Gequasselt.
Es gibt ein untrügliches Zeichen, dass es Junior wieder besser geht: Er quasselt ohne Unterlass. Den ganzen lieben langen Tag. Heute Nacht hat er nochmal das gesamte Essen, das er mit großem Appetit zum Abendbrot in sich hinein gestopft hatte, von sich gegeben. Seitdem ist Ruhe. Er durfte aus Krankheitsgründen in unserem Bett schlafen - und wir haben meiner Mutter und dem lieben Gott für die Entscheidung fürs 2×2-Meter-Bett gedankt. So passen wir problemlos alle rein und können auch noch alle schlafen.
Geschlafen haben Junior und ich nicht so ausgiebig lange. Er wimmerte vor Bauchweh und warf sich hin und her. Mich quälte ab 4.15 Uhr heftige Migräne. Dank Nux-vomica-Kügelchen brauchte ich wenigstens den Eimer nicht. Inzwischen geht’s auch schon wieder.
Frühstück und Mittagessen hat Junior problemlos vertragen. Bauchweh ist auch weg. Ich hoffe mal, dass das Thema somit erledigt ist. Er hat den ganzen Tag wunderschön gespielt - und dabei ohne Unterlasse gequasselt. Unglaublich, wieviele Worte aus so einem kleinen Mund strömen können. Ich kann mich noch dunkel erinnern an Zeiten, als ich sehnsüchtig darauf gewartet habe, dass er endlich spricht. Er tat das sehr früh und sehr ausgiebig. Hätte ich gewusst, wieviel er mal spricht, hätte ich die wortlose Zeit vorsorglich genossen. Wusste ich aber nicht. Ich glaube, sein Mund führt ein Eigenleben. Wenn er einschläft, quasselt er noch ein Weilchen weiter, ehe auch das kleine Plappermäulchen sich zum Schlafen entspannt. Er spricht sogar im Schlaf. Ich verstehe es nicht immer, er tut es auch nicht die ganze Zeit. Aber ich bin schon zig Mal nachts aufgewacht, weil er mich vollgelabert hat. Das höre ich sogar, wenn er in seinem Zimmer nächtigt.
Ich bin ja froh und dankbar, dass er sich so gut ausdrücken kann, so einen enormen Wortschatz hat. Aber so ab und zu könnte er doch wenigstens mal für Sekunden die Klappe halten… Aber wie sagte seine frühere Klassenlehrerin lachend: “Er ist eben so. Man muss ihn so annehmen.” Im Zeugnis stand, er habe noch Schwierigkeiten damit, sein Mitteilungsbedürfnis ein wenig zurückzustellen. Mit anderen Worten: Er quasselt ständig dazwischen, wenn ihm was einfällt. Ach was…
Und heute hat er mich schwindelig gelabert. Immerhin sah er sich in der Lage, die Hausaufgaben der versäumten Schultage zu erledigen. Und dann haben wir noch 1×1-Memory gespielt - das stammt noch aus meiner Kindheit. Das riecht förmlich nach frühen siebziger Jahren - und so sieht es irgendwie auch aus. Aber da sich am 1×1 nichts geändert hat, kann man das noch wunderbar einsetzen. Hat Spaß gemacht.