Vorfreude.

Nun ist sie raus. Eine riesige Füllung. Links oben. Und weh tut’s auch schon. Seit Tagen ist an der Stelle das Zahnfleisch wund, war vermutlich schon leicht verrutscht, die blöde Füllung. Ich sitze hier wie ein hypnotisiertes Kaninchen und starre das Telefon an. Ich sollte den Zahnarzt anrufen. Termin vereinbaren. Möglichst heute noch. Sofort sozusagen. Mein innerer Hasenfuß weigert sich. Vielleicht geht’s ja so. Ohne Füllung. Die Schmerzen sind schon ein wenig schwächer geworden. Genau genommen tut’s kaum noch weh.

Beim Zahnarzt sitze ich immer wie ein Häuflein Elend im Wartezimmer. Aber nur kurz. Die Termine beim Dentisten meines Vertrauens sind geschickt verteilt. Da bleibt kaum Zeit, sich richtig in der Angst zu suhlen. Dann packen sie die Delinquenten in den Stuhl des Grauens, binden ihnen Lätzchen um - und lassen sie allein. Da hocke ich dann, innerlich - und leider manchmal auch äußerlich - zitternd. Blanke Panik. Tausend Gedanken schwirren durch mein gequältes Hirn. Gedanken, die alle nur ein Ziel haben: Wie komme ich hier raus? Sofort? Jetzt? Vor der Behandlung? Einen Anruf vortäuschen? Übelkeit? Einen extrem heftigen Husten? Einen plötzlichen Ausbruch von Magen-Darm-Virus? Einen wichtigen dienstlichen Termin?

Meist fällt mir nichts wirklich Überzeugendes ein. Und ehe ich schnöde ohne Ausrede flüchte, ist der Zahnarzt auch schon da. Der Mann hat einen entscheidenden Vorteil: Der ist selbst ein Angsthase. Der versteht mich. Der fragt nicht lang rum, der erzählt mir keinen vom Pferd. Der sagt, wenn’s weh tun wird, nur kurz, dass es wohl besser ist, wenn er mir eine Spritze verpasst. Und wenn er keine Spritze anbietet, kann ich sicher sein, dass es wirklich nicht weh tut. Also eigentlich gibt es keinen echten Grund für meine enorme Panik. Was mich aber bislang nicht weiter beeindrucken konnte.

So. Nun habe ich den Anruf lange genug vor mir hergeschoben. Ehrlich gesagt, schmerzt der Zahn lausig. Ich muss wohl hin…


Hinterlasse eine Nachricht