Archiv für Januar, 2008

Geschenkt.

Donnerstag, 31 Januar 2008

Die nächsten Tage könnte ich mir gut ersparen. Karneval. Ein Alptraum für mich. Konnte ich als Kind schon nicht leiden. Meine Abneigung hat sich durch jahrelanges, pflichtbewusstes Besuchen von zig Veranstaltungen aus dienstlichen Gründen eher noch verstärkt. Ich erkläre hiermit mein Blog zur karnevalfreien Zone. Ein für allemal.

Mein Sohn hat sich schon solidarisch erklärt. Er geht - wie angekündigt - “als Mensch, das muss reichen”. So ist er, der kleine Individualist. Für meinen Schreibtisch hat er eine Mini-Dekoration gebastelt: eine kleine “Hexenleiter” in Lila und Pink. Die klebt jetzt am Bildschirm. Und das war’s in Sachen Frohsinn.

Für die Kollegen (allesamt männlich) habe ich in alter Tradition ein Tablett Berliner gekauft. Beim Bezahlen in der Bäckerei bin ich fast ohnmächtig geworden. Zwölf Berliner (je 4 mit Eierlikör, Latte Macchiato und normale) kosten heutzutage 12,80 Euro. Helau! Da kommt doch Freude auf. Waren diese Dinger früher nicht für 70, 80 Pfennige zu haben? Ein Grund mehr, mit Karneval nichts am Hut zu haben.

Trotzdem sind heute ab Mittag alle Läden dicht. Oder zumindest die meisten. Ich glaube, Aldi hat wenigstens noch offen *lol* . Heute Morgen hatten sie auch  noch ein paar Kostüme in der Grabbelkiste.

Schulfrei ist auch. Man stelle sich das vor: Wir leben in einer quasi karnevalfreien Region weit weg vom Rheinland. Mitten im drögen Westfalen. Und die Schule ist von heute, 9.45 Uhr, bis einschließlich Montag geschlossen. Warum? Da soll  nochmal einer über Unterrichtsausfall wegen Personalmangels maulen. Oder über die schlechte Bildung unserer Kinder.  Wenn ich lese, dass in anderen Bundesländern sogar Ferien (!) wegen Karneval sind, bekomme ich gleich Pisa-Zeichen in die Augen. Unfassbar.

Gebohrt.

Mittwoch, 30 Januar 2008

Von wegen. “Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt!” Pah. Wohl hat er gebohrt. An drei Zähnen sogar. Heute Morgen. Und ich hatte nicht mal meine Mutti dabei. Käm auch nicht so gut an. 42 Jahre alt und kommt mit Mutti zum Zahnarzt. Wie lange geistert dieser unselige Werbespruch eigentlich noch durch die Windungen meines krausen Hirns?

Todesmutig wankte ich heute Morgen um 8.45 Uhr in die Praxis. Sie kennen mich da schon. Galgenhumor ist das Äußerste, wozu ich dort fähig bin. Jedes Mal fragt der gute Mann mich: “Wie geht’s?” Und jedes Mal antworte ich tapfer: “Bis grade ging’s mir noch gut.” Und auch jedes Mal sagt er dann: “Ich möchte daran auch nur ungern etwas ändern.” Haha. Dabei wetzt er im Geiste schon den Bohrer.

Meine Zähne sind eine Freude für jeden Zahnarzt. Das verspricht Arbeit für mehrere Jahre. Zumindest eine Teilzeit-Zahnarzthelferin wird vermutlich allein durch meine Behandlungen finanziert. Kaum ein Zahn in meinem Mund, der nicht schon Bekanntschaft mit dem rotierenden Bohrkopf gemacht hätte. Bei einigen Trümmern hat er mir schon prophezeit: “Das ist aber diesmal das letzte Mal, dass ich da noch was retten kann.” Ein Backenzahn hat schon komplett das Zeitliche gesegnet. Eine Krone und vier Stiftzähne besitze ich schon seit Jahren. Und der Rest? Decken wir den Mantel des Schweigens darüber. Oder machen einfach den Mund zu.

Mein Zahnarzt ist gut organisiert. Terminlich jedenfalls. Wartezeiten gleich null. Unerfreulich, wenn man sich fürchtet. Und ich fürchte mich. Sehr sogar. Ich würde gern erst mal in Ruhe Angst bekommen. Mich hinsetzen und in meinem Elend suhlen. Aber nein. Ich muss gleich vom Empfang durchmarschieren ins Behandlungszimmer. Nicht schön. Da sitze ich dann mit diesem albernen Lätzchen um den Hals in diesem schrecklichen Stuhl und warte. Denn plötzlich hat sich’s was mit Tempo. Ich warte. Und warte. Und kann mir in aller Ruhe die vielen Folterinstrumente anschauen. Ich entdecke Dinge, die nicht gut für meine Psyche sind.

