Archiv für Juni, 2008

Geparkt.

Montag, 30 Juni 2008

Ich kann’s selbst nicht glauben. Ich habe es tatsächlich geschafft. Unser 7,50 Meter langer und 2,35 Meter breiter Wohnwagen steht unbeschadet in der Einfahrt. Ich habe ihn neben der Scheune des Bauern, in der er seinen Winterschlaf gehalten hat, an mein geliebtes Auto angehängt. Dann sind mein Auto und ich mit dem Wohnungetüm am Haken nach Hause gedüst. Die enge Straße vom Bauernhof zur Durchgangsstraße war eine Herausforderung. Ein Kreisverkehr ist auch nicht ohne, wenn da etwas hinter dem Auto herfährt, dass eeeewig lang ist. Auch die vielen parkenden Autos in unserer Straße waren kein Spaß.

Aber die größte Panik hatte ich vor unserer Einfahrt. Da musste das  Monstrum nämlich rückwärts hinein. Ich war nass geschwitzt, als ich um die Ecke bog. Mit ein wenig Funkhilfe von meinem auf Krücken hin- und herhastenden Mann, der Juniors Funkgeräte zu diesem Behufe herbeigeholt hatte, klappte es auf Anhieb. Rückwärts mit dem Riesenwohnwagen in die Einfahrt! Ich! Ich platze beinahe vor Stolz. Sogar mein Mann und unsere männlichen Nachbarn waren sehr beeindruckt. Und sie gaben zu, dass sie allesamt auch mächtig Respekt vor so großen Anhängern haben. Gut, dass sie mir das nicht vorher gesagt haben…

Gekündigt.

Montag, 30 Juni 2008

Sie dachte: Schlimmer geht’s nimmer. Doch es kam schlimmer. Gestern rief unsere Putzfee an. Nachdem sie nach einigen Wochen Krankheit wieder genesen ist, war sie letzte Woche da und hat Grundreinigung gemacht. Es war ihr letzter Einsatz. Sie hat nämlich gekündigt. Grund: Sie hat eine Halbtagsstelle bekommen. Deshalb gibt sie den Putzjob auf. Ich kann’s ja verstehen. Wirklich.

Aber für uns kommt’s gerade etwas überraschend. Zumal sie schon am 1.7. ihre neue Stelle antritt. Also morgen. Ich war gestern nach ihrem Anruf der Ohnmacht nahe. Sie sollte nämlich diese Woche einen Extratermin zum Bügeln absolvieren. Also habe ich gestern bis Mitternacht gebügelt und bin immer noch  nicht fertig. Ans Putzen mag ich gar nicht denken. Ich muss nämlich arbeiten, mein Mann sitzt mit defektem Bein aufm Sofa. Wenigstens geht der Junge mit Freude in die Ganztagsbetreuung. Die hat nämlich ein Superprogramm im Angebot.

Gestern habe ich den restlichen Tag damit verbracht, unser Leben umzuorganisieren. Mein Mann hatte nämlich einiges vor in den nächsten Wochen. Der Wohnwagen muss beim Bauern aus der Scheune geholt (mache ich heute) und zum TÜV gefahren (macht Opa morgen) und zur Gasprüfung gebracht werden (macht der Nachbar als Fachmann für uns), der Rasen muss gemäht werden (macht Opa), größere Einkäufe müssen getätigt werden (mache ich morgens vor der Arbeit). Ich muss für Junior und mich packen - schließlich geht’s am Samstag für eine Woche nach Fehmarn. Wobei unklar ist, ob wir meinen Mann überhaupt allein lassen können.

Ich sehe grad kein Land. Aber ich strampele mich Schritt für Schritt durchs Chaos. Nur an den großen Berg vor mir darf ich nicht denken…

Nachtrag: Ein Lichtblick. Eine neue Putzhilfe stellt sich heute um 15 Uhr vor. Ich habe meinem Mann eingeschärft, sie auf jeden Fall einzustellen, wenn sie nicht gerade auf den Boden spuckt oder nach Schweiß stinkt.

