Archiv für September, 2007

Wortgewandt.

Freitag, 28 September 2007

Was für eine aufregende Zeit. Junior liest täglich ein wenig flüssiger. Es macht ihm riesig Spaß, Schilder jeder Art zu entziffern. Solange nicht der Gedanke aufkommt, es könnte sich um Lesen-Üben handeln, ist er mit Feuereifer dabei. Das Schreiben hat er bisher eher vernachlässigt. Bis eben. Mit seinem Kumpel hat er mit Kreide eine große Anlage mit Parkplätzen, Straßen und Baustelle auf unsere Straße gemalt. Schon aus dem Fenster sah ich, dass er voll konzentriert am Werk war. Das Ergebnis waren riesige Baustellenschilder: “Bite Der Umlaitunk folgen” stand da in Pink und Gelb in drei Richtungen geschrieben.

Ist das nicht süß? Ich war so hingerissen, hab ihn erst mal heftigst gelobt. Und im Haus hab ich mich dann weggeschmissen vor Lachen. Es wird doch :-)

Himmlisch.

Donnerstag, 27 September 2007

Es hat geregnet. Es war lausig kalt. Aber für einen kleinen Mann wurde heute ein Traum wahr. Ungefähr so stellt er sich vermutlich den Himmel vor. Den blau-weißen Fußballhimmel. Wir waren morgens im Bochumer Bergbaumuseum. Sehr interessant. Aber nach dem Mittagessen war uns nach mehr. Wo wir doch grad so nahe an Gelsenkirchen waren…

Wir düsten also rüber zur Schalke-Arena. Ursprünglich wollten wir nur mal die Arena anschauen und ins Schalke-Museum gehen. Die Arena auf Schalke ist schon optisch ein Knaller. Aber das Größte beim ersten Anblick für Junior: “Guck mal Mama, bei denen hängt die gleiche Fahne wie bei uns im Garten!” Kein Wunder, ist ja eine Schalke-Fahne. *flower* Auf dem Weg zum Museum (Treppenhaus 12) stolperten wir über den Rasenanblick. Denn der war draußen. Also der Rasen. Der wurde gerade wieder reingefahren. Pardon, er fährt oder rollt nicht, sondern er gleitet, erfuhren wir von einem Gästeführer, der gerade eine Rentnerschar durch die heiligen Hallen geleitete. Wir staunten gebührend. Wann sieht man schon mal den heiligen Rasen so vorbeigleiten.

Das Museum war für mich äußerst interessant. Die 10 Euro Eintritt für die ganze Familie hätten wir uns allerdings sparen können. Mann und Sohn waren ratzfatz fertig damit. Während Muttern noch in Erinnerungen schwelgte, zog Junior der Dame an der Kasse die Nachricht des Tages aus der Nase: Um 16 Uhr begann das Training der Schalker. Kostenlos. Kein Eintritt.

Um 15.30 Uhr standen wir auf dem Trainingsplatz. Weit und breit noch kein Spieler zu sehen, dafür aber schon eine Horde Fans. Da wir nicht damit gerechnet hatten, der Elf so nahe kommen zu können, fielen wir durch das gänzliche Fehlen jeglicher Fanutensilien auf. Ein guter Grund, den S04-Shop direkt am Trainingsgelände ein wenig zu plündern. Ich habe mich allerdings mächtig am Riemen gerissen und nur 28 Kröten verprasst. Ein Fleece-Stirnband (kann man im Winter immer brauchen), eine runtergesetzte Schalke-Kappe und eine Schalke-Kids-CD, die nun seit unserer Rückkehr unbarmherzig abgespielt wird.

Am Trainingsplatz ergatterten wir einen strategisch günstigen Platz - direkt dort, wo die Spieler zum Platz gingen. Und sie waren so nah, dass wir es gar nicht fassen konnten. Junior hat fast der ganzen Mannschaft die Hand gegeben. Auf dem Heimweg verkündete er ganz selig: “Ich werde nie vergessen, wie sich Kuranyi angefühlt hat. Ganz weich.” *flower* Und: “Die rechte Hand ist jetzt meine Schalke-Hand. Die wasche ich nie mehr.” Das Training fand er hochinteressant, zumal er auch von einer G-Jugend-Mannschaft einige Elemente wieder erkannte. Also in Ansätzen jedenfalls. Nach dem Training gaben die Knappen eifrig und bereitwillig Autogramme. Junior krähte auf Papas Schultern so laut, dass ihn kaum einer der Spieler übersah.

