Getroffen.
Mittwoch, 30 April 2008Murphy ist wieder mit uns heute. Eigentlich begann es gestern schon. Ich war beim Hausarzt. Der kennt mich schon länger und zückte gleich die kleine Spritzen, mit denen er meinen Nacken alle paar Wochen wieder ins Lot bringt. Nach 13 Stunden Sonntagsdienst am Rechner mit einer Menge Technik-Ärger war das auch bitter nötig. Und weil ich grad dort war, habe ich mein Fußleid geklagt. Bingo. Wieder ein Fersensporn. Nur diesmal links. Also wieder neue Einlagen, die in keinen vernünftigen Schuh passen. Super. Und es ging nahtlos so weiter.
Junior wurde von einer Wespe in den linken Daumen gestochen. Das tut höllisch weh, weiß ich noch aus eigener leidvoller Erfahrung. Der beste Vater von allen rannte gleich los, um Spitzwegerich auf dem verwilderten Grundstück nebenan zu pflücken. Ja, das funktioniert wirklich. Altes Hausmittel aus der Familie von meinem Onkel Karl-Heinz. Wir haben ein paar Blätter Spitzwegerich zwischen den Fingern gerieben und das Ganze auf die Einstichstelle gedrückt. Nach etwa zehn Minuten waren die Schmerzen weg und von einer Schwellung nichts mehr zu sehen.
So weit, so gut. Bis heute. Da schwoll der Daumen plötzlich wieder an, wurde ganz heiß. Der Stachel ist nicht mehr drin, soweit man das sehen kann. Ich habe ihm nochmal Arnica-Kügelchen gegeben. Wir beobachten das weiter. Für eine allergische Reaktion ist es eigentlich zu spät. Hoffentlich wird das keine Blutvergiftung. Hatte ich als Kind mal. Sehr unangenehm.
Dann rief mittags der Mann unserer Putzfee an. Die wollte eigentlich heute arbeiten - aber sie hat die Nacht und den Vormittag über der Kloschüssel verbracht. Magen-Darm-Virus. Nichts ist mit Putzen. Nächste Woche kann sie auch nicht kommen, da muss sie mit ihrer Tochter ins Krankenhaus. Verstehe ich alles, tut mir aufrichtig leid für sie. Aber für uns ist es auch wenig erfreulich. Drei Wochen ohne Putzfee, das wird hart.
Ich habe mir dann heldenhaft das Wohnzimmer vorgeknöpft und sogar in den Schränken gewienert und deren Inhalt gereinigt. Das macht sie nämlich nicht, die Fee - wie denn auch, wenn sie nur drei Stunden pro Woche kommt. Wir haben sogar das Aquarium auf Hochglanz gebracht und den Ofen sommerfertig gemacht. Was für eine Plackerei. Frühjahrsputz nennt meine Mutter sowas. Richtig schön sieht’s jetzt wieder aus.
Und als ich gerade aufhören wollte, hat sich mein geliebter Mann einen kostspieligen Ausrutscher erlaubt. Er wollte die Zeitung zusammenfalten und langte aus unerfindlichen Gründen mit seinen Fingern gegen die Esstischlampe. Ein sündig teures Designer-Teil aus unseren kinderlosen Doppeleinkommen-Zeiten. Und mit großem Getöse landete die Lampe auf dem geölten Vollholztisch aus eben jenen Zeiten. Lampe in tausend Stücke, Tisch mit fetten Macken. Volltreffer. Ob das wohl die Hausratversicherung zahlt? Wir haben extra eine zusätzliche Glasbruchversicherung. Aber ob darunter auch die noble Leuchte fällt? Natürlich ist es erst nach 17 Uhr passiert, unser Versicherungsfritze hatte schon Wochenende. Aber egal. Immerhin ist niemand verletzt.
Da wir grad dabei waren, wuselte ich wie ein Derwisch mit Lappen und Staubtuch durch die Küche, bevor mein Gemahl den Staubsauger anwarf. Und den Mal- und Bastel-Krimskrams in Juniors Papp-Schubladen-Schränken habe ich auch noch gleich sortiert. Danach sah nun auch die Küche blitzblank aus. Vorbildlich. Und weil ich grad so im Schwung war, ging’s auch noch dem Gäste-WC an den Kragen. Endlich habe ich all die Ecken gewienert, für die die Putzfee keine Zeit hat. Also blinkt und blitzt es auch dort.
Eigentlich wollte ich heute im Garten rumwühlen. Bügeln. Einkaufen. Eigentlich. Aber Murphy wollte es anders. Jetzt hocke ich hier, betüddele mein Kind, dem der geschwollene Daumen weh tut. Mein Nacken schmerzt dank der Plackerei mehr denn je. Der Effekt der Spritzen ist verflogen. Ich werde mir ein Körnerkissen warm machen. Wird schon.
Wir haben ein sehr langes, freies Wochenende vor uns. Und wir wollen das verdammt nochmal genießen. Murphy, hau ab!
). Nun ist Junior auch nicht entgangen, was da vor sich geht. Er schaut mich an. Ein Mensch gewordenes Fragezeichen. “Mama, was machen die da?” Öhm. Ja.