Nachtrag: Am Mittwoch fängt sie an. Puh. Eine Sorge weniger.

Geschwächt.

Samstag, 28 Juni 2008

Nennt mich Schwester Shusl. Mein mir angetrauter Ehemann hat sich heute zum krönenden Abschluss der Nachtschichtwoche einen Muskelfaserriss in der rechten Wade eingefangen. So ein Mist. Sohn und ich waren gerade bei meiner Mutter - oder vielmehr mit ihr auf Power-Shopping-Tour. Drum habe ich nicht mal den Hilferuf auf meinem Handy gehört. Als ich gegen 15 Uhr mal zurückrief, schlief der Patient in seinem Bette. Er schilderte kurz die Lage. Wir brachten im Gallopp meine Mutter heim, packten unseren Plunder zusammen (wir waren 2 Tage dort, sind ja schon Sommerferien) und rasten heimwärts. Unterwegs haben wir noch hurtig was fürs Wochenende eingekauft, dazu war mein Liebster gar nicht mehr gekommen. Von der Arbeit war er noch selbst heimgefahren, obwohl das Bein lausig weh tat. Zum Krankenhaus brachte ihn dann sein Vater.

Inzwischen ist er - gedopt natürlich - ganz guter Dinge. Vorerst ist er für eine Woche krank geschrieben. Blöd ist, dass Junior und ich eigentlich am Samstag nächster Woche für eine Woche mit meiner Mutter nach Fehmarn reisen wollen. Und gestern in 3 Wochen wollen wir nach Schweden fahren - Campingurlaub. Und ich kann definitiv nicht das Auto mit dem riesigen Wohnwagen hinten dran fahren. Geradeaus ist das kein Problem, aber sobald eine Autobahnbaustelle oder eine enge Kurve kommen sollte, bin ich hysterisch.

Also verwöhnen und pflegen wir ihn nach Kräften. Junior wurde zum Pflegedienstleiter ernannt. Er nimmt den Job sehr ernst und bemüht sich rührend um seinen Papa.

Nächste Woche muss ich arbeiten. Mein Mann hätte eigentlich Spätschicht. Somit geht der Knirps in die Ganztagsbetreuung, die in den ersten drei Ferienwochen ein supertolles, spannendes, aufregendes Programm anbietet. Geplant war, dass er wie üblich in jeder 6. Woche um 16 Uhr zu Fuß zur Tagesmutter gehen sollte. Müssen wir mal sehen, wie das in der kommenden Woche laufen wird. Vielleicht geht der Kleine nur am Montag und Dienstag zur Tagesmutter und kommt den Rest der Woche um 16 Uhr nach Hause. Wir werden es spontan entscheiden, je nach Gesundheitszustand des Patienten.

Ich hoffe inständig, dass unsere Urlaubspläne nicht über den Haufen geworfen werden müssen. Und ich hoffe natürlich noch mehr, dass mein Mann bald wieder gesund und munter ist. Dass ich dank eines Fersensporns im linken Fuß trotz spezieller Einlagen kaum laufen kann, juckt ohnehin keinen mehr.

Gestolpert.

