Archiv für Juni, 2008

Gewonnen!

Montag, 16 Juni 2008

Das erste Spiel ging furchtbar in die Hose. 0:6! Die Juniors G-Jugend schlich tief deprimiert vom Platz. Irgendwie lief nichts zusammen. Jeder stolperte orientierungslos umher. Die kleinen Füße klebten wie Blei am Kunstrasen. Aber dann erwachte der Ehrgeiz. Denn eins der Kinder hatte erspäht, um was es gestern beim Minikickerturnier ging: “Pokale! Wir können einen Pokal gewinnen!”

Das zweite Spiel wurde mit etwas Glück 1:0 gewonnen. Junior gab alles, traute sich sogar, mal richtig in Zweikämpfe einzusteigen. Und nicht  nur er. Nach dem 1:0 wurde es dennoch eine Zitterpartie. Irgendwie erschien uns Eltern am Spielfeldrand die Zeit endlos. “Jetzt muss das aber doch mal bald zu Ende sein”, grummelte ein zappeliger Mittelfeldspieler-Vater. “Die haben doch vorhin nicht so lange gespielt”, maulte die Torhüter-Mutter.

Das dritte Spiel fuhren unsere Jungs dann locker mit 4:1 ein. Die Gegner waren zum großen Teil Gegnerinnen. Klitzekleine Mäuschen, denen das Trikot bis zum Knie, die Hose bis zum Knöchel reichte. Sie hatten die Ärmel zu dicken Wülsten hochgekrempelt. Die Mädels und ihre wenigen männlichen Mitstreiter - allesamt zwischen 3 und 5 Jahren - spielten tapfer. Aber gegen unsere größtenteils Siebenjährigen hatten sie einfach keine Chance. Junior strahlte wie ein Honigkuchenpferd: “Ich hab fast 2 Tore geschossen!” Fast. Und darum gab’s nicht die versprochenen 10 Euro pro Tor. Fast rein ist eben doch daneben. Egal. Ein Trainer einer anderen Mannschaft kam extra zu ihm hin, klopfte Junior auf die Schulter und lobte ihn für seine Zweikampfstärke. Da war er aber vielleicht stolz.

Puh. Vorrunde überstanden. Denn Gegner Nummer vier war erst gar nicht angereist. So ist das manchmal, wenn sonntags die G-Jugendlichen zu Turnieren anreisen sollen und die Eltern keine Zeit oder keine Lust haben.

Wir hatten Beides. Und das Größte: Unsere Mannschaft hat die Vorrunde überstanden. Trost für die ausgeschiedenen Teams: Sie bekamen einen kleinen Pokal und durften eine Ehrenrunde drehen.

Eine Bratwurst und eine Flasche Wasser später ging’s ans Eingemachte. Viertelfinale. Gegen die Mannschaft hatten die Jungs ihr erstes Spiel haushoch verloren. Und nun noch einmal. Die Begeisterung der Knirpse hielt sich in engen Grenzen. Trotzdem: Der Ehrgeiz siegte. Nach vier Minuten führten unsere Bambini mit 2:0. Was für ein Jubel! Vor lauter Jubeln vergass der kleine Torwart, dass er nicht zu seiner Mama rennen, sondern im Tor stehen musste. Zack, stand’s 2:1. Die Verwirrung blieb groß. Der linke Verteidiger geriet in Rage, foulte einen gegnerischen Knirps. Es gab Freistoß. Leute, so eine Mauer hat man noch nie gesehen. Ein Bild für die Götter! Sechs kleine Jungs, die ein wenig unsortiert zwischen Freistoßschütze und Tor stehen, aber mit sehr viel Engagement ihre Hände an strategisch wichtiger Stelle platzieren. Zum Brüllen komisch sah das aus! (Ich habe es fotografiert, kann es aber leider wegen der vielen anderen Kinder, die mit auf dem Bild sind, hier nicht einstellen.) Der Trainer hat ihnen gesagt, dass sie das machen sollen, erzählte mir Junior hinterher.

