Archiv für Januar, 2008

Gelauscht.

Montag, 21 Januar 2008

Junior hat Besuch. Sein Kumpel ist da. Sie spielen mit dem Karaoke-Set, haben das Mikrofon an und die Lautstärke voll aufgedreht. Nett, wenn man alles so mithören kann nebenan. Zumal sie nur zu Anfang gesungen haben. Inzwischen liegt das Mikrofon auf dem Tisch, sie haben es vergessen. Und sie haben auch vergessen, es auszuschalten. Sehr interessant. Sagt der Kumpel: “Polen war früher in Deutschland. Und Deutschland war in Polen.” Junior: “Quatsch.” Kumpel: “Frag doch deine Mutter.” Junior kommt in die Küche gerast: “Mama, war Polen früher in Deutschland und Deutschland in Polen?” Ich hole Luft, um die historischen Zusammenhänge näher  zu erläutern: “Nein, das stimmt nicht.” Junior: “Wusste ich doch!” Ich hole noch einmal Luft, um meine Erläuterung fortzusetzen - aber Junior ist schon wieder abgezischt. Er erstattet im Wohnzimmer Bericht: “Meine Mama hat gesagt, das stimmt nicht.” Kumpel ist beleidigt: “Doch! Hat die denn Ahnung?” Junior: “Meine Mama weiß alles.”

Ach, ist das schön, dass wenigstens einer noch an mich glaubt. Ob das noch ein Weilchen so bleibt?

Gewünscht.

Samstag, 19 Januar 2008

Wenn wir Dich  nicht hätten, würden wir achtlos an Steinen und Muscheln vorbeigehen, ohne ihre besondere Form, ihre Farbe, ihr Muster, ihr Glitzern zu erkennen.

Wenn wir Dich nicht hätten, müssten wir nicht den Jahresbedarf eines Großraumbüros an Tesafilm horten. Aber niemand würde ein chinesisches Drachenboot aus Papier basteln, ein Rezept für Rosinenbrötchen mit detailgetreuer Zeichnung und 47 Pfeilen zur Verdeutlichung des Herstellungsprozesses am Küchenschrank aufhängen oder uns im Fußballstadion malen.

Wenn wir Dich nicht hätten, könnten wir ausgehen, wann immer es uns einfiel. Ohne großen Aufwand, ohne einen Babysitter zu organisieren. Theater, Kino, Konzert, Restaurant, Abend mit Freunden in der Kneipe - alles möglich, alles machbar. Aber um 21.30 Uhr würden wir uns - nach langen Arbeitstagen - beim Gähnen den Kiefer ausrenken. Und welche Freunde sollten mitgehen? Die haben alle Kinder.

Wenn wir Dich nicht hätten, müsste ich kein Happy Meal bei McDonald’s essen, damit Du ein zweites Spielzeug bekommst. Ich könnte einen Salat essen. Hat bestimmt weniger Kalorien. Aber ich mag eigentlich nicht so gern Salat.

Wenn wir Dich nicht hätten, würde ich nicht im Halbdunkel mit nackten Füßen auf einen übrig gebliebenen Legostein auf dem Teppich treten und jaulend durch die Küche hüpfen. Aber es würde auch niemand unser Haus aus kleinen Steinen nachbauen.

Wenn wir Dich nicht hätten, wäre die Nacht an Samstagen nicht um 6.30 Uhr zu Ende. Aber dafür wären die Brötchen beim späten Frühstück auch nicht so frisch, fast noch warm.

Wenn wir Dich nicht hätten, würde ich mich mit Gesellschaftsspielen längst nicht so gut auskennen. Aber ich liebe Gesellschaftsspiele. Und Du spielst meistens bereitwillig mit.

Wenn wir Dich nicht hätten, hätten wir viel mehr Platz in unserem Haus. Aber was sollten wir damit tun?

Wenn wir Dich  nicht hätten, lägen nicht in jedem Zimmer Spielzeug, Bastelarbeiten oder Bücher herum. Wir hätten ein ordentliches Haus. Aber wer will schon in einer Möbelausstellung leben.

Wenn wir Dich nicht hätten, könnte ich voll arbeiten und einen Haufen Geld verdienen. Aber ich würde den Stress kaum ertragen können.

Wenn wir Dich nicht hätten, brauchten wir nur zwei kleine Autos. Und ich hätte keine Ausrede mehr, meinen geliebten Spritverschwender zu fahren.

