Archiv für März, 2008

Geglückt.

Sonntag, 30 März 2008

Der erste Ausflug ins Grüne ist geglückt. Unsere Kaninchen sind überglücklich. Sie sind gerannt, gehoppelt, gesprungen, haben Haken geschlagen, massenhaft Gras gefressen. Und sie konnten von all dem gar nicht genug bekommen. Das herrliche Wetter heute hat’s möglich gemacht. Heute Abend sind die beiden Zwerge fix und fertig. Wölkchen liegt schnarchend auf dem Häuschen, Flöckchen putzt sich mit Hingabe das blütenweiße Fell. Ansonsten sind sie sogar zu müde, sich nach dem Salat, den wir auf ein Band aufgefädelt und in den Käfig gehängt haben, zu strecken.

Scheint so, als wären die Tiere zufrieden mit ihrem neuen Leben bei uns. Junior ist jedenfalls unverändert überglücklich.

Geblendet.

Samstag, 29 März 2008

Ich werde blind! Nein, meinen Augen geht es gut. Aber als ich den Kostenvoranschlag für meine neue Brille sah, schoss mir genau dieser Gedanke durchs Hirn. Unfassbar. 439 Euro pro Glas. Plus Fassung, so um die 180 Euro, wenn ich’s richtig in Erinnerung habe. Die ist witzig, da kann man täglich die Fassung ganz einfach selbst wechseln. Im Set sind schon zwei Fassungen inklusive. Aber trotzdem. Horrender Preis alles zusammen. Und die feine Krankenkasse hat sich ganz aus der Affäre gezogen. Die zahlt keinen Cent dazu.

Nein. Ich war nicht bei Fielmann. Da habe ich mir einmal eine normale Brille und eine Sonnenbrille mit meinen Sehstärken angedeihen lassen. Einmal. Nie wieder. Die haben nicht mal meine Augen vernünftig ausgemessen. Leider ist ihnen entgangen, dass ich einen Knick im linken Äugelchen habe. Darum waren beide Brillen im Grunde Schrott. Nicht zu gebrauchen. Ich habe mich einige Male überschlagen damit. Mal habe ich einen Bordstein gesehen, wo keiner war, mal habe ich eine Stufe übersehen. Beides mit selbem Effekt. Frau Shusl schlug lang hin.

Also die Sparnummer in Sachen Brillen ist durch. Ich stiefelte gestern wacker zum Augenarzt. Sohn mit seinen Adleraugen bekam ein Gummibärchen, weil er so gut sehen kann. Und ich? Ich bekam eine Empfehlung für eine Bifocal-Brille. Oder, wie mein rotzlöffeliges Söhnchen so treffend bemerkte, eine “Oma-Brille”. Oben zum Weitgucken, unten zum Nahgucken. Und weil ich viel am Rechner arbeite, sehr viel lese, noch dazu sehr viel kleine Schrift lese und meine Arme in letzter Zeit immer länger wurden beim Lesen, musste es eben eine besondere Glasform mit breitem Nahsichtfenster werden. Die gute Nachricht: Die Kurzsichtigkeit hat sich erheblich verbessert. Die schlechte Nachricht: Die Kurz- und Weitsichtigkeit heben sich leider nicht gegenseitig auf.

Mein Mann, der erst später zum Fassungaussuchen dazu kam und von dem Preis für die Gläser noch nichts mitbekommen hatte, meinte trocken: “Oh Gott, wie teuer ist die Brille? Der Optiker hat uns noch nie zum Abschied die Tür aufgehalten!” Irgendwie riecht er sowas. Wenigstens ist die Sonnenbrille (ohne Nahsichtfenster) recht günstig. Es gleicht sich nicht wirklich aus. Aber was hilft’s? Ich trage meine Brille ständig, meistens über mehrere Jahre dasselbe Modell. Klamotten wechselt man häufig, dafür gibt man viel mehr Geld aus.

Ich freu mich jedenfalls. Endlich werde ich auch wieder die Zutatenlisten auf Nahrungsmitteln lesen können, und ich muss nicht mehr die Verkäuferinnen bitten, sie  mir vorzulesen. Das ist nämlich echt peinlich…

Gelandet.

