Archiv für August, 2007

Zu früh.

Donnerstag, 16 August 2007

Heute bin ich haarscharf an einer echten Peinlichkeit vorbeigeschrammt. Morgens kam ein Anruf von offizieller Stelle. Ein lokaler Prominenter sei plötzlich verstorben. Das übliche Procedere kam in Gang: Archivfotos herauskramen, Informationen für den Nachruf aus dem Internet und anderen Quellen zusammensuchen. Text vorbereiten. Telefonliste für das Einholen bedauernder Worte von anderen Honoratioren vorbereiten. Soweit war ich gekommen. Dann rief mein Informant an. Er wand sich und schämte sich hörbar. Nein, ich solle bloß nicht herumtelefonieren. Der Mann sei gar nicht tot. Man habe ihn falsch informiert.

Gut, dass ich die Anrufe ein wenig vor mir hergeschoben hatte. Muss ja sein, aber mache ich nicht so gerne. Gott sei’s gelobt, kann ich in diesem Fall sagen. Nicht auszumalen, wenn ich die Honoratioren mit der traurigen Nachricht beglückt hätte, die sich später als faules Ei entpuppt. Ich wäre im Boden versunken. Der Informant war auch nicht besser dran. Er hatte sogar schon Kränze bestellt.

Einen Vorteil hat das Ganze: Wenn besagter Herr nun tatsächlich das Zeitliche segnen sollte, bin ich gerüstet. Aber: Wie das Leben so spielt, wird der nun ein uralter Tattergreis werden. Ich hätte nichts dagegen. Den Nachruf kann man schließlich abspeichern und gegebenenfalls ergänzen in den nächsten Jahrzehnten.

Entzaubert.

Dienstag, 14 August 2007

Sie war die Heldin meiner ersten Schuljahre. Bummi. Bummi Fröhlich aus Bigge-Olsberg. Sie und ihr Freund Fiete stellten mit ihren Abenteuern nicht nur ihr Dorf im Hochsauerland auf den Kopf. Sie faszinierten mich kolossal. Jeden einzelnen Band dieser Kinderbuchreihe von Martha Schlinkert habe ich verschlungen. Mehrfach. Teilweise sogar mit Taschenlampe unter der Bettdecke, so spannend fand ich die Geschichten.

Und irgendwie hat sich Bigge-Olsberg damals - Anfang der siebziger Jahre - fest in mein kleines Herz eingebrannt. Der Name hatte fast etwas Magisches. Da musste es so richtig toll sein für Kinder, malte ich mir aus. Und Martha Schlinkert unterstützte mich mit ihren blumigen Schilderungen dabei nach Kräften.

Jahrzehnte später fuhr ich dann tatsächlich mal nach Bigge-Olsberg. Nichts gegen Bigge. Oder Olsberg. Denn es heißt nicht mal mehr Bigge-Olsberg, sondern Olsberg und Olsberg-Bigge. Und die Romantik der Bummi-Bücher? Sagen wir’s mal so: Magisch war jetzt nicht direkt der Begriff, der mir zu den beiden Orten einfiel.

Gelungen.

Dienstag, 14 August 2007

Da fällt mir ein Stein vom Herzen. Der erste Tag in der Ganztagsgrundschule hat Junior ganz ausgezeichnet gefallen. Er war restlos begeistert. Als mein Mann ihn abholen wollte, hockte er quietschvergnügt mit einer Horde Kinder auf dem Schulhof und malte mit Straßenmalkreide. Noch habe er keinen neuen Freund gefunden, sagt er, aber es seien viele nette Kinder dabei. Klingt vielversprechend. Und das chronisch schlechte Gewissen einer berufstätigen Mutter beruhigt sich ein wenig.

Der kleine Schlingel hat der Hausaufgabenbetreuung die Hälfte der Hausaufgaben verschwiegen, damit er früher spielen gehen kann. Dafür durfte er die Aufgaben dann gestern Abend zu Hause noch nachholen - statt der erlaubten 15 Minuten Fernsehen abends. Das passiert ihm sicher nicht nochmal.

