Ich war wieder bei IHM. Meinem absoluten Lieblingsmediziner. Dem Horror meiner schlaflosen Nächte. Nein, nicht beim Gynäkologen. Beim Zahnarzt. Seit Tagen schon quälen mich heftige Zahnschmerzen rechts unten. Da mir wegen der Herpesbläschen auf der Zunge ohnehin der ganze Mund weh tut, dachte ich, das hänge zusammen. Tief in meinem kleinen Hasenherzen hatte ich gehofft, das ginge dann mit den Bläschen weg. Aber nichts da. Die Bläschen gehen nicht weg. Und die Zahnschmerzen wurden immer schlimmer. 8.45 Uhr schlug die Stunde der Wahrheit heute. Soviel Elend am frühen Morgen. Der Zahnarzt gab mir aus Mitleid gleich mal eine Spritze. Sein gemurmelter Kommentar: “Nur für den Fall, dass ich den Nerv ziehen muss.” Ich schluckte. Oder versuchte es zumindest. Ist ja nicht ganz einfach mit diesem Zungenweghalter, einer Spritze und einer Zahnarzthand im Mund. Da graute mir schon Übles. Es kam schlimmer.
Der Zahnarzt begann zu bohren. Er bohrte. Und bohrte. Und bohrte. Und plötzlich bestand mein ganzer Kopf nur noch aus Schmerz. Ich zuckte mal kräftig - und schon fragte er entgeistert: “Tut das weh? Ehrlich?” Nach kurzem Zögern griff er beherzt noch einmal zur Spritze: “Ich gebe dir nochmal eine Ladung. Das geht so nicht.” Denn er war noch lange nicht da angekommen, wo er mit dem Bohrer hinwollte. Nach der zweiten Spritze kämpfte ich mit Schwindel, Übelkeit, einem absackenden Blutdruck - aber ich war tapfer. Ich wartete geduldig in diesem ekligen Stuhl, versuchte, meine Panik durch Autosuggestion zu bekämpfen und gleichmäßig weiter zu atmen. Es ist mir nicht leicht gefallen. Das gebe ich zu.
Der sehr mitfühlende Zahnarzt bohrte dann den Nervenkanal auf, steckte ein paar nadelartige Teile hinein - und staunte immer mal wieder, dass es trotz doppelter Spritze noch richtig weh tat. Obendrein rutschte er noch ab mit einer dieser Nadeln und piekste fest in meine Oberlippe, dass das Blut nur so spritzte. Muss ich erwähnen, dass nur der Unterkiefer betäubt war?
Nach dem Röntgen war klar: Nerv entzündet. Also bekam ich ein Medikament zum Nervabtöten in die Zahnruine. Das Ganze wurde mit einem weißen, widerlich schmeckenden Zeug provisorisch zugestopft. Am 31. März soll ich wiederkommen. Das wird nett. Wir fahren zwischendurch noch ein paar Tage zu Verwandten. Da werde ich sicher die Gelegenheit bekommen, die dortigen Zahnklempner kennenzulernen. Denn das geht ganz sicher nicht gut. Bei meinen Zähnen geht sowas nicht gut.
Schön war der Tipp der Zahnarzthelferin: Wenn’s über Ostern weh tut, soll ich doch einfach mit einer Sicherheitsnadel die provisorische Abdeckung wegprokeln. Dann ging’s wieder, meinte sie. Gute Idee. Mach ich.
Für heute jedenfalls bin ich bedient. Restlos. Jetzt gehe ich mit Junior erst mal einkaufen. Ich soll nichts Hartes essen. Also muss Toast her. Und Hackfleisch. Bananen wären auch nicht schlecht. Schöne Aussichten. Wenigstens sind Ostereier weich.