Archiv für Dezember, 2007

Gefaulenzt.

Mittwoch, 12 Dezember 2007

Hmm, was für ein genüsslicher, kleiner, fauler Tag. Heute Morgen hatte ich keine Lust, Einkaufen zu fahren. Mache ich morgen gleich um 8. Kochen musste ich nicht, nur den adligen Rest aufwärmen. Junior ab 8 Uhr in der Schule, Mann zur Frühschicht. Ich habe gemütlich einen schwarzen Tee mit Karamell-Aroma getrunken, Tageszeitung und Spiegel ausführlich gelesen, ein wenig aufgeräumt, herumgekramt. Ich wollte bügeln, hatte aber dann doch keine Lust. Junior hatte nur 3 Stunden, war um 11 Uhr schon wieder daheim. Wir haben zusammen gegessen. Er hat schnell Hausaufgaben gemacht.

Danach haben wir gemeinsam gebastelt. Er hat für sämtliche Großeltern und die Tagesmutter Weihnachtsbäume gemalt mit Wasserfarben. Und dann hat er aus Glitzerfolie Christbaumkugeln und Sterne ausgeschnitten und aufgeklebt. Sieht sehr schön aus. Und hat riesig Spaß gemacht.

Heute Nachmittag war Weihnachtsfeier in der Ganztagsbetreuung. Nett. Viele Leute getroffen. Eine Waffel gegessen. Nach dem Abendessen haben wir “Phase 10″ ausprobiert. Spannend. Könnte sein, dass das unser neues Lieblingsspiel wird.

Jetzt liegt Junior im Bett. Mein Mann ist zum Schwimmtraining gedüst. Und ich mach’s mir vorm Specksteinofen gemütlich. Mit einem schönen Krimi.

Morgen muss ich eine Menge aufholen, nachholen - aber egal. Der kleine faule Tag heute gehört mir :-)

Gefeiert.

Dienstag, 11 Dezember 2007

Die erste Adventsfeier in der Grundschule. Seit Tagen schon wurde eifrig auswendig gelernt. Gestern war der große Tag. Erst Kaffee-/Tee-Trinken und Plätzchenfuttern in der Klasse. Schön gemütlich bei Kerzenschein. Die Kinder hatten eifrig gebastelt und die ganze Klasse niedlich dekoriert. Junior war selig, sein neuer Freund mit seiner Familie saß mit an unserem Tisch. Die Gästeschar war bunt gemischt. Sogar die muslimischen Familien waren vollzählig vertreten. Nur die russischen Baptisten - die sind hier extrem konservativ - und ein paar andere Eltern nahmen nicht teil. Eine Mutter (russisch, aber nicht baptistisch) hielt es für nötig, ihr Oberweite nahezu freiliegend zur Schau zu stellen. Eltern, Lehrerin und Kinder gaben sich redlich Mühe, die Möpse tapfer zu übersehen. Aber nun. Nicht jeder ist mit Takt und Geschmack gesegnet.

Fast alle hatten Selbstgebackenes und Kaffee oder Tee dabei. Die Kinder haben reihum getauscht und gefuttert. Junior regte an, doch gleich zu Beginn mal ein Lied zu singen. Taten wir dann auch. “Wir sagen euch an, den lieben Advent”. Hab ich das lange nicht gesungen. Dann sollte jede Familie eine Sternenkette basteln. Ich hatte sowas schon befürchtet. Aber es war zu bewältigen - selbst für mich als bekennende Bastelniete. Wir haben Teamwork gemacht: Junior hat die Schablone aufs Goldpapier übertragen, ich hab’s ausgeschnitten, mein Mann hat jeweils zwei gleiche Sterne aufeinander auf die Schnur geklebt. Alle Sternenketten werden heute in der Klasse aufgehängt. Sieht bestimmt schön aus.

Dann haben die Kinder einen Lichtertanz vorgeführt, Gedichte aufgesagt. Eine der Hauptrollen hatte sich ohne Absage nicht blicken lassen. Die Lehrerin flüsterte Junior zu: “Dann machst du das jetzt mal!” Ohne Probe. Kein Problem. Und wir saßen selig auf unserem Platz und strahlten bis hinter die Ohren. Inbrünstig haben wir dann noch weitere Weihnachtslieder gesungen. Kommentar der Lehrerin: “Man merkt, dass in der Klasse deutlich mehr Jungen als Mädchen sind - die singen wie auf dem Fußballplatz.” Wir haben sehr gelacht. Denn sie hatte recht. Die Adventslieder wurden recht eigentümlich interpretiert.

Wie schade, dass sich 11 von 26 Eltern diese schönen zwei Stunden entgehen ließen. Schade vor allem für die Kinder. Wir haben’s jedenfalls genossen. Und sind mal wieder mächtig stolz auf unseren kleinen Großen.

Gerührt.

