13.11.09

Bilanz ziehen

geschrieben in Palisander ist ein hartes Holz um 11:21 von Palisander

So, über 2 Monate nix geschrieben. Das ist nicht gut. Denn eigentlich gibt es eine Menge zu berichten. Aber ich ertrinke in Arbeit und weiß manchmal einfach nicht, woher ich mir die fehlende Zeit nehmen soll. Auch mein Tag hat nur 24 Stunden und immer öfter frage ich mich, wie andere Frauen mit Kind das bloß schaffen und dabei auch noch ein gutes Gefühl haben?!? Ich dagegen fühle mich oft zerrissen und denke, daß ich alles nur halb mache. Manchmal gibt es Momente, da habe ich Hoffnung, daß bald etwas Routine einkehrt. Aber manchmal will ich die Decke über den Kopf ziehen und einfach nur schlafen, keine Verantworung tragen, keine Verpflichtungen haben und wieder 4 Jahre alt sein.
Zudem zweifle ich, seitdem ich an meiner neuen Schule bin, immer mal wieder, ob das wirklich das richtige für mich ist. An meiner alten Schule habe ich mich so wohl gefühlt, angenommen und akzeptiert mit all den Fehlern, die man als Berufsanfänger eben macht. Jetzt bin ich ständig unter Strom, habe Angst, etwas falsch zu machen und mache auch ständig alles falsch. Zumindest wird mir das so vermittelt. Ich bin oft völlig ideenlos, unkreativ, auf dem falschen Dampfer mit meinen Unterrichtsstunden – es ist zum Weglaufen. Mir fehlt momentan jegliche Motivation, etwas neues auszuprobieren, weil es hinterher auseinandergepflückt wird. Oft bleibt in Vorbesprechungen nichts von meinen Ideen bestehen, sondern meine Mentorin sagt mir genau, wie sie es sich vorstellt und dann soll ich es bitteschön auch so machen. Manchmal bin ich es einfach so müde, Einspruch einzulegen und mich durchzusetzen. Und dann wieder rege ich mich auf und das raubt mir alle Energie.
Ich fühle mich in allen Belangen so “anders” als in der Zeit vor Ben. Mein “Lehrer-Ego” ist ganz schön angekratzt und das macht mir arg zu schaffen. Der fröhliche Optimist in mir hat sich dünne gemacht und mir wächst das alles über den Kopf.

Außerdem bin ich jetzt seit gut 1 Woche krank und daheim. Schweinegrippe? Man weiß es nicht… Madenkind habe ich natürlich angesteckt und jeder kann sich sicherlich ausmalen, wie wunderbar erholsam es ist, einen bockigen, schreienden, nicht schlafen-wollenden und absolut Mama-fixierten Sohn bei mir zu haben. Ich bin am Rande meiner Kräfte!
Und trotzdem geht es weiter, jeden Tag geht die Sonne wieder auf und wir werden das momentane Chaos hier schon überstehen.

Eher grundsätzlich stellt sich aber die Frage: Wie wollen wir uns zukünftig organisieren? Ich brauche einfach mehr Zeit. Von Zeit für mich spreche ich erstmal gar nicht, sondern von Zeit für die Vorbereitung meiner Stunden. Tagesmutter? Anscheinend aussichtslos im Moment. Kita-Platz? Pah…frühestens nächsten Sommer! Schwiegermutter? Wird wohl darauf hinauslaufen – leider!
Ich könnte einfach den ganzen Tag nur Sch… schreien! Was haben wir uns nur vorgemacht? Beide quasi voll berufstätig und ein Kind zu betreuen fast ohne Hilfe – schön naiv!

Danke liebes Schäfchen für Deine Geburtstagswünsche! Ich lag an diesem Tag schon mit Fieber im Bett und habe nur gedacht: Wunderbar – läuft ja alles rund hier im Moment! Trotzdem bin ich jetzt ein Jahr älter und so fühle ich mich auch. Die grauen Haare mehren sich und die Fältchen auch. Das ist allerdings mal kein Grund zum Jammern – ich steh zu meinem Alter!