Das frühe Aufstehen macht ihm offenbar auch zu schaffen. Er geht klaglos um 19 Uhr ins Bett und schläft auch sofort ein. Gestern wachte er gegen 23 Uhr auf und hatte Durst. Als ich den Wasserbecher brachte, riss er die Augen auf und fragte entsetzt: “Ist denn schon wieder Morgen, Mama?” Mein Sohn. Denn ich leide auch wie ein Hund unter dem täglichen Weckerklingeln um 6.30 Uhr. Das ist definitiv nicht meine Zeit. Da kann ich kaum meinen eigenen Namen richtig aussprechen. 13 Jahre Schule haben daran nichts ändern können. Um 6.50 Uhr fuhr mein Bus. Der Fahrer kannte mich schon: “Wir müssen noch auf das kleine Mädchen mit der roten Mütze warten”, sagte er. Und dann kam ich auch schon den Berg geflitzt. Gottlob musste ich nie vor 10 Uhr arbeiten, jahrelang sogar erst ab 12 oder 13 Uhr. Dafür laufe ich gegen Abend zur Höchstform auf. Und nun die nächsten Jahre immer um 6.30 Uhr aufstehen. Womöglich 12 lange Jahre, bis der Junge Abitur hat. Ich darf gar nicht dran denken. Und dabei habe ich heute nicht mal mehr eine rote Mütze.

Gespannt.

Montag, 13 August 2007

Heute geht Junior zum ersten Mal in die Ganztagsbetreuung seiner Grundschule. Er war nicht wirklich begeistert heute Morgen bei der Aussicht, erst um 16 Uhr abgeholt zu werden. Ich bin gespannt, wie es ihm gefällt.

Er hat heute vier Stunden, ganz normal. Danach wird er von der Betreuerin in der Klasse abgeholt. Erst wird ein wenig getobt, dann gibt’s Mittagessen. Da hatten wir schon den ersten Problemfall: Spinat mit Rührei steht auf dem Speiseplan. Spinat vermutlich mit Sahne. Rührei auf jeden Fall mit Milch. Also habe ich gestern noch hurtig Schnitzel gebraten. Davon hat er eins in seiner Tasche, das können sie ihm dann rasch warm machen. Keine Ahnung wie, denn eine Mikrowelle gibt es nicht. Sollte der Spinat wider Erwarten ohne Blubb sein, kann er den essen, ansonsten bekommt er eben nur Kartoffeln dazu.

Nach dem Mittagessen wird er zur Hausaufgabenbetreuung geschickt. Anschließend ist Toben angesagt. Das wird ihm sicher gefallen. Nachmittagsangebote gibt es erst in 2 Wochen, nachdem sich die Kinder eingewöhnt haben. Fußball, Werken, Tanzen, Musik, Turnen, Theater etc. wird wohl angeboten. Mal sehen, für was er sich alles anmeldet.

Mir ist ein wenig mulmig zumute. Ob das alles gut geht? Er muss nur jede zweite Woche, wenn ich arbeite, in die Betreuung. Ansonsten kommt er ganz normal nach Hause. Wird schon. Zumal er gerade wieder so einen Riesenschritt in Richtung Selbständigkeit macht. Heute Morgen wollte ich noch mitgehen über die vielbefahrene Straße. Wie ein Rohrspatz hat er geschimpft: “Hau ab! Geh nach Hause, du Peinliche!”

Abgebrochen.

Sonntag, 12 August 2007

Nichts war’s mit einem einsamen Wochenende zwischen Badewanne, Sofa und Terrasse. Kurz nach Mitternacht standen meine beiden Männer auf der Matte. Genervt der eine, heulend der andere. Sie waren zum Übernachtungswochenende mit lauter anderen Kindern. Junior lag schon im Schlafsack, da bekam er Bauchkrämpfe, rannte raus und übergab sich. R. ist dann mit ihm heimgefahren. Die Bauchkrämpfe gingen weiter, auch heute Morgen noch. Die Nacht war entsprechend entspannend. Vor 3 Uhr bin ich nicht eingeschlafen. Im Schlaf - er durfte wie immer, wenn er krank ist, bei uns nächtigen - trat der Knirps heftig um sich, warf sich hin und her. Der reinste Brummkreisel. Um 8 Uhr wachte Junior dann wieder heulend auf. Mit Chamomilla-Kügelchen hat sich die Lage nun wieder beruhigt. Mal sehen, wie’s heute Nachmittag ist.

