Selig.

Geschrieben am Freitag 19 September 2008 von shusl

Kaum ist der Zwerg auf der Welt, mutieren Eltern. Wir nehmen uns da gar nicht aus.

Beispiel Kirmes, Jahrmarkt, Rummel oder wie auch immer man das Ereignis nennen möchte.

Vor der Geburt des ersten Kindes schlurft man über den Platz, schaut hier mal, kauft da was, schlabbert einen Schoppen oder ein Bierchen, futtert sich einmal quer durch die Fastfoodpalette, testet die Neuheiten unter den Fahrgeschäften und schlendert irgendwann spät nachts wieder heim.

Nach der Geburt des ersten Kindes ist alles anders. Im ersten Jahr packte ich Junior - der damals gerade sieben Monate alt war - nach dem Mittagsschlaf in unseren Glückskäfer-Tragesack und schlenderte mit ihm über den Platz, schaute hier mal, kaufte dort was, aß etwas Nichtblähendes, um mein Stillkind nicht zu belasten, rannte zwischendurch mit meinem Stillkind zum Auto, um es zu stillen, ging noch einmal im großen Bogen um die lauten Karussells herum zu den Marktständen, kaufte pädagogisch wertvolles Holzspielzeug und schlich nach insgesamt zwei Stunden heim. Zwei Stunden! Dafür hätte ich früher nicht mal den Weg dorthin auf  mich genommen. Aber Zwergi war’s sicher etwas laut.

Im zweiten Jahr verlief es ähnlich, nur saß Junior (inzwischen 1,5 Jahre alt) da in Papas Rückentrage und fand den Krach und die bunten Lichter toll. Ansonsten: siehe oben. Zumindest weitgehend. Nur ein einziges Mal ist er im Kinderkarussell gefahren, da musste Papa mit, damit er nicht aus dem Feuerwehrauto fiel. Nach zwei Stunden sank Knirpschens Kopf nach vorn aufs Polster der Rückentrage, er ratzte mitten im größten Kirmesgetöse selig ein.

Im dritten Jahr wurde alles anders. Er wollte mitmschen. Vorher haben wir klare Regeln vereinbart: Einmal darf er fahren im Karussell, danach ist Schluss, ohne Geschrei und Theater, sonst geht’s sofort heim. Hat gut geklappt. Wir hatten nur die Anzahl der Kinderfahrgeschäfte etwas unterschätzt. So standen wir denn einträchtig Seit’ an Seit’ vor dem Karussell, winkten jedes Mal, wenn Junior im Gabelstapler, im Feuerwehrauto oder in der Lok vorbeisauste, strahlend unserem Goldschatz zu. Und um uns herum standen Eltern, grinsten breit und winkten voller Stolz ihren Gören zu. Irgendwie sahen sie ein wenig debil aus. Es hat einen Moment gedauert, bis wir bemerkten, dass wir nicht minder dämlich grinsten. Aber gut. Junior winkte begeistert zurück, strahlte wie ein Honigkuchenpferd von einem Ohr zum anderen. Vier Stunden hat er ausgehalten, danach ist er wieder in der Rückentrage eingeschlummert.

Jetzt ist er 7,5 Jahre alt. Kinderkarussells findet er peinlich. Stattdessen muss mein Mann mit ihm jetzt in jede Höllenmaschine, die Kinder unter 8 Jahren und kleiner als 1,29 Meter nicht ausdrücklich ausschließt. Und wer steht am Rand und winkt wie eine Grinsekatze brav bei jeder Runde? Ich natürlich. Und ich bin froh, dass es anderen Müttern ganz genauso geht. Noch winkt der Kleine tapfer zurück - meistens jedenfalls. Und wenn nicht, ist da ja immer noch mein Mann, der wacker grinst und winkt. Die alte Regel gilt immer noch: Einmal Fahren, danach ist Schluss ohne Gemeuter. Ins Geld geht das auch - nicht nur wegen der Karussells, die für zwei Leute auch nicht gerade kostenlos sind. Nein, auch das Catering haut rein: Der Kleine futtert auch inzwischen lieber auswärts als Butterbrote von daheim. Chinesisch, Italienisch, Mexikanisch, Elsässisch, Pfälzisch, Polnisch - er mampft sich einmal quer durch. Wir haben uns angewöhnt, immer eine Portion für uns alle zu kaufen, da kann man mehr probieren. Auch zeitlich dehnen sich unsere Aufenthalte immer mehr aus. Vier Stunden? Dafür lohnt sich die Anreise doch gar nicht.

