Frühjahrsputz

Heute ist es endlich so weit. Nachdem ich gestern Spinnweben entdeckt habe, die mir die Haare zu Berge stehen ließen, ist heute der große Tag gekommen: Putzen, wischen, ausmisten, um- und ausräumen, feudeln und polieren. Ich mag es nicht, aber es ist zwingend notwendig.

Zur Feier des Tages habe ich mit dem selten benutzten Teil des Wohnzimmerschranks entrümpelt. Er enthält zum Beispiel eine Unmenge an Gläsern, die wir mangels Gelegenheit oder mangels Lifestyle nie benutzen. Weizenbiergläser sind toll - wenn man Weizenbiertrinker ist. Cognacschwenker ebenfalls - und vielleicht können wir sie auch mal gebrauchen, wenn wir in ca. fünfundzwanzig Jahren in unseren dann vorhandenen Clubsesseln vor einem prasselnden Kaminfeuer sitzen, Rachmaninow hören und auf unser erstes Enkelkind anstoßen. Ich trage dann ein Blüschen von LandsEnd und Hase wird aussehen, als sei er der Thommy-Hilfiger-Werbung entsprungen. Bis dahin werden sie vielleicht in Ausnahmefällen als Desertschalen benutzt.

Die Minischnäpse-Sammlung von Hase habe ich auch rausgeschmissen - allerdings weiß ich noch nicht, wo ich sie zwischenlagern soll. Die Vitrine ist voll und ich möchte mir die Dinger auch nicht jeden Tag ansehen müssen. Schon seltsam, was Männer so alles sammeln, wenn sie Single sind. Leider kann ich sie auch nicht verschenken bzw. wegschmeißen - das würde er bestimmt merken :( . Verdammt, es sind mit Sicherheit 500 Fläschchen in drei Kartons - hat jemand eine Idee?

Außerdem habe ich mich durchgerungen, die letzten Videokassetten wegzuwerfen. Das hätte ich im Prinzip schon vor vier Jahren bei unserem ersten gemeinsamen Umzug machen können - der Videorekorder war da schon kaputt und eine unserer ersten Anschaffungen in der neuen Wohnung war ein DVD-Player. Aber es hätte ja sein können, daß einem ein funktionstüchtiger Videorekorder vor die Füße fällt und wenn man dann keine Kassetten hat…. ;)

Beim Anblick der Kassetten wurde ich ganz nostalgisch. Während ich in der 12. Klasse in Wien weilte (Klassenfahrt), entschlossen sich meine Eltern, dem Video2000-System den lange erwarteten Todesstoß zu geben und durch einen VHS-Rekorder zu ersetzen. Sogar die erste von mir bespielte Kassette war noch dabei: die “Nokia Night of the Proms 1996″ war drauf und “Ein Bernhardiner namens Möpschen”. Einen eigenwilligen Geschmack hatte ich damals. Außerdem dabei (bitte nicht wiederwählen!): Filme mit Hans-Werner Meyer (*schmacht*), ein Interview mit Daniel Cohn-Bendit (bei dem meine damals beste und ich im Publikum saßen), “Ich heirate eine Familie”, Robbie-Williams-Konzerte, “Vier Hochzeiten und ein Todesfall”, diverse Spielfilme und ganz alte Folgen der “Bullyparade”. Egal - weg damit. Wenn unser Umzug tatsächlich Realität werden sollte, freue ich mich über jede Kiste, die ich nicht nach unten schleppen muß.

Der Balatonschnauzer wurde gestern schon ein Opfer meiner Putzwut: ich habe seine Abneigung gegen Rasierer und Schere ignoriert und jetzt einen zwar grummelnden, aber dafür gefühlte fünf Pfund leichteren Hund hier sitzen.

Das solls erstmal gewesen sein - in Zukunft schreibe ich wieder regelmäßiger.


4 Kommentare zu 'Frühjahrsputz'

  1. Sanne2 schreibt:

    Alkohol(Reste)? Verbacken. Da gibt es aus dem Schwäbischen ein wunderbares Rezept für Apfelbrot (muss man gar nicht selbst mögen, verschenken geht auch….) Und dann vielleicht, - aber ist ja nicht Deine Sammlung. Da hängt ein Herz dran. Vielleicht lässt Dein Hase sich ja zu einer Auszugsfeier überreden. Dann hättet ihr eine alkoholische Grundlage.
    Gelt, Frühjahrsputz ist was Feines, wenn man ihn denn hinter sich hat. Nur - wo bleibt der Frühling?????
    LG
    Sanne
    ——————

    Hi, schön mal wieder von Dir zu lesen!