Junior war kreuzunglücklich. Seit Wochen schon hatte er sich auf dieses Wochenende gefreut. Auch sein großer Freund (fast 10), mit dem er sehr viel spielt, war dabei. Sie hatten ihre Isomatten nebeneinander gelegt, den ganzen Nachmittag getobt. Die Nachtwanderung sei auch spannend gewesen, berichtete der Kleine schluchzend.

Ich schätze, Junior hatte mal wieder Pech mit seiner Lactoseintoleranz. Er hat zwei riesige Bratwürste vertilgt. Und die müssen wohl Lactose enthalten haben. Das tun die meisten Würste, meist verträgt er auch eine normale Bratwurst. Aber eben nur eine. Nicht zwei riesige. Das war wohl zuviel. Und so musste er sein Abenteuerwochenende abbrechen. Heute Morgen ist der Kleine mit hängendem Kopf wieder losgedüst, um wenigstens das Tagesprogramm noch mitzumachen. Aber er macht sich Sorgen, dass die anderen Kinder ihn auslachen, weil er nachts heim musste.

Man könnte sich fragen, warum R. sich nicht die Zutatenliste der Bratwürste angesehen hat (waren eingeschweißt) oder warum R. ihm die zweite Wurst nicht ausgeredet hat. Könnte man fragen. Und sich tierisch ärgern. Aber was hilft es.

Ich habe ein ausgiebiges Bad genommen, futtere jetzt leckere Johannisbeeren aus unserem eigenen Garten (okay, jetzt aus der Kühltruhe, aber gepflückt habe ich sie vor ein paar Wochen selbst) und setze mich in wenigen Augenblicken mit meinem neuen Pia-Koritki-Krimi auf die Terrasse. In knapp eineinhalb Stunden sind die Kerle wieder da. Wenigstens diese Zeit will ich noch nutzen.

Aufatmen.

Samstag, 11 August 2007

Puh. Die Zeit des Darbens ist vorüber. Ich stell die Bionade Ingwer-Orange kalt, mach die beste Mucke an und freu mir ein Loch in den Bauch: Die Putzfee ist wieder gesund!

Ohne sie sind wir völlig aufgeschmissen. Also, vor allem ich bin völlig aufgeschmissen. Denn aus unerfindlichen Gründen ist es geschehen, dass mir der Schwarze Peter in Sachen Haushalt zugeschustert wurde. Ein Überbleibsel aus Zeiten, als ich 100 % Hausfrau und Mutter war. Seitdem bin ich verantwortlich für alles. Wenn ich keine Liste mit zu erledigenden Aufgaben schreibe, beteiligt sich der gnädige Herr an kaum etwas. Drum habe ich vor gut einem Jahr darauf bestanden, Hilfe zu bekommen. Hilfe, die drei Stunden pro Woche das Gröbste an Hausarbeit erledigt. Für die Feinheiten wie Fensterputzen oder Bügeln vereinbaren wir gelegentlich Sondertermine.

Und ich genieße es. Auch wenn’s dekadent ist. Auch wenn ich nie eine Putzfee haben wollte. Seit ich immer abwechselnd eine Woche voll und eine Woche gar nicht arbeite, habe ich nur noch das Nötigste geschafft. Und auch das nur, indem ich bis spät abends gewühlt habe. Ich war ständig kaputt, überfordert, fertig. Und jetzt? Ich liebe es, nach der Arbeit in ein sauberes Haus zu kommen. Ich fühle mich sauwohl dabei, in meiner freien Woche mehr Zeit mit meinem Kind statt mit meinem Putzeimer zu verbringen.

