Gehört.
Ich werde mir eine neu CD zulegen. Sie sozusagen weglegen. In sechs, sieben Jahren werde ich sie hervorkramen. Und dann werde ich sie täglich anhören. Immer und immer wieder.
Die neue CD von den Ärzten. Ich mag die Ärzte. Hab sie vor 20 Jahren mal live gesehen. War witzig. Aber diese Lied, das ich derzeit im Radio ständig höre, ist der Hammer. “Junge” heißt es, glaube ich. Da kommen so nette Zeilen vor wie “Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose und ständig dieser Lärm!”
Das erinnert mich fatal an meine eigene Pubertät. Ich war ein grauenvolles, heranwachsendes Kind. Ich habe nichts ausgelassen. Rebellisch bis zum Letzten. Alles musste kurz und klein diskutiert werden. Ich hatte lila Haare, mal ganz lang, urplötzlich raspelkurz. Meine Klamotten waren - sagen wir’s mal diplomatisch - stets ungewöhnlich. Mit Mode hatte ich nichts am Hut. Je schräger, desto besser. Immerhin habe ich festgestellt, dass Drogen und Alkohol nichts für mich sind. Glück gehabt. Ich hatte mit 18 sofort ein Auto, musste ja als Schülerin/Studentin und Freiberuflerin nebenher mobil sein. Da ich auf dem hinterletzten Dorf wohnte, musste ich immer fahren. Nie fuhr jemand bis dorthin. Das prägt. Wir sind nächtelang um die Häuser gezogen - weit weg im Rheinland oder Ruhrgebiet. Meine Mutter saß immer voller Sorge in der Küche, bis ich heimkam. Ich habe sie in solchen Nächten aus ganzem Herzen gehasst. Heute weiß ich, warum sie dort saß.
Ich hatte Freunde, die aussahen wie langhaarige Bombenleger. Bevorzugt Rockmusiker. Ich hatte wechselnde männliche Begleitungen. Meine Mutter maulte irgendwann entnervt: “Jetzt hast du schon alles angeschleppt - nur ein Farbiger fehlt uns noch.” Dachte sie.
Wenn mein Sohn, der heute sechs Jahre alt ist, mit 14 genauso eine Bratze wird, wie ich eine war, dann können wir uns ganz warm anziehen. Wenn er dieses Schild “Wegen Umbau geschlossen” auf seiner Stirn trägt, geht’s hier rund. Okay. Der Spruch mit dem Schild ist geklaut. Aber er ist genial. Und so treffend.
In dieser Zeit werde ich mir immer wieder dieses Lied anhören - damit ich nicht so werde, wie diese Eltern, die die Ärzte besingen. Ich werde es oft hören müssen. Da bin ich mir sicher.
Samstag, 15 Dezember 2007 at 11:19
Viel Spass damit
ich hab es 2x hinter mir, einmal mittendrin und einmal rutscht langsam in die Richtung
und alles was mich aufrecht hält ist die Tatsache das ich mich immer noch erinnere wie ich damals war 

Und von daher geb ich die Hoffnung nie auf….. geniesse noch schön diese Kinderzeit, denn lange wird es nicht mehr dauern, die Kids sind alle viel schneller als wir damals