    Alkoholreste haben wir auch in großer Zahl, aber beim Ausmisten gings primär um die blöden Gläser. Wenn Du aber eine Idee hast, wie man das von Schwiegervater geschenkte Hochprozentige (Obstbrände, Hefebrand *örgs*) unauffällig los wird - Trinken ausgeschlossen - , bin ich sehr dankbar.

    Hast Du Dein Tagebuch aufgegeben?

    lg

  2. Sanne2 schreibt:

    Also lonely hearts (übriggebliebene einzelne Gläser, und solche, die es werden könnten, weil man sie nie benutzen würde) gebe man am besten für den nächst-stattfindenden karitativen Flohmarkt oder im Oxfamladen ab. Hochprozentiges würde ich entweder verbacken (nächste Feier) oder neue Alkoholika daraus zaubern: Rumtopf, Eierlikör, Aufgesetzte, und anschließend verschenken.
    Wenn Du an dem Apfelbrot-Rezept interessiert bist, schicke ich es Dir gerne. Teile meiner angeheirateten Verwandschaft kommen aus dem Schwäbischen, und brauchen so ihre Alkohol-Reste auf (verfliegt eh beim backen. Zumindest hat sich mein muslimischer Kollege nicht über Rückstände beschwert, als ich ihm unbedacht davon angeboten habe. Hab ihn aber dann auch nicht darauf hingewiesen)
    Mein Frühlingsputz steht noch an. Und M. sollte hier auch mal seine Kisten an Akten sortieren. Anbei die Frage: machst Du das Alles allein, oder wie aktivierst Du Hase?
    LG
    Sanne
    ————-
    Der Groschen ist gerade pfennigweise gefallen - jetzt verstehe ich, wie Du das mit den Schnäpsen meinst. Ich hab mich schwerpunktmäßig auf die Cognacschwenker konzentriert… Das Rezept hätte ich sehr gerne.

    lg Tina
    PS, Tagebuch gibts noch, erscheint aber nicht mehr auf dem Dashboard.

  3. Sanne2 schreibt:

    Nochmal ich:
    http://wunschkinder.net/tagebuch/wuki38112/

  4. Sanne2 schreibt:

    Apfelbrot

    Man nehme:
    1500 g geraffelte Äpfel (dürfen die des Vorjahrs sein, die ziehen dann gut Alkohol)
    500 g Zucker (wahlweise Rohrzucker)

    Beides mische man, und lasse es über Nacht ziehen, dann die Alkoholreste dazugeben.
    Man füge:
    500 g Rosinen ( da ich die nicht mag, nehme ich kleingeschnittene Trockenfrüchte nach Belieben)
    500 g Nüsse/ Mandeln/ Walnüsse (egal) kurz in der Pfanne geröstet
    hinzu.
    Gebe 3 Päckchen Vanillezucker
    1/2 Päckchen Lebkuchengewürz,
    3 Eßl Zimt,
    eine Messerspitze Salz,
    2 Eßl Kakao,
    1 Messerspitze gemahlene Nelken
    und 1 Kilo Mehl (wahlweise Vollkornmehl), plus 4 Päckchen Backpulver in die Masse (gegebenenfalls noch ein wenig Alkohol dazutun).
    Dann forme man daraus 3 Laibe (ist eine matschige Angelegnheit),
    und backe diese bei 180 Grad ca 90 Minuten. Zum Verschenken eignen sich auch kleinere Gebinde.
    Fertig sollte dann eine Art haltbares Früchtebrot sein, welches wegen seiner teils beschleunigenden Wirkung (in der Ökovariante), eine wunderbare Zwischenmahlzeit für Bergtouren ist.
    Ich wandel das immer ab, je nachdem, was ich so im Haus habe (so eine Art “schmeiß rein, was Du hast” Rezept)
    LG
    Sanne
    Ich kann mich übrigens erinnern, mit 14(!) ebenfalls mal zu Cognac-Schwenkern gekommen zu sein. Die haben den elterlichen Haushalt nie verlassen. Wahrscheinlich wartet meine Mutter mit der Übergabe, bis ich einen Kamin habe.

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