Gespannt.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.  Meine Familie macht nie einen Ausflug ohne Proviant. Niemals. Da sind wir eigen. Und wenn’s nicht regelmäßig was zu kauen gibt, wird gezankt. Will ich nicht. Also wird vorgesorgt. Der Kuchen ist gebacken, bekommt gleich noch seine Schokoglasur. Die Bonbons sind gekauft. Die Getränke für unterwegs auch. Die Servietten liegen bereit. Die Fahne ist repariert, hat einen neuen Holzstiel bekommen. Die Pudelmütze, der Schal, das Stirnband und die beiden Kappen sind ebenso auf dem Stapel gelandet. Drei Taschenwärmer zum Knicken in Fußballform habe ich herausgekramt. Drei Sitzkissen von Ikea liegen auf der Spüle, die sind vom Garteneinsatz noch so schmutzig, die muss ich erst noch abschrubben. Der Rucksack steht in der Ecke. Die drei Handgelenkbänder mit Vereinsaufdruck habe ich Junior aus seiner Geheimschublade gemopst. Auch sein Mitgliedsausweis ist schon eingepackt.

Wir werden uns extrem warm einpacken müssen. Denn es wird - da sind sich die Wetterfrösche einig - rattenkalt morgen. Noch kälter als heute. Strumpfhose, lange Unterhose, Fleecepulli, darüber die jeweils dickste, längste Jacke, Handschuhe, Mütze, Ohrenwärmer, Schal - wir werden das ganz große Programm auffahren.

Wofür? Wir fahren morgen “auf Schalke”. Zum ersten Mal mit Mann und Maus. Ich war als Kind ganz oft dort. Mit meinem Papa. Da hieß die Veltins-Arena noch Parkstadion, war viel kleiner und niemand dachte an einen herausgleitenden Rasen. Da kostete die Schülerkarte für die Nordkurve, Block 5, da, wo die ganz Harten stehen, gerade mal fünf Mark. Morgen sind wir mit 18 Euro pro Nase dabei. Immerhin für drei Sitzplätze. Plus 10 Euro pro Nase für die Busfahrt. Was aber wiederum praktisch ist, müssen wir nicht selbst ins Getümmel, keinen Parkplatz suchen und bezahlen.

Wir marschieren brav zur Bushaltestelle beim nächstgelegenen Bierverleger und klettern in den Fanclub-Bus. Der hält nämlich dort, weil der Fanclub erst mal Getränke einladen will. Sagte mir der Vorsitzende, der uns ohne Busfahrt keine seiner kostbaren Dauerkarten für dieses Spiel überlassen hätte. Ich hoffe mal, die Bushaltestelle ist nicht Programm - denn mit einer Horde saufender Bratzen möchte ich nicht mehrere Stunden im Bus verbringen. Aber der Fanclub-Chef hat mir hoch und heilig versprochen, dass sich das in Grenzen hält und man auch mit Kind getrost mitfahren kann.

Schalke gegen Nürnberg. Das ist sowas wie ein Freundschaftsspiel. Denn die Fans beider Mannschaften sind seit Menschengedenken gut befreundet. Da hoffe ich mal auf ein friedliches Fußballfest. Aber bei aller Freundschaft hoffen wir natürlich inständig, dass die Schalker mindestens 3 Tore schießen und ordentlich gewinnen.

Gleich hissen Junior und ich noch die riesige Schalke-Fahne im Garten. Die Nachbarn werden uns für völlig verrückt halten. Macht aber nichts. Das ist bestimmt bloß Neid. Denn die dürfen morgen nicht mitfahren.


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