Ein paar Jahre noch, dann wird es ihm peinlich sein, uns auf der Kirmes auch nur zufällig zu treffen. Aber bis dahin genießen wir es noch.

Geschützt: Deja-vu.

Geschrieben am Mittwoch 17 September 2008 von shusl

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Pläne.

Geschrieben am Mittwoch 17 September 2008 von shusl

Mein Sohn hegt Hochzeitspläne. Ein bisschen plötzlich kam es ja schon. Ich meine, er ist 7, nicht 27.

Hannah heißt seine Auserwählte. Obwohl ich den Eindruck habe, dass eher Hannah die treibende Kraft hinter dem unerwarteten Glück ist. Sie ist ein Vierteljahr jünger als er. Und sie stellt ihm schon jahrelang nach. Er wiederum fühlt sich geschmeichelt.

Zum Geburtstag hat er ihr eine ganz besondere Karte geschenkt. Klappt man die Karte auf, dudelt es los: “Ein Stern, der deinen Namen trägt…” DJ Ötzi pur in der Klappkarte. Er hat lange überlegt, ob er die Karte wirklich schon jetzt rausrücken soll. “Aber zur Hochzeit kann ich ja eine neue Karte besorgen”, hat er sich entschieden.

Hochzeit? Ja, da ist wohl schon alles in trockenen Tüchern. “Hannah will mich heiraten”, verkündete er gestern. Mein irritierter Blick stieß auf Unverständnis. “Ja! Echt! Sie hat sogar schon geplant, welche Haustiere wir bekommen.” Aha. Und welche sind das? “Ein Hund und Kaninchen. Die Kaninchen bekommen ein eigenes Zimmer, damit der Hund die nicht jagen kann.” Soso.

Für Junior ist damit glasklar: “Das deutet doch schon darauf hin, dass sie mich heiraten will, oder?” Das ist nicht von der Hand zu weisen. Wir behalten das im Auge.

Die Kanzlerin und wir.

Geschrieben am Montag 15 September 2008 von shusl

Die Kanzlerin und wir waren auf dem Wurstmarkt. Unser alljährlicher Lieblingsausflug aufs größte Weinfest der Welt in Bad Dürkheim am Wochenende war ein voller Erfolg. Am Freitag sind wir nach Feierabend losgesaust. 22.30 Uhr waren wir bei der lieben Verwandtschaft, bei der wir alle Jahre wieder um diese Jahreszeit einfallen.

Am Samstag dann rasch die große Einkaufsrunde: Erst geht’s zum Metzger eine Riesenladung Saumagen holen - da habe ich eine spezielle Quelle, wo’s die Pfälzer Spezialität (in Verruf geraten durch einen gewissen Herrn Kohl) besonders lecker gibt. Ein Kollege sabbert schon bei dem diskreten Hinweis, dass wir wieder mal in die Pfalz reisen - und lässt sich jedes Mal zehn Scheiben mitbringen. Für uns nochmal 9 Scheiben. Da beginnt auch die Metzgersgattin hinter der Theke zu sabbern. Saumagen wird eingeschweißt. Schnell noch ein paar dicke Rosen für meine Patentante besorgt. Dann weiter zum Klamottenladen unseres Vertrauens - Sohnis Kleiderschrank muss wieder aufgefüllt werden. Beglückt mit einer Riesentüte langärmeliger T-Shirts, Sweat-Shirts und Jeans geht’s zum Auto zurück. Dann hurtig ab zurück zur Verwandtschaft. Einkäufe abwerfen - und ab auf den Wurstmarkt.

