27.01.08

Trübe

geschrieben in Palisander ist ein hartes Holz um 11:38 von Palisander

Ich schaue aus dem Fenster und es regnet pausenlos. Draußen ist die Stimmung trübe und im Hause Palisander irgendwie auch. Gestern hatten Liebster und ich unseren ersten kleinen Zank seit ich schwanger bin. Ich bin momentan reizbar und aufbrausend für meine Verhältnisse. Damit kommt Liebster nicht gut klar - vor allem, weil er in der Regel das Opfer meiner Attacken ist.

Aber ich mache mir über so vieles Gedanken. Meine und unsere Zukunft wird in den nächsten Monaten entscheidende Wendungen nehmen. Ich gehe ins Ref und wir bekommen ein Kind. Für meinen Geschmack ist das erstmal genug Veränderung für einen bzw. zwei Menschen. Er allerdings macht sich null Sorgen oder auch nur Gedanken. Er glaubt, daß sich alles ergeben wird und wir unser Leben vorerst so weiterleben können. Nein - er kann sein Leben so weiterleben wie bisher. Ich mußte meins schon umkrempeln und finde das auch gut so. Dazu muß ich vielleicht ausholen und kurz beschrieben, wie unser Leben vor dem Tag X eigentlich aussah…

Unser beider beruflicher Werdegang ist sehr kurvig. Liebster arbeitet in der Gastronomie und dadurch allein hat er einen sehr ungewöhnlichen Lebensrythmus. Ich habe in den letzten 4 Jahren studiert und hatte einen Nebenjob - ebenfalls in der Gastronomie. Wir haben das Leben genossen, sind lange aufgeblieben, waren viel unterwegs, haben lange geschlafen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Irgendwann ist mir das allerding ziemlich auf den Keks gegangen. Alles so unverbindlich und so völlig konträr zu den Gewohnheiten anderer, “normaler” Menschen. Mein Bedürfnis nach einem geregelten Tagesablauf wuchs. Ich wollte früh aufstehen und abends müde in’s Bett fallen, weil ich etwas geschafft hatte am Tag. Und das fing ich an durchzusetzten. Habe das vom Liebsten nicht verlangt, aber er zog mit. Wenn da nur nicht das heißgeliebte Feiern gehen wäre. Vielleicht weiß das jemand, aber Leute aus der Gastronomie sind oft anders als andere. Bierchen trinken in der Woche ist völig normal - am Wochenende muß man ja arbeiten. Und oft bleibt es nicht bei einem…. Wir hatten nie übermäßig viel Geld, aber für diesen Lebensstil war es genug. Kein großer Luxus, 1x Jährlich in den Urlaub - das reichte uns. Doch jetzt ist alles anders…

Meine Hormone schreiben mir nun vor, mich um die Zukunft zu kümmern. Ich will Sicherheit, ich will einen Beruf, ich will ein Nest, ich will einen verantwortungsbewußten Mann! All das nimmt einen großen Raum ein in meinen derzeitigen Gedankenspielereien. Und mein Liebster? Der will so weitermachen wie bisher. Will Party machen (gut… ich geb zu, seltener), will sich mit Freunden treffen, will sich nicht gesund ernähren, will nicht lesen, will an freien Tagen im Bett rumgammeln. Und mir geht das sooooooo auf den Zwirn. Ich verlange von ihm keine Wunder. Ich möchte nur, daß er sich darauf vorbereitet, neben einem liebevollen Vater auch ein gutes Vorbild zu sein. Menschlich ist er das - keine Frage. Er ist großzügig, warmherzig, humorvoll, sensibel und noch vieles mehr. Aber im Alltag gibt es Dinge, die veränderungswürdig sind. Manchmal habe ich Angst, daß er überhaupt gar keine Vorstellung davon hat, was es bedeutet, ein Kind zu haben. Er glaubt, er geht den ganzen Tag bei Sonnenschein spazieren, trifft sich auf dem Spielplatz mit anderen Müttern und hält ein Schwätzchen über die lieben Kleinen. Doch ein Kind bedeutet doch noch so viel mehr - und ganz sicher ist nicht nur alles immer supertoll. Zumindest vermute ich das.
Ich befürchte manchmal, ich werde 2 Kinder haben. Ich habe Angst, daß er den Anforderungen nicht gewachsen sein wird und enttäuscht ist, daß seine romantischen Vorstellungen sich nicht mit der Wirklichkeit decken.