Montag, 10 Dezember 2007

Ich habe mein Weihnachtsgeschenk schon. Bekommen heute Nacht um 2.35 Uhr. Junior wachte auf, hatte schlecht geträumt. Er krabbelte selig in mein Bett. Kuschelte sich ganz eng an mich. Und dann streichelte er meine Wange und sagte: “Mama, du bist das Beste, was ich habe im Leben. Wenn ich mal groß bin, möchte ich auch so zu meinen Kindern sein wie du zu mir.”

Gibt es ein größeres Glück? Nie zuvor bekam ich ein schöneres Kompliment. Gut, dass das Licht aus war. So konnte mein kleiner Sonnenschein die Tränen der Rührung nicht sehen, die mir über die Wangen liefen. Mit allem Geld dieser Welt kann man diesen Moment nicht aufwiegen. Kein beruflicher Erfolg, kein Wohlstand, kein noch so großes Geschenk - nichts, aber auch rein gar nichts ist es wert, sich so ein überwältigendes Gefühl entgehen zu lassen.

Wenn ich eines im Leben richtig gemacht habe, dann dieses: Ich habe mein Kind überschüttet mit Liebe, Wärme und Zärtlichkeit. Auch wenn ich oft eine Überglucke bin, zu vorsichtig, zu zaghaft, zu ängstlich - ich würde und werde es wieder tun. Immer und immer wieder. Und ich bin dem lieben Gott von morgens bis abends und von abends bis morgens dankbar, dass er uns dieses wunderbare Geschöpf geschenkt hat. Und während ich dies schreibe, weine ich schon wieder vor Glück und unendlicher Dankbarkeit.

Gewarnt.

Samstag, 8 Dezember 2007

Morgen kommt der Nikolaus. Ja. Er ist spät dran. Aber am Donnerstag mussten sämtliche Eltern und der Nikolaus arbeiten. Also haben wir uns für morgen Abend verabredet. Vier Familien mit insgesamt 6 Kindern im Alter von 3 bis 7 Jahren. Allesamt aufgeregt.

Zum fünften Mal findet diese kleine, private Nikolaufeier statt. Und zum fünften Mal wirft sich mein Kollege in das Kostüm. Er macht das immer ausgesprochen souverän, geradezu genial. Er mag den Job - und die Kinder verehren ihn. Junior ist der einzige kleine Gast, der ihn vom Sehen kennen könnte. Aber bisher hat er’s vor lauter Ehrfurcht nicht bemerkt. In seinem Buch findet der Nikolaus neben einer kleinen Geschichte immer einen Zettel mit Informationen über jedes Kind. Und im großen Sack gibt’s für jedes Kind ein kleines Geschenk.

Im ersten Jahr, da war Junior 1 Jahr und 11 Monate alt, fand’s bei uns statt. Der Nikolaus kam über die Terrasse und klopfte an die Tür. Junior brüllte wie am Spieß: “Nein! Nich heintommen!” Er wiederholte es wieder und wieder. Keine Ahnung, um was es in der Geschichte ging, die er vorlas. Ich habe nur Juniors Gebrüll im Ohr. Doch dann sah er, was im Sack lag. Die ersten Kinder bekamen erst ihren Zettel vorgelesen und dann das Geschenk überreicht. Junior verstummte. Und auf meinem Arm traute er sich aus der hintersten Ecke weit nach vorn bis direkt vor den Nikolaus. Ich würde jetzt nicht sagen, dass er ihn angelacht hat, aber er hat zumindest tapfer geschaut. Das Geschenk fand er klasse.

Zwei Wochen später gingen wir zu einer größeren Weihnachtsfeier. Auch dort gab’s einen Nikolaus, der einer großen Kinderschar eine Geschichte vortrug. Und wer wühlte sich durch die Kinderreihen bis direkt vor den Heiligen Mann? Richtig. Unser kleiner Held. Stand davor, unterbrach den Nikolaus mitten in der Geschichte und sagte laut und vernehmlich: “Is mösste mein Dedenk!” Der Brüller war legendär.

Dieses Jahr wird’s haarig. Die Zweifelphase hat begonnen. Heute war er bei einer Vereins-Nikolausfeier für Kinder. Grad sagte er: “Papa, verrat mir mal, wer sich da als Nikolaus verkleidet hatte.” Mein Mann hat alles abgestritten. Entgegnete der Kleine: “Der trug eine Uhr. Im Himmel braucht man keine Uhr. Außerdem ist überall auf der Welt eine andere Uhrzeit. Da müsste er ja ganz viele Uhren haben.”

Ich habe spontan den morgigen Darsteller schriftlich per E-Mail vorgewarnt. Sicher ist sicher. Nicht dass er auch mit Uhr auftaucht…

Genadelt.