Gleichzeitig mit uns war auch Angela Merkel auf dem Wurstmarkt. Sie hat zehn Minuten geredet, zwei Schoppen trockenen Riesling getrunken, war in einem der Festzelte und in einem Schubkarchstand, hat ein paar Blumenzwiebeln gekauft. Wir haben davon kaum etwas mitbekommen. Eine Hundertschaft Polizei trabte rüber zum Festzelt. Auffallend viele Schlipsträger schlichen auf dem Wurstmarkt herum. Als wir uns endlich durchgekämpft hatten bis zum Zelt, wurden bereits die vornehmen Stühle für die Ehrengäste wieder auf den städtischen Bauhof-Laster geladen. Offenbar waren die Bierzeltbänke zu popelig für den Kanzlerpopo. Weg war sie, die Kanzlerin. Dabei hatte sich Junior schon sowas Schönes überlegt, was er ihr sagen wollte: “Schöne Grüße an Münte!” Der ist nämlich Sauerländer. Und sowas verbindet.

So haben wir den Regen im Schubkarchstand überstanden - es hat geschüttet wie aus Eimern. Da macht das Karussellfahren wahrlich keinen Spaß. So haben wir uns eine Traubensaftschorle geteilt, Dampfnudeln mit Woisoß gefuttert. War auch schön. Gottlob hörte es irgendwann auf - und wir konnten doch noch herumlaufen und alles Mögliche ausprobieren. Todmüde schleichen wir am Abend zurück zu unserem Domizil.

Am Sonntag geht’s dann noch einmal auf den Rummel. Abschiedsrunde. Und noch eine Abschiedsrunde. Und die allerletzte Abschiedsrunde. Am Nachmittag haben wir ganz entspannt die Heimreise angetreten. Es war wie ein kleiner Urlaub. Und wir scharren schon mit den Hufen - nach dem Wurstmarkt ist vor dem Wurstmarkt.

Sex.

Geschrieben am Freitag 12 September 2008 von shusl

Wir fahren nichtsahnend durch die Landschaft. Am Ufer eines Sees ruft Sohn urplötzlich: “Mama! Mama! Die machen Sex da!” Ich erstarre. Sittenverfall! Mitten in der freien Natur! Sowas hätte es früher in dieser erzkatholischen Region nicht gegeben! Also ehrlich!

Ich schlucke. Woher weiß der Junge, was Sex ist? Er ist 7, nicht 17.

 Vorsichtig schaue ich ihn von der Seite an: “Was machen die?”

“Na, Sex!”, trompetet er.

 ”Was genau ist denn Sex?”, frage ich behutsam weiter.

Er holt tief Luft und grinst: “Lukas hat gesagt, wenn zwei sich küssen und sich dabei verstecken, dann machen die Sex.”

Puh. Ach so. Ein wenig erleichtert bin ich nun doch. “Du, ich glaube, da hat der Lukas was falsch verstanden”, sage ich so neutral wie möglich und versuche krampfhaft, meine Gesichtsmuskulatur unter Kontrolle zu behalten und nicht lauthals loszuprusten.

Junior überlegt. “Hm, aber was ist dann Sex?”

In meinem Hirn überschlagen sich die Gedanken. Eine Autofahrt ist nicht ganz der richtige Moment für ein Aufklärungsgespräch. Und so entfleucht mir der Spruch, den ich mir eigentlich für immer sparen wollte: “Das erkläre ich dir ein anderes Mal.”

Dabei ist es geblieben, weil er seitdem nicht mehr danach gefragt hat. Aber eins weiß ich: Bevor ich mein Kind mitnehme zum Kinderwunsch-Treffen nach Hannover, sollte es wissen, um was es beim Thema Fortpflanzung geht. Da werde ich am Montag mal das schöne Buch “Vom Liebhaben und Kinderkriegen” hervorkramen…

Schub.

Geschrieben am Donnerstag 11 September 2008 von shusl

Einen Riesensatz hat der kleine Mann gemacht. In den letzten 3 Monaten ist er gute sechs Zentimeter gewachsen. Kein Wunder, dass ihn so oft die Wachstumsschmerzen gequält haben. 1,29 Meter misst der Knirps jetzt.

Das bleibt nicht ohne Folgen. 1. Folge: Der Kleiderschrank ist leer. Wenn er noch ein Stück wächst diese Woche, muss der Bub nächste Woche nackig gehen. Gut, dass der Sommer bald vorüber ist, denn die Zahl der passenden T-Shirts strebt gegen Null. Leider trifft der Schwund auch langärmelige T-Shirts, Pullis und Hosen. Rapide lichten sich die Reihen. Ein großer Sack wandert in die Altkleidersammlung. Ein kleines, aber teures Häuflein vornehmer Klamotten (fast alle von Oma gekauft und bestens in Schuss) wandert auf den Ebay- und Trödel-Haufen.