Junior wird heute erst spät einschlafen. Da bin ich sicher. Er strahlt immer noch von einem Ohr bis zum anderen. Seine Augen leuchten. Auch wenn sich zwischen das “Blau-und-weiß”-Singen immer mehr herzhafte Gähnattacken mischen…

Geschmeichelt.

Mittwoch, 26 September 2007

Er ist ein Charmeur erster Güte. Die Krönung der Verwöhnung. Junior kann Menschen Honig um den Bart schmieren, dass es eine Pracht ist. Er kennt keine Skrupel, wenn es darum geht, sich ins Herz seiner Mitmenschen zu schleichen. Mein Mann nennt ihn “Schleimer”. Aber er meint das durchaus ernst. Zur Arbeit gab er mir ein großes gemaltes Herz mit, in das er mit ungelenken Buchstaben “Mami” geschrieben hat.

Sein aktuelles Lieblingslied heißt “Big girls”. Voller Inbrunst singt er schon vor dem Frühstück “Big girls, you are beautiful!” Da geht Muttern das Herz auf. Denn er weiß, um was es geht in diesem Lied. “Dass dicke Frauen schön sind”, grinst er von einem Ohr zum anderen. Und mit leuchtenden Augen ergänzt er: “Stimmt ja auch.” Da soll noch einer sagen, ein Kind werde nicht zu Hause geprägt. *flower*

Beim Ritterfest am Samstag durften alle Kinder die Ritterprüfung ablegen. Danach wurden sie zum Ritter geschlagen und erhielten einen Ritter-Namen. “Junior der Allerschrecklichste” meinte anschließend, nun müsse ich aber auch zum Ritter geschlagen werden. Und einen Namen hatte er auch schon für mich gewählt: “Burgfräulein Mama die Schöne”. *flower* Da ist doch der Tag gerettet. Und nun ständig dieses Lied. *lol* Was will frau mehr?

Getroffen.

Dienstag, 25 September 2007

Die Nachricht hat mich tief getroffen. Unerwartet. Aber um so heftiger. Mein Cousin und seine Frau bekommen ihr drittes Kind. Zwei Töchter, 9 und 11 Jahre alt, haben sie schon. Nun also ein Drittes. Wie schön. Ich gönne es ihnen von Herzen. Trotzdem trifft es mich mitten ins Herz. Immer noch.

Sie haben kurz nach uns geheiratet. So hätten wir’s auch gern gehabt. Direkt nach der Hochzeit Kinder bekommen. So einfach stellten wir uns das vor. Doch der liebe Gott meinte es nicht gut mit unserem Fruchtbarsein und Mehren.

Gestern im Safaripark sah ich eine Frau mit zehn Kindern. Zwei Mal Zwillinge waren dabei. Die Frau war schon wieder hochschwanger. Warum sie? Warum nicht ich? Das ist nicht gerecht. Was denkt sich werauchimmer dabei? Warum nur?

Ich wollte immer fünf Kinder haben. Mein Traum. Ich war ein Einzelkind. Und ich verging manches Mal vor Neid auf eine Familie mit vier Kindern. Bei denen war immer was los. Jedes Kind brachte Freunde mit. Da war Leben in der Bude. Bei uns war nur ich. Selbst dass meine Freunde oft und gern bei uns waren, änderte daran wenig. Meinem Kind wollte ich das ersparen. Er sollte Geschwister haben. Möglichst mehrere.

Heute sind wir froh und dankbar, dass wir überhaupt ein Kind bekommen haben. Zwischendurch geht es mir richtig gut. Ich genieße es, dass Junior schon so groß ist. Ich freue mich, dass er so pflegeleicht ist. Ich mag es, dass wir mit ihm schon so schöne Ausflüge machen kann. Und dann kommt ein Moment, in dem er mault: “wenn ihr mir keinen Bruder besorgt, müsst ihr eben mit mir spielen.” Er hätte gern einen Bruder. Am besten einen, der mindestens fünf Jahre alt ist. Zaubern kann ich nicht. Leider.

Nach einer Nachricht wie dieser von meinem Cousin würde ich am liebsten den Rest des Tages unter der Bettdecke bleiben. Ganz. Mit Kopf. An solchen Tagen kommen mir die Tränen, wenn ich zu unseren Nachbarn mit ihren zehn (oder elf?) Kindern herüberschaue. Warum die? Warum nicht wir? Warum?