Wenn der Zahnarzt dann endlich auftaucht, folgt immer obiger Dialog. Könnten wir auch gleich lassen. Denn schon vor der letzten Antwort, die ich eventuell noch ablassen könnte, hat der gute Mann seine Finger an meinen Zähnen. Heute fand er drei Baustellen. Heldenhaft habe ich gefragt: “Geht das auch ohne Spritze?” Nicht minder heldenhaft antwortete er: “Ich versuch’s.” Wie jetzt? Er versucht es? Und wenn’s nicht geht? Darf ich dann um mich schlagen?

Um es kurz zu machen: Er hat es geschafft. Es war nicht schmerzfrei. Aber auszuhalten. Meine Zahnschmerzen, die mich die letzten Tage ziemlich gequält haben, sind weg. Dafür fühlen sich die Kiefergelenke an, als wären sie aus ihrer Verankerung gerutscht. Ich beschränke mich heute auf weiche Mahlzeiten. Ravioli al Pesto hab ich gestern vorgekocht. Trifft sich günstig.

Ansonsten bin ich heilfroh, dass mein Zahnarzt mich vorerst nicht wiedersehen will. Noch einen solchen Termin in den nächsten Tagen hätte ich  nicht verkraftet.

Geplättet.

Dienstag, 29 Januar 2008

Auto voll gepackt bis unters Dach. Tische und Stühle für Mutters Party. Die ganze Familie sitzt, angeschnallt, los geht es. Rumpelrumpelrumpel. Was ist das?!? Nein, nicht das auch noch! Reifen platt. Vorne rechts. Und zu allem Überfluss beginnt es zu regnen. Mein Liebster tut, was er sonst nie macht: Er hält die Klappe und holt kommentarlos den hydraulischen Wagenheber aus der Garage. Es hätte mir zu denken geben sollen. Er wechselt ohne zu maulen den Reifen, packt Werkzeug und Wagenheber wieder weg. So können wir doch noch losfahren. Zwar mit einem Nichtwinterreifen vorne rechts. Aber immerhin mit vier luftgefüllten Pneus.

Unterwegs doziert er klug wie immer über kaputte Reifen. Was alles dazu führen kann, dass so fürchterliche Brüche im Gummi auftreten. “Der Reifen hat ein Gedächtnis”, verkündet er. Er verzeihe nie einen Fahrfehler, der über eine hohe Kante oder einen fetten Stein führe. Auch nach Monaten noch könne dann ein Schaden auftreten. Aha. Ein Gedächtnis? Mein rechter Vorderreifen? Ne, ist klar. Ich hatte immer schon den Eindruck, dass er etwas ganz Besonderes ist, mein Reifen.

Irgendwie überkommt mich der Verdacht, dass der Reifen sich vor allem an seine letzte Fahrt am Abend zuvor erinnert. Und wer saß da wohl am Steuer? Richtig. Der Dozent. Höchstpersönlich.

Gezogen.

Montag, 28 Januar 2008

Geschafft. Milchzahn Nummer 2 ist draußen. Vom Zahnarzt persönlich entfernt. Dahinter hockte wie schon beim ersten Minizähnchen der bleibende Schneidezahn. Vorn unten links.

Junior war außerordentlich tapfer. Zumal er ja wusste, dass es weh tun würde. Das erste Mal hatte er nicht in guter Erinnerung. Und so war er heute Nachmittag außergewöhnlich still und in sich gekehrt. “Ich hab schon ein bisschen Angst”, flüsterte er, als er in dem ungeliebten Stuhl saß. Statt wie sonst in der Ecke auf einem Stuhl zu sitzen, musste ich diesmal direkt hinter ihm stehen und seine Hand halten.

Dennoch sagte er todesmutig: “Ich will keine Kinderspritze. Sonst sabbert das Eis hinterher so blöd ausm Mund.” Eis? Unser kleiner Besitzstandswahrer. Nach dem ersten gezogenen Zahn bekam er ein dickes Eis. Das macht zwar hinterher dank Lactoseintoleranz Durchfall, aber es kühlt die Wunde schön. Und es tröstet ungemein, wenn man ausnahmsweise ein richtiges Eis in der Eisdiele essen darf. Natürlich durfte er auch heute. Nur auf meine Begleitung musste er verzichten. Papa übernahm wieder - und ich wackelte betrübt zurück zum Talerverdienen.

Ansonsten wird er jetzt eine Weile Ruhe haben. Denn der Zahnarzt meinte, da sei erst mal nichts weiter im Anmarsch in Sachen bleibende Zähne. Das hat der arme Junge von mir. Es gibt ein Kommunionfoto, auf dem ich eine bemerkenswerte Zahnlücke vorn oben habe. Da war ich 9.