Der Freistoß ging nicht ins Tor. Aber trotzdem verloren unsere Jungs mit 2:4. Gefreut haben sie sich dennoch. Denn: Es gab auch nach dem Viertelfinale eine Siegerehrung für die ausgeschiedenen Mannschaften. Unsere G-Junioren bekamen einen etwas größeren Pokal. Nachdem ihn jeder mal angefasst und in der Hand gehalten hatte, dem Torwart (der mit seinen 4 Jahren der Jüngste im Team ist) der Deckel des Pokals auf den Boden geknallt war, gab’s eine Ehrenrunde über den Platz. Mann, waren unsere Jungen stolz. So kann man denn auch mit einem Pokal kleinen Jungs eine riesige Freude machen. Tränen gab’s auch  noch - als der Torwart kurz nach der Siegerehrung bemerkte, dass sie nun ausgeschieden sind und  nicht nochmal spielen dürfen; als der Torjäger sich umziehen sollte, aber nicht wollte; als Junior erfuhr, dass der linke Verteidiger den Pokal mit heimnehmen darf bis zum nächsten Training - und er nicht. Aber auch die sind inzwischen getrocknet.

Am Sonntag gibt’s noch ein Turnier - und wieder die Hoffnung auf einen Pokal. Der Trainer hat versprochen, dass den dann Junior mit heimnehmen darf. Da wird er aber kämpfen wie ein Löwe… 

Gratuliert.

Freitag, 13 Juni 2008

Ich bin schwer beeindruckt. Die Holländer waren genial. Fantastischer Fußball. Erst haben sie die Italiener platt gemacht und nun die Franzosen niedergemäht. Einzigartig. Bemerkenswert. Hochverdient gewonnen. Da können sich alle anderen Mannschaften ganz, ganz warm anziehen.

Und nicht nur das: Sie knuddeln alle ihre zauberhaften Kinder. Da trabt der Torschütze mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm über den Platz - und der Kleine ist so goldig. Alle feiern mit. Wahnsinn. Ich bin richtig gerührt. So schöne Bilder nach dem Abpfiff. Sowas würde der Charmebolzen Löw mit seinen Leuten niemals zustande bringen. Das ein einzelner Mann so hölzern sein kann, hätte ich nicht gedacht.

Geredet.

Freitag, 13 Juni 2008

Der Sauerländer an sich ist eine ganz besondere Sorte Mäuse. Stur sind sie nicht, die Bewohner des putzigen Mittelgebirges. Auch wenn das immer wieder kolportiert sind. Aber ein wenig eigen sind sie. Vor allem, was die Sprache angeht. Hier gibt es Ortschaften, die so schöne Namen wie Faulebutter, Inderlenne, Mosebolle oder Hundesossen tragen. Und an fast jeden Satz wird ein leicht fragendes “woll” angehängt. Man gewöhnt sich dran. Aber Manches ist auch nach vielen Jahren lustig.

Fragt ein Nichtsauerländer vornehm: “Wie werden wir weiter vorgehen?” Dann ranzt ein Sauerländer: “Wat is getz?” Geht ja auch schneller. Sind tröstende Gesten und Worte gefragt, könnte man sagen: “Komm her, ich tröste dich.” Aber der Sauerländer sagt: “Komma bei mich bei.” Gibt’s Ärger, reagiert der Sauerländer gern unwirsch: “Bölk mich nich an!” Möchte man seinen Gesprächspartner zu einem kurzen Besuch einladen, heißt es: “Kommse längs mich?” Steht ein Besuch bei der Großmutter an, klingt es so: “Ich fahr ma bei die Omma.” Aber man geht “nachem Laden” zum Einkaufen und “auffe Halle” zum Schützenfest. Da wartet schon “dem Könich sein Gefolge”.

Bei der Impfung neulich fragte die Arzthelferin strahlend: “Innen Arm oder inne Bolle?” Ich bin nicht von hier, wollte ich noch sagen, aber mein ratloses Gesicht sprach offenbar Bände. “In den Arm oder in den Schinken?”, versuchte sie es erneut. Öhm… ich habe mich vorsichtshalber für den Arm entschieden. Ich weiß inzwischen, dass sie mit Bolle und Schinken meinen Oberschenkel meinte. Gut kommt auch immer, wenn man sich Gehör verschaffen möchte und laut sagt: “Hömma!” Inzwischen gibt’s viele dieser typisch sauerländischen Sprüche sogar auf T-Shirts - zu finden unter www.sauerlandstyle.com.