Wenn wir Dich nicht hätten, würden wir Weltreisen statt Campingtouren machen. Doch die Welt läuft uns nicht weg. Irgendwann schauen wir sie uns gemeinsam an.

Wenn wir Dich nicht hätten, würde ich mich mit Globuli, Fußreflexzonenmassagen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten längst nicht so gut auskennen. Aber es schadet ja auch nicht, zumindest grob den Überblick zu haben.

Wenn wir Dich nicht hätten, würde ich nachts durchschlafen, statt immer mit einem halben Ohr in Richtung Kinderzimmer zu horchen. Aber ich brauche sowieso nur sechs Stunden Schlaf.

Wenn wir Dich nicht hätten, würde mir nie jemand ins Ohr flüstern: “Mama, du bist das Beste, was ich habe im Leben. Ich hab dich so lieb!” 

Wenn wir Dich nicht hätten, wäre das Leben nicht einmal halb so schön, so vielfältig, so fröhlich, so aufregend, so spannend, so lustig, so überraschend, so intensiv.

Wenn wir Dich nicht hätten, müssten wir Dich erfinden. Ohne Dich wäre alles nichts.

Alles erdenklich Liebe und Gute zu Deinem 7. Geburtstag, kleiner großer Mann. Wenn ich Dich überschütte mit Liebe, musst Du damit irgendwie fertig werden.

Gewappnet.

Freitag, 18 Januar 2008

Die Girlanden hängen. Die Luftballons sind aufgepustet. Die Luftschlangen sind in der Küche verteilt. Die Geschenke liegen auf dem Tisch. Der Geburtstagszug mit leider nur sechs Kerzen steht dahinter. Der Geburtstagskuchen ist bereit, nur die sieben Kerzen muss ich noch anbringen. Die Wunderkerzen liegen griffbereit. Es kann losgehen.

Vorhin habe ich Junior noch rasch in die Badewanne gestopft. In einem Anflug von geistiger Umnachtung habe ich ihm die Malseife gegeben. Voller Begeisterung legte er los, verzierte die ganze Badewanne mit Wellen und Blumen und Segelbooten. Kaum war ich kurz draußen, ging’s richtig zur Sache. Als ich wieder ins Bad kam, dachte ich, wir hätten einen Alien in der Badewanne. Mein Kind war ganz grün im Gesicht, knallrot am Bauch und blau an den Beinen. Zauberhaft. Blöd nur, dass die Malseife sehr intensiv färbt. Und leider geht diese Farbe nur ganz schlecht wieder ab von der Haut. Mit ganz viel Niveacreme habe ich es immerhin geschafft, das Gesicht wieder weitgehend farbfrei zu bekommen. Beim Rest habe ich es gar nicht erst versucht. Sieht ja keiner. Nur unsere Badewanne sieht noch aus, als hätte sie Windpocken. Die rote Malseife färbt offenbar ganz besonders intensiv.

Nach dem Baden haben wir noch gekuschelt. Er freut sich so auf morgen. Sieben Jahre alt wird mein Baby schon. Ich fragte ihn, was er denn ganz besonders gern mag in seinem Leben. Mein geliebtes Söhnchen schaute mich mit großen Augen an: “Dich natürlich. Du warst ja auch von Anfang an da.” Ach, er ist ein Charmeur, mein Kleiner.

Ein bisschen wehmütig werde ich, wenn ich daran denke, wie groß er schon ist. Sieben Jahre. Wahnsinn. Er war so ein Winzling. 3000 Gramm und 49 Zentimeter, nur seine Riesenrübe mit 36 Zentimetern Kopfumfang war schon beeindruckend. Seine Füße waren klitzeklein. Die Hebamme konnte es gar nicht fassen, dass ein Kind so kleine Füße haben kann. Ist das alles lange her. Er hatte gleich die Augen auf und schaute. Und als erste Amtshandlung machte er ein Häufchen auf meinen Bauch. Wir haben sehr gelacht, als wir das entdeckten. Das wird ihm bestimmt noch zur Hochzeit vorgehalten.

Geweint haben wir auch - vor Glück. Mein Mann konnte es gar nicht fassen, dass er nun Vater ist. Er sprang völlig konfus ums Bett herum, wusste gar nicht, wohin vor Freude. Und das, wo er noch Minuten vorher nur knapp einer gefährlichen Körperverletzung entgangen war. Sagt doch dieser Mann während der drittletzten (was ich ja nicht wusste) Presswehe zu mir: “Du musst in den Bauch atmen. Ganz ruhig in den Bauch atmen.” Tolle Idee. Wenn ich noch Kraft gehabt hätte, hätte ihn ein Schwinger von rechts unten umgehauen. So beschränkte ich mich auf verbale Reaktionen, über deren Inhalt ich mich lieber nicht auslassen werde. Nur soviel: Sie waren nicht fein und nicht freundlich. Dennoch waren wir Minuten später in unfassbarem Glück vereint, als wir das schönste aller Kinder in unseren Armen halten durften.