Es ist wie ein Stich mitten ins Herz. Immer und immer wieder. Es wird niemals aufhören. Ich wusste nicht, wieviele Tränen man weinen kann.

Korrekt.

Montag, 24 September 2007

Wir haben’s noch nicht bereut, den Urlaub abgesagt zu haben. Heute haben wir die Sonne nochmal genossen - im Safaripark Stukenbrock. War nett. Der Park hat einen leicht morbiden Charme. Die Fahrgeschäfte sind zum größten Teil uralt, aber niedlich. Irgendwie taten mir auch die Tiere leid. Man kann dort mit dem Auto durch die Gehege fahren. Ist nicht wirklich artgerecht für die Vierbeiner.

Wir haben kaum ein Karussell ausgelassen. Sogar ich habe mich in die Wasserbahn gewagt. Einmal. Und niemals wieder. Sowas von steil ging’s abwärts. Ich darf gar nicht dran denken. Außerdem sind wir mehrfach Kaffeeservice gefahren. Da sitzt man in Kaffeetassen, die sich wildest im Kreis drehen. Völlig beknackt. Aber hat Spaß gemacht. Junior war zum ersten Mal in einer Achterbahn. Und konnte kaum genug bekommen. Die Kinderkarussells sind damit endgültig “Babykram” für ihn. Eine schlimmere Beleidigung gibt’s derzeit kaum. Höchstens noch “Mädchenkram”.

Das Essen war grottenschlecht. 23 Euro nochwas für ein kaltes Hähnchenschnitzel mit Tüten-Curry-Soße und Matsch-Reis, zwei Dino-Putenhäppchen mit immerhin leckeren Pommes sowie eine asiatische Gemüsepfanne aus der Tüte mit kalten Putenstreifen und chinesischen Nudeln. Übel, übel. Hat scheußlich geschmeckt. Nach Tüte eben. Oder Großküche. Jetzt weiß ich wieder, warum wir zu sonstigen Aktivitäten stets ein Picknick mitgeschleppt haben. Diesmal haben wir - in Ermangelung eines Kinderwagens zum Transport der Fressalien - darauf verzichtet. Wir werden uns einen kleinen Bollerwagen zulegen zu diesem Behufe.

Trotzdem war es ein herrlicher, entspannter Montag. Junior ist noch hellwach. Er liegt im Bett und liest laut. Ab und zu muss ich hochflitzen und ihm bei einem “schrecklich langen Wort” helfen. Drei Mal war ich schon oben: “enttäuscht”, “Seeungeheuer” und “Pennsylvania” sind aber auch wirklich nicht einfach.

Grad schwebe ich auf einer blau-weißen Wolke. Ich habe drei Sitzplatzkarten für Schalke-Nürnberg ergattert! Ein Wunder! Okay, es ist erst am 15. Dezember. Aber ich freu mich wie ein Schnitzel.

Gestrichen.

Sonntag, 23 September 2007

Urlaub ist gestrichen. Nicht aus monetären Gründen. Sondern nach langen, erschütterten Blicken auf diverse Wetterberichte. Ab Dienstag soll’s überall schütten wie aus Eimern. Da erscheint unsere frisch abgeschlossene Elementarversicherung fürs Haus in einem ganz neuen Licht.

Camping bei “ergiebigen Niederschlägen” und Temperaturen von “maximal 10 Grad” für den Rest der Woche? Das müssen wir nicht haben. Da hocken wir lieber daheim vorm Specksteinofen.

Heute und Morgen genießen wir erst mal die Sonne - ohne Packstress und nicht stundenlang auf der Autobahn. Mal sehen, was man von hier aus für nette kleine Ausflüge machen kann.

Hier gibt’s grad ganz, ganz lange Gesichter und pure Enttäuschung. Aber lieber jetzt abgesagt, als hinterher noch längere Gesichter, weil’s nur schüttet, der Campingplatz ein Sumpf ist und man vor lauter Regen kaum was anschauen kann.

Beglückt.

Freitag, 21 September 2007

Ein warmer Regen von unerwarteter Stelle. Vorletzte Woche haben wir unsere Einkommensteuererklärung oder wie auch immer das heißt abgegeben. Letzte Woche kam der dicke Brief mit unseren Unterlagen zurück. Und heute kam DER Brief an. Mit zitternden Fingern habe ich ihn aufgerissen, das Schreiben herausgezerrt und mit eingezogenem Kopf ganz vorsichtig auf die entscheidende Stelle geschielt. Die Zahl war so unvorstellbar groß, dass ich es gar nicht glauben wollte. Brille auf - und dann nochmal ganz genau geschaut. Und dann bin ich wie ein kleiner Derwisch schreiend und jubilierend durchs Haus getobt. Über 1500 Euro werden auf unser Konto überwiesen. Mein Mann dachte, ich hätte einen spontanen Anfall von Veitstanz. Aber als er den Grund für meinen Ausbruch erfuhr, strahlte auch er von einem Ohr zum anderen.