Gefangen.

Sonntag, 27 Januar 2008

Wir sind bekennende Nicht-Karnevalisten. Seit Jahren. Das ist ein regionales Problem. Nicht die Narretei, sondern das bekennende Nicht-Karnevalistentum. Es ist ja nicht so, dass wir keinen Humor hätten. Oder dass wir zum Lachen in den Keller gingen. Nur so auf Bestellung - das kann der gemeine Westfale nicht ernsthaft.

Das färbt stark auf unseren Sohn ab. Die ersten Jahre konnte ich ihn noch in selbst entworfene und zumeist auch genähte, lustige Kostüme zwängen: Bärchen war er im ersten Jahr, Drache und (an einem anderen Tag) Fliegenpilz im zweiten Jahr, Leuchtturm im ersten Kindergartenjahr, danach Pirat und noch Fußballer.

Er weigert sich dieses Jahr, sich überhaupt zu verkleiden. “Ich gehe als Mensch. Das muss reichen”, verkündet er stur. Ich kann es ihm nicht verdenken. Ich musste jahrelang das Fliegenpilzkostüm, das meine Mutter mit Hingabe genäht  hatte, tragen. Sah sicher hübsch aus, war mir aber später sehr peinlich.

Trotzdem hat unserem Sohn ein Klassenkamerad einen klitzekleinen Floh ins Ohr gesetzt. “Einer aus meiner Klasse hat erzählt, zum Karnevalszug müsse ich unbedingt gehen. Da ruft man ganz laut Vanille, und dann schmeißen die mit Spielzeug und Süßigkeiten”, berichtete er aufgeregt. Vanille? Spielzeug? Süßigkeiten? Es hat einen Moment gedauert, bis der Groschen fiel. Das Kind meinte “Kamelle”.

Gespickt.

Samstag, 26 Januar 2008

Alles wieder im grünen Bereich bei mir.

Habe heute mit großem Vergnügen im Blog von Tastentiger gelesen. Lohnt sich. Schon allein, weil er neben T., dessen Schreibe ich auch sehr schätze, der einzige Herr in der Runde ist, der regelmäßig schreibt. Doc Elmar, sei nicht beleidigt, aber T. und Tastentiger stecken Dich humoristisch locker in den Sack :-)

Ansonsten stehen hier die Zeichen auf Sturm. Der Geburtstag meiner Mutter naht. Sie plant nun ein größeres Ereignis. 35 Gäste waren es, als wir das Essen bestellt haben. Dann sagten 4 Gäste ab. Und noch 2. Heute sagten wieder 3 zu. Und ein Baby. Und 4, die vorher abgesagt hatten, kommen nun doch. Außerdem hat Muttern noch bei der Verwandtschaft verkündet, dass willkommen sei, wer am Geburtstag komme. Das lässt die Gästeschar ins Unschätzbare steigen. Glorreich auch ihre Idee, ihren Turnclub für den nächsten Tag zum Resteessen einzuladen. Resteessen. Für 13 Personen *ohnmacht* ! Wer plant für 13 Leute Reste ein? Das konnte ich ihr gottlob ausreden. Trotzdem: Wir werden dann doch nochmal umbestellen. Essen für 40 Leute. Dazu noch eine selbstgemachte Käseplatte größeren Ausmaßes. Mal sehen, auf welche lustigen Ideen sie sonst noch kommt. Ist ja noch über eine Woche Zeit. 

Schön auch ihre Vorstellung, wie wir die Gäste in ihrem Wohnzimmer platzieren könnten. Sie meint: “Ich hab Stühle genug.” Ich sage: “Zähl doch mal lieber durch.” Wir zählen gemeinsam. Und kommen auf 20 Stühle. Das ist schon eine ganze Menge. Aber 20 Stühle für 35 Gäste? Nun gibt’s für die 6 Kinder einen Kindertisch - dafür bringen wir Kinderstühlchen und -tischchen mit. Bleiben noch 9 fehlende Stühle. Wie ich schon ahnte, bis zu ihrem Geburtstag bin ich bekloppt geworden…

Getroffen.

Freitag, 25 Januar 2008

Es gibt gute Tage. Viele gute Tage. Tage, an denen wir unser Leben zu dritt genießen. Tage, an denen ich froh und stolz bin, so einen großen Jungen zu haben.  Tage, an denen ich mein Glück nicht fassen kann.

