Gejammer.

Sonntagsdienst an sich ist schon nicht wirklich das Schönste am Wochenende. Doch heute habe ich verschärfte Haftbedingungen. Rund ums Haus tobt eine Kirmes. Mit einer Lautstärke, dass ich schon mehrfach das Telefon nicht gehört habe. Was blöd ist, wenn man auf Anrufe wartet. Ob das Fenster geschlossen ist oder nicht, macht keinen großen Unterschied. Dann lieber im Krach ab und an ein wenig frische Luft einsaugen.

Die Wolke, die zum Fenster hereinweht, ist auch nicht von schlechten Eltern. Da mischt sich der Duft gebrannter Mandeln mit einer würzigen Knoblauchnote und einem Hauch fettiger, angekokelter Wurst. Man gewöhnt sich nicht wirklich dran. 

Der Tag war schon mies drauf, bevor er richtig begonnen hatte. Um 3.50 Uhr eine Meldung: Feuer in Wohnhaus. Ganz schlecht um diese Zeit. Kein Mitarbeiter erreichbar. Also hurtig in alte Klamotten gehüpft, und ab ging’s. Gehört zu den Dingen, die man in den ersten Tagen lernt: Gehe niemals mit noch brauchbarer Kleidung zu einem Brand - die Kluft wird auf ewig nach Rauch riechen.

5 Uhr wieder im Bettchen. An Schlaf war nicht zu denken. Also eine Stunde Krimi gelesen. Dann klappten die Klicker doch wieder zu. 7.30 Uhr ging der Wecker. Wegen besagter Kirmes wollte ich schon früher ins Büro und knifflige Vorarbeiten leisten, bevor das Gerummel startete. Diesen Plan fasste ich, bevor die Alarmmeldung kam. Leider hatte ich mich zwar umentschieden, dem Wecker aber keine neue Anweisung gegeben.

7.30 Uhr also. Wieder wach. Rasch unter die Dusche, kurz frühstücken - und los. Theoretisch hätte ich den Kleinkram locker vor Kirmesbeginn geschafft. Praktisch leider nicht. Irgendwie scheint sonntags jeder zu glauben, ich sei die Kummerkastentante. Ellenlange Gespräche. Zum Ausgleich komme ich kaum voran.

Es gibt so schöne Beruf. Meiner zählt heute nicht dazu. Sonst schon. Aber heute halt nicht.


Hinterlasse eine Nachricht