Aus der 1. Folge folgt zwangsläufig die 2. Folge: Der Geldbeutel ist leer. Unfassbar, was Kinderklamotten in Größe 140 heutzutage so kosten. Und an Schuhe mag ich momentan noch gar nicht denken. 

Das Gute an einem solchen Schub: Wie gewohnt hat er auch einen Entwicklungsschub gemacht. Mein kleiner Junge hat sich verändert. Er ist irgendwie ein wenig erwachsener geworden. Zumindest kommt er mir so vor. Noch ein wenig selbstständiger als vorher marschiert er durchs Leben. Wir nabeln uns ab. Langsam, aber Schub für Schub. Und Muttern schluckt.

Weg.

Geschrieben am Mittwoch 10 September 2008 von shusl

Wo wir grad dabei sind. Es gibt noch ein schwarzes Loch in meinem Leben: mein Auto. Unfassbar, was sich in den Ablagefächern und unter den Sitzen so findet. Von den Kekskrümeln im und um den Kindersitz wollen wir mal gar nicht reden.

In der hinteren linken Tür hängt ein papierener Bremsfallschirm. Den hat unser Sohn mal gebastelt - für alle Fälle, falls mal die Bremsen am Auto ausfallen sollten. Man weiß ja nie. In der Ablage der Fahrertür stecken diverse Scheibenwischtücher aus der Waschstraße, ein Schafwollhandschuh mit integriertem Eiskratzer (der liegt da auch im Hochsommer), zwei Maoam-Päckchen und ein zerbrochener Kugelschreiber. Auf der Beifahrerseite liegt eine Sonnenbrille meines Mannes, die er sonst im Urlaub grundsätzlich vergessen hat. Also wohnt die jetzt dort.

Das Handschuhfach ist die reinste Fundgrube: ein Satz Straßenkarten vom ADAC (noch mit Berliner Mauer, außerdem besitze ich ein Navi), ein Presseschild von 2005, ein uraltes Brillenmodell von anno Willichgarnichtwissen (als Ersatzbrille für Manweißjanie), Fahrzeugpapiere, ein Schlüssel zum Dachfensteröffnen im Notfall, der Schlüssel für die Reserveradabdeckung. Im Aschenbecher liegen kleine Steine, vor 3 Jahren auf der Suche nach Bernstein am Strand auf Fehmarn gesammelt, dazwischen Radmuttern, eine Muschel, zwei Öre-Münzen mit Loch in der Mitte aus Schweden, ein silberner Rabatttaler aus der Apotheke. Auf der Mittelkonsole sitzen ein Bärchen, eine kleine Ratte, noch ein Bärchen, dazwischen liegen 7 Einkaufswagenchips. Im Getränkehalter sammeln sich Traubenzucker-Bonbons aus der Apotheke.

Der Kofferraum ist seit dem Ende der Kinderwagenphase recht übersichtlich: ein Automaltisch, ein Beutel mit Mal- und Schreibutensilien, ein leerer Reservekanister, eine Ölflasche, diverse Einkaufsbeutel, ein großer Regenschirm, ein Beutel mit Ersatzklamotten für Junior (Größe 116 - er trägt jetzt 140).

Bestandsaufnahme ist gemacht. Aber was - außer vielleicht den Ersatzklamotten - kann ich davon aussortieren?

Findefuchs.

Geschrieben am Mittwoch 10 September 2008 von shusl

Das Bermuda-Dreieck ist ein Dreck dagegen: Mein Rucksack ist die Stoff gewordene Illusion, man könne für alle Eventualitäten gewappnet sein. Neben dem üblichen Kram vom Handy bis zum Geldbeutel, von der Sonnenbrille bis zum Schlüsselbund finden sich immer mal wieder kleine Schätze in den Ritzen und Fächern. Ich bin recht zurückhaltend, was den Kauf neuer Handtaschen oder ähnlicher Behältnisse angeht. Genau genommen  hasse ich es, mich bei sowas umzugewöhnen. Somit schleppe ich den aktuellen Sack schon seit vielen Monden mit mir herum. Entsprechend vielsagend ist sein Inhalt. 

