Archiv für September, 2007

Angemault.

Montag, 17 September 2007

So. Der Kreiskassenknilch ist jetzt so klein mit Hut! Er wollte mir allen Ernstes erklären, dass keinerlei Gebühren oder Portokosten oder was auch immer berechnet worden seien. Ich habe ihn dann gefragt, wie man bei einer Monatsgebühr von 20 Euro dann auf 373 Euro komme? Betretenes Schweigen. Meinen freundlichen Hinweis, dass ich durchaus in der Lage sei, so einfache Zahlen zu addieren, zumal ich Mathe-Leistungskurs im Abitur hatte, quittierte er mit einem verlegenen Kichern. Etwas lahm versuchte er sich mit Geschwister-Nachlässen oder sonstigen Rabatten heraus zu reden. Aber da war er bei mir grad richtig. Hab ihm gleich noch um die Ohren gehauen, dass wir leider nur ein Kind haben, was uns auch sehr leid tut. Ich hörte förmlich, wie er einen roten Kopf bekam. Danach kam auch keinerlei Rechtfertigungsversuch mehr von ihm.

Nachdrücklich habe ich ihm noch einmal deutlich gemacht, dass ich nicht bereit bin, das so hinzunehmen, habe eine detaillierte und korrigierte Abrechnung verlangt. Er hat hoch und heilig versprochen, dafür zu sorgen, dass wir die bekommen. Die Einzugsermächtigung habe ich gestoppt.

Leider konnte ich nicht ausfallend  werden. Er hat mich am Freitag bei der Arbeit zurückgerufen. Da kann ich’s mir leider nicht erlauben, unflätige Worte von mir zu geben. Aber so habe ich es ihm zuckersüß gegeben. Er wird nicht mal sauer sein. Aber er schämt sich. Immerhin. Phhh, das Loch im Kreishaushalt soll wer anders stopfen. Ich jedenfalls nicht!

Vorfreude.

Sonntag, 16 September 2007

Ach, ich beginne, mich innerlich auseinander zu falten. Drei Wochen ohne Arbeit. Am Freitag gibt’s Herbstferien. Die ersten Schulferien von Junior. Wir haben eine Woche Wohnwagenurlaub am Bodensee vor uns - und noch vier Tage Faulsein bei meiner lieben Patentante. Vielleicht treffen wir auch noch einige Forum-Mitglieder in dieser Zeit. Mal sehen.

Drei Wochen ohne Arbeit. Ich freu mich wie ein Schnitzel! Zwei Wochen davon ohne Wecker! Wer mich vor 8 Uhr weckt, bekommt das Monster in mir zu spüren. Ich hasse es, um 6.30 Uhr aufzustehen. Niemals werde ich mich daran gewöhnen. Schon als ich noch zur Schule ging, hatte ich damit erhebliche Probleme. Die ersten beiden Schulstunden waren für mich vergebliche Liebesmühe. Da war ich nicht zurechnungsfähig. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

An das, was mir nach den Ferien bevorsteht, möchte ich lieber nicht denken. Ich sag nur: Karpaltunnelsyndrom…

Angefressen.

Freitag, 14 September 2007

Ich bin angefressen. Das ist fast noch untertrieben. Ich bin stinksauer. Auf die Musikschule. Urplötzlich ist denen aufgefallen, dassmit dem Einzug der Gebühren nicht geklappt hat. Über 370 Euro sollen wir nachzahlen.

Der Knilch bei der Kreiskasse behauptete erst mal keck, mit dem Konto stimme etwas nicht. Gar nicht wahr. Dann gab er zu, dass der Fehler bei ihm lag. Angeblich haben sie eine neue Software bekommen. Und ausgerechnet bei uns ist ihnen die falsche Kontonummer reingerutscht. Aber ist schon klar, erst mal stimmt mit meinem Konto was nicht.

