Geschrieben am Freitag 17 Oktober 2008 von draconi
Es hat mich nun 14 Monate durch die Krankheit getragen. Es hat geholfen, nein IHR habt geholfen. Doch da nun doch alles aus ist, werde ich nun hier enden.
Wir werden als Großfamilie ohne Vater weitermachen müssen und das wird viel Kraft kosten. Denkt vielleicht mal an uns…
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Geschrieben am Mittwoch 15 Oktober 2008 von draconi
Mein Mann ist am Montag nach einem 6-stündigen Todeskampf erstickt. Die Ärzte haben alles in ihrer Macht stehende getan um diesen Kampf zu beenden. Er wollte nicht sterben und er hat gekämpft und gelitten. Es war so grausam. Es tat so weh, ihn kämpfen zu sehen und zu wissen, dass es aussichtslos war. In der Nacht zuvor war seine Lunge voll Wasser gelaufen. Die letzten 24 Stunden war ich bei ihm. Zwischendurch konnten wir uns noch unterhalten. Er wollte bis zum Schluß nicht aufgeben. Noch Nachts hat er mich aufgefordert weiter zu Kämpfen. Ich bin so leer, muß jetzt alles organisieren. Und seh doch immer noch die Bilder aus den Krankenhaus vor mir.
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Geschrieben am Mittwoch 8 Oktober 2008 von draconi
Heute sind die Kinder mal bei mir geblieben und wir haben den Tag einmal mit allen 5 Kindern gewuppt. Unsere Freunde sind bei ihrer Unterstützung klasse, aber ich denke auch sie haben sich mal einen Tag für sich verdient. Männe ging es heute morgen sehr schlecht, da er trotz Schlaftablette die ganze Nacht nicht geschlafen hat, weil sein Bettnachbar ständig nach seiner Mama geschriehen hat. Gegen Mittag hat er sich etwas bekrabbelt und ich konnte sogar unsere Baby mit nehmen und er hatte genug Kraft den Kleinen mal zu halten. Jetzt gerade zieht er in ein Einzelzimmer um. Gut für ihn, schlecht für mich: In diesen Zimmer ist vor 9 Jahren meine Mutter verstorben. An Brustkrebs. Das wühlt jetzt gerade alles auf.
Zu seiner Diagnose konnten sie heute morgen dann noch einen Hörsturz hinzufügen. Rechts ist er nun taub. Der HNO war bei ihm. All das ist eine weitere Folge der Panik. Aber alle Ärzte sagen, solange er sich nicht der eigentlichen Angst stellt, wird sich der Körper immer neue Ventile suchen.
Ich werde mich nun kopfüber in die Bügelwäsche von 7 Personen stürzen und hoffen, dass er heute noch einmal in der Lage ist zu telefonieren. Morgen werden unsere Freunde wieder die Kleinen nehmen und ich kann den ganzen Tag im Krankenhaus sein.
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Geschrieben am Dienstag 7 Oktober 2008 von draconi
Viele haben an uns gedacht, uns Kommentare und e-mail geschickt. Danke. Einfach Danke.
Heute sieht es so aus:
Oliver liegt im Krankenhaus. Akuter Schwächeanfall. In seiner Restlunge tobt eine Entzündung. Schlafmangel, da er aus lauter Angst, im Schlaf zu sterben, nicht mehr schläft. Nun liegt er wieder auf der Palliativstation. Dort wird er nun nicht nur mit Antibiotika versorgt, er bekommt auch noch Astronautenkost. Er muß schlafen, er muß essen. Nur dann kann er es noch mal schaffen. Doch sein Kopf lässt das nicht zu. Er weiß, dass am Ende nur sein Sterben wartet, doch aus Angst darüber nachzudenken, stürzt er sich in selbstgemachte Panikanfälle, z.B. Angst vor Dunkelheit.