Keine Ahnung, wie Frauen mit einer dieser winzigen Handtaschen zurecht kommen. Ich habe immer meinen halben Hausstand dabei. Nachteil, das muss ich zerknirscht zugeben, ist dabei, dass ich oft nichts wiederfinde. Wer mich kennt, kennt mich auch auf jeden Fall häufig kopfüber in meinem Rucksack wühlend. In schöner Regelmäßigkeit kippe ich dabei den ganzen Inhalt auf den Boden, um besser suchen zu können. Macht sich gut, vor allem, wenn dabei ein paar Peinlichkeiten zum Vorschein kommen. 

Gestern fand ich: einen schon etwas ramponierten Schreibblock (falls mir unterwegs was Wichtiges einfallen sollte), einen vermutlich seit Jahren eingetrockneten Filzschreiber ohne Kappe, einen Kugelschreiber mit abgeknicktem Clip, ein klebriges, aus der Verpackung quellendes Mambo-Bonbon, die Papierchen von geschätzten 7 Maoams, einen in ein Stück Papier gehüllten alten Kaugummi, ein braunes Haarband, 3 Visitenkarten mit meiner alten Adresse (ich bin vor 9 Jahren umgezogen), ein leicht zerfetztes Päckchen Papiertaschentücher, ein kleines Gästehandtuch (falls sich Sohn unterwegs mal wieder übergeben sollte), Nux-Vomica-Kügelchen (dito), ein Taschenmesser, eine kleine Plastiktüte (noch aus Schwangerschaftszeiten, als mir 15 Wochen rund um die Uhr speiübel war), Arnica-Kügelchen (falls Sohn sich mal wieder überschlagen sollte), ein putziges kleines Lederetui mit Nagelschere, Feile und Pinzette (wusste ich gar nicht, dass ich sowas besitze), ein Traubenzucker-Bonbon aus der Apotheke, ein Feuchttuch zum Händeabwischen von McDonald’s, ein Müde-Beine-Tuch ebenfalls aus der Apotheke (was um alles in der Welt macht man damit???), ein Parfumpröbchen ohne Deckel (leer, inzwischen), diverse Tampons in verschiedenen Größen, eine Einladung zum Kindertheater (nein, nicht aus dem Jahre 1996, sondern tatsächlich erst in der kommenden Woche), ein Butterbrot (nicht schimmelig, sondern heute Morgen erst geschmiert für die Mittagspause).

Was ich nicht fand, war mein Einkaufszettel. Konnte ich auch gar nicht. Der war nämlich mit all den anderen Zetteln, die ich den Tag über bekritzele, wenn mir was Wichtiges einfällt, das ich auf gar keinen Fall vergessen darf, in meiner Hosentasche.

Runderneuert.

Geschrieben am Donnerstag 4 September 2008 von shusl

Unsere Fische haben’s richtig gut. Ich habe heute das Aquarium runderneuert. Nachdem es in den letzten Wochen sei dem Urlaub total verlottert ist, wurde es höchste Zeit. Die alten Pflanzen, die dick mit Algen bewachsen waren, habe ich rausgerissen. Schwierig gestaltete sich der Umzug der beiden Netzschmerlen. Die habe ich mal winzig klein gekauft, damit sie unsere Schnecken wegfressen konnten. Haben sie auch gemacht. Aber leider sind sie mordsmäßig gewachsen. Und sie haben die anderen Fische permanent durchs Becken gehetzt. Die Welse hat’s dabei schon einen nach dem anderen geschmissen. Die Neons sind auch alle weg. Übrig waren nun nur drei Keilfleckbarben und vier Neonsalmler.

Zwei Netzschmerlen lassen sich aber leider ausgesprochen ungern einfangen. Aber da ich sowieso die Deko und die Pflanzen aus dem Becken geräumt habe, war’s nicht mehr ganz so schwierig. Der Aquarianer im Raiffeisenmarkt hat sich bereit erklärt, die beiden Schmerlen zu übernehmen. Im Gegenzug habe ich dann zwei indische Algenfresserfische zum halben Preis bekommen.

