Findefuchs.

Das Bermuda-Dreieck ist ein Dreck dagegen: Mein Rucksack ist die Stoff gewordene Illusion, man könne für alle Eventualitäten gewappnet sein. Neben dem üblichen Kram vom Handy bis zum Geldbeutel, von der Sonnenbrille bis zum Schlüsselbund finden sich immer mal wieder kleine Schätze in den Ritzen und Fächern. Ich bin recht zurückhaltend, was den Kauf neuer Handtaschen oder ähnlicher Behältnisse angeht. Genau genommen  hasse ich es, mich bei sowas umzugewöhnen. Somit schleppe ich den aktuellen Sack schon seit vielen Monden mit mir herum. Entsprechend vielsagend ist sein Inhalt. 

Keine Ahnung, wie Frauen mit einer dieser winzigen Handtaschen zurecht kommen. Ich habe immer meinen halben Hausstand dabei. Nachteil, das muss ich zerknirscht zugeben, ist dabei, dass ich oft nichts wiederfinde. Wer mich kennt, kennt mich auch auf jeden Fall häufig kopfüber in meinem Rucksack wühlend. In schöner Regelmäßigkeit kippe ich dabei den ganzen Inhalt auf den Boden, um besser suchen zu können. Macht sich gut, vor allem, wenn dabei ein paar Peinlichkeiten zum Vorschein kommen. 

Gestern fand ich: einen schon etwas ramponierten Schreibblock (falls mir unterwegs was Wichtiges einfallen sollte), einen vermutlich seit Jahren eingetrockneten Filzschreiber ohne Kappe, einen Kugelschreiber mit abgeknicktem Clip, ein klebriges, aus der Verpackung quellendes Mambo-Bonbon, die Papierchen von geschätzten 7 Maoams, einen in ein Stück Papier gehüllten alten Kaugummi, ein braunes Haarband, 3 Visitenkarten mit meiner alten Adresse (ich bin vor 9 Jahren umgezogen), ein leicht zerfetztes Päckchen Papiertaschentücher, ein kleines Gästehandtuch (falls sich Sohn unterwegs mal wieder übergeben sollte), Nux-Vomica-Kügelchen (dito), ein Taschenmesser, eine kleine Plastiktüte (noch aus Schwangerschaftszeiten, als mir 15 Wochen rund um die Uhr speiübel war), Arnica-Kügelchen (falls Sohn sich mal wieder überschlagen sollte), ein putziges kleines Lederetui mit Nagelschere, Feile und Pinzette (wusste ich gar nicht, dass ich sowas besitze), ein Traubenzucker-Bonbon aus der Apotheke, ein Feuchttuch zum Händeabwischen von McDonald’s, ein Müde-Beine-Tuch ebenfalls aus der Apotheke (was um alles in der Welt macht man damit???), ein Parfumpröbchen ohne Deckel (leer, inzwischen), diverse Tampons in verschiedenen Größen, eine Einladung zum Kindertheater (nein, nicht aus dem Jahre 1996, sondern tatsächlich erst in der kommenden Woche), ein Butterbrot (nicht schimmelig, sondern heute Morgen erst geschmiert für die Mittagspause).

Was ich nicht fand, war mein Einkaufszettel. Konnte ich auch gar nicht. Der war nämlich mit all den anderen Zetteln, die ich den Tag über bekritzele, wenn mir was Wichtiges einfällt, das ich auf gar keinen Fall vergessen darf, in meiner Hosentasche.


2 Kommentare zu “Findefuchs.”

  1. Tante Heinz schreibt:

    So ähnliche Dinge kamen auch bei mir zum Vorschein, als ich meine geliebte Tasche mal in die Waschmaschine stecken wollte. Alle dieser unnützen Dinge hätten mitgewaschen werden dürfen, nur nicht mein Handy. Verstehe bis heute nicht, in welcher Ritze es sich versteckt hatte. Die Dinger sind einfach zu klein.

  2. Tigerlady schreibt:

    …und am Schönsten ist es, wenn ich meinen Mann ausnahmsweise mal bitte, mir etwas aus eben jenem Rucksack zu holen - für ihn Panik pur.

    Meist probiert er es gar nicht mehr, das Gewünschte tief drinnen in meinem Rucksack zu finden, sondern trabt samt Rucksack zu mir, damit ich es mir dann selbst rausfischen (oder suchen) kann ;-) “Wozu muss frau das denn alles mitschleppen?”, bekomme ich dann zu hören… ;-) ;-)

    Liebe Grüße,
    Tigerlady

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