Samstag, 8 Dezember 2007

Nichts ist mehr, wie es mal war. Also wie früher. Selbst die Tannenäste taugen nichts mehr. Morgen ist der zweite Advent - und unsere Adventsästchen, die ich raffiniert auf einem länglichen Glasteller drapiert und mit vier Kerzen und sparsamem Glitzertand versehen habe, werfen ihre Nadeln schon ab. Genau genommen, sind kaum noch Nadeln dran, die meisten liegen auf dem Tisch oder auf dem Grund des Glastellers. Unerfreulich. Zumal es gar keinen Grund dafür gibt. Der Ofen war die ganze Woche nicht an, also kann es den Nädelchen auch nicht zu warm geworden sein.

Die Äste waren frisch gepflückt. Weiß ich deshalb so genau, weil ich mit Junior höchstpersönlich in den Wald gefahren bin, um sie dortselbst mit Juniors putzigem Taschenmesser abzusäbeln. Das mag man jetzt als gemeinen Diebstahl auslegen. Kann man machen, muss man aber nicht. Wir haben nur vier kleine Ästchen abgeschnitten. Und da, wo die wuchsen, waren die Tannen schon sehr, sehr hoch. Als Weihnachtsbäume taugten die schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Ästchen haben wir von einem herunter hängenden Ast genommen.

Wir hätten doch ein paar Kröten investieren sollen. Nun rächt sich Mutter Natur. Nicht mal 2. Advent - und wir haben einen kahlen Adventschmuck. Ich Deko- und Bastelniete kann gleich nochmal in den Wald hasten, um Nachschub zu besorgen. Wenigstens regnet und stürmt es nicht mehr. Man muss ja auch für Kleinigkeiten dankbar sein.

Gequält.

Donnerstag, 6 Dezember 2007

Eine schöne Überraschung zu Nikolaus. Eine Bescherung schon fast. Mein Liebster hatte sich auf einen neuen Job beworben. Wir waren uns einig: Die Stelle passt haargenau zu ihm. Und er zu der Stelle. Wir haben gemeinsam Pläne geschmiedet. Denn wir hätten massig mehr Zeit und auch spürbar mehr Geld gehabt. Wenn es geklappt hätte. Der Job wäre in seinem erlernten/erstudierten Beruf gewesen. Schließlich sollte sich der Hochschulabschluss ja mal bezahlt machen. Jetzt arbeitet er auch in dem Beruf, aber in einem Unternehmen, das lausig bezahlt und noch dazu endlos Überstunden verlangt.

Es wäre alles anders geworden: Bezahlung nach Tarif. Täglich zwei Stunden weniger An- und Abreise. Täglich eineinhalb Stunden weniger Arbeit. Drei-Schicht-Betrieb zu erträglichen Zeiten. Er wäre nicht täglich 12 Stunden unterwegs gewesen, sondern nur noch maximal achteinhalb. Er wäre nicht mehr ständig übermüdet, genervt, überarbeitet. Er hätte soooo viel mehr Zeit für und mit uns. Ach, wäre das schön.

Hätte. Wäre. Könnte. Ist aber nicht. Heute lag die Absage im Briefkasten. “Nicht jede gleichwertige Bewerbung kann erfolgreich sein.” Das übliche Geschwätz. Mein Liebster ist am Boden zerstört. Er tut mir so leid. Die Tretmühle geht weiter.

Geschrieben.

Sonntag, 2 Dezember 2007

Der  Wunschzettel ist fertig. Traditionsgemäß wird er am Abend des ersten Adventssonntags an die Terrassentür gelegt, damit das Christkind ihn abholen kann. Junior hat wie gewohnt seine Wünsche aus diversen Katalogen ausgeschnitten und kommentarlos auf einen großen Zettel geklebt: Carrerabahn, ein Set zum Kristallezüchten, ein Ausgrabungsset für Kristalle, eine Steinschleifmaschine, den Playmobilvulkan und ein Buch über Fossilien. Mein diskreter Hinweis, dass das Christkind ja nun weiß, dass er schreiben kann, und somit erwartet, dass er seine Wünsche aufschreibt, statt sie nur aufzukleben, stieß zunächst auf ungläubiges Entsetzen. Soviel sollte er aufschreiben?

Dann griff er doch zum Bleistift und schrieb: “Alles findes du auf dem Zetel, liebes Kriskind. Dein Junior.” Seinen Kurzbrief legte er auf das Blatt mit den ausgeschnittenen Katalogangeboten. Dazu den üblichen Teller mit Spekulatius und das Glas Milch.

Gewusst wie. Man darf ruhig faul sein, wenn man wenigstens gewitzt ist *lol*

Die Post ans Christkind ist bereits im Ofen gelandet. Der Rest mehr oder weniger in uns. Wir kauen noch. Und an die magischen Krümel, die auf dem Teller liegen bleiben müssen, haben wir auch  noch gedacht.