Unglaublich, wie er sich entwickelt hat. 1,23 Meter ist er jetzt groß, etwa 25 Kilo schwer, Schuhgröße 32. Die Riesenrunkel ist ihm geblieben: Hutgröße 54 würde ich mal grob schätzen. Er trägt schon im zweiten Jahr Erwachsenen-Mützen, weil die Kinder-Kopfbedeckungen nur für Mini-Rüben gemacht sind.

Wir haben das Programm für morgen abgespeckt. Erst essen wir zu dritt beim Chinesen (mein Mann kann eine Stunde später zur Arbeit fahren). Danach düse ich mit dem Geburtstagskind zur Tropfsteinhöhle und zum Mineralienshop. Von dort machen wir einen Abstecher zur Oma - Geschenke einsacken. Und auf dem Rückweg könnten wir - wenn der Knirps noch fit ist - auch noch ein Rockkonzert einsammeln. Aber das mache ich von der aktuellen Verfassung abhängig. Am Samstag gibt’s dann nochmal einen Familienausflug mit Papa, der Kleine hat sich ein besonderes Museum als Ziel auserkoren.

Wetten, dass wir morgen keinen Wecker brauchen? Ich tippe auf 6 Uhr!

Gehetzt.

Mittwoch, 16 Januar 2008

Ich fühle mich ein wenig gehetzt. Denn ich suche immer noch händeringend nach einer spektakulären Idee, wie ich den Geburtstag noch retten könnte. Immerhin: Junior habe ich es schon gebeichtet, dass Papa am Freitag nicht mitkommen kann. Der Knirps war zwar enttäuscht, meinte dann aber: “Dann machen wir Zwei eben was, wo Papa sonst immer mit einem mauligen Gesicht dabei steht.” Da fällt mir nur Schalke ein *lol* Mal gleich checken, ob am Freitag Training ist.

Mein Plan sieht im Moment noch recht dürftig aus: Mittagessen zu zweit beim Chinesen, Fahrt zur Tropfsteinhöhle und zum Mineralienshop wie geplant - danach nach Hause. Wirklich glücklich bin ich damit nicht. Aber lässt sich wohl nicht viel ändern. Ich wühle jedenfalls weiter, ob ich nicht noch was Spannenderes finde.

Geplatzt.

Montag, 14 Januar 2008

Menno, ich könnte gerade heulen. Wir hatten soviel vor am Freitag, als Überraschung zu Juniors Geburtstag. Er will ja seine Kinderparty auf Mai/Juni verschieben und dann aufm Bauernhof feiern. Und mit der Familie will er im Sommer eine Gartenparty veranstalten.Und somit hatten wir den Tag für uns am Freitag. Wir wollten ihn von der Schule abholen, beim Chinesen fürstlich speisen. Anschließend sollte es zu einer Tropfstein-Höhle gehen, mit Abstecher in einen Mineralien-Shop (er liebt Steine!). Und auf dem Rückweg wollten wir wie zufällig in einer zur Jugendherberge umfunktionierten Ritterburg einkehren, eine Führung mitmachen, schließlich auch noch dort übernachten.

Mein Mann und ich hatten Urlaub genommen. Gerade ruft mein Gemahl an. Sein Kollege ist die ganze Woche krank. Nix Urlaub. Damit ist natürlich auch das ganze Programm geplatzt. Shit  happens.

Wie bringe ich das nun meinem Kind bei, dem wir schon von einer tollen Überraschung vorgeschwärmt haben? Das Ganze auf Samstag zu verschieben, geht auch nicht, weil mein Mann abends zum 40. Geburtstag eingeladen ist.  Der Kleine wird maßlos enttäuscht sein. Es sei denn, mir fällt blitzartig noch ein spektakuläres Programm ein. Hilfe!!!!!!!!

Geklärt.

