Heute ist es passiert. Erst ging es ganz gut los, ich hatte mal wieder einen Ultraschalltermin, und siehe da, nun war tatsächlich die Fruchthöhle gewachsen und ein winziger Embryo zu sehen. Die Ärztin dämpfte die aufkeimende Hoffnung sofort, o.k., aber ich habe mich trotzdem irgendwie darüber gefreut. Mittags wartete ich auf den Anruf, aber es kam keiner. Um halb vier war das Telefon nicht mehr besetzt, aber später erreichte ich sie auf ihrem Handy. Und dann kamen die Werte. Der Progesteron-Wert ist trotz Proluton-Entzugs gestiegen, aber der hcg-Wert ist gefallen… Ich habe es erst gar nicht kapiert, bis ich dann schnallte, dass er letzte Woche ja schon über 1100 lag und jetzt plötzlich um die 900. Das traf mich wirklich unvorbereitet. Damit habe ich nach dem guten US einfach nicht gerechnet!
Habe zum Glück ziemlich schnell mit Jane sprechen können, ich brauchte einfach jemanden zum Reden, bevor ich mich entscheide, wie es weitergeht. Mein Mann ist auf Dienstreise und kommt morgen Nacht zurück, und ich hätte eigentlich heute Abend selbst auf eine Dienstreise gehen wollen. Aber im Gespräch mit Jane wurde mir klar, dass ich jetzt nur eines will, und das ist eine schnelle Ausschabung, und zwar gleich morgen. Ich möchte nicht jede Stunde auf die Toilette rennen und ängstlich nachschauen, ob die Blutungen schon eingesetzt haben. Das musste ich dann ganz schnell meinem Chef klarmachen, der nun für mich einspringen muss. Er war natürlich wenig erbaut. Ich hatte ihn letzte Woche schon auf diesen Augenblick vorbereitet, er weiß seit meiner ersten MA Bescheid, und so war er wirklich gut unterrichtet. Und was sagte er heute? Welche Risiken denn bestünden, wenn ich die Ausschabung noch um einen Tag verschiebe, ein Blutsturz oder wie?
Toll. Großartig! Das war genau die Frage, die ich brauchte. Es war doch für mich auch so schon schwer genug, diese Entscheidung zu treffen. Ich habe mich nicht irritieren lassen und ihm gesagt, dass es jetzt sein muss. Nun sitze ich hier allein zu Hause und weiß noch gar nicht, wie ich das morgen anstellen soll. Mit dem Bus ins Krankenhaus fahren? Wenn ich nichts gegessen habe, kann mir nur im Bus schlecht werden. Mit dem Fahrrad fahren fällt wohl auch aus, zumindest ist mir der Rückweg verbaut, genau wie bei einer Autofahrt. Ja, Mädels, so sieht es aus: Ich habe keine beste Freundin, die mir jetzt beistehen kann, zumindest nicht in dieser Stadt, und am Telefon auch nicht.
Und mit meinem Mann habe ich auch noch nicht gesprochen. Ich bringe es einfach nicht übers Herz! Ich weiß, wie sehr ihn das bedrücken wird, dass er nun nicht bei mir ist und mich morgen nicht fahren kann. Das wird ihn richtig fertigmachen. Der Gedanke ist unerträglich für mich. Aber verschweigen kann ich es ihm doch auch nicht. Oder doch? Ich weiß es nicht. Es ist wirklich schrecklich, und alle Tapferkeit hat irgendwann ein Ende, muss ich leider feststellen. Ich habe mich schon lange nicht mehr so einsam gefühlt wie in diesem Augenblick.
Auf der Straße direkt vor unserem Fenster wendete gerade dieses legendäre Auto, eine grüne Ente. Kennt Ihr das auch von früher? Wenn du eine grüne Ente siehst, musst du Jemanden kneifen und dir etwas wünschen. Ich brauche euch nicht zu sagen, was ich mir gerade gewünscht habe, nachdem ich mich selbst gekniffen habe. Gerade jetzt, wo ich mal wieder am Abgrund stehe, wünsche ich es mir noch mehr als je zuvor.