Auf die Idee, dass er sich für das Versehen entschuldigen sollte, ist er gar nicht gekommen, der Kreiskassenknilch. Blöd nur, dass wir nicht mal was gegen die Abbuchung diesen Monat tun können. Junior war ja schon in der Musikschule. Musikalische Früherziehung. Die Lehrerin war oft krank, zahlen mussten wir trotzdem. Spaß gemacht hat’s dem Kleinen auch nicht. Sie mussten viel ausmalen, das kann er nicht leiden. Und nun auch noch das. Mein armes, gebeuteltes Konto :-(

Nachtrag: Boah, das hab ich ja erst jetzt entdeckt. Dieser Kreiskassenknilch hat uns doch tatsächlich Portokosten für die Mahnung und Mahngebühren für jeden einzelnen Monat aufgebrummt. Na, der kann am Montag was erleben! Erst verbaseln sie unsere richtige Kontonummer, dann verlangen sie 370 Euro nochwas auf einen Schlag - und zu guter Letzt sollen wir auch noch Mahngebühren für deren Schusseligkeit latzen. Pah. Der wird mich kennenlernen!

Verhökert.

Montag, 10 September 2007

3, 2, 1 - Deins. Meine ersten eigenen Verkäufe bei einem bekannten Internet-Auktionshaus. Kinderklamotten. Berge davon horten wir im Keller. Sorgfältig gewaschen, gebügelt, gereinigt oder sonstwie vorzeigbar gestaltet. Alle mit Etikett - denn wir waren schon diverse Male auf Trödelmärkten. Gelernt habe ich dort eins: Gekauft wird nur, was billig ist. Markenware für mehr als 4 Euro? Die reinsten Ladenhüter.
 „Stell’s doch mal bei Ebay ‘rein”, riet man mir. 26 Teile habe ich angeboten - vom Wickelbody in Größe 56 (wie neu) bis zu Winterstiefeln in Größe 30 (im Februar gekauft, weil die alten zu klein waren), vom hellblauen Oberhemd mit passendem Bärchen-Pullunder bis zur Regenjacke in Größe 116 (selten getragen, weil Junior den Elefanten hinten drauf hasste). Alles ohne Flecken, ohne Löcher, aus Nichtraucherhaushalt.
 Sonntag liefen die Auktionen aus. Was soll ich sagen? Mein lieber Schwan. Ein Beispiel: Der Polyester-Trainingsanzug in Deutschland-Farben - 2006 nach der Fußball-WM runtergesetzt für 10 Euro erstanden - ging für 18,49 Euro plus Porto weg. Noch Fragen?

Betrogen.

Samstag, 8 September 2007

Das erste Mal in diesem Herbst haben wir den Specksteinofen in Betrieb. Bedarf es noch mehr der Worte?

Ich fühle mich betrogen. Betrogen um einen Sommer. Betrogen um viele, viele Sonnenstunden. Betrogen um laue Abende auf der Terrasse. Betrogen um Grillpartys. Betrogen um fröhliches Toben im und ums Planschbecken.

Garstiges Wetter. Es nieselt den ganzen Tag schon vor sich hin. Es ist lausig kalt. Junior ist am See ein Missgeschick passiert. Es war nicht so direkt AM See, fast schon IM See. Schuhe, Socken, Hose, Beine - alles nass. Den habe ich zu Hause gleich in die heiße Wanne gepackt. Und dann noch von innen mit einem warmen Kakao aufgeheizt. Nun liegt er in eine warme Decke gekuschelt vorm Ofen und schaut mit ein wenig müden Äugelchen das Fußballländerspiel an. Hat ja auch was. Aber Sommer wär schöner.

Mitleid gefragt.

