Weihnachten ohne Buchhandel
November 30th, 2007 November 30th, 2007 Posted in Nicht kategorisiertNo Comments »
Zum ersten Mal seit 2001 bin ich nicht dem Weihnachtsgeschäft im Buchhandel ausgesetzt. Und ich kann nicht behaupten, daß es mir abgeht. Ich würde zwar gerne wieder im Buchhandel arbeiten, denn meinen erlernten Beruf liebe ich trotz aller Nachteile die er mit sich bringt - aber auf die Kunden, die sich nur zu besonderen Gelegenheiten (Weihnachten, Ostern, Geburtstage) in Buchhandlungen verirren, kann ich dankend verzichten.
Schon alleine die Menschen - ob Schulabbrecher oder Hochschulprofessor spielt da keine Rolle - , die nicht die Tageszeit sagen können, sondern nur Stichworte ins Buchhändlergesicht schleudern! Arrrrghh. Da kommt so ein Wesen auf dich zu, du sagst mit einem freundlichen Lächeln “Guten Tag” und bevor Du fragen kannst, was der Kunde wünscht, schleudert er Dir ein fragendes “Markenrecht?” oder “Insolvenzrecht?” oder “Bilderbücher?” entgegen. Warum bitte ist es so schwer, im ganzen Satz zu fragen? Ich erwarte ja keine zurechtgedrechselten Sätze, aber Subjekt + Verb + Objekt wäre schon ganz prima.
Oder die Leute, die im Mai schon nach Kalendern fürs nächste Jahr fragen. Zum Ausgleich fragen andere im August nach Kalendern vom laufenden Jahr. Mußt Du als Buchhändler alles haben. Und wehe, wenn nicht. “Dann geh ich eben zu Hatschendabbel, die haben das!” Dann geh mal, Du Pissnelke.
Dabei fällt mir die ältere - nun ja, eine Dame wars nicht - also, eine ältere Frau, die in meiner letzten Buchhandlung anrief und nach einem bestimmten Titel fragte. Ich bibliographierte, fand es aber trotzdem nicht. Nachdem ich drei verschiedene Großhändler und das VLB bemüht hatte, versuchte ich, weitere Infos rauszubekommen. “Ist es vielleicht schon etwas älter?” “Nein, eigentlich nicht, ich müsste es so um 1980 (!!!!!) gekauft haben.” Nachdem ich ihr freundlich erklärte, daß es dann vermutlich nur noch antiquarisch erhältlich sei, wurde die Frau wirklich unfreundlich. Wie so etwas sein könnte - das sei ja noch gar nicht alt (nein, wenn man um 1890 rum geboren wurde, nicht), und wir wären schlecht sortiert und überhaupt. Auch diesen Engel vermisse ich nicht.
 Was ich dagegen vermisse: die alte Dame (die war wirklich eine, vom Scheitel bis zur Sohle), die uns zu Weihnachten eine Schachtel mit sehr teurem Konfekt in die Buchhandlung brachte, weil wir sie übers Jahr so gut beraten hatten, die Mandarinen-Kiste, die der Diogenes-Verlag im Advent an seine Kunden verteilt (damit auch ja keiner krank wird) , die Hektik, wenn zwanzig Leute an der Kasse stehen und man kaum die Füße auf den Boden bekommt (hier im Büro ist gerade gänzlich tote Hose), die weihnachtlichen Non-Books, die Kinderaugen, wenn sie etwas entdeckt haben, was unbedingt bitte-bitte noch auf den Wunschzettel muß… das fehlt mir schon. Â
Vielleicht nächstes Jahr wieder. Wir werden sehen.

* Nach einer Weile Rumsuchen hat die Annahmefee noch ein paar Bögen gefunden - wenn nicht, hätte ich mir ernsthaft Sorgen um ihre körperliche Sicherheit gemacht (die Männer in der Schlange hinter mir haben ziemlich brutal ausgesehen und schon angefangen, rumzumosern).
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