Gelesen.

Es hat nicht nur Vorteile, wenn ein Kind lesen lernt. Junior  zum Beispiel liest mit Vergnügen jeden Morgen mit mir gemeinsam die Zeitung. Meist schaut er sich die Bilder an, wenn ihn eines interessiert, liest er den Text darunter. Für mehr als, sagen wir mal, 30 Zeilen ist er allerdings noch nicht zu begeistern. Heute hat er mit großem Interesse einen ziemlich langen Artikel über die Mondfinsternis gelesen. Da ahnte ich schon etwas.

Weltall, Raumfahrt, Sterne, Sonnensystem - das ist seit einiger Zeit schwerstens angesagt. Heute äußerte er erstmals den Berufswunsch “Astronaut und Fußballer und Fernsehreporter”. Man beachte die Reihenfolge. Da bin ich beruhigt. Mit irgendwas davon wird er wohl reich und berühmt werden. Derweil vertieft er sein Wissen über die Planeten. Das Sonnensystem haben wir heute mit vereinten Kräften fertiggestellt und aufgehängt. Sieht richtig gut aus. Und leuchtet im Dunkeln.

Da hat es dem verfinsterten Mond heute Nacht etwas voraus. Denn selbst wenn er im Dunkeln leuchten sollte, werden wir es nicht sehen. Fette Wolken verdecken den Himmel über uns. Kein einziger Stern leuchtet. Nichts. Nur Finsternis. Aber Junior hat es sich in den Kopf gesetzt: “Ich will die Mondfinsternis sehen. Weck mich um 4 Uhr.” Wird gemacht, Chef. Mit Argusaugen beäugte er mich beim Stellen des Weckers. Ich gähne mir jetzt schon den Kiefer aus, wenn ich nur dran denke, um 4 Uhr durchs Haus zu tapern, um einen Blick auf den wolkenverhangenen Nachthimmel zu werfen. Aber was tut man nicht alles, um einen kleinen Forscher glücklich zu machen…


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