Gegrübelt.

Junior liegt im Bett. Er kann nicht einschlafen. Er ruft und ruft und ruft. Immer lauter. Immer panischer. Ich ergebe mich. Krabbele die Treppe rauf und schlurfe in sein Zimmer. Sein Gesicht ist tränenüberströmt. “Mama, ich will nicht erwachsen werden, sonst kann ich die Technik der nächsten 3000 Jahre nicht miterleben.” Ich bin ein Muster an Körperbeherrschung. Ich lache nicht. Ich grinse nicht mal. Ich schaue nur staunend mein Kind an. Nein. Der Bub  hat keine Drogen genommen. Er ist manchmal so. Vor allem vor, während und kurz nach dem Vollmond.

Er weint weiter. “Bestimmt hat man, bis du erwachsen bist, was erfunden, damit man 3000 Jahre alt werden kann”, wage ich eine Entgegnung. Falsch. Ganz falsch. “Neihein”, heult er, “sowas wird man niehie erfinden.” Langsam wird er ruhiger. Dann richtet er sich auf. Ein Leuchten geht über sein Gesicht. “Dann muss ich eben selbst soviel erfinden, dass die Menschen sonst gar nichts mehr zu erfinden brauchen!” Er sinkt auf sein Kopfkissen. Entspannt sich langsam. “Ich hab ja schon das automatische Grab erfunden.” Vor dem Bett meines Sohnes hört man Dinge, das glaubt man gar nicht.

Ich starre ihn an. “Du hast was?” “Ja, ich habe das automatische Grab erfunden! Das funktioniert aber nur bei Zweier-Pärchen.” Aha. hochinteressant. Der Tüftler erläutert Details: “Wenn da eine zweite Leiche ins Grab getan werden soll, muss nur einer auf einen Knopf drücken. Dann kommt so ein Schieber und schubst die alten Knochen, also die Knochen der ersten Leiche, auf die Seite. Da muss man nicht nochmal schaufeln. Praktisch, ne?” Ja. Ungemein. Einen Haken hat die Sache noch: “Das können sich nur reiche Leute leisten. Wird so um die 100000 Euro kosten für das erste Grab.” Gut zu wissen.

Jetzt ist er doch noch eingeschlafen. In Wirklichkeit war er aufgeregt wegen des Osterhasen. Vermute ich jedenfalls.


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