Puh. Die Zeit des Darbens ist vorüber. Ich stell die Bionade Ingwer-Orange kalt, mach die beste Mucke an und freu mir ein Loch in den Bauch: Die Putzfee ist wieder gesund!
Ohne sie sind wir völlig aufgeschmissen. Also, vor allem ich bin völlig aufgeschmissen. Denn aus unerfindlichen Gründen ist es geschehen, dass mir der Schwarze Peter in Sachen Haushalt zugeschustert wurde. Ein Überbleibsel aus Zeiten, als ich 100 % Hausfrau und Mutter war. Seitdem bin ich verantwortlich für alles. Wenn ich keine Liste mit zu erledigenden Aufgaben schreibe, beteiligt sich der gnädige Herr an kaum etwas. Drum habe ich vor gut einem Jahr darauf bestanden, Hilfe zu bekommen. Hilfe, die drei Stunden pro Woche das Gröbste an Hausarbeit erledigt. Für die Feinheiten wie Fensterputzen oder Bügeln vereinbaren wir gelegentlich Sondertermine.
Und ich genieße es. Auch wenn’s dekadent ist. Auch wenn ich nie eine Putzfee haben wollte. Seit ich immer abwechselnd eine Woche voll und eine Woche gar nicht arbeite, habe ich nur noch das Nötigste geschafft. Und auch das nur, indem ich bis spät abends gewühlt habe. Ich war ständig kaputt, überfordert, fertig. Und jetzt? Ich liebe es, nach der Arbeit in ein sauberes Haus zu kommen. Ich fühle mich sauwohl dabei, in meiner freien Woche mehr Zeit mit meinem Kind statt mit meinem Putzeimer zu verbringen.
Letzten Donnerstag rief die Fee an. Sie hatte sich den Knöchel verletzt, fürchtete, er sei gebrochen. Vorhin Entwarnung: Es war nur eine Bänderzerrung. Es geht ihr schon wieder viel besser. Am Montag kommt sie. Eigentlich ist das unser Extra-Termin zum Bügeln nach dem Urlaub. Denn diesen Wäscheberg wollte ich nicht allein abarbeiten. Nun will sie übermorgen länger bleiben und beides erledigen. Ich hatte schon Sorge, ich müsste mein freies Wochenende mit Putzen und Bügeln verbringen. Jetzt werde ich stattdessen ganz gemütlich meine 24 Orchideen versorgen, das Nötigste für den Wochenanfang bügeln - und mich dann für den Rest des Wochenendes mit einem Buch in die Badewanne, aufs Sofa und/oder auf die Terrasse setzen. Herrlich. Denn ganz nebenbei sind meine Männer gemeinsam entschwunden bis Sonntagnachmittag. Himmlische Ruhe. Auch wenn ich mir vorhin meinen linken dicken Zeh unter der vorderen Ecke der Haustür zerfetzt habe (blutete fürchterlich und schmerzt höllisch!), auch wenn ich mich mit Migräne herumplage - ich werde es genießen!
Die Fee gebe ich nie wieder her. Wenn sie krank ist, ist das schlimmer, als wenn Waschmaschine und Spülmaschine gleichzeitig den Geist aufgeben. Sie ist jeden Cent wert, den wir ihr zahlen. Denn für mich bringt sie vor allem eines: Das Gefühl, noch tausend Dinge erledigen zu müssen, sitzt mir nicht mehr so im Nacken. Und das ist mit Gold gar nicht aufzuwiegen.