Eines meiner Lieblingsbeispiele der Sauerländer Mundart gibt’s aber nicht gedruckt auf T-Shirts. Dennoch: Es betrifft eine Äußerlichkeit. Vorweg: Nein, es gibt auch hier draußen in den Bergen keine Bären mehr. Ich zumindest habe noch nie einen Bären gesehen, höchstens im Zoo. Und ich kenne auch niemanden, der jemals einen Bären in den Sauerländer Bergen erspäht hätte. Woher dann solche Detailkenntnisse kommen, weiß ich nicht. Also: “Meine Frisur sitzt nicht”, würde ein Außenstehender formulieren. Ein Sauerländer redet so: “Ich seh ummen Kopp rum aus wien Bär umme Eier.” In beiden Fällen sollte der Weg hurtig “nachem Frisör” führen, woll.

Geknickt 2.

Donnerstag, 12 Juni 2008

Ich glaub’s  nicht. Was für eine Pleite.

Zur Halbzeitpause: Mannmannmann. Wenn das Spiel so weitergeht, werde ich nicht damit auskommen, einen Grashalm umzuknicken. Dann fress ich die ganze Wiese!

70. Minute. Nein, nein, nein. Wie furchtbar. Ist ja auch kein Wunder, wenn die keine Schalker mitspielen lassen. Nur bei Kroatien spielt ein Schalker: Ivan Rakitic. Und bei uns? Gomez ist die letzte Pfeife, kann nichts außer im Abseits rumrennen. Klose ist noch blasser als sonst. Poldi bringt’s heute auch nicht. Ballack schnarcht im Mittelfeld rum. Nur Metzelder, von dem ich eigentlich nichts erwartet hatte nach den letzten Spielen, Philipp Lahm und Clemens Fritz taugen was. Und natürlich Lehmann. An den Toren konnte er leider nichts machen. Ich pack’s nicht. Die können nicht mal gescheite Eckbälle reinbringen, die Deutschen.

Junior versucht jetzt, den Zauberspruch aus seinem Buch “Hexe Lilli und das verzauberte Fußballspiel” zu aktivieren. Das soll’s bringen. Anders wird es wohl auch nichts mehr. Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Er hat dafür bereitwillig süß-sauer eingelegte Zucchini und einen Löffel Honig gegessen. Was Süß-Saures ist dafür nämlich unabdingbar. Man muss es gleichzeitig essen. Wir werden sehen.

Nach dem Abpfiff: Auweia. Kuranyi hat’s auch nicht mehr reißen können. Und Schweinsteiger, dieser hirnlose Depp, kassiert auch noch eine rote Karte, die dank des Vogels, den er den Schiedsrichtern gezeigt hat, noch ein nettes Nachspiel haben wird. Verdient war sie allemal, die Karte. So ein Blödmann. Mein Blutdruck senkt sich gerade wieder langsam. Sie haben hochverdient verloren.

Geknickt.

Mittwoch, 11 Juni 2008

Manche Menschen sind gute Gastgeber. Da hat man das Gefühl, willkommen zu sein. Ich kenne keine Österreicher oder Schweizer persönlich. Ich bin auch nicht so der Berg-Fex, mach lieber am Meer Urlaub. Aber natürlich finde ich die Fußball-EM spannend, schaue fast jedes Spiel an, fiebere nicht nur  mit der deutschen Elf. Und für die meisten Schweizer und Österreicher ist das sicher eine tolle Gelegenheit, ihr Land in besonders gutem Licht zu präsentieren. Warum auch nicht. Macht ein Land ja sympathisch, so ein Fußballfest.

