Er schleicht schon seit ein paar Jahren um die kleinen Tierchen herum. “Mama, ich will ein Kaninchen”, gehört mit zu den ersten Sätzen, die Junior von sich gab. Abgelehnt. Wir fanden es viel zu früh dafür. Aber der Wunsch verschwand nie. Immer und immer wieder versuchte er es. Letztes Jahr bekamen wir das Aquarium. Und er bekam die Auflage, die Fische täglich zu füttern und mir beim Wasserwechsel zu helfen. Das hat er brav erledigt. Ohne zu murren.
Darum haben wir beschlossen, zwei Zwergkaninchen in unsere Familie aufzunehmen. Sie sollen einen geräumigen Käfig im Garten bekommen, mit großem Außengehege mit vielen selbst gebauten Spielmöglichkeiten. Wir planen wie die Weltmeister, haben auch schon zwei Bücher zu dem Thema. An Ideen für Selbstgebautes mangelt es nicht. Damit die Kaninchen auch mal mit uns zu Oma oder in Urlaub fahren können, brauchen sie eine Transportbox und einen Käfig, in dem sie dort wohnen können.
Letzte Woche zogen wir zwecks Markterkundung durch die Zoohandlungen. Junior hat Preise notiert, eine Tabelle gemalt. Mein lieber Schwan, da kommt ein hübsches Sümmchen zusammen, wenn man den Tieren ein auch nur halbwegs artgerechtes Leben ermöglichen möchte. Über die Finanzierung sind wir uns auch rasch einig geworden. Wir zahlen den Stall für draußen samt Auslauf, Junior den Rest. Er hat es klaglos hingenommen, dass er dafür sein Sparschwein plündern muss. Es ist ihm also ernst.
Am Montag lag ein Zooladen-Prospekt in der Zeitung. Da gab’s eine Transportbox für Hunde und Katzen. Wir also heute - frisch genesen - in den Zooladen. Die Transportbox sei tatsächlich geeignet für eine längere Autofahrt mit zwei Kaninchen, der Verkäufer lobte sogar unser Vorhaben, die Tiere mit in Urlaub zu nehmen. Junior platzte fast vor Stolz. 10 Euro war die Box billiger als sonst - das hat sich für den Kindergeldbeutel also schon mal gelohnt. Der nächste Tipp: Vor Ostern werden sie Kaninchenställe und diverses Zubehör im Sonderangebot haben. Netter Verkäufer, dass er uns das schon mal verraten hat. Somit warten wir noch ein paar Wochen und schlagen dann richtig zu.
Stolz wie Oskar schleppte Junior die ziemlich große Box aus dem Laden. Zu Hause hat er schon mal Kaninchenbesitzer gespielt - ein Stoffkaninchen wurde betüttelt und in der Box herumgetragen. Er kann es kaum abwarten, dass es nun endlich zwei Kaninchen gibt!
Die Tiere werden wir bei einem der Züchter in der Umgebung kaufen. Ans Tierheim hatten wir auch schon gedacht, aber die haben derzeit nur ältere Tiere, sagte man mir am Telefon. Doch hier gibt’s einen regen Kaninchenzuchtverein, da wird man uns bestimmt weiterhelfen können. Junior träumt schon von Kaninchenbabys, aber den Zahn habe ich ihm heute Mittag gleich mal gezogen. Wir werden ganz sicher keine Zucht beginnen. Erst war er deshalb geknickt, dann sah er das aber durchaus ein. Mein Mann hat im Hintergrund schon mit dem Grill gewunken - falls die Population rapide wachsen sollte. Und das will der Kleine natürlich überhaupt gar nicht
Der erste Schritt in Richtung Familienzuwachs ist jedenfalls gemacht. Zwei Trinkflaschen und zwei Näpfe hat Junior auch schon gleich gekauft. Was man hat, das hat man - da ist er altmodisch.
Über Namen haben wir uns auch schon Gedanken gemacht. Ich fänd Marx und Engels klasse. Oder Pünktchen und Anton. Oder Pink und Punk. Oder Herbert und Paul (nach Grönemeyer und Simon). Oder Hinz und Kunz. Juniors Begeisterung dafür hält sich in engen Grenzen. Er ist mehr für spontane Eingebungen beim Anblick seiner künftigen Lieblinge. Es wird wohl auf etwas in Richtung Flocke und Schlappi hinauslaufen, würde ich wetten.