Aber bevor die neuen Fische einziehen durften, habe ich erst mal mit Hingabe das Aquarium neu eingerichtet. Einen neuen Regenbogenstein mit Durchschwimmloch und eine Amphore hatte ich schon neu gekauft. Heute kamen die Pflanzen mit der Post. Sehr schönes Set. Nicht zu viele, nicht zu groß - gerade richtig für unser Becken.

Jetzt sieht’s wieder aus wie neu. Wie frisch eingerichtet. Und wir hocken ganz fasziniert davor und freuen uns, dass die Fische ihre Ruhe ohne die Schmerlen genießen. Sie erkunden ganz hingerissen den neuen Dschungel. Und die indischen Algenfresser tun brav das, was ich von ihnen erwartet habe. Sie mampfen Algen aus allen Ecken, vom Kies und von der einzigen verbliebenen alten Pflanze.

Gequasselt.

Geschrieben am Mittwoch 3 September 2008 von shusl

Es gibt ein untrügliches Zeichen, dass es Junior wieder besser geht: Er quasselt ohne Unterlass. Den ganzen lieben langen Tag. Heute Nacht hat er nochmal das gesamte Essen, das er mit großem Appetit zum Abendbrot in sich hinein gestopft hatte, von sich gegeben. Seitdem ist Ruhe. Er durfte aus Krankheitsgründen in unserem Bett schlafen - und wir haben meiner Mutter und dem lieben Gott für die Entscheidung fürs 2×2-Meter-Bett gedankt. So passen wir problemlos alle rein und können auch noch alle schlafen.

Geschlafen haben Junior und ich nicht so ausgiebig lange. Er wimmerte vor Bauchweh und warf sich hin und her. Mich quälte ab 4.15 Uhr heftige Migräne. Dank Nux-vomica-Kügelchen brauchte ich wenigstens den Eimer nicht. Inzwischen geht’s auch schon wieder.

Frühstück und Mittagessen hat Junior problemlos vertragen. Bauchweh ist auch weg. Ich hoffe mal, dass das Thema somit erledigt ist. Er hat den ganzen Tag wunderschön gespielt - und dabei ohne Unterlasse gequasselt. Unglaublich, wieviele Worte aus so einem kleinen Mund strömen können. Ich kann mich noch dunkel erinnern an Zeiten, als ich sehnsüchtig darauf gewartet habe, dass er endlich spricht. Er tat das sehr früh und sehr ausgiebig. Hätte ich gewusst, wieviel er mal spricht, hätte ich die wortlose Zeit vorsorglich genossen. Wusste ich aber nicht. Ich glaube, sein Mund führt ein Eigenleben. Wenn er einschläft, quasselt er noch ein Weilchen weiter, ehe auch das kleine Plappermäulchen sich zum Schlafen entspannt. Er spricht sogar im Schlaf. Ich verstehe es nicht immer, er tut es auch nicht die ganze Zeit. Aber ich bin schon zig Mal nachts aufgewacht, weil er mich vollgelabert hat. Das höre ich sogar, wenn er in seinem Zimmer nächtigt.

Ich bin ja froh und dankbar, dass er sich so gut ausdrücken kann, so einen enormen Wortschatz hat. Aber so ab und zu könnte er doch wenigstens mal für Sekunden die Klappe halten… Aber wie sagte seine frühere Klassenlehrerin lachend: “Er ist eben so. Man muss ihn so annehmen.” Im Zeugnis stand, er habe noch Schwierigkeiten damit, sein Mitteilungsbedürfnis ein wenig zurückzustellen. Mit anderen Worten: Er quasselt ständig dazwischen, wenn ihm was einfällt. Ach was…

Und heute hat er mich schwindelig gelabert. Immerhin sah er sich in der Lage, die Hausaufgaben der versäumten Schultage zu erledigen. Und dann haben wir noch 1×1-Memory gespielt - das stammt noch aus meiner Kindheit. Das riecht förmlich nach frühen siebziger Jahren - und so sieht es irgendwie auch aus. Aber da sich am 1×1 nichts geändert hat, kann man das noch wunderbar einsetzen. Hat Spaß gemacht.