Freitag, 28 März 2008

Endlich sind sie eingezogen: Wölkchen und Flöckchen durften wir heute Nachmittag im Tierheim abholen. Und wir haben hier den stolzesten Kaninchenbesitzer westlich des Mississippis. Er ist überglücklich, hüpft hier herum und herzt und drückt jeden. Er hat sich eine Decke vor den Kaninchenstall gelegt, kauert stundenlang davor und beobachtet seine Tiere. Er spricht mit ihnen, lässt sie aber gottlob weitgehend in Ruhe, damit sie sich schön langsam eingewöhnen können.

Im Moment leben sie in einem großen Innenkäfig in unserer Diele. Sobald es nachts über 10 Grad ist, kommen sie in den großen, zweistöckigen Stall mit großem Auslauf in den Garten. Darauf freuen wir uns besonders, denn dann können sie toben, rennen, hüpfen und buddeln nach Herzenslust. Noch meint es Petrus allerdings nicht gut mit uns. Vielleicht können die beiden Süßen morgen mal probeweise in ihren Außenkäfig, schließlich soll’s angenehme Temperaturen geben am Wochenende.

Wir genießen die letzten Ferientage. Unseren Kurzurlaub haben wir gut überstanden, wir haben uns wie immer in der Pfalz ausgesprochen wohl gefühlt. Höhepunkt für Junior war der Besuch des Pfälzer Naturkundemuseums. Dort gibt’s eine große, schöne Mineraliensammlung. “Hier könnte ich eeeeeewig bleiben”, jauchzte er ein ums andere Mal. Er liebt Steine, Kristalle und alles, was damit zu tun hat. Aber davon ist jetzt natürlich kaum noch die Rede. Im Moment hat er nur seine Zwergkaninchen im Sinn. “Heute ist der glücklichste Tag in meinem Leben”, strahlte er vorhin von einem Ohr zum anderen. Und sogar mein Mann, der die Viecher eigentlich gleich auf den Grill werfen wollte, hat zugegeben, dass sie niedlich sind…

Und so goldig sahen Kind und Kaninchen gestern aus:

Gegrübelt.

Samstag, 22 März 2008

Junior liegt im Bett. Er kann nicht einschlafen. Er ruft und ruft und ruft. Immer lauter. Immer panischer. Ich ergebe mich. Krabbele die Treppe rauf und schlurfe in sein Zimmer. Sein Gesicht ist tränenüberströmt. “Mama, ich will nicht erwachsen werden, sonst kann ich die Technik der nächsten 3000 Jahre nicht miterleben.” Ich bin ein Muster an Körperbeherrschung. Ich lache nicht. Ich grinse nicht mal. Ich schaue nur staunend mein Kind an. Nein. Der Bub  hat keine Drogen genommen. Er ist manchmal so. Vor allem vor, während und kurz nach dem Vollmond.

Er weint weiter. “Bestimmt hat man, bis du erwachsen bist, was erfunden, damit man 3000 Jahre alt werden kann”, wage ich eine Entgegnung. Falsch. Ganz falsch. “Neihein”, heult er, “sowas wird man niehie erfinden.” Langsam wird er ruhiger. Dann richtet er sich auf. Ein Leuchten geht über sein Gesicht. “Dann muss ich eben selbst soviel erfinden, dass die Menschen sonst gar nichts mehr zu erfinden brauchen!” Er sinkt auf sein Kopfkissen. Entspannt sich langsam. “Ich hab ja schon das automatische Grab erfunden.” Vor dem Bett meines Sohnes hört man Dinge, das glaubt man gar nicht.

Ich starre ihn an. “Du hast was?” “Ja, ich habe das automatische Grab erfunden! Das funktioniert aber nur bei Zweier-Pärchen.” Aha. hochinteressant. Der Tüftler erläutert Details: “Wenn da eine zweite Leiche ins Grab getan werden soll, muss nur einer auf einen Knopf drücken. Dann kommt so ein Schieber und schubst die alten Knochen, also die Knochen der ersten Leiche, auf die Seite. Da muss man nicht nochmal schaufeln. Praktisch, ne?” Ja. Ungemein. Einen Haken hat die Sache noch: “Das können sich nur reiche Leute leisten. Wird so um die 100000 Euro kosten für das erste Grab.” Gut zu wissen.

Jetzt ist er doch noch eingeschlafen. In Wirklichkeit war er aufgeregt wegen des Osterhasen. Vermute ich jedenfalls.

Getratscht.

Samstag, 22 März 2008

Schon gehört…? Frohe Ostern.