1500 Öcken mal eben so. Zur freien Verfügung. Denn wir haben sie noch nicht verplant. Außerdem haben wir Ferien, Urlaub - und am Montag geht’s los Richtung Süden. Mal sehen, wo wir landen.

Vorbereitet.

Donnerstag, 20 September 2007

So. Der Großteil der Zutaten für die Party sind eingekauft. Morgen noch das Gyrosfleisch beim Metzger abholen, Suppe kochen, Kuchen backen - und fertig. Das Haus ist blitzblank, die Fee war heute da. Die Bügelwäsche hat sie auch fix und fertig mitgebracht.

Ab sofort gilt für alle Gäste: Krankwerden verboten. Niemand sollte ins Koma fallen, unter einen Bus geraten, sich einen Magen-Darm-Virus einfangen. Denn zwei Mal wurde die Party schon abgesagt. Einmal, weil Juniors Großtante schwer krank danieder lag. Einmal, weil Junior sich ein Stück Ringfinger im Kindergarten abgehackt hatte. Böse Zungen fragten schon, wenn wir denn diesmal opfern, um die Party abblasen zu können.

Diesmal muss es klappen. Denn im Januar ist schon der nächste Geburtstag. Wir freuen uns jedenfalls. Morgen nachmittag ist nochmal Garteneinsatz angeblasen, damit’s bei dem schönen Wetter auch draußen nett aussieht. Heute habe ich schon wie ein wilder Watz - nach dem Großeinkauf - Unkraut gejätet und verblühte Blumen abgeschnitten. Damit könnte ich leider noch sieben bis zwölf Nachmittage verbringen. Aber so notdürftig geht’s jetzt schon. Muss reichen. Die Leute sollen feiern, nicht Wildkräuter zählen!

Geschafft.

Mittwoch, 19 September 2007

Es ist 9.10 Uhr. Am Morgen. Und ich bin schon das erste Mal müde. Gestern Abend bis 0.15 Uhr Ritterhelme und Burgfräulein-Hüte gebastelt. Junior feiert am Samstag seinen Geburtstag mit der Familie nach. Sechs kleine und zwöl große Menschen. Zweimal mussten wir die Party abblasen - einmal lag meine Tante schwer krank im Krankenhaus, einmal hat sich Junior ein Stück Ringfinger abgehackt im Kindergarten -, nun soll’s endlich soweit sein. Und weil wir das ganze Zeug ja schon für den ersten Termin gekauft hatten, musste ich die Utensilien für sechs kleine Ritter noch fertig machen.

Um 5.15 Uhr ein erster Ruf: “Mama, komm mal!” Ich rase los. Meist kommen mir in solch einem Fall schon an der Tür erste Nahrungsreste entgegengeflutet. Nichts. Junior schläft. Mit dem Gedanken, dass ich den Ruf wohl nur geträumt hätte, schleiche ich ins Bett zurück. Kann natürlich nicht wieder einschlafen. 5.30 Uhr der nächste Schrei: “Mamaaaaaa! Komm schnell!!!!!!” Ich rase los. Junior liegt im Bett und krümmt sich. Bauchweh. Hat wohl gestern mal wieder irgendwas nicht vertragen. Ich nehme ihn mit in mein Bett, massiere sein Bäuchlein. Er schläft wieder ein. 6.30 Uhr. Der Wecker lärmt. Muss wieder eingeschlummert sein. Junior räkelt sich. “Ich hab meine chemische Waffe eingesetzt”, grinst er von einem Ohr zum anderen. Ja. Jetzt rieche ich es auch. Wenigstens ist das Bauchweh jetzt weg. Sozusagen entfleucht. Trotzdem noch ein wenig gekuschelt. Im Eiltempo gewaschen und angezogen.

Frühstück gemacht. Pausenbrot geschmiert, Trinkflasche mit Leitungswasser eingepackt. Den lärmenden Roboter im Schrank versteckt. Den Walkie Talkies die Batterien geklaut. Junior frühstückt brav. Zehn Minuten früher als vereinbart klingelt der Nachbarsjunge. Junior rast los, Schuhe an, Jacke an. Keine Handschuhe an. Obwohl es lausig kalt ist. Und obwohl sein Kumpel dicke Fleece-Handschuhe trägt. Junior ist ein Mann. Der stellt sich nicht so an.