Aber dann gibt’s - wie überall in der Welt - ein paar Miesmacher. Im Kiga-Forum hat’s neulich eine lange Debatte über Sinn und Unsinn, Leiden und Freuden von größeren Fußballveranstaltungen gegeben. Einen Beitrag möchte ich Euch, liebe Blog-Leser, nicht vorenthalten. Da beschwert sich eine Dame wie folgt: “bei uns ist dieser blödsinn leider schon voll losgegangen, im austragungsgebiet, etliche verhaftungen nach ausschreitungen gestern schon inklusive.” Nun ja. Aber dann kommt sie zu den dramatischen Dingen, die ihr derzeit widerfahren: “…ich kann heute gewisse strassen nicht benutzen, darf den lärm und den schmutz “geniessen”, etc…” Das Leben ist manchmal echt hart. Ihre schöne Innenstadt sei wegen der Absperrungen nicht wieder zu erkennen, lamentiert sie. Ihr gebeutelter Ehemann müsse seit 10 Uhr bis mindestens Mitternacht seinen ersten Notarzt-Dienst durchleiden, beklagt sie sich. Na, das wird ja wohl auch bezahlt bekommen - gut, sei’s drum. 

Aber dann treibt sie den Lesern ihres Postings die Tränen in die Augen: “im schönen park, der dem public viewing dient, wird das gras und die blumen niedergetrampelt…” Nein! Man stelle sich das nur vor. Das schöne Gras - alle Halme geknickt. Und erst die Blumen. Das schiere Grauen. Das kann man ja gar nicht mehr toppen. Die rechtsradikalen Hooligans, die in Österreich verhaftet wurden, weil sie randaliert haben, sind dagegen natürlich ein Fliegendreck. Das schöne Gras. Und erst die Blumen!

Und spätestens mit ihrem boshaften Seitenhieb auf mein Fußballerherz hat sie sich’s für immer verscherzt: “ich denke, dass das deutsche nationalteam heute ordentlich einfahren wird.” Hey, Vorsicht, sonst komme ich und knicke einen Grashalm um! *flower*

Und nun nehme ich Tipps an, wer das Posting geschrieben hat.

Geärgert.

Mittwoch, 11 Juni 2008

Junior war heute auf einem Kindergeburtstag. Sieben Gäste waren eingeladen. Drei sind nicht gekommen. Einer hatte urplötzlich Hausarrest. Einer musste noch “ein wenig Mathe üben”. Und ein Junge hat sich gar nicht erst gemeldet, ist einfach so nicht gekommen. Ich schätze mal, sie haben’s schlicht verbaselt.

Das Geburtstagskind hat mir so leid getan. Das ist so richtig gemein, wenn man zur Geburtstagsparty versetzt wird von seinen Freunden. Ich verstehe auch die Eltern nicht, die sowas tun. Wenn Junior eingeladen wird, trage ich das doch sofort auf dem Familienkalender ein und mache einen dicken roten Kringel drum. Natürlich geht er zum Kindergeburtstag und nicht zum Fußballtraining, das eigentlich  heute dran gewesen wäre. Gar keine Frage.

Ist doch auch blöd für die Gastgeber-Eltern. Man bereitet Kuchen und Abendessen vor. Man überlegt sich Spiele. Man packt Mitgebsel-Tüten. Und das alles für sieben Gäste plus Gastgeber. Wenn dann nur vier Gäste kommen, muss man sich doch echt ärgern. Erst mal muss man mit der Enttäuschung des eigenen Kindes fertig werden. Dann hat man viel zuviel Essen. Und was macht man mit den Mitgebseln? Ich find’s extrem unhöflich, ein Kind so hängen zu lassen. Gemein geradezu.

Trotzdem hatten sie Spaß - hat jedenfalls Junior erzählt. Er kam gerade rechtzeitig heim, um noch ein Ründchen Federball zu spielen. Und jetzt kann er endlich auch den Aufschlag. Wir üben grad üben… muss man auch lernen. Nicht nur beim Federball.

Gespielt.

Dienstag, 10 Juni 2008

Wir haben was ganz Altmodisches getan. Junior und ich haben zum ersten Mal gemeinsam Federball gespielt. Nein, es war nicht Badminton. Es waren meine uralten, hölzernen Federballschläger und mein uralter, zerfetzter Federball. Und da bin ich eigen. Das ist und bleibt Federball.