Letzten Donnerstag rief die Fee an. Sie hatte sich den Knöchel verletzt, fürchtete, er sei gebrochen. Vorhin Entwarnung: Es war nur eine Bänderzerrung. Es geht ihr schon wieder viel besser. Am Montag kommt sie. Eigentlich ist das unser Extra-Termin zum Bügeln nach dem Urlaub. Denn diesen Wäscheberg wollte ich nicht allein abarbeiten. Nun will sie übermorgen länger bleiben und beides erledigen. Ich hatte schon Sorge, ich müsste mein freies Wochenende mit Putzen und Bügeln verbringen. Jetzt werde ich stattdessen ganz gemütlich meine 24 Orchideen versorgen, das Nötigste für den Wochenanfang bügeln - und mich dann für den Rest des Wochenendes mit einem Buch in die Badewanne, aufs Sofa und/oder auf die Terrasse setzen. Herrlich. Denn ganz nebenbei sind meine Männer gemeinsam entschwunden bis Sonntagnachmittag. Himmlische Ruhe. Auch wenn ich mir vorhin meinen linken dicken Zeh unter der vorderen Ecke der Haustür zerfetzt habe (blutete fürchterlich und schmerzt höllisch!), auch wenn ich mich mit Migräne herumplage - ich werde es genießen!

Die Fee gebe ich nie wieder her. Wenn sie krank ist, ist das schlimmer, als wenn Waschmaschine und Spülmaschine gleichzeitig den Geist aufgeben. Sie ist jeden Cent wert, den wir ihr zahlen. Denn für mich bringt sie vor allem eines: Das Gefühl, noch tausend Dinge erledigen zu müssen, sitzt mir nicht mehr so im Nacken. Und das ist mit Gold gar nicht aufzuwiegen.

Männer.

Freitag, 10 August 2007

Männer sind irgendwie seltsam gestrickt. Meiner zumindest.

Aktuelles Beispiel: die Sache mit meinem klappernden Fahnenmast. Seit Wochen beschwert sich eine Nachbarin immer mal wieder, dass mein etwa acht Meter hoher Fahnenmast bei Wind laute Geräusche macht. Er klappert. Die Schnüre klatschen mit einem lauten “Ping” regelmäßig gegen den Masten. Das klingt dann so: “Ping ping ping ping ping ping ping ping.” Nervig. Das gebe ich zu. Extrem nervig, wenn dieser Fahnenmast dann noch direkt vorm Schlafzimmerfenster der Nachbarin steht. Das sehe ich ein.

Also bat ich meinen Mann, Abhilfe zu schaffen. Er drehte den Masten. Ergebnis: Es klapperte. Er zog die Schnüre ganz stramm. Es klapperte. Er ließ die Schnüre ganz locker schwingen. Es klapperte. Er band die Schnüre zusammen. Es klapperte. Er hisste die Schalke-Fahne und hängte sie dabei an beiden Schnüren gleichzeitig ein. Es klapperte.

Er grübelte und grübelte, dachte sich die dollsten Maßnahmen aus. Es klapperte. Ich sagte: “Ruf doch mal den Lieferanten an, der muss es doch wissen.” Er rief nicht an. Es klapperte. Er probierte noch dies und das aus. Es klapperte.

Heute hatte ich die Nase voll. Ich rief den Lieferanten an. Der kannte das Problem bestens: “Ja, das hören wir häufiger, wenn die Masten nicht in reinen Gewerbegebieten stehen.” Die Lösung kannte er nicht minder gut: “Spannen Sie die Schnüre. Nehmen Sie ein sieben Zentimeter langes Stück Holz und stecken es gleich oberhalb der Halterung zwischen Mast und Schnüre.” Im Brennholzschuppen fand ich ein Brett, sägte es mit dem Fuchsschwanz auf sieben Zentimeter zurecht, steckte es wie vorgeschlagen zwischen Mast und Schnüre. Seitdem ist Stille.

Das hätten wir schon vor Wochen haben können. Aber das war dem Herrn viel zu blöd. 

Und es kam schlimmer.

Freitag, 10 August 2007

Von wegen November-Depression. Heute Morgen im Baumarkt. Wir waren auf der Suche nach einem brauchbaren Grillbesteck für den Wohnwagen. Die Erfahrung lehrt, dass man die meisten Dinge des täglichen Gebrauchs als Camper doppelt braucht. Denn sonst fehlen sie entweder im Haus oder im Wohnwagen, wenn sie am dringendsten benötigt werden. Also: Ein Grillbesteck muss her. Denn Camping ohne Grillen ist undenkbar. Und Grillen ohne Grillbesteck fast unmöglich.