Schnell noch einen schwarzen Tee getrunken. Die Zeitung quer gelesen. Rezepte für die Party rausgekramt. Einkaufszettel geschrieben. Herumgerechnet, welche Zutaten man für die dreieinhalbfache Menge des Rezepts für Gyrossuppe benötigt. Geärgert, weil ich 3,5 Kilo Gyros beim Metzger bestellt habe. 4 Kilo ließen sich viel einfacher rechnen. Noch mehr geärgert, weil morgen mindestens drei Läden abzuklappern sind für all den Kram. Die erste von drei Maschinen Wäsche angeschmissen. Den Bügelberg betrachtet. Die Erledigung auf später verschoben.

Holunderbeeren im Garten gepflückt. Wer weiß, wie lange es heute trocken bleibt. Einen Ohrenkneifer, eine giftgrüne Wanze, 6 winzige Schnecken und eine Ameise aus dem Holunderbeeren-Waschwasser gerettet und nach draußen getragen. Spülmaschine ausgeräumt. Spülmaschine neu befüllt. Nichtspülmaschinenfestes Zeug gespült. Paket angenommen. Das übliche Schwätzchen mit dem Paketdienst-Mann fiel aus. Kleinkram-Mitgebsel für die Party und Deko ausgepackt. Gefreut. Mitgebsel in Ritter-Tüten gepackt. Deko in einer Kiste verstaut und ins Kämmerchen geschoben.

Und jetzt mach ich erst mal Pause. Es ist kurz nach 9. Morgens. Unfassbar. Das wird ein Tag.

Nachtrag: Ich habe bisher (15.15 Uhr) einen sehr erfolgreichen Hausfrauen-Marathon hingelegt. Mittagessen (Heu und Stroh - Rezept aus der Toscana :-) ) war extrem lecker. Wegen diverser Lebensmittelunverträglichkeiten bei Junior und mir muss ich täglich frisch kochen. Fertigfraß geht gar nicht. Sonst hätte ich heute - ehrlich - dazu gegriffen. Die Wäsche ist gewaschen, getrocknet, gefaltet und weggeräumt. Ich habe mir eine Cappuccino-Pause gegönnt. Das Holunder-Gelee ist lecker geworden. Die Sauerei hielt sich auch in Grenzen, obwohl mir ein volles Glas fast hingefallen wäre. Junior quält sich mit den Hausaufgaben rum. Er hasst Ausmalen. Und das ist heute exzessiv gefragt. Für Mathe in der 3. Klasse braucht er dringend ein richtiges Matheheft. Die Beschaffung habe ich delegiert. R. kann’s auf dem Heimweg einsammeln. Hoffentlich denkt er an den Schutzumschlag.

Delegieren ist überhaupt das Stichwort: Der Bügelberg schmilzt auch rapide - ich habe nämlich zu meiner persönlichen Erleichterung die Putzfee gebeten, gegen Bares zu bügeln. Sie kam sofort angerauscht und schleppte den Korb von dannen. Gott sei Dank. Die Zeiten, in denen es mir zu blöd war, mir Hilfe zu holen, sind vorbei. Ich bin schon groß. Ich weiß selbst, wann ich die Kurve nicht kriege.

So kann ich um 17 Uhr mit Junior zum Fußballtraining, allein will er da nämlich nicht bleiben. Bis dahin werden hier erst mal sämtliche Trümmer der letzten Woche beseitigt. Aufräumen muss sein, bevor die Sippe am Samstag einfällt. Danach müssen wir noch rasch die Drittklässler-Hausaufgaben machen - und ab geht’s ins Bett mit dem Knirps. Ich darf am Rest des Abends weitere Vorbereitungen für die Schatzsuche am Samstag treffen. Schon bei dem Gedanken daran werde ich schlagartig müde.

Noch ein Nachtrag: Immerhin. An das Matheheft  hat mein Mann gedacht. Den Schutzumschlag hat er vergessen. War klar. Oder?

Gelesen.

Montag, 17 September 2007

Junior hat mir gerade eine Zeile im “Magischen Baumhaus” vorgelesen. Er kann es! Er kann lesen! Ich platze gleich vor Stolz.