Schon gehört…? Auch Osterhasen müssen mal tratschen.

Frohe Ostern Euch allen! Genießt die Zeit, und lasst es Euch gut gehen.

Frohe Ostern Fette Beute allerseits.

Gebastelt.

Freitag, 21 März 2008

Junior hat jetzt ein eigenes Blog. Noch muss ich bei der Rechtschreibung ein wenig helfen. Aber das wird.

Der Link:

http://www.derwesten.de/community/JuliB/stories/

Über nette Kommentare würde er sich außerordentlich freuen. Leider muss man sich dort registrieren, um überhaupt lesen zu können. Aber das geht mit E-Mail-Adresse und gewünschtem User-Namen ganz flott.

Geduldig.

Mittwoch, 19 März 2008

Er ist zum ersten Mal allein im Kinder- und Jugendzentrum. Und ich bin ein wenig nervös. Das gebe ich zu. Dort wird ein tolles Ferienprogramm geboten. Sie haben einen riesigen Abenteuerspielplatz mit selbst gebauten Hütten, Bachlauf und allen Schikanen, die Kinder so glücklich machen. Sie haben ein großes Haus, in dem viele lustige Spiele möglich sind. Das Zentrum hat einen tollen Ruf. Dort arbeiten viele Sozialarbeiter. Und an Geld mangelt es dort auch nicht, um die Kinder zu verpflegen.

Aber. Aber. Aber. In meinem Kopf sausen gerade die Abers herum. Aber es schneit heute wie verrückt. Als ich Junior mit seiner Freundin dort abgeliefert habe, legte der heftigste Schneesturm seit Wochen los. Vorher war nichts. Irgendwie beschlich mich ein ungutes Gefühl. Am liebsten hätte ich die Zwei gleich wieder ins Auto gepackt und mit heim genommen. Aber da war’s schon zu spät. Sie sind gleich abgezischt in die Holzhütten. Ich habe sie dann nochmal zurückgepfiffen, damit ich sie wenigstens der Chefin einmal vorstellen konnte. Sie wollte denn auch wissen, wo sie mich im Falle eines Falles erreichen kann. Der wird vermutlich eher so aussehen, dass sie klatschnass sind. Denn das ganze Gelände ist superglitschig bei dem schönen Frühlingswetter.

Ich habe mich dann zusammengerissen, allseits viel Spaß gewünscht und bin davongeschlichen. Nun sitze ich zu Hause, schaue wie hypnotisiert auf das Telefon - und hoffe inständig, dass alles gut geht. Mütter müssen sowas auch lernen. Das bekommt man nicht gleich bei der Entbindung eintätowiert. Und ich bin eine Glucke. Rabenmutter (weil teilzeit berufstätig) und Glucke in einem. Eine besondere Mischung. Brandgefährlich. Zumindest für Juniors Entwicklung. Um 18 Uhr soll ich sie abholen. Ganz schön lange hin. Aber ich schaffe das. Ich werde geduldig sein. Mein Haus aufräumen. Endlich mal die elektrischen Zahnbürsten entseuchen. Den Müll rausbringen. Im Internet unnützes Zeug bestellen. Gemütlich einen Cappuccino trinken. Und die ganze Zeit das Telefon in der Hand halten. Für alle Fälle.

Blödster Tag in meinem Leben.

Montag, 17 März 2008

Allein geschrieben von Julian (1. Klasse).

Es ist ja bald Ostern und der Osterhase kommt bald. Lasst mich nicht lügen. Aber meine Hasen haben eine schlimme Krankheit! Ich bin sehr traurig. Im Tierheim hab ich mir zwei andere Kaninchen ausgesucht. Aber Flecki und Sternchen vergesse ich trotzdem nicht.

Anmerkung: Nach diesem Satz brach der Autor in Tränen aus und musste schluchzend zu Bett gebracht werden.

Gequält.

