das auch bitte nur ganz leise. Diese Woche soll die Bestrahlung enden. Und wir hoffen, dass dann ein Teil der Nebewirkungen nachlässt. Vielleicht ist er dann ein bisschen wacher und kann wieder etwas an unseren Familienleben teilnehmen.
So weit erst mal, ich glaub das reicht auch….

Immer wieder was neues

Ein Monat ist vergangen seit dem letzten Backup. Und es ist nicht besser geworden. Die Muttermale bei mir müssen dringent raus. Und da saß ich dann nun mit meinem OP-Termin. Doch dazu kam es dann wieder nicht. Statt dessen musste ich meinen Mann ins Krankenhaus bringen. Die Rückenschmerzen haben so stark zugenommen, dass er jetzt seit eine Woche mit Mophium eingestellt wird. Allerdings kennt man immer noch nicht die Ursache. Die Metastasen sitzen zu hoch, der Bandscheibenvorfall zu niedrig. Die Organe sind laut letztem CT (Donnerstag) noch nicht befallen und die geschwollenen Lymphdrüsen an er Wirbelsäule sollen diese Schmerzen aich nicht verursachen können. Also sitzt er achts im Bett neben mir, da Liegen gar nicht möglich ist. Zusätzlich bekommt er jetzt die Metastasen im Rücken und in der Schulter bestrahlt. Freitag hatten wir dann, nach 13 Monaten warten, einen Temin bei einem Psychologen. War ganz OK, mal abwarten was sicht daraus entwickelt.
Den 5 Kids dagegen geht es glücklicherweise super.
Soweit, das nächste Mal hoffentlich mir guten Nachrichten….

Rückmeldung

Lange war ich nicht mehr hier, und deshalb wollte ich mich doch mal wieder melden. Viel ist geschehen. Oliver hat nun definitiv Metastasen in der Schulter und in der Hüfte. Da aber der Haupttumor in der Lunge im Moment schweigt, scheinen die Metastasen im Augenblick nicht zu wachsen. Das ist erst mal gut, nicht super, aber gut. Nun macht ihm sein Bandscheibenvorfall zu schaffen, denn an der Wirbelsäule, allerdings etwas weiter oben, sitzen ja nun auch Metastasen. Aber das wußten wir ja nun schon länger. Nur sein Orthopäde traut sich deshalb nicht an eine Behandlung. Jetzt grade sitzt er auch wieder bei ihm, um Krankengymnastik zu bekommen. Zu allem Übel hat er noch ne dicke Erkältung. Heute Abend geh ich mit ihm zu Heilpraktiker, zur Entgiftung. Soviel Zeug, wie er in der letzten Zeit schlucken mußte, da hat sich ja einiges in seinem Körper angesammelt.
Meine Große hat gemeint, einen Tag nach der WM, im Deutschlandtrikot, mit ihren 2jährigen Bruder Fußball zu spielen. Das ging natürlich schief! Unterhalb des Knies hat sie sich einen Nerv eingeklemmt, der im Krankenhaus rausoperiert werden musste. Und da lag sie nun eine Woche. Danach Krücken. Gottseidank ist alles noch rechtzeitig ausgeheilt, denn sie beginnt morgen ihre Ausbildung zur Einzelshandelskauffrau. Der nächste, mein fast 18jähriger, hat sich eine megadicke Rippenprellung zugezogen, weil er versucht hat einen umfallenden Stapel voller Colakisten aufzuhalten. Da Junior bei 1,85m nur etwas über 50kg wiegt, war er dann fast 3 Wochen krankgeschrieben.
Morgen geh ich zum 40-Jahre-Check-Up! Mal schauen, ob ich noch einmal TÜV bekomme. Denn meinem Hausarzt hat einige veränderte Muttermale festgestellt, als ich das letzte Mal mit Oliver bei ihm war. Vor einigen Jahren wurden mir schon mal mehrere entfernt, die schon im Wachstum waren, aber noch im gutartigen Bereich. 2 sitzen auf der linken Brust. Sollten die raus müssen, muß ich abstillen. Schau wir mal…
So, genug Krankengeschichten, alles in allem gehts uns eigetlich ganz gut. Geniesen wir die Zeit.

Erst Taufe, dann Metastasen

So kann man es beschreiben: Samstag hatten wir die Taufe von Timm-Oliver. Wunderschön, die ganze Familie, auch der Teil aus Holland, war da. Eine sehr schöne Feier, die Sonntagmorgen mit einen Frühstücksbuffet an meinem Arbeitplatz endetete. Danach war erst mal Aufräumen angesagt.
Montag mußte Oliver dann zum Radiologen wegen Rückenschmerzen. Ende vom Lied: Metastasen in der Schulter und in der Hüfte. Sofort zum Onkologen. Der sprach dann von einem “dezenten Befund”. Toll, und nun? Es könnte bedeuten, dass der Tumor in der Lunge, der grade ein wenig zum Stillstand gekommen war, (Stand Ende Mai) schon wieder aktiv ist. Nun müssen wir warten bis zum 9. und 10. Juli, dann werden 2 große CTs gemacht. Und erst dann wissen wir mehr. Oliver ist ganz normal zur Arbeit gegangen, wärend mich die Diagnose aus den Schuhen gehauen hat. Dabei kann ich gar keine Schuh anziehen, mich hat nämlich eine Wespe in den Zeh gestochen.
Die beiden Kleinen, Lenny und Timm-Oliver, bekommen natürlich etwas mit und sind sehr unruhig. Oliver jedoch strahlt wieder jede Menge Optimismus aus. Ich wünscht, ich könnt das auch