Die Kanzlerin und wir.

Die Kanzlerin und wir waren auf dem Wurstmarkt. Unser alljährlicher Lieblingsausflug aufs größte Weinfest der Welt in Bad Dürkheim am Wochenende war ein voller Erfolg. Am Freitag sind wir nach Feierabend losgesaust. 22.30 Uhr waren wir bei der lieben Verwandtschaft, bei der wir alle Jahre wieder um diese Jahreszeit einfallen.

Am Samstag dann rasch die große Einkaufsrunde: Erst geht’s zum Metzger eine Riesenladung Saumagen holen - da habe ich eine spezielle Quelle, wo’s die Pfälzer Spezialität (in Verruf geraten durch einen gewissen Herrn Kohl) besonders lecker gibt. Ein Kollege sabbert schon bei dem diskreten Hinweis, dass wir wieder mal in die Pfalz reisen - und lässt sich jedes Mal zehn Scheiben mitbringen. Für uns nochmal 9 Scheiben. Da beginnt auch die Metzgersgattin hinter der Theke zu sabbern. Saumagen wird eingeschweißt. Schnell noch ein paar dicke Rosen für meine Patentante besorgt. Dann weiter zum Klamottenladen unseres Vertrauens - Sohnis Kleiderschrank muss wieder aufgefüllt werden. Beglückt mit einer Riesentüte langärmeliger T-Shirts, Sweat-Shirts und Jeans geht’s zum Auto zurück. Dann hurtig ab zurück zur Verwandtschaft. Einkäufe abwerfen - und ab auf den Wurstmarkt.

Gleichzeitig mit uns war auch Angela Merkel auf dem Wurstmarkt. Sie hat zehn Minuten geredet, zwei Schoppen trockenen Riesling getrunken, war in einem der Festzelte und in einem Schubkarchstand, hat ein paar Blumenzwiebeln gekauft. Wir haben davon kaum etwas mitbekommen. Eine Hundertschaft Polizei trabte rüber zum Festzelt. Auffallend viele Schlipsträger schlichen auf dem Wurstmarkt herum. Als wir uns endlich durchgekämpft hatten bis zum Zelt, wurden bereits die vornehmen Stühle für die Ehrengäste wieder auf den städtischen Bauhof-Laster geladen. Offenbar waren die Bierzeltbänke zu popelig für den Kanzlerpopo. Weg war sie, die Kanzlerin. Dabei hatte sich Junior schon sowas Schönes überlegt, was er ihr sagen wollte: “Schöne Grüße an Münte!” Der ist nämlich Sauerländer. Und sowas verbindet.

So haben wir den Regen im Schubkarchstand überstanden - es hat geschüttet wie aus Eimern. Da macht das Karussellfahren wahrlich keinen Spaß. So haben wir uns eine Traubensaftschorle geteilt, Dampfnudeln mit Woisoß gefuttert. War auch schön. Gottlob hörte es irgendwann auf - und wir konnten doch noch herumlaufen und alles Mögliche ausprobieren. Todmüde schleichen wir am Abend zurück zu unserem Domizil.

Am Sonntag geht’s dann noch einmal auf den Rummel. Abschiedsrunde. Und noch eine Abschiedsrunde. Und die allerletzte Abschiedsrunde. Am Nachmittag haben wir ganz entspannt die Heimreise angetreten. Es war wie ein kleiner Urlaub. Und wir scharren schon mit den Hufen - nach dem Wurstmarkt ist vor dem Wurstmarkt.


Ein Kommentar zu “Die Kanzlerin und wir.”

  1. suessesiex schreibt:

    Oh, Weinfest in Bad Dürkheim an der Weinstraße. Da war ich auch einmal. Es war toll und irgendwann komm ich wieder hoch.

    Die Gegend dort ist sowiso einfach nur schöööön. Schwärm….

    Lg
    suessesiex

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