Die Klassenlehrerin fragte mich vor zwei Wochen, als ich in ihrer Sprechstunde war: “Sie wissen, dass Ihr Sohn lesen kann?” Ich war ein menschgewordenes Fragezeichen. Nö, wusste ich nicht. Hat er vor mir geheim gehalten, der Schlingel. So recht wollte ich es auch nicht glauben. Buchstaben ja, aber Wörter? Nein, nicht mein Kind. In den letzten Tagen wurde es schon immer besser mit den Wörtern - und heute hat er zwei ganz Sätze ganz allein gelesen. Ich war sowas von geplättet! Mein Mann war dabei, ich habe einen Zeugen. Er kann es. Hurra!

Und auch mit Mathe klappt’s gut. Die Lehrerin fragte mich in besagter Sprechstunde - in der ich eigentlich war, weil ich wissen wollte, ob er in der Klasse auch heult so wie in der Ganztagsbetreuung, weil ihm alles zu laut, zu unübersichtlich und zu neu sei -, wie’s mit seiner “besonderen Begabung” in Mathematik sei. Ich ahnte nichts. Rein gar nichts. Das menschliche Fragezeichen, Teil 2. Ja, er rechne fünfstellig im Kopf, brauche mehr Futter fürs Hirn. Ich war wie vom Donner gerührt. Ja, dass er gut rechnen kann, weiß ich. Keine Frage. Aber so? Auf so etwas wäre ich im Traum nicht gekommen. Ich lache immer über die Eislaufmütter, die meinen, ihre Gören seien superschlau oder sonstwie herausragend. Meins ist normal, da war ich mir sicher.

Nun will die Lehrerin für Junior einen individuellen Förderplan erarbeiten. Und damit ihm nicht langweilig wird, soll er zur Mathe-Stunde in die 3. Klasse gehen, den Rest in der 1. Klasse fortsetzen. Und wenn er Lust hat, kann er die Arbeitshefte der 2. Klasse nebenher durcharbeiten. Ich entfärbte mich, musste erst mal schlucken. Ich meine, wer rechnet mit sowas?

Nun geht er seit einer Woche täglich für eine Mathe-Stunde in die 3. Klasse. Als ich’s ihm ankündigte, reagierte er wie immer: Angst, Bauchweh, tausend Sorgen, Befürchtungen wegen der großen Kinder dort. Aber die Lehrerin hat ihn ohne größere Vorwarnung einfach in die 3. Klasse gebracht - da saß er dann. Und hatte Spaß. Die Kinder waren supernett zu ihm, haben sich förmlich drum gerissen, den Kleinen zu betütteln und mitmachen zu lassen. Einige Kinder kannte er noch vom Kindergarten.

Und seitdem geht’s aufwärts. Am Donnerstag durfte er sich einen festen Platz aussuchen, die Probestunden hat er offenbar überstanden. Und heute durfte er die 3.-Klasse-Hausaufgaben machen, freiwillig zwar. Und er hat sie ganz stolz gemacht. Puh, danach musste er erst mal eine Pause einlegen :-) Ich hatte ihm erklärt, dass er sich auf seine Mathe-Begabung nichts einbilden dürfe, die habe ihm der liebe Gott geschenkt, dafür solle er dankbar sein. Jedes Kind könne etwas besonders gut, er eben Mathe. Und angeben darf er damit auch nicht. Somit weiß in seiner Klasse kein Kind Bescheid. Die Lehrerin hat auch nichts gesagt, die bringt ihn einfach kommentarlos rüber. Bisher gab’s somit auch keine Reaktion aus der Klasse.

Er blüht förmlich auf. Kein einziger Abend mehr, an dem er mit Bauchweh einschläft. Er erzählt begeistert von der Schule. Und auch im Ganztag läuft es bestens. Er hat sogar schon einen Freund gefunden, mit dem er dort immer spielt. Er weint nicht mehr, fühlt sich offensichtlich wohl - und will jetzt sogar in den Herbstferien freiwillig in die Betreuung, weil das Programm so abenteuerlich und spannend klingt.

Gerade hat er erst mal als Belohnung für seine erste selbst gelesene Zeile im Buch einen Sammelband mit den ersten vier “Magisches-Baumhaus”-Bänden bekommen. Freut sich riesig. Vielleicht liest er den ja schon selbst. Aber noch geht’s ganz langsam mit dem Lesen. Aber wie ich ihn kenne, wird er heimlich üben - und irgendwann einfach loslesen.

Ist schon schön grad, das Leben.