Getroffen.

Die Nachricht hat mich tief getroffen. Unerwartet. Aber um so heftiger. Mein Cousin und seine Frau bekommen ihr drittes Kind. Zwei Töchter, 9 und 11 Jahre alt, haben sie schon. Nun also ein Drittes. Wie schön. Ich gönne es ihnen von Herzen. Trotzdem trifft es mich mitten ins Herz. Immer noch.

Sie haben kurz nach uns geheiratet. So hätten wir’s auch gern gehabt. Direkt nach der Hochzeit Kinder bekommen. So einfach stellten wir uns das vor. Doch der liebe Gott meinte es nicht gut mit unserem Fruchtbarsein und Mehren.

Gestern im Safaripark sah ich eine Frau mit zehn Kindern. Zwei Mal Zwillinge waren dabei. Die Frau war schon wieder hochschwanger. Warum sie? Warum nicht ich? Das ist nicht gerecht. Was denkt sich werauchimmer dabei? Warum nur?

Ich wollte immer fünf Kinder haben. Mein Traum. Ich war ein Einzelkind. Und ich verging manches Mal vor Neid auf eine Familie mit vier Kindern. Bei denen war immer was los. Jedes Kind brachte Freunde mit. Da war Leben in der Bude. Bei uns war nur ich. Selbst dass meine Freunde oft und gern bei uns waren, änderte daran wenig. Meinem Kind wollte ich das ersparen. Er sollte Geschwister haben. Möglichst mehrere.

Heute sind wir froh und dankbar, dass wir überhaupt ein Kind bekommen haben. Zwischendurch geht es mir richtig gut. Ich genieße es, dass Junior schon so groß ist. Ich freue mich, dass er so pflegeleicht ist. Ich mag es, dass wir mit ihm schon so schöne Ausflüge machen kann. Und dann kommt ein Moment, in dem er mault: “wenn ihr mir keinen Bruder besorgt, müsst ihr eben mit mir spielen.” Er hätte gern einen Bruder. Am besten einen, der mindestens fünf Jahre alt ist. Zaubern kann ich nicht. Leider.

Nach einer Nachricht wie dieser von meinem Cousin würde ich am liebsten den Rest des Tages unter der Bettdecke bleiben. Ganz. Mit Kopf. An solchen Tagen kommen mir die Tränen, wenn ich zu unseren Nachbarn mit ihren zehn (oder elf?) Kindern herüberschaue. Warum die? Warum nicht wir? Warum?

Es ist wie ein Stich mitten ins Herz. Immer und immer wieder. Es wird niemals aufhören. Ich wusste nicht, wieviele Tränen man weinen kann.


3 Kommentare zu “Getroffen.”

  1. marina schreibt:

    hallo meine Liebe, ich denke es wird einen Grund haben warum “nur” das eine. Vielleicht ist es einfach nur deine Aufgabe soviel wie du kannst an Energie in deinen Sohn zu investieren. Ich weiß wie das klingt, aber ich sag es trotzdem, Nimm diese Aufgabe dankbar an und trauer nicht den Dingen nach die eben nicht sein sollten. Vielleicht schenkt er dir ja gaaaaaaaaaanz viel Enkelkinder, oder aber er entpuppt sich noch stärker als Genie, dann brauchst du all deine Energie für ihn und stellst dann fest das du mit noch mehr Kindern diese Energie gar nicht hättest.
    Wenn ich bei Dir hier lese ist das eigentlich auch sowas wie ein Ruhepol für mich :-) denn deine Texte strahlen Ruhe aus und das ist etwas was Du auch deinem Sohn gibst und er nimmt es dankbar an, tu du dasselbe für Dich :-)
    Klingt ziemlich esotherich oder? Aber so ist es für mich wenn ich hier lese :-)

  2. Trulli schreibt:

    shusl, ich habe auch geweint, als ich mich nach 2 tagen besuch bei meiner nichte ( 5 monate ) und neffe ( 2,7 jahre ) verabschiedet habe gestern. leider wohnen sie 800 km weit weg,…

    da wir es leider nicht ändern könne, müsen wir damit klar kommen, was wir haben und das beste draus machen - ich drück dir die daumen und ganz starke nerven !!

    träume nicht dein leben - leben deinen traum ! … oder wie heißt es ?

    machs gut, genieße deinen urlaub !

  3. Sheepchen schreibt:

    Hallo Shusl..
    Lass dich mal in den Arm nehmen. Ich würde gern sagen, dass ich nachvollziehen kann, wie weh dir das tut. Und ein bisschen kann ich das sicher. Aber nie in vollem Maße. Deshalb fühl dich umarmt!

    lg schäfchen

Hinterlasse eine Nachricht