Geschafft.
Es ist 9.10 Uhr. Am Morgen. Und ich bin schon das erste Mal müde. Gestern Abend bis 0.15 Uhr Ritterhelme und Burgfräulein-Hüte gebastelt. Junior feiert am Samstag seinen Geburtstag mit der Familie nach. Sechs kleine und zwöl große Menschen. Zweimal mussten wir die Party abblasen - einmal lag meine Tante schwer krank im Krankenhaus, einmal hat sich Junior ein Stück Ringfinger abgehackt im Kindergarten -, nun soll’s endlich soweit sein. Und weil wir das ganze Zeug ja schon für den ersten Termin gekauft hatten, musste ich die Utensilien für sechs kleine Ritter noch fertig machen.
Um 5.15 Uhr ein erster Ruf: “Mama, komm mal!” Ich rase los. Meist kommen mir in solch einem Fall schon an der Tür erste Nahrungsreste entgegengeflutet. Nichts. Junior schläft. Mit dem Gedanken, dass ich den Ruf wohl nur geträumt hätte, schleiche ich ins Bett zurück. Kann natürlich nicht wieder einschlafen. 5.30 Uhr der nächste Schrei: “Mamaaaaaa! Komm schnell!!!!!!” Ich rase los. Junior liegt im Bett und krümmt sich. Bauchweh. Hat wohl gestern mal wieder irgendwas nicht vertragen. Ich nehme ihn mit in mein Bett, massiere sein Bäuchlein. Er schläft wieder ein. 6.30 Uhr. Der Wecker lärmt. Muss wieder eingeschlummert sein. Junior räkelt sich. “Ich hab meine chemische Waffe eingesetzt”, grinst er von einem Ohr zum anderen. Ja. Jetzt rieche ich es auch. Wenigstens ist das Bauchweh jetzt weg. Sozusagen entfleucht. Trotzdem noch ein wenig gekuschelt. Im Eiltempo gewaschen und angezogen.
Frühstück gemacht. Pausenbrot geschmiert, Trinkflasche mit Leitungswasser eingepackt. Den lärmenden Roboter im Schrank versteckt. Den Walkie Talkies die Batterien geklaut. Junior frühstückt brav. Zehn Minuten früher als vereinbart klingelt der Nachbarsjunge. Junior rast los, Schuhe an, Jacke an. Keine Handschuhe an. Obwohl es lausig kalt ist. Und obwohl sein Kumpel dicke Fleece-Handschuhe trägt. Junior ist ein Mann. Der stellt sich nicht so an.
Schnell noch einen schwarzen Tee getrunken. Die Zeitung quer gelesen. Rezepte für die Party rausgekramt. Einkaufszettel geschrieben. Herumgerechnet, welche Zutaten man für die dreieinhalbfache Menge des Rezepts für Gyrossuppe benötigt. Geärgert, weil ich 3,5 Kilo Gyros beim Metzger bestellt habe. 4 Kilo ließen sich viel einfacher rechnen. Noch mehr geärgert, weil morgen mindestens drei Läden abzuklappern sind für all den Kram. Die erste von drei Maschinen Wäsche angeschmissen. Den Bügelberg betrachtet. Die Erledigung auf später verschoben.
Holunderbeeren im Garten gepflückt. Wer weiß, wie lange es heute trocken bleibt. Einen Ohrenkneifer, eine giftgrüne Wanze, 6 winzige Schnecken und eine Ameise aus dem Holunderbeeren-Waschwasser gerettet und nach draußen getragen. Spülmaschine ausgeräumt. Spülmaschine neu befüllt. Nichtspülmaschinenfestes Zeug gespült. Paket angenommen. Das übliche Schwätzchen mit dem Paketdienst-Mann fiel aus. Kleinkram-Mitgebsel für die Party und Deko ausgepackt. Gefreut. Mitgebsel in Ritter-Tüten gepackt. Deko in einer Kiste verstaut und ins Kämmerchen geschoben.
Und jetzt mach ich erst mal Pause. Es ist kurz nach 9. Morgens. Unfassbar. Das wird ein Tag.
Nachtrag: Ich habe bisher (15.15 Uhr) einen sehr erfolgreichen Hausfrauen-Marathon hingelegt. Mittagessen (Heu und Stroh - Rezept aus der Toscana
) war extrem lecker. Wegen diverser Lebensmittelunverträglichkeiten bei Junior und mir muss ich täglich frisch kochen. Fertigfraß geht gar nicht. Sonst hätte ich heute - ehrlich - dazu gegriffen. Die Wäsche ist gewaschen, getrocknet, gefaltet und weggeräumt. Ich habe mir eine Cappuccino-Pause gegönnt. Das Holunder-Gelee ist lecker geworden. Die Sauerei hielt sich auch in Grenzen, obwohl mir ein volles Glas fast hingefallen wäre. Junior quält sich mit den Hausaufgaben rum. Er hasst Ausmalen. Und das ist heute exzessiv gefragt. Für Mathe in der 3. Klasse braucht er dringend ein richtiges Matheheft. Die Beschaffung habe ich delegiert. R. kann’s auf dem Heimweg einsammeln. Hoffentlich denkt er an den Schutzumschlag.
Delegieren ist überhaupt das Stichwort: Der Bügelberg schmilzt auch rapide - ich habe nämlich zu meiner persönlichen Erleichterung die Putzfee gebeten, gegen Bares zu bügeln. Sie kam sofort angerauscht und schleppte den Korb von dannen. Gott sei Dank. Die Zeiten, in denen es mir zu blöd war, mir Hilfe zu holen, sind vorbei. Ich bin schon groß. Ich weiß selbst, wann ich die Kurve nicht kriege.
So kann ich um 17 Uhr mit Junior zum Fußballtraining, allein will er da nämlich nicht bleiben. Bis dahin werden hier erst mal sämtliche Trümmer der letzten Woche beseitigt. Aufräumen muss sein, bevor die Sippe am Samstag einfällt. Danach müssen wir noch rasch die Drittklässler-Hausaufgaben machen - und ab geht’s ins Bett mit dem Knirps. Ich darf am Rest des Abends weitere Vorbereitungen für die Schatzsuche am Samstag treffen. Schon bei dem Gedanken daran werde ich schlagartig müde.
Noch ein Nachtrag: Immerhin. An das Matheheft hat mein Mann gedacht. Den Schutzumschlag hat er vergessen. War klar. Oder?
Mittwoch, 19 September 2007 at 14:36
Sag noch einer, daß Mutter sein keine Arbeit ist - Respekt!