Junior hatte noch nie zuvor gespielt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten klappte es dann toll. Es hat uns Beiden riesig viel Spaß gemacht. Nach der Wasserschlacht im Planschbecken heute Nachmittag, dem gemeinsamen Picknick mit Broten und Kakao auf der Terrasse und unseren lustigen, aber vergeblichen Versuchen, Ameisen für dieses hinreißende Ameisen-Beobachtungsset zu fangen, war das Federballspielen quasi das I-Tüpfelchen auf einem harmonischen Tag.

Vorhin lag er im Bett, strahlte von einem Ohr zum anderen und sagte: “Mama, ich bin so wahnsinnig glücklich!” Ja. Ich auch.

Geimpft.

Dienstag, 10 Juni 2008

Nach der Zecken-Episode gestern Abend bin ich heute zur Tat geschritten. Ich habe Junior von der Schule abgeholt und bin mit ihm zu unserem Hausarzt gedüst. Zwei Mal impfen, bitte. Ich gebe zu, ich bin lausig wehleidig. Und es hat schon ziemlich gepiekst im Arm. Aber inzwischen könnte ich nicht mal die genaue Einstichstelle nennen. Es war der linke Arm… Und Junior war total tapfer. Ich hielt seine Hand - und er hat nur mal kurz “Autsch” gesagt. Danach habe ich noch nette kleine Spritzen an die Nervenenden in meinem Nacken bekommen. Da stürmt der Knirps herbei und fragt: “Mama, soll ich deine Hand halten?”Natürlich sollte er. Ich bin dahin geschmolzen.

Heute sieht die Welt viel rosiger aus. Ich habe mit Junior zusammen ein Geburtstagsgeschenk für seinen Kumpel gekauft. Wir haben versucht, Ameisen für sein Ameisen-Beobachtungs-Set zu fangen. Drei Stück hatten wir - die sind uns aber wieder abgehauen, als wie die vierte in den Kasten sperren wollten. Das Projekt ruht derzeit. Wir werden das später nochmal angehen. Außerdem haben wir wie die Wilden im Planschbecken getobt. Unser Nachbar - neugierig wie immer hockte er glotzend auf seinem Ausguck gleich oberhalb unseres Gartens - konnte es gar nicht fassen. Danach gab’s für Junior einen Kakao, für mich einen göttlichen Tee (O’Connor’s Cream, mein Lieblingstee) mit Milch und Zucker. Jetzt spielt der Knirps mit seinem Kumpel im Sandkasten. Ja. Auch das macht Siebenjährigen offenbar noch Spaß. Ich werde mich noch ein wenig in die Hängematte werfen und das Bügeln auf heute Abend verschieben. Oder morgen. Oder so.

Geplättet.

Montag, 9 Juni 2008

Ich bin fertig. Am Ende. Platt. Alle. Erledigt. Was für ein Tag.

Schon die Nacht war ein Knaller. Um 1.15 Uhr tauchte Junior in unserem Schlafzimmer auf. “Mama, ich kann nicht wieder einschlafen.” Nun ja. Marsch zurück ins Bett. 1.20 Uhr. “Maaaamaaaaa, ich hab Wachstumsschmerzen.” “Schlaf.” 1.30 Uhr. “Maaamaaa, ich hab sooooo schlimme Wachstumsschmerzen.” Aus dem Bett gewälzt, Kügelchen geschnappt, 2 in Juniors Mäulchen gestopft, Junior zugedeckt, zurück ins eigene Bett. 1.45 Uhr. Schluchzend: “Mama, es tut soooo weeeeeeh.” Hingeschlichen. Kopf gekrault. Junior wieder eingeschlafen. Ich nicht. Irgendwann dann doch - gefühlte 2 Minuten, bevor der Wecker klingelte.