Nach längerer Odyssee durch den geräumigen Baumarkt landeten wir an der Information. “Grillbesteck? Das Grillzeug haben wir alles schon eingelagert. Da kommen jetzt die Öfen hin. Wir bereiten uns auf den Winter vor”, verkündete der Baumarkt-Mitarbeiter todernst. Winter? Öfen? Hallo? Es ist August! Jetzt sollte Hochsommer sein! Ich will draußen im Garten sitzen und die lauen Abende genießen. Ich will grillen! Meinetwegen auch Gemüse. Aber ich will eins ganz sicher nicht: dass sich irgendwer schon auf den Winter vorbereitet.

Gestern bei Hertie gab’s 70 Prozent Rabatt auf alle mit einem grünen Kreuz gekennzeichneten Sommer-Kinderklamotten. Eine Wohltat für mein gebeuteltes Portemonnaie (ich weiß, die Rechtschreibreform will mir eine andere Schreibweise aufzwingen, aber bei Portmonee oder so ähnlich bekomme ich einen Würgereflex!). Denn ich glaube tapfer und unverändert an eine Rückkehr des Sommers. Noch ein paar Tage aushalten - und schon wird’s warm. Heiß. Sonnig. Wunderschön. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Das galt auch beim Thema Grillbesteck. Aus einer Kiste zauberte ein mitfühlender Baumarkt-Mitarbeiter ein schickes Grillbesteck für akzeptable 6.99 Euro hervor. Geht doch. Und das mit dem Wetter bekommen wir auch noch hin.

November.

Donnerstag, 9 August 2007

Noch so ein Tag - und ich nehme mir meine November-Depression schon im August. Es schüttet den ganzen lieben langen Tag wie aus Eimern. Gerade tobt mal wieder ein heftiges Gewitter. Wahre Sturzbäche prasseln seit über einer Stunde auf die ohnehin schon aufgeweichte Erde. Beim letzten Guss dieser Art war die halbe Stadt unter Wasser. Wenn da so weiter geht, gibt’s gleich wieder Alarm. Wenigstens steht unser Schutzschild noch - mein Mann hat an der Stelle, an der unsere Straße an unserem Grundstück einen Knick macht, ein großes Brett aufgestellt und mit Eisenstangen fixiert. Sonst schießt das Wasser den Berg herunter und dann am Knick geradewegs in unsere Einfahrt hinein, am Haus vorbei und vor die Einliegerwohnung. Letztes Mal war’s haarscharf, das Wasser stand kurz unterm Hausstein der Souterrainwohnung. Nicht schön sowas. Dank Brett werden die Wassermassen nun abgelenkt und bleiben hoffentlich auf der Straße. Ich habe keine Lust, schon wieder den Rindenmulch der halben Nachbarschaft vom Pflaster zu kratzen.

Aber ich schweife ab. Es ist nicht nur nass. Es ist auch durch und durch neblig, grau. Man kann kaum bis zum Nachbarn sehen. Widerliches Wetter. Wie im fiesesten November. Und es sieht nicht aus, als würde es jemals wieder besser werden. Mitten im August sitze ich um 20 Uhr bei Licht im Wohnzimmer. Unfassbar. Hey, es ist Sommer! Ich sollte auf meiner Terrasse sitzen und den Abend genießen! Stattdessen sorge ich mich um meine Blumen, deren Töpfe randvoll mit Wasser sind. Ich hätte Schwimmpflanzen kaufen sollen. Die hätten diesen Sommer eine echte Chance gehabt.