Dienstag, 24 Juni 2008

Auweia. Der Tag fängt gut an. Erst kommen wir ein wenig spät aus dem Bett, Junior und ich. Heute ist nochmal normal Schule, also müssten wir eigentlich um 6.30 Uhr aus den Federn. Nun ja. Es war 7.09 Uhr, als ich ins Bad schlich. Wir waren dann trotzdem fix gewaschen und angezogen. Beim Frühstückmachen ging dann allerdings einiges daneben. Ich habe ein Halbliterglas (aus der Pfalz imporiert, damit ich genug Wasser trinke) in die Küche geschubst. Genau genommen bin ich in einer schwungvollen Drehung mit der Hand dagegen geraten. Klirr. Tausend große und kleinste Scherben in der Küche. Wenigstens keine Macke in den Fliesen. Auf dem Weg zu Handfeger und Kehrblech ein stechender Schmerz im linken dicken Zeh. Eine Scherbe war vorne in meinem linken Schlappen geflogen- und natürlich bin ich mit dem Zeh reingelatscht. Blut ohne Ende. Nagelneue Schlappen versaut. Pflaster klebt nicht mehr richtig. Muss ich wohl mal ein neues Päckchen kaufen.

Tapfer habe ich trotzdem die Scherben zusammengefegt. Meinem notorischen Barfußläufer habe ich Schuhtragegebot auferlegt und gleich die Sandalen in die Hand gedrückt. Denn diese blöden kleinen Scherben fliegen ja meterweit durch die Gegend. Schnell weitergemacht. Mein Tee war schon fertig. Milch fehlte noch. Also Kühlschrank auf, Milch gepackt, rein ins Glas damit. Ins Glas? Mein Tee ist in einer Tasse! Klar. Die Milch habe ich in meinem Elan in den Orangensaft gepackt. Das gibt eine leckere Mischung. Auch optisch. So flockig irgendwie. Igitt. Also O-Saft weggekippt. Milch in den Tee geschüttet, neuen O-Saft aus dem Kühlschrank geholt. Flasche fast leer. Gut, gibt’s heute nur einen Schluck Orangensaft.

Auf dem Weg zum Esstisch plötzlich eine unangenehme Wärme an meinem rechten Fuß. Genau genommen war es lausig heiß. Richtig. Der Tee ist übergeschwappt und ergoss sich teilweise auf meinen Fuß, leider auch auf den schönen, blauen Teppich.

Der Tag fängt gut an. Und dabei habe ich soviel vor heute.

Geschwatzt.

Montag, 23 Juni 2008

Dialog unter Freunden. Junior und sein ebenfalls siebenjähriger Freund spielten in unserem Garten. Original-Ton:

Junior: “Wer ist denn in eurem Haus der Älteste?”

Freund: “Mein Papa. Der ist 31. Und bei euch?”

Junior: “Meine Mama. Die ist 43. Mein Papa wird bald 40. Der ist jünger als meine Mama.”

Freund: “Meine Mama ist 28. Die  ist noch voll jung.”

Junior: “Waaaaaaas? Die ist erst 28 und hat schon 7 Kinder? Wo soll das nur hinführen?”

Freund: “Ich glaube, jetzt ist erst mal Pause. Ich habe doch gerade erst einen neuen Bruder bekommen.”

Ich schwöre bei allem, was mir  heilig ist, dass ich so einen Spruch niemals von mir gegeben habe. Ich wollte immer fünf Kinder haben. Es hat nicht sollen sein, es ist nur eins geworden. Aber trotzdem blicke ich voller Bewunderung auf kinderreiche Familien. Juniors Freund kommt aus einer Baptistenfamilie, die haben hier alle etwa 7 bis 11 Kinder. Aber als ich Juniors Spruch hörte, bin ich vor Lachen fast ins Erdbeerbeet gepurzelt.

Geschossen!

Sonntag, 22 Juni 2008

Ich bin stolze Mutter eines Torjägers. Jaaaaa, Junior hat heute beim Bambini-Turnier zwei Tore geschossen! Und das, wo er eigentlich Abwehrspieler ist. Tolle Sache. Das Turnier mit 4 Mannschaften haben unsere Jungs locker und souverän gewonnen. 2:2 gegen die einzige Mannschaft mit Spielern über 5 Jahre, 4:1 und 12:0 gegen die beiden Mannschaften mit Kindern unter 5. Da war der Jubel groß. Vor allem die kleinen Mäuse, die 12 Tore kassierten, konnten einem fast schon leid tun. Aber nur fast. *flower*