Um 6.30 Uhr war die Nacht dann um. Frühstücken, Kind über die Straße auf den Schulweg bringen, hurtig zurück, Tee trinken, Zeitung lesen. Um 8 Uhr stand ich im Aldi. Es gab Einmal-Handschuhe. Darum muss man sich alle Jahre wieder schlagen. Dieses Jahr war das Gedränge um die winzige Unterwäsche größer. Hab ich gleich zwei Packungen Handschuhe gekauft. Für man weiß ja nie. Im normalen Supermarkt hab ich dann noch die Kiste mit den fast abgelaufenen Lebensmitteln geplündert. Hm, sehr erfolgreich. Bei uns gibt’s die ganze Woche Leckerchen zum halben Preis - Lachs, Gnocchi, Tortellini, Gorgonzola, Ziegencamembert, Saint Albray, irische Rollenbutter. Da konnte man diesmal nicht meckern.

Danach war verschärfter Putzeinsatz. Die Putzfee ist immer noch krank. Nach meiner Arbeitswoche inklusive Wochenenddienst hätte man die Wollmäuse eigentlich nottaufen müssen, so groß waren die. Wo ich grad mal im Schwung war, hab ich die Betten abgezogen, 3 Maschinen Wäsche gewaschen und politisch korrekt im Garten zum Trocknen aufgehängt. Eilig habe ich dann noch ein Mittagessen gezaubert - Tacos mit Hackfleisch-Gemüse-Käse-Füllung. Lecker. Ein Überbleibsel von unserer Hochzeitsreise nach Mexico sozusagen. Wir lieben Tacos. Und Burritos. Und….

Nach der Trümmerbeseitigung in der Küche habe ich mein Kind bei den Hausaufgaben betreut. War heute nicht viel. Anschließend haben wir auf der glutheißen Terrasse ein Wassereis genossen. In aller Ruhe ein wenig Siesta gehalten. Beim Thema Siesta fiel mir unsere mexikanische Kingsize-Hängematte ein.

Beim Wühlen in der Garage fiel mir erst die Wasserbahn und dann das Wikingerschiff-Planschbecken in die Hände. Wo ich die beiden Teile so sah, dachte ich, könnte ich meinem einzigen Kind doch eine Freude machen. Also habe ich erst die Wasserbahn rausgeschleppt, dann das Planschbecken. Gefühlte drei Millionen Mal musste ich die Doppelhub-Pumpe bedienen, um dieses riesige Trum aufzublasen, samt Zubehör wie Segel, Steuerrad und Wikingerhelmen.

Nun musste ja auch Wasser herbei. Ich hatte einen sehenswerten Kampf mit dem Schlauchwagen. Hätte mir ja mal vorher jemand sagen können, dass ich das Ende vom Schlauch am Schlauchwagen von dem Anschluss am Schlauchwagen abziehen und am Wasserhahn anstecken muss. Ich habe endlos nach einem Schlauchanfang gesucht. Vergeblich. Irgendwann kam ich auf die Idee, dass das Ende aus verstautechnischen Gründen auf dem Anfang steckte. Meine Nachbarn hatten sicher großen Spaß. Es hat doch noch geklappt. Wir haben erst die Wasserbahn und dann das sehr große Wikingerschiff mit Wasser gefüllt.

Ich habe mich in meiner Hängematte ein wenig hin- und hergeschaukelt und dachte noch so, dass das Leben schön sei. Da tauchte Juniors Kumpel, die kleine Bratze aus der Nachbarschaft auf. Wie ein geölter Blitz saß er im Planschbecken. Nach wenigen Augenblicken war es vorbei mit meiner Siesta unterm Baum. “Das Wasser ist so kalt”, maulte die Bratze. “Wir brauchen warmes Wasser dazu.” Nun gut. Ich raste also hin und her, schleppte einen Eimer nach dem anderen an, bis es dem Herrn einigermaßen genehm war. Aber der wollte schon gar nicht mehr. Essen, trinken, Pipi machen, noch was essen, mehr Spielzeug, anderes Spielzeug, mehr Wasser - die Wünsche nahmen kein Ende. Und er ist immer gleich so unverschämt dabei. Ich hab dann noch die frischen Pflanzen gewässert. Junior hat den Hasenstall ausgeräumt, ich hab ihn mit einem kräftigen Wasserstrahl ausgespritzt, die Schlafhäuschen saubergemacht. Gegen 19 Uhr habe ich die Bratze heimgeschickt. Wir wollten schließlich noch in Ruhe zu Abend essen.