Sonntag, 13 Januar 2008

Die Sache mit der Entstehung der Welt wäre dann auch geklärt. Junior verkündete beim Abendessen zwischen zwei Bissen Fleischwurstbrot: “Dass Gott die Welt erschaffen hat, stimmt auch nicht.” Sprach’s und kaute genüsslich weiter. Und: “Die ist durch einen Urknall entstanden.” Aß weiter, als hätte er gerade übers Wetter gesprochen. Meine verwirrten Blicke quittierte er mit einem völlig coolen Gesicht.

Nachdem ich den ersten Schock verdaut hatte, fragte ich nach: “Und wie kam es zum Urknall?” Kein Problem: “Durch den Sternenstaub.” Ich gab nicht auf: “Und woher kam der Sternenstaub?” Klar: “Von den Sternen.” Aber: “Woher kamen die Sterne?” Blöde Frage: “‘Die sind durch zusammengeballte Luft entstanden.” Ha: “Und woher kam die Luft?” Er ist sicher: “Die war schon immer da.” Nach einigem Hin und Her konnten wir uns schließlich darauf einigen, dass zumindest die Luft von Gott gemacht wurde. Wenigstens den Anfang hat er gemacht.

Aber ich ahne, dass wir mit dem Thema noch nicht durch sind. Ist mir völlig schleierhaft, woher er das hat.

Geforscht.

Freitag, 11 Januar 2008

So. Jetzt wissen wir’s endlich. Junior hat’s recherchiert. Ich zitiere einen Dialog von vor fünf Minuten:

Junior: “Das wäre schön, wenn wir richtig reiche Leute wären. Dann bekäme ich für jede Hausaufgabe, die ich gemacht habe, 100 Euro.”

Ich: “Aha. Aber wir sind doch auch nicht arm. Wir haben ein Haus, genug zu essen, genug Kleidung, viele Spielsachen.”

Junior: “Ich meinte aber so richtig reich. Bei richtig reichen Leuten stehen überall auf den Tischen Berge von Schüsseln voller Münzen. Und die haben den ganzen Tag nichts anders zu tun, als die Münzen anzuschauen und sich über den Kopf zu schütten. So reich sind wir aber nicht.”

Ich: “Wer hat dir das denn erzählt?”

Junior: “Das habe ich mir überlegt, dass das so sein muss. Die können sich ja auch eine Putzfrau und eine Frau, die den Haushalt macht, leisten. Deshalb haben sie sonst nichts zu tun. Und darum sehen die sich den ganzen Tag ihr Geld an.”

Gelacht.

Freitag, 11 Januar 2008

Selten so gelacht. Da finde ich eine Promotion-Anzeige im Käseblättchen. Ich dachte, mich schlägt’s lang hin. Da grinst mich ein Trauma meiner Kindheit an. Sie. Die Gefährtin eines guten Bekannten. Boah, war die schön. Damals. So eine echte Naturschönheit. Mit wallenden, schwarzen Locken, dunklen Augen - wie gemalt. Nun ist sie auch schon fast 50. Da blättert der Lack, sieht zumindest auf dem Bild so aus. Aber noch viel überraschender finde ich, was sie heute so treibt. Sie bietet ihre Dienste als Stilberaterin beim Einkauf an. Stil! Sie! *ohnmacht*

Mit Geschmack war sie nie geschlagen. Das begann bei der Wahl ihres Gefährten - die Beziehung ist auch längst Schnee von gestern. Und es setzte sich fort bei der Wahl ihrer Klamotten - immer einen Hauch daneben. Dabei hätte sie das gar nicht nötig gehabt.

Sie hat ungefähr den IQ einer Ziege. Und war früher auch genauso zickig. Obwohl - ich sollte keine Tiere beleidigen. Ob sie’s heute noch ist, weiß ich natürlich nicht.

Nur mal ein Beispiel von vielen: Ich erzählte ihr vor vielen Jahren mal von einem Besuch im Museum Ludwig in Köln. Da gab’s eine große Warhol-Ausstellung. Ich schwärmte in den höchsten Tönen. Und sie? Sie stellte nur zwei Fragen: “Hast du dir ein Bild mitgebracht? Was kosten die denn so?” *ohnmacht*

Und genau diese Dame hat nun ein Unternehmen gegründet, dass Menschen beim Einkauf von Kleidung und Wohnungseinrichtungen berät. Genau genommen möchte sie höchstpersönlich die Menschen beraten. Ich pack’s nicht. Das wird sicher ein Riesenerfolg. Andererseits sagt ein Freund immer: “Jeden Tag wird ein Dummer geboren. Man muss ihn nur finden und abzocken.” Das wird der stilsicheren Frau sicher gelingen. Oder sollte sie etwa…?