Das Beste: Es gab wieder Pokale für alle Mannschaften. Unsere Mannschaft bekam einen goldfarbenen Pokal. Und mein Sohn durfte ihn mit nach Hause nehmen. Er ist fast geplatzt vor Stolz. Während der gesamten Heimfahrt - immerhin 45 Minuten - hat er den Pokal ganz fest gehalten und ab und an geküsst. Ich weiß auch schon, wo der Pokal über Nacht bleibt: auf Juniors Nachttisch. Logisch. Am Dienstag muss er das gute Stück allerdings ans nächste Kind weitergeben. Schließlich wollen alle mal so richtig stolz auf sich sein.

Jetzt ist der Torschütze gemeinsam mit einem Freund zum Schwimmen. Auch nicht schlecht. Und ich kann mich  nicht auf die Terrasse setzen, denn da knallt die Sonne hin. Wegen des tierischen Windes kann ich die Markise nicht ausfahren. Vorhin hatte ich sie mal kurz ausgefahren - da packte eine Böe richtig heftig drunter und hätte die Markise fast abgerissen. Ich konnte sie noch mit Mühe wieder einfahren. Gottlob ist sie elektrisch mit Fernbedienung. Kurbeln wäre nicht mehr zu schaffen gewesen.

Für heute Abend sind heftigste Unwetter angesagt. Wir befürchten ein “Starkregenereignis” - das gab’s letztes Jahr leider mehrmals. Und einmal wäre das Wasser fast in unsere Einliegerwohnung geschwappt. Da fehlte nur noch ein halber Zentimeter. Problem: Die Straße macht an unserer Einfahrt einen leichten Knick. Regnet es derart heftig, dass die Straße voller Wasser ist, schwappt die Flut unsere Einfahrt hinunter, rauscht am Haus vorbei und sammelt sich unterm Haus vor der Tür der Einliegerwohnung. Nicht schön. Ich werde gleich mal mit meinem Liebsten ein kleines, provisorisches Mäuerchen aufbauen an der neuralgischen Stelle.

Viel schlimmer trifft es meist Juniors Patentante und ihre Familie. Letztes Jahr hatten sie die Brühe meterhoch in ihrem Keller. Alles war ruiniert, das Haus wurde innen grundlegend saniert, außen rundherum ausgegraben und abgedichtet, im Kanalanschluss eine Rückschlagklappe eingebaut, eine Pumpe gekauft - für alle Fälle. Die Panik bleibt trotzdem. Im Moment sieht es noch richtig sommerlich aus. Keine Wolke in Sicht. Hoffentlich bleibt es so.

Geradelt.

Samstag, 21 Juni 2008

Geschafft. Das erste Zeugnis halten wir in der Hand. Diesmal hat er noch eins von der ersten Klasse bekommen, weil er ja nur kurz in der 2. war. Es gab nichts zu meckern. Die Lehrerin hat ihn ziemlich genau beschrieben. An einer Stelle mussten wir schmunzeln: Er schaffe es manchmal nicht, seine Anliegen zeitlich etwas zurückzustellen und später zu äußern. Jo, das ist unser Junge. Quatscht dazwischen, wenn ihm was einfällt. Aber das muss er wohl lernen. Dass er noch einmal eine Lehrerin findet, die das originell findet und mit einem Lächeln quittiert, ist eher unwahrscheinlich.

Gefreut haben wir uns über die Formulierung, dass er mit seinem Wissen, seinen Fragen und seinen Ideen den Unterricht bereichere. Ui, das ist Balsam für mein Mutterherz.