Montag, 17 März 2008

Ich war wieder bei IHM. Meinem absoluten Lieblingsmediziner. Dem Horror meiner schlaflosen Nächte. Nein, nicht beim Gynäkologen. Beim Zahnarzt. Seit Tagen schon quälen mich heftige Zahnschmerzen rechts unten. Da mir wegen der Herpesbläschen auf der Zunge ohnehin der ganze Mund weh tut, dachte ich, das hänge zusammen. Tief in meinem kleinen Hasenherzen hatte ich gehofft, das ginge dann mit den Bläschen weg. Aber nichts da. Die Bläschen gehen nicht weg. Und die Zahnschmerzen wurden immer schlimmer. 8.45 Uhr schlug die Stunde der Wahrheit heute. Soviel Elend am frühen Morgen. Der Zahnarzt gab mir aus Mitleid gleich mal eine Spritze. Sein gemurmelter Kommentar: “Nur für den Fall, dass ich den Nerv ziehen muss.” Ich schluckte. Oder versuchte es zumindest. Ist ja nicht ganz einfach mit diesem Zungenweghalter, einer Spritze und einer Zahnarzthand im Mund. Da graute mir schon Übles. Es kam schlimmer.

Der Zahnarzt begann zu bohren. Er bohrte. Und bohrte. Und bohrte. Und plötzlich bestand mein ganzer Kopf nur noch aus Schmerz. Ich zuckte mal kräftig - und schon fragte er entgeistert: “Tut das weh? Ehrlich?” Nach kurzem Zögern griff er beherzt noch einmal zur Spritze: “Ich gebe dir nochmal eine Ladung. Das geht so nicht.” Denn er war noch lange nicht da angekommen, wo er mit dem Bohrer hinwollte. Nach der zweiten Spritze kämpfte ich mit Schwindel, Übelkeit, einem absackenden Blutdruck - aber ich war tapfer. Ich wartete geduldig in diesem ekligen Stuhl, versuchte, meine Panik durch Autosuggestion zu bekämpfen und gleichmäßig weiter zu atmen. Es ist mir nicht leicht gefallen. Das gebe ich zu.

Der sehr mitfühlende Zahnarzt bohrte dann den Nervenkanal auf, steckte ein paar nadelartige Teile hinein - und staunte immer mal wieder, dass es trotz doppelter Spritze noch richtig weh tat. Obendrein rutschte er noch ab mit einer dieser Nadeln und piekste fest in meine Oberlippe, dass das Blut nur so spritzte. Muss ich erwähnen, dass nur der Unterkiefer betäubt war?

Nach dem Röntgen war klar: Nerv entzündet. Also bekam ich ein Medikament zum Nervabtöten in die Zahnruine. Das Ganze wurde mit einem weißen, widerlich schmeckenden Zeug provisorisch zugestopft. Am 31. März soll ich wiederkommen. Das wird nett. Wir fahren zwischendurch noch ein paar Tage zu Verwandten. Da werde ich sicher die Gelegenheit bekommen, die dortigen Zahnklempner kennenzulernen. Denn das geht ganz sicher nicht gut. Bei meinen Zähnen geht sowas nicht gut.

Schön war der Tipp der Zahnarzthelferin: Wenn’s über Ostern weh tut, soll ich doch einfach mit einer Sicherheitsnadel die provisorische Abdeckung wegprokeln. Dann ging’s wieder, meinte sie. Gute Idee. Mach ich.

Für heute jedenfalls bin ich bedient. Restlos. Jetzt gehe ich mit Junior erst mal einkaufen. Ich soll nichts Hartes essen. Also muss Toast her. Und Hackfleisch. Bananen wären auch nicht schlecht. Schöne Aussichten. Wenigstens sind Ostereier weich.

Geärgert.

Sonntag, 16 März 2008

Ich bin geladen. Sehr sogar. Ein Pulverfass ist ein Fliegendreck gegen meinen derzeitigen Gemütszustand. Da schickt doch die Kaninchenzüchterin gerade ganz vergnügt eine Mail. April, April, doch kein Kaninchenschnupfen. Sie möchte noch ein paar Tage abwarten, aber es sähe ganz gut aus, dass wir die Häschen doch noch bekommen könnten.

Am liebsten würde ich sie mit bloßen Händen erwürgen. So eine Spinatwachtel! Sowas kann man mit einem Kind doch nicht machen. Was denkt sie sich dabei? Wahrscheinlich nichts. Rein gar nichts. DAS werde ich Junior jetzt ganz sicher nicht erzählen. Sonst hätten wir nämlich ratzfatz vier Häschen. Vier goldige kleine Häschen. Wir nehmen jetzt die aus dem Tierheim und basta. Schluss. Aus. Finito.

Boah, bin ich geladen. Gut, dass sie nicht auch noch angerufen hat. Sonst hätte ich garantiert nicht an mich halten können.