Beziehungstechnisch hatten wir anfangs anstrengende Zeiten. Unsere Partnerschaft ist stabil und harmonisch, aber es hat einige Zeit gedauert, bis wir so weit waren. Nun befürchte ich, daß dieses mühsam aufgebaute System ins Wanken kommen könnte, wenn eine “Variable” hinzukommt. Wir wünschen uns beide sehr ein Kind, aber ich denke, uns ist überhaupt nicht klar, was auf uns zukommt. Um dieses Abenteuer zu meistern, brauche ich einen erwachsenen Mann an meiner Seite und keinen Kindskopf, der zusätzlich noch meine gesamte Aufmerksamkeit verlangt. Allein die Tatsache, daß ich schwanger bin, hat mich schon verändert. Ich trinke/rauche natürlich nicht mehr, bin kaum noch partykompatibel, ernähre mich ausgewogen usw. Für die praktische Dinge unseres Lebens war ich eh schon immer zuständig. Wenn ich kein Klopapier kaufen würde, würde es eben keiner tun. Wenn handwerklich etwas zu tun ist, kümmere ich mich darum. Wenn die Blumen Wasser brauchen, versorge ich sie. Liebster ist da eher der Träumer, der diese Dinge zwar registriert, aber als gegeben hinnimmt. Dafür hat er andere Aufgaben. So teilen wir auf und jeder macht das, was er am besten kann. Aber wird das auch in Zukunft reichen…? Werden wir mit der Verantwortung klar kommen…? Sind solche Fragen eigentlich normal …? Aaaah… *ohnmacht*

Das sind meine trüben Gedanken an diesem trüben Tag. Aber Schreiben hilft - ich fühle mich besser. Es wird schon alles werden. Wir werden hineinwachsen in diese Aufgabe. Unser Kind wird es gut haben - es wird umgeben sein von Liebe, denn die gibt es hier im Überfluß. Das mit der Verantwortung wird dann gelernt, wenn es soweit ist. Spätestens, wenn Liebster das erste mal freiwillig ein Stück Obst ißt… (hoffentlich darf ich das noch erleben *lol* )


3 Kommentare »

  1. suessesiex schreibt:

    Sonntag, 27 Januar 2008 um 16:50

    Liebe Palisander,

    das kenn ich. Ging mir und bestimmt vielen anderen in der Schwangerschaft nicht anders. Zum Glück gibt es diese 10 Monate Wartezeit, auch für Deinen Mann.
    Du wirst sehen je mehr man Deinen Bauch sehen kann und je öfter er den Zwerg auch spürt desto einfacher wird es ihm fallen sich auf seine Rolle als Papa vorzubereiten…

    *troest*

    LG
    suessesiex

  2. Sheepchen schreibt:

    Montag, 28 Januar 2008 um 12:01

    Liebste Palisander ;-)
    So einfach und sonnenklar wir für uns Frauen ist es für Männer nicht sich auf die neue Rolle einzustellen. Wie oft habe ich mir gewünscht, dass Andy aus Rücksicht auf mich nicht feiern geht sondern bei mir- bei uns- bleibt. Und wie oft habe ich mir gewünscht, dass er von sich aus meinen Bauch streicheln will..
    Aber das passiert eher selten- beziehungsweise gar nicht. Weil es nun mal nicht sein Körper ist! Wirklich real wird das neue Leben wohl erst, wenn sie ihr Kind im Arm halten und feststellen, dass sie nun Väter sind.

    Unsere Veränderungen begannen spät und das war auch gut so. Es wird die letzte Zeit in eurem Leben sein, in der ihr einfach nur zu weit seid! Im Bett rumzugammeln oder lange wegzubleiben- das wird bald nicht mehr möglich sein. (Gut, wir haben auch immernoch Freunde hier..) Also lass es ihn genießen und vertrau auf den Instinkt, der dir sagt, dass er ein guter Vater sein wird! Alles andere findet sich- da hat Liebster wohl recht ;-)
    glg schäfchen

  3. Palisander schreibt:

    Montag, 28 Januar 2008 um 12:51

    Ach Ihr Lieben,
    wie froh ich bin, daß ich Euch habe! Zuspruch tut gut, egal in welcher Form. Danke… *knuddel*
    Kerstin

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