Donnerstag, 6 September 2007

Ich bin ein Hasenfuß. Tief in meinem kleinen Herzen bin ich ein Feigling, ein Weichei. Ich dusche auch warm. Immer. Und wenn’s kein warmes Wasser gibt, dusche ich nicht. Ich erinnere mich mit Schrecken an einen Campingplatz am Helenesee bei Frankfurt/Oder. Während ich duschte, ging das warme Wasser aus. Weg war’s. Alle. Aus. Vorbei. Ich hatte Shampoo aufm Kopf. Und das musste mit eiskaltem Wasser abgespült werden. Schmerzen waren das! Traumatisch.

Aber ich schweife ab. Ich bin ein bekennender Feigling. Und ausgerechnet ich muss unters Messer. Karpaltunnelsyndrom links. Muss auf jeden Fall operiert werden. Ausreden zwecklos. Ich hab’s versucht. Aber sowohl Neurologe als auch Hausarzt ließen sich auf nichts ein. Die Quittung für jahrzehntelange Computerarbeit. Und ich habe Angst. Schreckliche Angst. Denn ich bekomme keine Vollnarkose (vor der ich auch Angst hätte), sondern nur eine örtliche Betäubung. Ich werde Geräusche hören können, die ich nicht hören möchte. Meine Hand wird sich tot anfühlen. Ich möchte das nicht. Nein. Ganz bestimmt nicht. Gegen die Geräusche könnte man ja was tun. Einen MP3-Player vom Gemahl borgen, zum Beispiel. Aber dieses Tote-Hand-Gefühl? Da kann man wohl nichts machen.

Schön ist, dass ich nun vier Wochen Zeit habe, meine Angst zu pflegen. Sie noch ein wenig aufzubauen, zu vergrößern. Mir die schrecklichen Dinge auszumalen, die passieren könnten. Mir die unerträglichen Schmerzen auszumalen, wenn die Betäubung nicht funktionieren sollte. Von den Schmerzen nach der OP wollen wir gar nicht reden. Ich bekomme jetzt schon Schnappatmung und Herzrasen.

Beim Zahnarzt war ich letzte Woche so tapfer. Hab mich ohne Spritze behandeln lassen und nur einmal ganz kurz gezuckt, als er beim Bohren den Nerv traf. Mein Mantra: Ich  habe ein Kind zur Welt gebracht, da werde ich das hier wohl schaffen. Im Grunde stimmt es ja. Als ich während der Entbindung völlig entnervt eine PDA verlangte, kamen zwei nette Herren, um mir dieselbe zu verpassen. Sie sahen meine Arme mit riesigen blauen Flecken von den Versuchen, einen Zugang zu legen. Denn: Niemand hatte mir verraten, dass ich 1. Aspirin zwei Wochen vor dem Entbindungstermin absetzen sollte und dass 2. Junior 9 Tage zu früh kommen würde. So zogen die netten Herren mit ihrem Zeug davon, ohne mich von meiner Pein zu erlösen. In meinem Hirn war nur Platz für einen einzigen Gedanken: “Na gut, dann sterbe ich jetzt eben.” Es war mir ernst damit. Kam aber dann doch anders. Tage später traf ich die beiden netten Herren auf dem Flur. Das blanke Entsetzen in meinem Gesicht bei ihrem Abgang scheint bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Ganz mitfühlend fragten sie: “Na, hat es doch noch ohne PDA geklappt?” Ja, sah wohl so aus, denn Junior hatte ich auf dem Arm. Zweifellos hatte es geklappt.

Also, schlimmer kann die OP in vier Wochen auch nicht sein. Hoffe ich mal. Obwohl…

Geheim.

Dienstag, 4 September 2007

Es klingelt Sturm. Junior steht vor der Tür. Klatschnass. Schluchzend. Kaum zu verstehen. Triefend steht er in der Diele, rückt erst nach und nach mit dem Grund für seinen Zustand heraus. In das Wasserfass der Nachbarn sei er gefallen, schnieft er. Und das Fass sei dann mit ihm umgefallen. Nachdem er ausgezogen, abgetrocknet, im Bett aufgewärmt und frisch angezogen ist, forsche ich vorsichtig nach der Ursache dieses Geschehens. Er schweigt beharrlich. “Das sage ich dir nicht. Nie. Und frag bloß keinen. Auch meinen Freund und seine Mama nicht.” Das wiederholt er immer und immer wieder.

