Geblendet.

Ich werde blind! Nein, meinen Augen geht es gut. Aber als ich den Kostenvoranschlag für meine neue Brille sah, schoss mir genau dieser Gedanke durchs Hirn. Unfassbar. 439 Euro pro Glas. Plus Fassung, so um die 180 Euro, wenn ich’s richtig in Erinnerung habe. Die ist witzig, da kann man täglich die Fassung ganz einfach selbst wechseln. Im Set sind schon zwei Fassungen inklusive. Aber trotzdem. Horrender Preis alles zusammen. Und die feine Krankenkasse hat sich ganz aus der Affäre gezogen. Die zahlt keinen Cent dazu.

Nein. Ich war nicht bei Fielmann. Da habe ich mir einmal eine normale Brille und eine Sonnenbrille mit meinen Sehstärken angedeihen lassen. Einmal. Nie wieder. Die haben nicht mal meine Augen vernünftig ausgemessen. Leider ist ihnen entgangen, dass ich einen Knick im linken Äugelchen habe. Darum waren beide Brillen im Grunde Schrott. Nicht zu gebrauchen. Ich habe mich einige Male überschlagen damit. Mal habe ich einen Bordstein gesehen, wo keiner war, mal habe ich eine Stufe übersehen. Beides mit selbem Effekt. Frau Shusl schlug lang hin.

Also die Sparnummer in Sachen Brillen ist durch. Ich stiefelte gestern wacker zum Augenarzt. Sohn mit seinen Adleraugen bekam ein Gummibärchen, weil er so gut sehen kann. Und ich? Ich bekam eine Empfehlung für eine Bifocal-Brille. Oder, wie mein rotzlöffeliges Söhnchen so treffend bemerkte, eine “Oma-Brille”. Oben zum Weitgucken, unten zum Nahgucken. Und weil ich viel am Rechner arbeite, sehr viel lese, noch dazu sehr viel kleine Schrift lese und meine Arme in letzter Zeit immer länger wurden beim Lesen, musste es eben eine besondere Glasform mit breitem Nahsichtfenster werden. Die gute Nachricht: Die Kurzsichtigkeit hat sich erheblich verbessert. Die schlechte Nachricht: Die Kurz- und Weitsichtigkeit heben sich leider nicht gegenseitig auf.

Mein Mann, der erst später zum Fassungaussuchen dazu kam und von dem Preis für die Gläser noch nichts mitbekommen hatte, meinte trocken: “Oh Gott, wie teuer ist die Brille? Der Optiker hat uns noch nie zum Abschied die Tür aufgehalten!” Irgendwie riecht er sowas. Wenigstens ist die Sonnenbrille (ohne Nahsichtfenster) recht günstig. Es gleicht sich nicht wirklich aus. Aber was hilft’s? Ich trage meine Brille ständig, meistens über mehrere Jahre dasselbe Modell. Klamotten wechselt man häufig, dafür gibt man viel mehr Geld aus.

Ich freu mich jedenfalls. Endlich werde ich auch wieder die Zutatenlisten auf Nahrungsmitteln lesen können, und ich muss nicht mehr die Verkäuferinnen bitten, sie  mir vorzulesen. Das ist nämlich echt peinlich…


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