Das Wichtigste aber stand ganz unten: “Versetzt in die 3. Klasse”. Junior ist überglücklich und freut sich wie ein Schneekönig. Einen Punkt haben wir aber dann doch zu beanstanden am Zeugnis: Sein Geburtsdatum ist falsch. Denn so ein Überflieger ist er nun doch nicht, dass er am 18. Mai 2008 geboren wurde und nun gleich ins dritte Schuljahr wechselt. Ich schätze, das lässt sich korrigieren…

Als Lohn für sein tolles Zeugnis hat er schon allerhand Geldgeschenke von Großeltern und Paten eingeheimst/angekündigt bekommen. Von uns hat er einen supercoolen Fahrradhelm bekommen. Einen für Erwachsene. Denn Junior hat einen “familiären Großkopf”, wie es der Arzt im Krankenhaus formulierte, der im ersten Lebensjahr herausfinden sollte, ob in seinem Schädel alles in Ordnung sei. Mit anderen Worten: Wir haben alle eine Riesenrunkel, da muss er wohl auch eine bekommen. Nun ja, irgendwo muss das ganze Hirn ja hin. :-) Und weil wir den Kopf zum Denken brauchen und nicht wollen, dass er am Bordstein zerplatzt, gab’s heute drei neue Helme für insgesamt 120 Euro. Unfassbar, wie teuer die Dinger sind. Aber bei Hutgröße 62 ist die Auswahl nicht mehr wirklich groß für mich. Mein Mann und Junior haben beide etwas kleinere Schädel, aber dafür fast schon gleich große.

Weil wir grad so im Schwung waren, habe ich mir ein neues Fahrrad gegönnt. Bisher habe ich mit einem schicken, sportlichen Mountainbike für Herren herumgequält. Sportlich ist leider nicht der erste Begriff, der mir beim Blick in den Spiegel so einfällt. Nach 10 Minuten Radeln hatte ich Nackenschmerzen, nach weiteren 10 Minuten waren beide Arme bis in die Fingerspitzen eingeschlafen. Entsprechend gering war meine Lust, Radtouren zu unternehmen. Nun wird alles besser. Ich habe mir ein Rad für ältere Damen zugelegt - zumindest sieht es so aus, finde ich. Da kann ich ganz entspannt drauf sitzen. Die Federung ist super. Der Lenker ist so hoch, dass ich keine Nackenschmerzen bekomme. Und prompt haben wir heute die erste kleine Tour gemacht. Es war klasse!

Geflaggt.

Donnerstag, 19 Juni 2008

Ja, ich geb’s zu. Auch wir sind im Deutschlandfieber. Ich muss mich erst noch dran gewöhnen. Wer über 40 ist, hat wohl sein Leben lang ein Problem mit der nationalen Identität. Dazu kommt noch unsere politisch alles andere als rechte Gesinnung. Da tut man sich schwer. Aber wie erkläre ich meinem siebenjährigen Sohn, dass er, der von all den düsteren Stunden deutscher Geschichte nichts weiß, nicht stolz darauf sein darf, in diesem Land zu leben?

Wir finden Toleranz wichtig. Und wir versuchen, es ihm vorzuleben: “Lieber bunt als braun” stand auf einem Plakat, das wir mal zu einer Antinazi-Demo mitgenommen haben. Und so versuchen wir zu leben. Wir haben aus dem Ausland stammende Freunde - wer denn heute nicht? Wir reisen gern in andere Länder. Wir erzählen ihm viel von unseren Reisen nach Gambia, nach Mexiko, von den Menschen dort. Wir schauen zusammen Fotos an. Wir hatten auch schon Besuch aus Gambia. All das tun wir gern.

In unserer Straße herrscht Multikulti pur. Wohlgemerkt: Kleinstadt, kein sozialer Brennpunkt, Neubaugebiet. Alles ganz normale Familien. Die Straße ist relativ kurz. 29 Häuser. Eine mazedonische, eine türkische, vier portugiesische, eine polnische, sechs deutsch-russische, 15 deutsche Familien und ein Kindergarten. Außer den Deutsch-Russen (die zum großen Teil aus Kasachstan kommen) haben alle Familien ihre Nationalflaggen aufgehängt. Das sieht hübsch bunt aus.