Unsere Kinder verarbeiten die ganze Situation unterschiedlich, alle helfen, und wie. Aber unsere Große stürzt sich in die Arbeit und wird im Frühjahr neben der Ausbildung ein Studium beginnen. Arbeit statt denken. Der Nächste ist erst mal zum Kraft tanken eine Woche zu einem Freund gefahren und als ganzer Mann zurück gekommen. Er ist nicht nur mega vernünftig, sondern richtig erwachsen. Der 17-jährige hat sich an seinen Chef gewendet (Neben der Schule jobt er 3x die Woche in einem Supermarkt) und da wohl einen Gesprächpartner gefunden.
Die beiden Kleinen, und besonders der 2jährige vermissen ihren Papa und klammern sehr an mir. Beide schlafen seit 3 Wochen wieder bei mir im Bett. Ganz eng angekuschelt.
Hilfe haben wir von guten Freunden, die allerdings 30km entfernt wohnen. Aber dennoch jeden Tag hier sein können, doch sie haben selber 4 Kinder. Heute morgen haben sie die beiden Kleinen mitgenommen, damit ich einige Gespräche mit den Ärzten führen konnte. Gegen Abend hol ich sie dann wieder.
Wir haben versucht eine Haushaltshilfe zu bekommen. Die wurde uns allerdings nur für 5 Tage gewährt, da ja mein Mann erkrankt ist und nicht ich.
Da ich jetzt noch 2 Stunden kinderfrei habe, werde ich mich in den Haushalt stürzen und hoffen, dass nicht gerade heute meine Schwiegermutter aufschlägt.
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Geschrieben am Sonntag 5 Oktober 2008 von draconi
Nee nu wirklich nicht. Olivers Krankheit rennt uns nun mit großen Schritten über den Haufen. Nicht nur, dass neue Metastasen in den Lyphdrüsen gefunden wurden, nein es folgte auch noch eine Lungenentzündung in dem restlichen verbliedenden Teil der Lunge. Mal wieder Krankenhaus, erst auf die Innere, dann in die Palliativstadion. Nach 10 Tagen bekamen wir ihn wieder. Schlapp, aber guter Dinge. Eingestellt mit einem Opiat, 8x stärker als Morphium. Egal, dafür ohne Schmerzen. Ins Krankenhaus mußte er allerdings täglich, wegen der Bestrahlung der Metastasen. Doch, wie soll es auch anders sein, nach 2 weiteren Tagen zeigt sich im rechten Bein eine dicke Thrombose. Also täglich Blutverdünner spritzen, Abführmittel nehmen um die Nebenwirkungen des Schmerzmittels zu mildern, Magenschoner nehmen, um die Nebenwirkungen der Abführmittel zu lindern. Dazu kommen Mittel gegen Übelkeit, die die Folge der Bestrahlung ist und ein Schlafmittel. Antibiotika gegen die Lungenentzündung und Kortison um den Appetit anzuregen. Der Arzt auf der Palliativstation hat uns ziemlich deutlich gemacht, dass die Krankheit immer mehr in den Vordergrund rücken würde und wir unsere großen Kinder darauf vorbereiten sollen. Nun das haben wir gemacht, und verdammt das tat weh!!!!
Am Donnerstag mußte er dann zu einem Lungenfacharzt, da er ein Druckgasinhalator brauchte. Den hat er bekommen, aber auch ein Sauerstoffgerät. Angeblich nur aus psychologischen Gründen. Ich hab den Sinn nur nicht verstanden, denn das Ding (übrigens so groß wie ein Kühlschrank, aber viel lauter) hat grad bei den Kindern und bei mir ne große Menge Angst ausgelöst. Psychologie????
Unser Onkologe (zu dem muß Oliver alle 4 Wochen wegen einer Knocheninfusion, zur Knochstabilität) hält das ganze auch für ziemlich überzogen und will am 15.10. ein Gespräch mit uns. Denn er hätte evt. noch eine Therapie im Angebot.