Junior hat seinen dritten Schultag hervorragend verkraftet. Nach einer kleinen Kuschelrunde nach dem Mittagessen - er hatte einen Bärenhunger und hat eine Riesenportion Spaghetti mit Hackfleischsoße (nein, nicht Bolognese, sondern mit extra viel Gemüse drin) verputzt - hat er seine Hausaufgaben binnen 2,5 Minuten erledigt. Er sollte Dinge bis 10 zählen, die Dinge dann der jeweiligen Zahl zuordnen. Babykram, sagt er. Danach haben wir gemeinsam gelesen, Gesellschaftsspiele gemacht, Kuchenreste vom Einschulungstag gefuttert und noch mehr gespielt. Zu seinen Freunden konnte er bei dem grässlichen Wetter nicht gehen. Also war ich mal wieder angesagt. Ich habe es genossen. Bin zwar zu nichts gekommen, nicht mal zum Bügeln, aber es war ein schöner, kuscheliger Nachmittag. Wir haben sogar kurz damit geliebäugelt, den Specksteinofen anzumachen. Aber es haperte am Holz, das hätte ich erst in der Holzhütte im Garten holen müssen. Wer will das schon bei dem Mistwetter? Ich jedenfalls nicht. Außerdem fühlt es sich seltsam an, im August den Specksteinofen in Betrieb zu nehmen.

Eins wundert mich wirklich: Auch heute ist er völlig überraschend klaglos um 19 Uhr nach oben marschiert. Das Projekt Schule scheint ihn zu schaffen.

Start.

Mittwoch, 8 August 2007

Gestern war Juniors erster Schultag. Ein wunderschöner Tag. Über die Schultüte hat er sich riesig gefreut: blau, mit rotem Krepppapier oben, ein Fußballer im Deutschland-Trikot drauf, außerdem kleine, mit einer Minilichterkette beleuchteten Fußbälle. Damit war er der King of Currywurst. Er hat gestrahlt bis hinter die Ohren. Und der Inhalt hat ihn offenbar auch schwer beeindruckt. Vor allem sein Schalke-Mitgliedsausweis war der Knaller.

In der Schule hat’s ihm auch gefallen. Er sitzt neben zwei Freunden, das war schon die halbe Miete. Gestern hatten sie nur eine Stunde. Danach gab’s noch einen Fototermin. Wir haben mit Oma sowie Oma & Opa gegrillt und noch Kaffee getrunken. Danach hat Junior nur noch ein wenig mit dem Inhalt seiner Schultüte gespielt - und ist um 19 Uhr völlig platt ins Bett gefallen.

Heute hatte er drei Stunden. Die schönen Zeiten des Ausschlafens sind Geschichte. um 6.30 Uhr klingelt künftig jeden Morgen der Wecker. Um 8.15 Uhr beginnt die erste Stunde. Zu Fuß braucht er knapp zehn Minuten bis zur Schule. Der Weg ist ganz gut allein zu bewältigen. Nur eine viel befahrene Straße muss er überqueren, dann geht’s noch eine ruhige Wohnstraße durch bis zur Schule.

Heute Morgen habe ich Junior wie von der Lehrerin gewünscht auf dem Schulweg begleitet. Das sollen wir mindestens eine Woche lang tun. Junior war’s unangenehm. 4 Jungs (2 Erstklässler jeweils mit älterem Bruder) aus der Nachbarschaft liefen hinter uns in Richtung Schule. Er hat sich geniert, dass er mit Mama gehen musste. Nach wenigen Schritten zog er seine Hand weg und erklärte: “Mama, ich bin jetzt kein Händchenkind mehr. Und du musst dir merken, dass du keine Babybetreuerin mehr bist.” Nun weiß ich’s.

Auf dem Heimweg nach der dritten Stunde strahlte er begeistert: “Ist schön in der Schule. Ich hatte es mir schwerer vorgestellt.” Heute hatten sie zum ersten Mal Rechnen. Sie sollten Dinge zählen. Maximal drei Dinge. Und das meinem Sohn, der locker 165 plus 112 im Kopf rechnet. Das erste Wort haben sie auch schon gelernt: Umi, so heißt der Bär im Lesebuch.

Nach dem Mittagessen entschwand er eilig in sein Zimmer - mit den Worten: “Ich mach jetzt meine Hausaufgaben. Also seid schön leise solange!” Jawohl. Hoffentlich behält er den Elan. Morgen hat er zum ersten Mal fünf Stunden. Ganz schön lange für so einen kleinen Knopf…