Ach Mädels – ich habe mich mal wieder fein ausge*kotz* und stelle fest – Tagebuch schreiben ist toll! Je selterner man schreibt, desto komprimierter kommt der Mist dann raus. Und hinterher gehts besser… Danke für Eure Geduld! *bussi* Und entschuldigt die Anti-Stimmung, die ich hier bei meinen seltenen Besuchen versprühe. Auch deshalb halte ich mich bei Kommentaren zur Zeit zurück – mir fällt einfach oft nichts aufbauendes, kluges, witziges ein. Und den Rest will ich wirklich niemandem zumuten…


4 Kommentare »

  1. geschafft schreibt:

    Freitag, 13 November 2009 um 12:20

    Das klingt ja nicht so toll. *?* Irgendwie scheint es mir ein Teufelskreis zu sein. Du hast Angst, etwas falsch zu machen (was du als “Lehrling” darfst!!!) und prompt machst du Fehler.

    Wenn jeder Lehramts-Student unmittelbar nach dem Studium eine perfekte Lehrkraft wäre, gäbe es keine Referendare.

    Warum ist denn die Tagesmutter-Geschichte im Moment aussichtslos? Ich würde meinen, dass es besser ist, eine TM zu haben, als Ben von deiner Schwiegermutter betreuen zu lassen, wenn du dich dabei nicht gut fühlst.

    Liebe Grüsse und gute Besserung,
    Tina

  2. Sheepchen schreibt:

    Freitag, 13 November 2009 um 14:18

    Meine liebste Kerstin,
    ich hab dich vermisst. Und so gern würde ich deinen kleinen Ben mit ihn Laurins Gruppe stecken.
    Geh auf alle Ämter und macht Terz- jedes Kind kann einen Krippenplatz bekommen, vor allem, weil ihr berufstätig seid! Und dann siehst du, wie wunderbar es dir gehen wird. Du wirst ausgeglichener, schaffst wieder alles und der Stress fällt einfach ab.
    Ich kann dich so gut verstehen, denn vor gut einem Jahr, da ging es mir so, wie dir jetzt. Seit wir den KiTa- Platz haben, habe ich wieder ein Leben und schaffe es sogar mal ein bisschen freie Zeit nur für mich zu schinden. Vor allem abends am PC. Oder wie jetzt- bei Oma, die den kleinen Schnurps betüddelt und liebt, wärend er mir krank die Nerven rauben würde ;) (Keine Schweinegrippe hier, Entwarnung am Dienstag ;) )

    Ich hab dich lieb!

  3. Sheepchen schreibt:

    Freitag, 13 November 2009 um 14:25

    Ach.. Und wenn du mal Anregungen brauchst.. Ich werd zwar nun eher Schulen versichern als darin zu unterrichten. Aber ich blühe vor Ideen ;) Im Rahmen meiner Möglichkeiten würde ich dir gern helfen! Und ich finde auch, dass du das ansprechen solltest- dass du deine eigenen Fehler gar nicht machen kannst und nur angeleitet wirst. Das ist ja nicht der Sinn und Zweck der Sache! Nur weil du Dinge anders machen willst, sind sie nicht schlechter!

  4. January schreibt:

    Samstag, 14 November 2009 um 11:32

    Pali-Mausi, das Refendariat ist eine gruselige Zeit, in der die Stunden, die man wochenlang vorbereitet hat, mit einer Zielgenauigkeit demontiert werden, die einen um den Verstand bringt. Viele sind noch Jahre später traumatisiert, manche meiner Kollegen sind schon in den 50ern und bekommen noch Schwitzehändchen, wenn sie an ihr Refendariat zurückdenken. Bei mir hat es fünf Jahre gedauert, bis mein Chef in einer meiner Stunden sitzen konnte, ohne dass ich vor Nervosität vergangen bin und ohne dass ich mich in der jeweiligen Stunde komplett zum Affen gemacht habe. Mit einem kleinen Maderich zu Hause, ist die Vorbereitung sicher noch viel schwerer.
    Lass Dich nicht verrückt machen von Deinen Ausbildern. Mir wurde von einer Fachleiterin fast ein Jahr vor meinem Examen gesagt, dass sie mich eh durchfallen lassen würde und ich bin irgendwie durchgekommen. Meine Abschlussnote ist nicht toll, aber ich mache meinen Job heute meist ganz gut. Angstfrei unterrichtet es sich eben viel besser.
    Und dass Du mal daran zweifelst, dass Du in dem Job richtig bist, das ist normal und geht auch noch Leuten so, die das schon 20 Jahre machen.
    Lass Dich *knuddel* und nicht unsterkriegen. Liebe Grüße, Bahbah *troest*

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