Zur Zeit sieht sein Zustand allerdings so aus:
Oliver schläft den ganzen Tag, egal ob im Sitzen, Stehen oder Liegen, immer wieder für 10 Minuten ein, er hat keinerlei Kraft und kann noch nicht einmal seinen 5 Monaten alten Sohn halten. Die Treppe hoch ins Schlafzimmer gleicht einer Gipfelerstürmung. Oliver isst fast nichts mehr und hat in den letzten 14 Tagen über 15 Kilo abgenommen. Er hat Panikanfälle, so dass ich ihn nicht mehr alleine lassen kann. Ich kann das Haus nicht mehr verlassen, ohne das eins unserer großen Kinder neben ihm sitzt. Also selbst eben mal einkaufen ist nicht drin. Der ganze Haushalt und auch die 5 Kids müssen nebenher laufen und das auch bitte nur ganz leise. Diese Woche soll die Bestrahlung enden. Und wir hoffen, dass dann ein Teil der Nebewirkungen nachlässt. Vielleicht ist er dann ein bisschen wacher und kann wieder etwas an unseren Familienleben teilnehmen.
So weit erst mal, ich glaub das reicht auch….
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Geschrieben am Sonntag 31 August 2008 von draconi
Ein Monat ist vergangen seit dem letzten Backup. Und es ist nicht besser geworden. Die Muttermale bei mir müssen dringent raus. Und da saß ich dann nun mit meinem OP-Termin. Doch dazu kam es dann wieder nicht. Statt dessen musste ich meinen Mann ins Krankenhaus bringen. Die Rückenschmerzen haben so stark zugenommen, dass er jetzt seit eine Woche mit Mophium eingestellt wird. Allerdings kennt man immer noch nicht die Ursache. Die Metastasen sitzen zu hoch, der Bandscheibenvorfall zu niedrig. Die Organe sind laut letztem CT (Donnerstag) noch nicht befallen und die geschwollenen Lymphdrüsen an er Wirbelsäule sollen diese Schmerzen aich nicht verursachen können. Also sitzt er achts im Bett neben mir, da Liegen gar nicht möglich ist. Zusätzlich bekommt er jetzt die Metastasen im Rücken und in der Schulter bestrahlt. Freitag hatten wir dann, nach 13 Monaten warten, einen Temin bei einem Psychologen. War ganz OK, mal abwarten was sicht daraus entwickelt.
Den 5 Kids dagegen geht es glücklicherweise super.
Soweit, das nächste Mal hoffentlich mir guten Nachrichten….
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Geschrieben am Donnerstag 31 Juli 2008 von draconi
Lange war ich nicht mehr hier, und deshalb wollte ich mich doch mal wieder melden. Viel ist geschehen. Oliver hat nun definitiv Metastasen in der Schulter und in der Hüfte. Da aber der Haupttumor in der Lunge im Moment schweigt, scheinen die Metastasen im Augenblick nicht zu wachsen. Das ist erst mal gut, nicht super, aber gut. Nun macht ihm sein Bandscheibenvorfall zu schaffen, denn an der Wirbelsäule, allerdings etwas weiter oben, sitzen ja nun auch Metastasen. Aber das wußten wir ja nun schon länger. Nur sein Orthopäde traut sich deshalb nicht an eine Behandlung. Jetzt grade sitzt er auch wieder bei ihm, um Krankengymnastik zu bekommen. Zu allem Übel hat er noch ne dicke Erkältung. Heute Abend geh ich mit ihm zu Heilpraktiker, zur Entgiftung. Soviel Zeug, wie er in der letzten Zeit schlucken mußte, da hat sich ja einiges in seinem Körper angesammelt.
Meine Große hat gemeint, einen Tag nach der WM, im Deutschlandtrikot, mit ihren 2jährigen Bruder Fußball zu spielen. Das ging natürlich schief! Unterhalb des Knies hat sie sich einen Nerv eingeklemmt, der im Krankenhaus rausoperiert werden musste. Und da lag sie nun eine Woche. Danach Krücken. Gottseidank ist alles noch rechtzeitig ausgeheilt, denn sie beginnt morgen ihre Ausbildung zur Einzelshandelskauffrau. Der nächste, mein fast 18jähriger, hat sich eine megadicke Rippenprellung zugezogen, weil er versucht hat einen umfallenden Stapel voller Colakisten aufzuhalten. Da Junior bei 1,85m nur etwas über 50kg wiegt, war er dann fast 3 Wochen krankgeschrieben.
