Gefangen.

Wir sind bekennende Nicht-Karnevalisten. Seit Jahren. Das ist ein regionales Problem. Nicht die Narretei, sondern das bekennende Nicht-Karnevalistentum. Es ist ja nicht so, dass wir keinen Humor hätten. Oder dass wir zum Lachen in den Keller gingen. Nur so auf Bestellung - das kann der gemeine Westfale nicht ernsthaft.

Das färbt stark auf unseren Sohn ab. Die ersten Jahre konnte ich ihn noch in selbst entworfene und zumeist auch genähte, lustige Kostüme zwängen: Bärchen war er im ersten Jahr, Drache und (an einem anderen Tag) Fliegenpilz im zweiten Jahr, Leuchtturm im ersten Kindergartenjahr, danach Pirat und noch Fußballer.

Er weigert sich dieses Jahr, sich überhaupt zu verkleiden. “Ich gehe als Mensch. Das muss reichen”, verkündet er stur. Ich kann es ihm nicht verdenken. Ich musste jahrelang das Fliegenpilzkostüm, das meine Mutter mit Hingabe genäht  hatte, tragen. Sah sicher hübsch aus, war mir aber später sehr peinlich.

Trotzdem hat unserem Sohn ein Klassenkamerad einen klitzekleinen Floh ins Ohr gesetzt. “Einer aus meiner Klasse hat erzählt, zum Karnevalszug müsse ich unbedingt gehen. Da ruft man ganz laut Vanille, und dann schmeißen die mit Spielzeug und Süßigkeiten”, berichtete er aufgeregt. Vanille? Spielzeug? Süßigkeiten? Es hat einen Moment gedauert, bis der Groschen fiel. Das Kind meinte “Kamelle”.


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