Überschwemmt.
Regen, Regen, Regen. Tagelang. Wahre Flutmassen. Der klitzekleine Bach, an dem Junior im Sommer immer so gern Dämme baut, hat die halbe Böschung weggerissen. Die Talsperre ist fast randvoll, packt die hereinströmenden Wassermassen aus den Bergbächen kaum noch. Der Bach abwärts ins Tal sprudelt wie Wildwasser, weicht in Gärten und Keller aus. Die Ruhr, die hier eigentlich noch schmal und flach ist, hat Rekordpegelstände überschritten. Unter den Brücken sind noch wenige Zentimeter Luft. Noch nie in all den Jahren, in denen ich hier schon lebe, habe ich das gesehen. Die Ruhr-Auen sind die reinsten Seenplatten. Und immer noch finden sich Idioten, die das oberwitzig finden, mit einem Kanu in den reißenden Fluten zu paddeln. Die Feuerwehr fischte zwei Deppen- 15 und 20 Jahre alt - gestern aus der Ruhr. Ich hoffe, sie müssen für den Einsatz bar bezahlen.
Juniors Patentante und ihre Familie kämpft gegen Wassereinbrüche im Keller. Es spritzt einfach durch die Bodenplatte. Drei Pumpen werden der Fluten nicht Herr. Sie schaffen es gerade mal, den Pegel auf Kniehöhe zu halten. In jedem Kellerraum. Aber das Untergeschoss ist sowieso seit Wochen leer. Die fünfte Regenflut in diesem Jahr, die ins Haus drückt. Die Panik, die Ratlosigkeit und die Wut kann ich gut verstehen.
Wir haben bisher Glück. Wir leben auf dem Berg. Unser Haus ist neu gebaut, die Bodenplatte dick. Der Abwasserkanal führt steil abwärts ins Tal, Rückstau nahezu ausgeschlossen. Nur der kleine Knick, den die Straße an unserer Einfahrt macht, ist etwas knifflig. Kommt ein Sturzbach hernieder, dann schießt das Wasser die Straße runter - und knallt an dem kleinen Knick weiter geradeaus in unsere Einfahrt, am Haus vorbei unten vor die Haustür der Einliegerwohnung. Vorletztes Mal war’s schon knapp, nur noch ein wenig mehr Wasser - und es wäre ins Kellergeschoss gelaufen. Aber so lag der Rindenmulch der halben Nachbarschaft unter unserem Haus. Seit Wochen steht da ein Schalungsbrett, um die Fluten umzuleiten. Klappt gut. Wir werden da wohl ein Mäuerchen bauen müssen. Steine sind schon da, am Samstag wird’s werden. Falls es nicht gießt wie aus Eimern. Sandsäcke sind übrigens ausverkauft. Wen wundert’s.
Was Orkan Kyrill am 18. Januar noch übrig ließ, erledigt jetzt die Sintflut. Der Boden ist durch den Dauerregen - teilweise 95 Liter pro Quadratmeter binnen kürzester Zeit - so aufgeweicht, dass die von Kyrill gelockerten Bäume nun auch noch umkippen. Überall sind Straßen überschwemmt, unterspült, gesperrt. Morgen wollen wir zur Verwandtschaft, müssen riesige Umwege fahren, weil das Hauptüberschwemmungsgebiet mitten im Weg liegt.
Wenigstens soll das Wochenende schön werden. Wir sind eingeladen zu einer Gartenparty. Ohne Gummistiefel. Ohne Schwimmflügelchen. Hoffentlich.