Archiv für August, 2008

Premiere.

Freitag, 29 August 2008

Morgen ist ein großer Tag. Hoffentlich. Sohn nimmt zum ersten Mal in seinem Leben an einem Schachturnier teil. Er geht seit einigen Monaten zum Schachverein, trainiert jede Woche. Es macht ihm riesig Spaß. Der Trainer ist ganz begeistert von ihm und fördert ihn nach Kräften. Und nun hat er ihn bei einem überregionalen Turnier angemeldet. Morgen früh um kurz 8 Uhr fahren wir los. Meldeschluss ist um 10.30  Uhr, Beginn um 11 Uhr und Siegerehrung um 18 Uhr. Ein langer Tag. Junior ist sowas von aufgeregt. Er kann natürlich nicht einschlafen. Es ist sein erstes Turnier. Ich habe ihm eben noch eindringlich gesagt, dass es ganz egal ist, welchen Platz er belegt. Hauptsache, er gibt sich richtig Mühe und konzentriert sich beim Spielen. Ein Glück, dass es für alle Teilnehmer Medaillen und Sachpreise gibt. Somit wird er auf jeden Fall nicht  mit leeren Händen heimkommen.

Und ich weiß jetzt schon: Es wird wieder viel zu warm sein, wir werden zu wenig trinken, zu spät essen - und dann auch noch irgendein pappiges Zeug futtern. Die Folge werden bei mir fette Kopfschmerzen sein. Aber gut. Was tut man nicht alles. Ich  habe vorsorglich Wasserflaschen und Kekse eingepackt, morgen kommen noch ein paar Brote und Obst dazu. Wär doch gelacht, wenn wir ihn nicht mit Vitaminen ein wenig dopen könnten :-) . Und über die Freude, wenn er unter den ersten Fünf landen und einen Pokal gewinnen würde, muss ich wohl nichts schreiben… Also drückt ihm bitte mal ganz feste die Daumen!

Aufgeklebt.

Freitag, 29 August 2008

Heute ist der Tag des Autoaufklebers. Jedenfalls fallen mir heute die dollsten Sprüche auf Vehikeln auf. Erster Fall: “Rettet die Wälder, esst mehr Spechte.” Nun ja. Keine schlechte Idee. Der nächste großformatige Hinweis passte ganz eindeutig zum Fahrer und seinem Fahrstil: “Sie meinen,  ich könnte kein Auto fahren? Dann müssten Sie erst mal sehen, wie ich reite!” Mein erster Gedanke: Oh Gott, das arme Pferd.

Die Krönung allerdings - da war wohl Chubby Checker mit dem großen Plan im Sack  oder der Motivationstrainer am Werke: “Ich habe mich für mein Glück entschieden”, stand auf einem außerordentlich großen Aufkleber. Und wo prangte der? Nicht etwa auf der Heckscheibe, sondern mitten auf dem Lenkrad. Ob der Mann das sonst vergisst?

Kopfsalat.

Donnerstag, 28 August 2008

Daran, dass die Studenten klammheimlich sprachlich zu Studierenden mutiert sind, haben wir uns zwangsläufig gewöhnt. Eine neue Variante eines alten Wortes haben wir in dieser Woche auf den Tisch bekommen: Da ist nicht mehr die Rede von schnöden Mitarbeitern, meinetwegen auch noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wobei ich persönlich, die jahrelang ein Abo des Emanzen-Blattes Emma hatte, darauf keinen Wert lege.
 Nein, in einer Pressemitteilung ist nun ganz vornehm von „Mitarbeitenden” die Rede. Und was soll das? Weiß mal wieder kein Mensch. Bestimmt entstand das in einer Gesprächsrunde, in der zum Kennenlernen im Stuhlkreis ein Wollknäuel geworfen wurde, um ein Netz der Vertrautheit zu weben.

Ich warte schon auf den Tag, an dem aus Pfadfindern Pfadfindende werden. Und aus Besuchern Besuchende.