Morgen geh ich zum 40-Jahre-Check-Up! Mal schauen, ob ich noch einmal TÜV bekomme. Denn meinem Hausarzt hat einige veränderte Muttermale festgestellt, als ich das letzte Mal mit Oliver bei ihm war. Vor einigen Jahren wurden mir schon mal mehrere entfernt, die schon im Wachstum waren, aber noch im gutartigen Bereich. 2 sitzen auf der linken Brust. Sollten die raus müssen, muß ich abstillen. Schau wir mal…
So, genug Krankengeschichten, alles in allem gehts uns eigetlich ganz gut. Geniesen wir die Zeit.
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Geschrieben am Dienstag 24 Juni 2008 von draconi
So kann man es beschreiben: Samstag hatten wir die Taufe von Timm-Oliver. Wunderschön, die ganze Familie, auch der Teil aus Holland, war da. Eine sehr schöne Feier, die Sonntagmorgen mit einen Frühstücksbuffet an meinem Arbeitplatz endetete. Danach war erst mal Aufräumen angesagt.
Montag mußte Oliver dann zum Radiologen wegen Rückenschmerzen. Ende vom Lied: Metastasen in der Schulter und in der Hüfte. Sofort zum Onkologen. Der sprach dann von einem “dezenten Befund”. Toll, und nun? Es könnte bedeuten, dass der Tumor in der Lunge, der grade ein wenig zum Stillstand gekommen war, (Stand Ende Mai) schon wieder aktiv ist. Nun müssen wir warten bis zum 9. und 10. Juli, dann werden 2 große CTs gemacht. Und erst dann wissen wir mehr. Oliver ist ganz normal zur Arbeit gegangen, wärend mich die Diagnose aus den Schuhen gehauen hat. Dabei kann ich gar keine Schuh anziehen, mich hat nämlich eine Wespe in den Zeh gestochen.
Die beiden Kleinen, Lenny und Timm-Oliver, bekommen natürlich etwas mit und sind sehr unruhig. Oliver jedoch strahlt wieder jede Menge Optimismus aus. Ich wünscht, ich könnt das auch
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Geschrieben am Montag 9 Juni 2008 von draconi
Nun ist es soweit: Ich bin 40! Und von meiner Familie, Mann, Schwiegermutter und meinen großen Kindern gab es meinen eigenen Laptop. Mein 16 jähriger ist extra dafür arbeiten gegangen. Ansonsten ist es ein komischer Tag: Mein Mann hat Urlaub und wir renovieren unser Badezimmer, da wir ja in 12 Tagen Taufe feiern und ich bis dahin alles fertig haben möchte. Oliver geht es so weit gut.Er hat jetzt 3 Monate Behandlungspause. Erst Ende Juli geht es bei ihm mit Ultraschall und CT weiter. Am 14. August, ausgerechnet am 18. Geburtstag von unserem Großen erfahren wir dann mal wieder, wie sich der Krebs weiter entwickelt hat. Der nächste Schritt wäre eine Tablettenchemo. Die greift schnell schon mal den Kieferknochen an und das ist leider eine von Olivers Schwachstellen. Mal abwarten. Mal wieder abwarten. Und nun als nächstes ein nettes Stückchen Torte und dann werde ich unseren Kleinen mal wieder stillen….
Komisch, irgentwie verändert sich das Leben wohl auch mit 40 nicht unbedingt, oder?
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Geschrieben am Montag 19 Mai 2008 von draconi
Mittwoch, 21.05.! Oliver muß zum CT. Wieder so ein wichtiger Tag. Ein soviel entscheidender Tag. Was treibt der Krebs, gibt es eine Verbesserung, oder ist wieder alles für die Katz gewesen? 3 Wochen durften wir uns jetzt über unseren Schatz freuen, doch nun kommt wieder Angst hoch, noch 2 Mal schlafen, dann ist Mittwoch. Am Freitag dann, wird der Onkologe das Gespräch über die weitere Vorgehensweise haben. ausgerechnet an Olivers 39sten Geburtstag. Aber vielleicht ist das ja ein gutes Omen? Er fühlt sich zumindest super und nicht zuletzt ist Timm-Oliver dafür verantwortlich. So ein Baby gibt doch jede Menge Kraft. Bitte, bitte denkt an uns
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