Und es gibt Tage wie gestern. Rabenschwarze Tage. Eine Bekannte erzählte mir, dass unsere Nachbarn an Silvester ein Kind bekommen haben. Der Frau sieht man es nicht mehr an, ob sie schwanger ist. Draußen sieht man sie ohnehin fast nie. Zuviel Arbeit, schätze ich. Das Baby ist ihr elftes Kind. Ambulant entbunden. Weil die Familie sie zu Hause braucht. Die Frau ist 37. Da kann noch was kommen. Sie sind erzkonservative Baptisten aus der ehemaligen Sowjetunion. Eins der Kinder ist in Juniors Klasse.

Dann am Nachmittag der nächste Volltreffer. Juniors bester Freund hat Windpocken. Wir bringen ihm täglich die Hausaufgaben. Gestern kam seine Mutter zur Tür. Offensichtlich schwanger. Das sechste Kind ist unterwegs. Junior reagierte zornig. “Wieso bekommen die noch ein Kind und wir schon seit sieben Jahren nicht mehr?”, heulte er wütend im Auto. Er hat ja recht. Es tut mir so weh, dass er sich so sehr ein Geschwisterchen wünscht. Und dass um uns herum offenbar alle ausgesprochen fruchtbar sind.

Gestern Abend konnte ich nicht einschlafen. Bis nach 2 Uhr war ich wach. Herzrasen, Unruhe, Zittern, Angst vor einem Herzinfarkt, Angst davor, Junior nicht aufwachsen zu sehen. Eine Panikattacke vom Feinsten. Wann hört das jemals auf? Manchmal denke ich, ich komme da nicht allein raus. Aber dann kommen wieder gute Tage. Viele gute Tage. Morgen wird es wieder besser gehen. Morgen. Oder übermorgen. Bestimmt.

Gebacken.

Mittwoch, 23 Januar 2008

Wir lieben Glückskekse. Sie sind so herrlich unverbindlich. In Teig gefasste Weisheiten. Immer wieder überraschend. Und manchmal überraschend passend. Neulich gab’s welche bei Aldi. Sagt Junior: “Mama, du musst wieder deine Palette Glückskekse holen!” Palette ist jetzt ein wenig übertrieben. Aber so 12 Pakete kaufen wir alle Jahre wieder. So oft gibt’s die Teile schließlich nicht.

Heute hat Junior jedem Familienmitglied zwei Glückskekse zugeteilt. Mein erster Versuch traf den Nagel auf den Kopf: “Ihr Heim ist ein erfreulicher Ort, der Ihnen viel Freude bereitet.” Ja, genau. Das ist wirklich wahr. Ich liebe unser Zuhause. Wir fühlen uns ausgesprochen wohl darin. Und auch drumherum.

Der zweite Glückskeks gab eine hervorragende Anregung für den heutigen Abend: “Mit viel Phantasie können Sie Ihrem Liebesleben Glanzlichter aufsetzen.” Leider wussten die Leute bei Aldi nicht, dass mein Mann diese Woche Frühschicht hat und um 4.30 Uhr zur Arbeit muss. Heute Abend war er erst beim Training - danach warf er sich ohne größere Umwege in Morpheus’ Arme. Nichts war’s mit Glanzlichtern. Aber es steht ja auch nicht da, dass es die heute geben muss. Ich werde den Zettel mal aufheben. Quasi als Gedächtnisstütze.

Gewählt.

Dienstag, 22 Januar 2008

Das neue Layout habe ich mir jetzt einen halben Tag lang angeschaut. Und ich find’s gewöhnungsbedürftig. Ich möchte mich aber nicht umgewöhnen. Also gibt’s jetzt wieder die alte Version. Die ist mir irgendwie ans Herz gewachsen.

Da bin ich nun erzkonservativ. Und mit diesem Schnörkelkram habe ich nichts am Hut.

Gebastelt.

Dienstag, 22 Januar 2008

Ich bastele ein wenig vor mich hin. Irgendwie könnte mein Blog ein neues Gewand gebrauchen. Ich habe gestöbert und ausprobiert, was so möglich ist. Die Auswahl ist, sagen wir mal, begrenzt. Vor allem, wenn man eher so der gradlinige, schnörkellose Typ ist. Ich hasse nichts mehr als ein optisches Durcheinander in einem Blog. Schade, denn das Zeitungs-Layout wäre sonst passend gewesen. Aber dadurch, dass so viele Texte mit einem längeren Absatz angerissen werden, wirkt die Seite sehr unruhig. Nichts für mich. Am besten gefällt mir im Moment die Form, die ich jetzt gerade gewählt habe.

Jetzt ist Eure Meinung gefragt. Wie findet Ihr das? Kann’s so bleiben? Oder doch wieder das Alte?

Einen Nachteil habe ich gerade schon entdeckt: Es wird der Zeitpunkt der Veröffentlichung genau angezeigt - nur leider eine Stunde später als in Wirklichkeit. Sehr merkwürdig.