*grmpf*

Mittwoch, 27 August 2008

In Julians Klasse läuft gerade ein Ernährungsprojekt. Sie lernen jede Woche in zwei Schulstunden, wie man sich vernünftig ernährt, bereiten gemeinsam Essen zu. Und zum Schluss sollen sie den Ernährungsführerschein schaffen. Die Zutaten bringen die Kinder von zu Hause mit.
Gestern auf der Liste: Kräuterquark. Ich habe mich schon gewundert, dass da nicht Quark und Kräuter stand. Zubereiten sollten die Kinder das doch eigentlich selbst. Dachte ich jedenfalls. Aber da stand Kräuterquark. Nun gibt’s ja lactosefreien Quark, aber keinen fertigen Kräuterquark (die Lehrerin weiß das). Bin ich also losgesaust in den Garten, habe Kräuter gesammelt und gemeinsam mit Junior Kräuterquark angerührt. Er ist ganz stolz damit losgezogen heute Morgen. Und was macht die Klassenlehrerin? Schaut sich unseren selbstgemachten Kräuterquark an und sagt: “Ach Gott, wie drollig!” Nimmt ihm die Schale ab, geht zu der Frau, die das Projekt leitet, und kichert: “Schauen Sie mal, die haben den selbst gemacht!”
Super Ich dachte, die Kinder sollten lernen, wie man sowas selbst macht. Wenn ich dafür Fertigprodukte nehmen, kann ich auch ne Menge selbst machen. Ist somit nicht das ganze Projekt lächerlich? Können Sie auch gleich zu MCD gehen und dort was über Ernährung lernen….
Und dann macht sie sich auch noch lustig darüber, dass wir uns bemüht haben (sie hatte ihn ja nicht mal probiert, wusste also nicht, ob er scheußlich schmeckt oder so).
Was bei meinem Kind hängen bleiben wird, ist vermutlich das: Machst Du was selbst, lacht die Lehrerin über Dich.
Ich gebe zu, ich ärgere mich ziemlich darüber.

Gestartet.

Mittwoch, 27 August 2008

Glück gehabt. Wir mussten gar  kein Wollknäuel werfen. Stattdessen saßen wir in kleinen Gruppen um Tische herum und sollten aus dem Nähkästchen plaudern. Warum wir unser Kind getauft haben. Ähm, ja, das ist halt in der Familie so. Wir waren uns nur unsicher, ob wir’s evangelisch (wie mein Mann und seine Sippe) oder katholisch (wie ich und meine Sippe) taufen lassen. Aber dann entschieden wir uns für katholisch, weil ursprünglich geplant war, dass ich einen Großteil der Kindererziehung übernehmen würde. Dass mein Mann unfreiwillig 3 Jahre lang zu Hause bleiben würde, war da noch nicht absehbar. All das jedenfalls habe ich gestern Abend lieber für mich behalten. Es gab an unserem Tisch jedoch die Plapper-Mutter, die sich in jeder Runde findet. Und die übernahm für den Rest der betreten zu Boden blickenden Elternschar das Sprechen.

Nächstes Thema: Gibt’s religiöse Rituale im Familienalltag. Ähm, also wir beten abends mit dem Kleinen ein Gutenachtgebet. Aber sonst? Ich hab dann ganz vornehm geäußert, dass wir ein Gebet in unser Abendritual eingebaut haben. Ehrfürchtige Blicke. Und dann sprang die Plapper-Mutter wieder ein.

Nächster Punkt, den das Leitungsteam - vier ehrenamtliche Helferinnen und eine hauptamtliche Gemeindereferentin - für uns vorbereitet hatte: Wir sollten einen Wunsch, einen Gedanken oder was auch immer auf einen Zettel schreiben. Ohne Namen. Wenigstens das. Aber das kam mir etwas plötzlich. Außerdem war der Zettel so fitzelig klein. Wie auch immer. Meine Wünsche für mein Kind behalte ich lieber für mich. Also schrieb ich tapfer was von einer schönen Vorbereitung auf die Erstkommunion und einer schönen Feier auf mein Zettelchen. Ich bin sicher, die Eingaben der übrigen Elternteile bewegten sich auf ähnlichem Terrain.

Dann gab’s noch einen Hammer: Wir sollen künftig jeden Sonntag um 9.30 Uhr den Gottesdienst besuchen. Damit die Kinder in die Gemeinde hineinwachsen. Das  hätten sie bestimmt auch um 11 Uhr  noch tun können. Aber nein, muss ja wieder so früh sein. Mein Mann hat freundlicherweise angeboten, dass wir uns da ja abwechseln könnten. Kann wenigstens einer einen faulen Sonntagmorgen genießen.

Zum krönenden Abschluss gab’s noch einen riesigen Terminzettel mit Gruppenstunden, diversen Gottesdiensten und und und. Immerhin konnte ich mich elegant um den Job der Katechetin drücken, die zehn Gruppenstunden mit einer kleinen Kindergruppe gestalten soll. Es hatten sich schon 20 Mütter gefunden, die freiwillig mitmachen wollen. Kein schlechter Schnitt bei 43 Kindern.

