Gebohrt.

Von wegen. “Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt!” Pah. Wohl hat er gebohrt. An drei Zähnen sogar. Heute Morgen. Und ich hatte nicht mal meine Mutti dabei. Käm auch nicht so gut an. 42 Jahre alt und kommt mit Mutti zum Zahnarzt. Wie lange geistert dieser unselige Werbespruch eigentlich noch durch die Windungen meines krausen Hirns?

Todesmutig wankte ich heute Morgen um 8.45 Uhr in die Praxis. Sie kennen mich da schon. Galgenhumor ist das Äußerste, wozu ich dort fähig bin. Jedes Mal fragt der gute Mann mich: “Wie geht’s?” Und jedes Mal antworte ich tapfer: “Bis grade ging’s mir noch gut.” Und auch jedes Mal sagt er dann: “Ich möchte daran auch nur ungern etwas ändern.” Haha. Dabei wetzt er im Geiste schon den Bohrer.

Meine Zähne sind eine Freude für jeden Zahnarzt. Das verspricht Arbeit für mehrere Jahre. Zumindest eine Teilzeit-Zahnarzthelferin wird vermutlich allein durch meine Behandlungen finanziert. Kaum ein Zahn in meinem Mund, der nicht schon Bekanntschaft mit dem rotierenden Bohrkopf gemacht hätte. Bei einigen Trümmern hat er mir schon prophezeit: “Das ist aber diesmal das letzte Mal, dass ich da noch was retten kann.” Ein Backenzahn hat schon komplett das Zeitliche gesegnet. Eine Krone und vier Stiftzähne besitze ich schon seit Jahren. Und der Rest? Decken wir den Mantel des Schweigens darüber. Oder machen einfach den Mund zu.

Mein Zahnarzt ist gut organisiert. Terminlich jedenfalls. Wartezeiten gleich null. Unerfreulich, wenn man sich fürchtet. Und ich fürchte mich. Sehr sogar. Ich würde gern erst mal in Ruhe Angst bekommen. Mich hinsetzen und in meinem Elend suhlen. Aber nein. Ich muss gleich vom Empfang durchmarschieren ins Behandlungszimmer. Nicht schön. Da sitze ich dann mit diesem albernen Lätzchen um den Hals in diesem schrecklichen Stuhl und warte. Denn plötzlich hat sich’s was mit Tempo. Ich warte. Und warte. Und kann mir in aller Ruhe die vielen Folterinstrumente anschauen. Ich entdecke Dinge, die nicht gut für meine Psyche sind.

Wenn der Zahnarzt dann endlich auftaucht, folgt immer obiger Dialog. Könnten wir auch gleich lassen. Denn schon vor der letzten Antwort, die ich eventuell noch ablassen könnte, hat der gute Mann seine Finger an meinen Zähnen. Heute fand er drei Baustellen. Heldenhaft habe ich gefragt: “Geht das auch ohne Spritze?” Nicht minder heldenhaft antwortete er: “Ich versuch’s.” Wie jetzt? Er versucht es? Und wenn’s nicht geht? Darf ich dann um mich schlagen?

Um es kurz zu machen: Er hat es geschafft. Es war nicht schmerzfrei. Aber auszuhalten. Meine Zahnschmerzen, die mich die letzten Tage ziemlich gequält haben, sind weg. Dafür fühlen sich die Kiefergelenke an, als wären sie aus ihrer Verankerung gerutscht. Ich beschränke mich heute auf weiche Mahlzeiten. Ravioli al Pesto hab ich gestern vorgekocht. Trifft sich günstig.

Ansonsten bin ich heilfroh, dass mein Zahnarzt mich vorerst nicht wiedersehen will. Noch einen solchen Termin in den nächsten Tagen hätte ich  nicht verkraftet.


2 Kommentare zu “Gebohrt.”

  1. Schweden schreibt:

    *knuddel* *knuddel*

    Ich kann das soo gut verstehen, für mich ist der ZA-Besuch, das allerschlimmste auf der Welt!! Da mache ich lieber eine IVF!! Oder lass mir einen Shunt legen.

    Mein Mitgefühl und super tapfer, das hätte ich nie gemacht….da geht nichts ohne Spritze!! Niemals!!

    Lg
    Schweden

  2. curly6 schreibt:

    ja, ja, ja
    C.

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