Junior zog die Badehose aus - und da sah ich sie gleich. Eine Zecke. Schon wieder. Diesmal am Bauch. Junior war entsetzt. Erst vorletzten Sonntag waren wir in der Kinderklinik wegen so einem kleinen Mistvieh. Denn die viel gelobte Zeckenkarte scheint für unsere Zecken nicht geeignet zu sein. Die sind zu klein und flutschen immer wieder durch. Ich habe mein heulendes Kind, das schon den Ekel kriegt bei der Vorstellung, dass da ein lebendiges Tier an seinem Bauch sitzt, ins Auto gepackt und bin mit ihm ins normale Krankenhaus zur Ambulanz gefahren. Binnen Minuten war alles erledigt. Um 20 Uhr waren wir wieder zu Hause und konnten endlich zu Abend essen. Junior war total aufgekratzt, keine Spur von Müdigkeit. Wie auch, nach einer solchen Aufregung.

Ich wollte ihn dennoch zu Bett bringen. Mit Entsetzen sah ich, dass ich völlig verbaselt hatte, die Betten wieder neu zu beziehen. Das auch noch. Mit letzter Kraft habe ich es erledigt. Danach habe ich mich unter die Dusche geschleppt. Mein Kind schlief auch um 21.15 Uhr noch  nicht. Er durfte in mein Bett krabbeln zum Einschlafen. Denn: “Dein Kissen ist viel weicher, die Bettdecke ist kuscheliger und überhaupt ist das Bett so schön kühl.” Was sollte ich da noch sagen? Außerdem waren die Nachbarskinder (elf an der Zahl) immer noch draußen und veranstalteten ordentlich Krach. Nachher, wenn ich meine müden Knochen ins Bett schleppe, werde ich ihn in sein eigenes Bett zerren. Bisher klappte das immer tadellos.

Die Hitze macht mich fertig. Dazu noch mein Fersensporn. Ich kann oft kaum laufen. Trotz Einlagen. Und im Moment fühle ich mich grad überfordert mit allem. Keine Ahnung, warum. Wir werden wieder rauskrabbeln aus dem Loch. Bestimmt. Aber heute nicht mehr. Gute Nacht.

Gezeichnet.

Sonntag, 8 Juni 2008

Nachtschichten sind nicht gut für die Menschen. Die Konzentration lässt nach. Gegen Ende der Woche gleicht der Schichti mehr einem Gespenst denn einem Arbeitnehmer. Mein Mann hatte eine Woche Nachtschicht. Bis Samstagmorgen. Und auf dem Samstag lag kein Segen für ihn.

Gegen Schichtende fiel ihm eine Euro-Palette auf den rechten Fuß. Leichte Schürfwunde an der Wade, Knöchel geschwollen, Bein ab Mitte des Unterschenkels bis hinunter zum Fuß in den schillerndsten Farben. Natürlich tat’s auch ordentlich weh. Genau genommen konnte er nachmittags kaum noch laufen.

Dann gegen 16 Uhr beim Schwimmtraining bekam er den Fuß eines seiner Schwimmanfänger ins Gesicht. Blaues Auge.

Abends roch es plötzlich so frisch in unserer Küche. Nicht dass es da sonst erbärmlich miefen würde. Aber dieser Geruch war doch ungewöhnlich. Mein Mann fluchte wie ein Kesselflicker. Denn: Er hatte statt Spülmaschinenpulver das Buntwaschmittel in die Spülmaschine gekippt. Er hat es sehr früh gemerkt und dann soviel Waschmittel wie  möglich wieder rausgekratzt. Aber ein bisschen geschäumt hat es schon. Und nochmal gespült werden musste auch ganz eindeutig. Wenigstens hat er nicht auch noch Weichspüler reingeschüttet.

Ich gebe zu, ich habe Tränen gelacht. Genau genommen kichere ich immer noch. Und bin froh, dass wir wieder mal eine Nachtschichtwoche ohne größere Katastrophen überstanden haben.