Gespannt.

Dienstag, 26 August 2008

Heute ist Elternabend. Nicht irgendein Elternabend. Nein, es ist der erste Elternabend für die Eltern der Kommunionkinder. Junior geht im kommenden Jahr mit zur Kommunion. Da muss ich also heute zum Elternabend tigern. Und ich überlege schon den ganzen Tag, ob solche widerwärtigen Vorstellungsrunden heute noch angesagt sind. Muss man noch Wollknäuel werfen, um ein Netz zu flechten unter den Teilnehmern? Oder macht man das heute nicht mehr?

Neulich beim Elternabend zum Konzentrationstraining (nein, wir lassen nichts aus!) gab es eine abscheuliche Schwafelrunde. Jede Mutter (natürlich waren nur Mütter dort) sollte sagen, was sie an ihrem Kind ganz besonders toll findet. Die erste Mutter, die sich äußern sollte, gestaltete dann mit ihrer Lobhudelei die Hälfte des gesamten Elternabends.  Sie hat wirklich jeden wohlriechenden Pups ihres Sprösslings mit aufgezählt. Sehr erheiternd, wenn man’s nicht allzu ernst nimmt. Ich habe mich kurz gefasst: “Ich find’s toll, dass er offen ist und alles wissen will.” Reicht doch. Alles andere ergibt sich doch daraus. Wer will denn wissen, dass ich seine klitzekleine Kerbe oben am linken Öhrchen sowas von goldig finde? Beim Elternabend bestimmt niemand. Trotzdem schauten mich die anderen Mütter erstaunt an, als hätten sie ein Anrecht auf ein minutenlanges Statement. Pustekuchen. Aber leider hat sich keine der folgenden Mütter von meiner Vorlage begeistern lassen. Sie schwelgten tapfer weiter ausschweifend in den Vorzügen ihrer Brut.

So. Ich geh dann mal. Muss mich noch mit dem Gedanken ans Wollknäuelwerfen anfreunden.

Angemeldet.

Sonntag, 24 August 2008

Nun ist es amtlich. Junior und ich reisen zum großen Forumstreffen am 20. September nach Hannover. Wir sind angemeldet. Die Gebühr ist überwiesen. Das Hotel ist gebucht. Ja, wir übernachten ganz vornehm im Novotel. Sohn freut sich wie Bolle darauf. Endlich mal im feinen Hotel und nicht auf dem schnöden Campingplatz nächtigen! Sowas kennt unser Camperkind bisher nicht wirklich. Okay, wir waren mal auf Mallorca im Hotel - aber da war er gerade 3 Jahre alt. Ich schätze, das hat er schlicht vergessen. Ansonsten ziehen wir unsere Übernachtungsmöglichkeit tapfer hinter uns her. Wohnwagen hat ja viele Vorteile. Aber ohne meinen Mann bewege ich dieses Monstrum nur sehr ungern. Also den Wohnwagen. Nicht meinen Mann. Den würde ich niemals Monstrum nennen. Nie! Ich doch nicht.

Leider können wir erst am Samstagmorgen zum Treffen anreisen. Aber freitags ist bis 18 Uhr Schachverein für den Knirps. Danach möchte ich ihm die Fahrt - sind ja durchaus ein paar Kilometer - nicht mehr zumuten. Also düsen wir am Samstag gaaaanz früh los.

Ich freu mich, die ganze Bande endlich mal im richtigen Leben kennenzulernen. Einige Exemplare gibt es, auf die ich ganz besonders gespannt bin. Aber die werde ich  hier ganz bestimmt nicht ausplaudern :-)

Zwei Dinge weiß ich jetzt schon: Die Mädels, die das Dosenwerfen organisieren, können sich auf einen Dauergast freuen. Und die Tombola wird unglaubliche Umsätze verzeichnen - Zwerg liebt Verlosungen jeder Art. Auch wenn er bisher immer nur Mist gewonnen hat…

Abflug.

Dienstag, 19 August 2008

Einen noch - und ich kann fliegen. Endlich ist es da, mein sehnlichst erwartetes Wunderwerk der Technik. Ein Kaffeevollautomat. Ein Knopfdruck - und ich bekomme den leckersten Cappuccino der Stadt. Und ich habe heute schon oft auf diesen Knopf gedrückt. Muss man ja mal ausprobieren, das gute Stück. Außerdem musste ich testen, wie der kleine Espresso, der mittlere Espresso und der große Espresso schmecken. Und das alles auch nochmal mit sehr mildem Aroma, mildem Aroma, normalem Aroma, kräftigem Aroma und sehr kräftigem Aroma. Und wie pure aufgeschäumte Milch mundet. Und wie das mit dem puren heißen Wasser funkioniert. Gereinigt habe ich das Prachtstück auch schon. Und die Milchdüse ausspülen lassen. Macht das Teil alles vollautomatisch. Ich muss nur hier eine Taste drücken, dort ein Hebelchen umlegen.