Glückwunsch!

Donnerstag, 10 Januar 2008

Ich begrüße mit großer Freude den 20.000 Besucher meines Blogs. Ich bin beeindruckt. Und freue mich immer über Kommentare jeglicher Art.

Gewienert.

Donnerstag, 10 Januar 2008

Stell dir vor, es ist Kindergeburtstag - und du hast keinen Stress. Gibt’s nicht. Gibt’s gar nie nicht. Dachte ich bisher. Diesmal ist alles anders. Noch acht Mal schlafen. Dann wird mein innigst geliebter Sohn sieben Jahre alt. Das ist ganz eindeutig ein Grund, es so richtig krachen zu lassen. Die letzten beiden Jahre haben wir eine sensationelle Kinderparty gefeiert. Und dazu noch an einem der folgenden Wochenenden eine große Familienparty.

Diesmal hat der Herr andere Pläne. Die ursprünglich geplante Fußballparty, für die ich schon vor Monaten eine kleine Sporthalle gebucht, Deko besorgt und Spiele vorbereitet hatte, fällt flach. Junior mag nicht. Er war neulich bei einem Kindergeburtstag auf einem Bauernhof in einem klitzekleinen Dorf in der Nähe. Das hat ihm so dermaßen gut gefallen, dass er dort auch feiern will. Ich bin begeistert. Ehrlich. Kein Tornado, der unser Haus verwüstet. Keine Panik, dass die Spiele nicht gefallen könnten. Keine wochenlangen Basteleien für Dekoration und Spiele. Fällt alles flach. Puh. Nochmal Glück gehabt.

Ich habe ihn zig Mal gefragt, ob er absolut sicher ist. Er ist. Und er ist sogar bereit, seine Party dafür in den Mai oder Juni zu verschieben. Damit wir nicht bei Schneetreiben in eisiger Kälte über den Bauernhof strolchen müssen, sondern mit etwas Glück sogar einigermaßen schönes Wetter erwischen können. Man ist ja bescheiden hier im Mittelgebirge. Und den Familiengeburtstag (mit etwa 20-30 Gästen) wünscht der Herr sogar im Hochsommer zu feiern, damit wir 1. grillen und 2. im Garten feiern können. Noch besser!

Er könnte mir keinen größeren Gefallen tun. So haben wir nur wenig zu tun. Auf den Bauernhof müssen wir nur einen Kuchen mitbringen - den backt wie immer Oma, denn darin ist sie unschlagbar. Ich werde ihn bäuerlich dekorieren mit ein paar Zucker- oder Marzipantieren, mal sehen, was ich so finde. Dann geht’s ab auf den Heuboden zur Strohschlacht - und zum Strolchen übern Hof mit Treckerfahren, Küheindenstalltreiben, Eierimhühnerstallsuchen und Kühemelken. Das ist der absolute Wahnsinn für die Kinder! Danach sorgt die Bäuerin noch für Grillwürstchen und Stockbrot am offenen Lagerfeuer. Und als Mitgebsel bekommt jedes Kind sechs frisch aus den Nestern geholte Eier. Perfekt, würde ich mal sagen. Kostet auch nicht viel. Und es ist herrlich bequem für uns. Mein Mann und ich müssen nur die Kinder dorthin karren, im Stroh mittoben und die Kinder wieder heimbringen. Das ist zu bewältigen, würde ich mal sagen.

So habe ich heute - obwohl wir nur noch acht Mal schlafen müssen bis zum Geburtstag - sogar Zeit, in aller Ruhe den alten Küchenschrank zu wienern und mal wieder auf Hochglanz zu bringen. Der hatte es dringend nötig. Denn heute scheint die Sonne - und da fällt das bei dem Schmuckstück aus den fünfziger Jahren so richtig auf. Wer hätte gedacht, dass ich Anfang Janur zu so etwas komme…

Am eigentlichen Geburtstag wird Junior seine Klassenkameraden mit kleinen Tütchen Süßigkeiten beglücken. Nach Schulschluss holen wir ihn ab, düsen zu einem Chinesen, der “all you can eat” in üppigster Form anbietet. Und anschließend gehen wir - je nach Wetter - in den Zoo oder in ein Museum. Mal sehen, ob mir noch was Nettes einfällt. Vielleicht übernachten wir auf einer Ritterburg, die zur Jugendherberge umfunktioniert wurde. Aber an der Idee feile ich noch. Hab ja grad Zeit…