Gewundert.
Ach, war das schön. Heiligabend in trauter Dreisamkeit. Erst ein leider freudloser Kindergottesdienst mit Krippenspiel. Können die Menschen eigentlich keine Weihnachtslieder mehr singen? Wir waren fast die einzigen textsicheren Menschen in der Kirche. Da hab ich mich schon sehr gewundert.
Auf Wunsch eines einzelnen Herrn gab’s Spaghetti mit Garnelen an mediterranem Sößchen. In zehn Minuten gekocht, noch schneller vertilgt. Als das Glöckchen bimmelte, stellte Junior einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die Strecke vom Esstisch ins Wohnzimmer auf. Er hatte natürlich - wie jedes Jahr - schon den ganzen Tag vor der Wohnzimmertür verbracht. Durchs Schlüsselloch gelinst, unter der Tür hergelinst, durch die Terrassentür gespäht. Aber ganz vorsichtig - damit ihn das Christkind nicht sehen konnte. Am Ende hätte es vor Zorn, entdeckt worden zu sein, die ganzen Pakete wieder mitgenommen!
Er strahlte übers ganze Gesicht, als er die vielen Päckchen sah. “Ein goldenes Päckchen!” jubelte er. Welch ein Glück, dass es im Baumarkt goldenes Geschenkpapier gab. Das hat er natürlich zuerst ausgepackt, ganz vorsichtig, damit er bloß das Papier aufheben konnte. “Das ist bestimmt aus Sternenstaub gemacht”, vermutete er mit glänzenden Augen.
Die anderen Pakete wurden ritschratsch aufgerissen. Und dann ging’s rund. Buchstäblich. Buch, Mathe-Rätsel-Heft, “Happy-feet”-DVD und Co. blieben erst mal liegen. Deren große Zeit kommt noch. Ebenso die Steinschleifmaschine, da konnten wir ihn überzeugen, dass man sich dafür mal viel Zeit nehmen müsse. Erst mal ging’s ans Karaoke-Set. Irgendwie hatte ich den Eindruck, sämtliche restlichen Geschenke hätten wir uns sparen können. Nur das Mikrofon hätte gereicht. So war er schon immer - sieht er irgendwo ein Mikro, ist der Junge nicht mehr zu halten. So haben wir erst “New York” von Sinatra gemeinsam gegröhlt. Mehr Lieder gab’s zunächst leider nicht, denn die Fernbedienung des DVD-Players gab den Geist auf, somit konnten wir immer nur das erste Lied auf der Karaoke-CD spielen. Sehr spaßig.
Dann ging’s wirklich rund. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Profi-Carrera-Bahn war ratzfatz aufgebaut, mit Looping und ein paar Zusatzteilen. Nach geschätzten 137 Runden, die Junior abwechselnd mit mir oder meinem Gemahl voller Begeisterung absolvierte, waren wir schon ganz ermattet. Für mehrere Runden “Ubongo” reichte es dann aber doch noch. Herrlich, das Spiel!
Mir hat meine gesamte Familie lauter zauberhafte Überraschungen bereitet. Gewundert habe ich mich allerdings - und gefreut schon auch. Ich scheine allerdings in letzter Zeit arg gestunken zu haben. Denn ich habe 4 große Flaschen Duschgel, 2 Badebomben (welch ein martialisches Wort für etwas so genüssliches), 2 Packungen Badesterne und 1 Packung Badekaviar bekommen. Das hätten sie mir doch auch früher sagen können…
Jedenfalls gehe ich jetzt baden. Und ich weiß auch schon, wer garantiert wie ein geölter Blitz mit ins Wasser hopst, weil er sooo neugierig auf die Badebombe ist.
Nachtrag: Die Bombe war mehr eine Art Brause. Eigentlich sollte sie sprudeln. Aber, O-Ton Junior, “davon konnte ja nun gar nicht die Rede sein”. Recht hat er. Es blubberte ein wenig, eben wie Brause. Aber schöne weiche Haut hat’s gemacht. Und herrlich entspannend war’s.