Aber wenn ich jetzt nur noch einen einzigen Schluck wie auch immer gebrühten Kaffees auch nur in den Mund nehme, kann ich fliegen. Oder brauche den Notarzt. Ich bin so bedröhnt mit Koffein, dass ich sicher nie mehr schlafen werde…

Schnipp-schnapp.

Dienstag, 19 August 2008

Gleich geht’s den Hasen an den Kragen. Oder besser gesagt ans Gemächte. Die Herren Zwergkaninchen, die sich inzwischen zu beachtlichen Brummern entwickelt haben, werden kastriert. Beide. Denn seit ein paar Tagen kloppen sie sich mit wachsender Intensität. Außerdem verspritzen sie meterweit Urin. Nicht lecker. Vor allem dann nicht, wenn man vorm Stall steht und mit sowas nicht rechnet.

Um 11 Uhr muss ich die Herrschaften beim Tierarzt meines Vertrauens abgeben. Um 15 Uhr darf ich sie dann entmannt wieder in Empfang nehmen. Junior wollte ganz genau wissen, was da passiert. Ich habe es ihm erläutert. Er schaute völlig entsetzt und griff sich spontan an die empfindliche Stelle: “Oh nein! Die armen Häschen!” Aber er sieht ein, dass die Schlägerei im Stall nicht so weitergehen kann. Der Tierarzt hatte uns schon bei der letzten Impfung prophezeit, dass es nun aber bald soweit sein werde.

So, dann fang ich die nichtsahnenden Patienten mal ein und verfrachte sie in die Transportbox. Schändlicherweise habe ich dort bereits Lockmittel verstaut - Möhren, Basilikumblätter, ein wenig Heu und einen Grünling zum Knabbern. Ansonsten würde ich nämlich Stunden brauchen, um die Viecher in die Kiste zu stopfen. Die sind sowas von flink - und außerdem haben sie im Pirk riesig viel Platz zum Weglaufen.

Drückt uns mal die Daumen, dass die Herren alles gut überstehen.

3, 2, 1 …….

Montag, 18 August 2008

unseres! Jajajaja! Gestern Abend haben wir in einem Anflug von Größenwahn ein Boot ersteigert. Bei Ebay! So ein richtig großes Schlauchboot mit 30-PS-Motor, Sonnenverdeck und 7 Sitzplätzen, Badeleiter und Holzboden. Hurra! Darauf sind wir schon seit Jahren scharf. Und gestern hat mein Mann dieses unglaubliche Schnäppchen entdeckt. Gebraucht, aber nur 5x benutzt, Motor erst 2 Monate alt - und dafür sensationell günstig. Wir können es kaum fassen.

Mein Liebster hat einen Bootsführerschein. Nun müssen wir das Boot nur noch abholen, taufen - und dann geht’s ab wie Schmidts Katze. Junior ist völlig aus dem Häuschen. Mein Mann nicht minder. Und ich? Mir kommt’s ein wenig plötzlich. So ein Batzen Geld - und dann so schnell entschieden. Ich bin da mehr die Bedächtige, die erst mal abwägen möchte. Aber ich habe mich gestern überzeugen lassen. Und heute freue ich mich wie eine Schneekönigin.

In den schwedischen Schären waren wir kreuzunglücklich, dass wir kein Boot hatten. Und auch früher haben wir schon oft davon geschwärmt. Aber es war ein Traum, weit weg. Gestern bei dem Angebot passte einfach alles. Ohne Sonnenverdeck geht das nicht, weil ich nur wenig Sonne vertrage. Da ist einfach alles dabei, was wir uns ohnehin gewünscht hätten. So what! Ich springe mal über meinen Schatten (der recht groß ist *lol* ) und streiche alle Bedenken aus meinem Hirn. Ich freue mich einfach. Denn das ist genau das, was wir immer haben wollten.

Und wir können es kaum abwarten, die erste Tour damit zu machen. Wenn demnächst jemand drei vor Begeisterung johlende Menschen auf einem Schlauchboot über die Kanäle im Ruhrgebiet bratzen sieht - winkt brav. Wir sind’s. *lol*