Nach dem Abendessen sind wir noch keinen Schritt weiter. Der Unglücksrabe rückt nicht mit der Geschichte heraus. Erst als er schon im Bette liegt, nimmt er seinen ganzen Mut zusammen. Sie wollten “Entern oder Kentern” nachspielen. Das durfte er nämlich bei Oma anschauen. Und sein Kumpel hat’s offenbar auch gesehen. Sie bauten eine Brücke über das Regenfass. Junior sollte darüber balancieren. Schade nur, dass die Brücke nicht hielt. Junior plumpste ins Fass und mitsamt dem Fass auf die Wiese.

Ich muss gestehen, ich bin fast verendet vor Lachen. Pädagogisch nicht sehr wertvoll. Aber ich hätte sooooo gern sein Gesicht gesehen, als er ins Fass purzelte. Sicher, da hätte sonstwas passieren können. Er hätte ertrinken können, wenn er kopfüber gestürzt wäre. Aber ist er ja nicht.

Seine große Sorge ist nun eine andere: “Mama”, bettelt er, “Mama, schreib das bloß nicht in deine Kolumne. Sonst weiß es bald die ganze Stadt.” Er runzelt die Stirn: “Und dann spricht es sich herum. Und bald weiß es die ganze Welt.” Naja, vielleicht nicht die ganze Welt…

Jetzt kann ich ihn nicht mal mehr betuppen - er kann schon ein wenig lesen. Mit Schlüsselwörtern wie “Wasserfass” oder “Entern” oder “Kentern” oder “nass” käme er schon ganz gut klar. Da würde es glatt auffallen, wenn ich die Story in meiner Kolumne ausplaudere. Das hat man davon, dass man das Kind nach Kräften fördert *flower* Aber das Missgeschick würde ich ja nie verraten. Hab ich schließlich versprochen. Und sonst bekomme ich eine grüne Nase - hat der kleine Raffi gesagt. Und der kennt sich aus.

Schlussstriche.

Montag, 3 September 2007

Ich räume gerade mein Leben auf. Das klingt dramatisch, ist es teilweise auch.
Ein Schlussstrich war für mich besonders schwierig und wichtig: Wir hatten 1999 ein Rosenbäumchen für unser erstes Kind gepflanzt, das in der 9. SSW gestorben ist. Das Rosenbäumchen ist schon im ersten Winter erfroren, hatte nur noch wilde Triebe. Trotzdem habe ich es nicht übers Herz gebracht, das Rosenbäumchen rauszureißen. Nun ist es soweit: Das Bäumchen ist weg. Es hat lange gedauert, aber nun kann ich es ertragen.
Das mag für Andere übertrieben und unangemessen erscheinen, aber für mich war dieses Rosenbäumchen ein Zeichen dafür, dass wir uns von Herzen noch weitere Kinder wünschen.
So. Nun ist der Schlussstrich gezogen. Ich sortiere gerade die Kinderkleidung, um die guten Markensachen bei Ebay einzustellen und den Rest in die Altkleidersammlung zu geben. Wir können uns im Keller nicht mehr rühren. Und worauf soll ich mit 42 noch warten? Auf noch ein Wunder? Wenn’s wider Erwarten kommen sollte, werde ich mit großer Freude alles neu kaufen. Aber im Grunde habe ich nun auch damit abgeschlossen. Es sticht noch tief im Herzen, manchmal fließen auch noch Tränen. Aber realistisch bleibe ich trotzdem. Jetzt.
Für mich sind das schwierige Schritte, für deren Bewältigung ich viele Jahre gebraucht habe - und vielleicht noch brauche.