Ich habe mich halbherzig überwunden: Unsere Deutschlandfahne (natürlich an  meinem fast acht Meter hohen Fahnenmast) hat neben den deutschen Farben noch einen riesigen Fußball in der Mitte. Nur damit klar ist, dass sich meine nationale Gesinnung ausschließlich auf dieses Feld bezieht. Und ja, wir haben auch so ein albernes Deutschland-Fähnchen am Auto. Ich schäme mich nur noch manchmal dafür. Nein, stimmt nicht. Eigentlich ist es mir immer noch irgendwie unangenehm. Aber ich halte es tapfer aus. 

Junior trägt sein Deutschland-Trikot mit Begeisterung. Er hat eine Deutschland-Kappe, eine kleine Fahne zum Schwenken, eine Klatschhand im Deutschland-Look, zwei Deutschland-Klebe-Tattoos, eine schwarz-rot-gelbe Hawaii-Blumenkette. Liegt alles schon parat fürs Spiel heute. Denn ich Rabenmutter, die beim Spiel gegen Polen noch unerbittlich darauf bestand, dass der Junge um 20 Uhr ins Bett muss, habe mich erweichen lassen. Morgen bekommen die Grundschüler ihre Zeugnisse, den Rest des Schuljahres bis zum kommenden Mittwoch läuft ohnehin nichts mehr. Also darf er heute Fußballgucken. Ausnahmsweise. Und ich bin froh, dass ich  nicht wieder das Gezeter im Haus habe….

Nachtrag: Nach der ersten Halbzeit ist er brav und kommentarlos ins Bett gegangen. Liebes Kind. Und ich habe nicht weiter geschaut, weil ich sonst unter extremem Bluthochdruck leiden dürfte. Ich halte soviel Spannung nicht aus.

Gelobt.

Dienstag, 17 Juni 2008

Gelobt sei der Herr. Er meint es gut mit den weiblichen Fußballfans. Denn nicht die ziemlich unansehnlichen Franzosen führen im Spiel gegen Italien. Somit sieht es derzeit - in der 82. Minute - ganz gut aus für die wohlgeratenen Italiener. Da hat frau noch richtig was zu sehen. Entzückende Rückenansichten zum Beispiel. Wunderschöne, theatralische Posen. Keiner kann so herrlich unschuldig empört schauen wie Luca Toni.  Was die Damenwelt hingegen an einem Frank Ribery (schreibt man den so?) finden soll, ist mir auf ewig schleierhaft. Zambrotta - ein Bild von einem Mann. Gemalt hätte er kaum schöner werden können. Oder Gattuso - er sieht schon von weitem wie ein Schelm aus. Buffon, der Torwart, hat so einen leicht schlampigen Charme. Cassano bedient das Kindchenschema und sieht immer aus, als bekäme er morgens von seiner Mama die Butterbrotdose um den Hals gehängt.

Ach ja, ich geb’s ja zu. So ein knackiger Italiener war schon immer mein Fall. Erst Peppino, eine große Liebe in meinem Leben. Er ließ sich im Heimaturlaub in Taormina von seiner Mamma mit irgendeiner sizilianischen Verwandten verloben. Zu mir sagte er, das habe doch keine Auswirkungen auf unsere Beziehung. Irrtum. Denn ich war schneller weg, als er Amore sagen konnte.  Und dann lernte ich meinen Mann kennen. Der ist zwar Deutscher, aber bei ihm hat die italienische Großmutter voll durchgeschlagen. Als wir Peppino das erster Mal nach unserer Hochzeit trafen, sagte der ganz schnippisch: “Ach, hast du einen geheiratet, der so aussieht wie ich?” Eingebildeter Blödmann. Fußballspielen können übrigens Beide nicht. Schade eigentlich.

Geschützt: Geschockt.

Montag, 16 Juni 2008

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